Kreativität wie vom Fass — Durch die Probleme anderer

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Selbst, wenn du dich nicht zu den „Kreativen“ zählen würdest, so kommst du ohne Kreativität nicht aus. Im Alltag ist Kreativität fast noch wichtiger als bei so genannten „kreativen Aufgaben“. Oder Berufen. Bist du nicht kreativ, bist du erledigt. Das ist bestenfalls wie die Rolltreppe hinunter zu gehen, während diese eigentlich hinauf geht.

Genau, bei Kreativität geht es ums hinauf gehen. Denn ginge dies von selbst, wozu sollst du dann noch kreativ sein? Kreativität bedeutet „sich was einfallen lassen“, „auf die Idee kommen“, um die beste Lösung für ein Problem zu finden.

 

Neue Einflüsse

Das Wort „Einfluss“ kannst du wörtlich nehmen. Es fließt etwas ein bei dir. Denn bevor du versuchst, dich zu überheben, aufzugeben oder dir krampfhaft was aus den Fingern zu saugen, brauchst du fremden Einfluss. Ja, fremd. Nichts von dir.

Wie ein Whisky durch das lagern in einem Fass bestimmter Herkunft oder das Vermischen verschiedener Jahrgänge (Multi Vintage Cuvee) seinen Charakter ändert, so ändert oder verlagert sich dein Problem. Dieses Verlagern ist ja Sinn und Zweck, denn schon die geringste Veränderung kann ein Problem selbst zur Lösung machen.

Im eigenen Saft zu gären ist in dem Fall nicht gut. Es ist Einöde in Form von verschwendeter Energie und Zeit. Und von woanders eine Idee 1:1 zu übernehmen klappt auch nicht, da deine Situation viel zu speziell, also einzigartig ist. Beide Extreme bringen dir nicht den benötigten magischen Einfluss, das magische Lösungsmittel.

Die Magie liegt im Mischen eben genannter Extreme. Denn nur beim Mischen fließt gerade etwas ein.

 

Wie soll das Mischen funktionieren?

Finde jemanden, dessen Problem du gern hättest. (Dazu gleich mehr.) Und dann versuche dieses mit deinem eigenen Problem zu vermählen, zu verheiraten. Ich garantiere dir, du wirst schockiert sein, wie kreativ du dadurch wirst.

Was für jemanden nur ärgerlich, lästig oder eben problematisch ist, das wäre für dich schon oft die Lösung. Oder äußerst hilfreich. Oder inspirierend. Das fremde Problem vermischt sich mit deinem eigenen. Dadurch verlagert es sich und formiert sich neu, ganz so als ob es jetzt seine positiven Seiten dir gegenüber öffnet. Das heißt, du erkennst plötzlich Potential und Möglichkeiten, die du ohne „dazu schütten“ dieses Fremd-Problems so gar nicht erkannt hättest.

 

Wie findest du jemanden, der genau das richtige Problem hat?

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Überlege dir, bei wem in aller Welt es so richtig super läuft. Am besten bei einem bekannten Blogger oder jemanden, der eine starke Online-Präsenz hat. Denn dort findest du die meisten Infos, Beschwerden, Lobpreisungen und Wut-Kommentare.

Finde eine Person, die polarisiert, also nicht nur Fans und Freunde, sondern auch ‚Feinde‘ hat, die regelmäßig ein Ei legt, Kopfschütteln (oder Schmerzen) verursacht und von diversen Ecken aus (zu recht) unter Beschuss steht. Denn das riecht nach ausgereiften Problemen.

Gehe dieser Spur geduldig nach. Mache den Ursprung gewisser Ungereimtheiten aus. Mache es so lange, bis du ein Detail entdeckst, wo du leicht sarkastisch und fast schon neidisch feststellst: „Also dessen Probleme hätte ich auch gern!“ — In dem Moment geschieht nämlich genau dies. Du bekommst sein Problem auf dem Silbertablett serviert. Das heißt, deine Lösung kommt auf seine Kosten. Wunderbar! Und dann weißt du automatisch, was zu tun ist.

Nochmal zurück zum Whisky. Bei mir war es ‚wieder mal Hotte‘. Der hat Probleme, da träumt der Führer von. Einige davon werde ich in meine Produktstrategie mit hinein mixen, wenn es so weit ist. Und wie gesagt, komplett übernehmen tue ich dessen Probleme nicht. Nur ein bisschen einmischen und neu abschmecken.

Um zu erklären, was das für Probleme sind und wie ich sie in mein Vorhaben einbringe, das werde ich mal in einem anderen Beitrag ausführlich erklären. Als ausgefuchster Leser ahnst du vielleicht auch ohne die Details zu kennen, in welche Richtung das ungefähr geht.

Wessen Problem für dich gut ist, das ist deine ganz persönliche Sache. Lass dich dort inspirieren, wo dich deine Interessen und Neugierde hinziehen. Guck ruhig mal über den Tellerand hinaus. Andere Leute haben auch schöne Probleme.

Lass dich inspirieren. Inspiration ist Einfluss. Und eine beeinflusste Sichtweise auf deine/meine Probleme bestimmt, ob es auch tatsächlich ‚Probleme‘ sind oder nicht. Mit der richtigen Einstellung eher nicht.

Kurz: Des einen Problem ist des anderen Lösung. Bei mir ist es „Alkohol“. ;)

Whisky und Knarren, das passt

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Image by Race Bannon

Ein Versicherungsvertreter hat mir neulich erzählt, bei ihm stimme alles. Damit meint er, das Geschäft läuft wie von selbst.

Beispielsweise hat er so ein Ehepaar als gute Kunden. Die rufen zwecks neuer Versicherungen schon von alleine an. Fein, dachte ich. Läuft doch prima.

Ich fragte, was das für Leute sind, die regelmäßig neue Versicherungen abschließen wollen? Ich meine freiwillig und ohne dazu gedrängt zu werden. Er sagte, die werden schon dazu gedrängt. Aber nicht von ihm. Da wurde ich neugierig und hakte nach, von wem diese Familie denn nun gedrängt werde, bei ihm immer neue Versicherungen abzuschließen.

Er sagte, der Bedarf eine Versicherung abzuschließen kommt nicht von außen. Eigentlich ist dieser auch gar nicht vorhanden. Jedenfalls nicht wirklich. Es hat eher mit seiner toleranten Art andersartigen Charakteren (schrägen Typen) gegenüber zu tun.

Im Gegensatz zu den meisten anderen kann er „gewisse Dinge“ nonchalant ertragen. Auch habe er – gerade als Versicherungsagent – keine all zu große Angst vor Gefahren. Gefahren?

Ich dachte zuerst an ruppige Rentner, Gangsterfamilien oder Sex mit Krokodilen und fragte vorsichtig in diese Richtungen. Er meinte nur: „Viel besser!“ Dann rückte er raus, warum das gute und geschätzte Kunden bei ihm sind.

Der Mann, also der eigentliche Kunde, ist ein 69 Jahre alter Rentner (aha!) und ehemaliger Fußbodenleger. Seine Frau ist 32 und manchmal Künstlerin und ferner gelegentliche Kassiererin in einem Markt für Tiernahrung oder solche Sachen.

Dieser Rentner hat eine Sammelleidenschaft für Waffen und ist außerdem in einem Schützenverein. Über diese Mitgliedschaft hat er einen Waffenschein. Die Waffen hängen überall an der Wand.

Seine Frau wiederum hat angefangen, sich für Whisky zu interessieren, weil dieser ihre Kreativität befeuert. Sagt sie. So kennt sie schon alle Marken und Online-Händler. Und ihr Mann hat ihr sogar ein Wandregal gebaut, wo sie jetzt ihre Sammlung hinein stellt. Das heißt, sie sammelt jetzt auch. Whisky natürlich.

Wo ich das hörte, dachte ich: Ja, Whisky und Knarren. Das passt. Aber Alkohol und Versicherungen? Das passt nicht. Da muss noch was kommen. Und da kam noch was. Sprichwörtlich.

 

Die Muse

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Image by Ian Mackay (ianmackay.me.uk)

Die junge Frau, sehr auf ihre kreative Stimulation bedacht, hatte eine Muse. Genauer einen Affen, der im ganzen Haus frei herum lief. Mit Windeln. Ob der männlich oder weiblich war, weiß ich jetzt nicht. Aber spielt das noch eine Rolle?

Und erst an dieser Stelle ergab es für mich einen Sinn. Denn wenn Menschen unter Alkoholeinfluss um sich schießen, zahlt deren Versicherung nicht.

Aber falls der Affe abdrückt, dann drückt die Versicherung wohl ein Auge zu. Das zumindest ist die Story, die sich unser Renter selbst erzählt. Und das weiß auch unser Versicherungsagent.

Da der ältliche Ehemann zwar schon Realist, aber gleichzeitig nur ein Mensch ist, der sehr an sein alten Waffen und seiner jungen Frau hängt, will er sich absichern. Vielleicht nur mental. Und zwar mit teuren Versicherungen. Und die wechseln wie die Launen seiner Frau.

Genau, wie es für diesen Herrn eigentlich nur vier Zutaten für eine mögliche Katastrophe gibt, hier junge Frau, Knarre, Affe, Schnaps. Genauso gibt es da zig verschiedene Variationen, wie eine Katastrophe aussehen könnte. Und das bedeutet ebenso viele Befürchtungen. Und Versicherungsangebote.

Weil der Versicherungsagent dieses Pärchen wie völlig normale Leute behandelt, deren brisanten Lebensstil zu verstehen versucht und darüber hinaus die Story des Kunden bestätigt, vertrauen sie ihm. Auch wenn er denen vielleicht nie die ideale (oder perfekte) Versicherung verkaufen kann.

Mein nächster Gedanke: Zumindest kann er dem Rentner ein sichereres Gefühl verkaufen. Allein das steigert die Lebensqualität enorm. Genau deshalb ist er für mich einer der besten Versicherungsagenten überhaupt.

Bevor ich dem Versicherungsagenten unmoralisches Verhalten vorwerfen konnte, sagte dieser mir offen und ehrlich, dass der Mann genau weiß, dass im von mir beschrieben Schadensfall auch auch keine Versicherung vollständig helfen könne. Diese hilft dem Rentner, dem Ehepaar, nur jetzt, eben so lange noch nichts passiert ist.

Das heißt, der Versicherungsagent verkauft keine Versicherungen. Sondern seine Gegenwart, um dem Pärchen ein Gefühl zu geben, ernst genommen zu werden. Er verkauft dem Kunden seine eigene Story. Und damit Lebensqualität.

Manchmal und manchmal auch öfter geht es nicht um Versicherungen, Autos oder Klopapier. Sondern um ganz andere Dinge. Dinge, die mit dem vordergründigen Produktzweck nichts zu tu haben. Liebt man Menschen, dann tut man alles, damit sie sich wohl fühlen… und dass der Affe die Munition nicht findet.

Seit Keith Richards…

Image by Gerard Van der Leun of American Digest

…ist klar, dass Zombies kein Gehirn fressen. Sondern rauchen müssen.

Seit Quentin Tarantino ist klar, dass Kunstblut für Kunst mit Blut steht.

Seit Zuck Zuckerberg ist klar, dass Freunde untereinander (meist) nicht befreundet sind.

Seit Dick Fuld ist klar, dass ein Bankraub (am besten) von der Bank durchgeführt wird.

Seit Seth Godin ist klar, dass Marketing keine Werbung ist und man dafür besser um Erlaubnis fragt.

Seit Angela Merkel ist klar, dass man keine Mutti sein muss, um Mutti zu sein.

Seit Gerulf Rieger ist klar, dass alle Frauen auf Frauen stehen.

Seit Galileo Galilei ist klar, dass Arnold Schwarzenegger nicht der Terminator ist.

Und seit Malkovich ist klar, dass Malkovich Malkovich ist.

 

 

Alles klar? Klar wie Qualm.

Begriffe schreibt man, genau wie deren auffälligste Eigenschaften, immer bestimmten Personen zu. Einige haben die Begriffe selbst geprägt. Andere bekamen sie wiederum von anderen Personen. Letzteres aber auch nicht ohne Grund.

Spike Jonze hätte Being John Malkovich natürlich nicht ohne John Malkovich machen können. Und John Malkovich wäre ohne Spike Jonze nie zum Kultschaupieler und Kunstobjekt geworden. Und Galileo Galilei in allen Ehren, ohne James Cameron wäre der Begriff „Terminator“ nur ein Fremdwort wie jedes andere. Und ohne Arnie wäre der Terminator nicht der, der er ist. Sondern ’nur‘ Cameron’s Einstand und ein weiterer Science-Fiction-Film mit Lance Henriksen als Cyborg.

Das funktionierendes Marketing nichts mit Werbung zu tun hat, das erfuhr ich erst von Seth*. Obwohl das auch in der Bibel steht.

Wäre jemand wie Angela Merkel nicht die deutsche Bundeskanzlerin, sondern die Regierungschefin eines x-beliebigen, anderen Landes — niemand würde sie „Mutti“ nennen. Dazu ‚braucht‘ sie die Deutschen. Muttis und demzufolge Mütter und Mutterfiguren als solches, sind im deutschen Kollektivbewusstsein mythologische Wesen mit besonderem Einfluss. Die Mutti sieht der Deutsche unbewusst in vielen Dingen: Dem Konzern. Die Behörde. Die Bildung. Den Vorgesetzten. Die Gruppe/den Verein. Den Staat. Das Gesetz, die Regeln, die Bullen.

Mark Zuckerberg hatte vor Facebook nie viele Freunde. Jetzt schon. Und jeder, der in seinem Netzwerk (FB) emsig klickt, anfragt und bestätigt, ebenfalls. Vor FB gab es nur ein paar echte oder ein paar falsche Freunde. Heute gibt es auf FB nur noch Freunde. Falsche gibt es nicht mehr. Es gibt – damit der Kindergarten perfekt ist – die Verunfreundung oder Entfreundung per Mausklick. Das geht dank Zuck Ruck-Zuck.

Wenn jemand deinen Namen kennt oder dein Gesicht erkennt, dann weiß er wohl wie du heißt oder vielleicht noch was du machst oder zu wem du so gehörst. Aber er weiß nicht wirklich, wer du bist. Das Wer kannst du entscheiden…

 

…durch dein Zutun, indem du an der richtigen Stelle zündelst

Du bist relativ schnell jemanden ein Begriff und meist ohne dein Zutun. Privat unter Bekannten oder in der Familie. Aber wenn du ganz bestimmten Leuten ein Begriff sein willst, dann am besten durch deine typischen Eigenheiten. Denn deine Macken und Schrullen sind auf Dauer am einfachsten zu kultivieren. Das ist eh schon all das, was an dir auffällt. Mach, dass es noch mehr auffällt.

Damit bist du deine ideale Zutat selber. Eben so, wie du tatsächlich bist. Oder sein willst. Dabei kannst du nicht dafür bekannt sein, als Gitarrist möglichst alt und verlebt auszusehen. Dazu musst du Mitglied bei The Rolling Stones sein. Die Stones sind die Zutat. Alk, Drogen und Weiber nur die Beilagen.

Und du musst keinen Bankencrash a-la Lehman verursachen, um den Begriff „Bankraub“ neu zu definieren.

Sondern einem bestimmten Detail oder einer Sache, die dir wichtig ist, eine spezielle Bedeutung geben. Oder richtig betonen.

Arnie würde in der Öffentlichkeit sicher anders wahrgenommen, wenn er James Cameron nicht dazu genötigt hätte, ihm anstatt Lance Henriksen die Hauptrolle als Terminator zu geben.

War Arnie einfach nur egoistisch, weil er den armen Lance die Rolle wegschnappte? Nicht wirklich. Henriksen, bereits ein Star, war es zwar nicht völlig egal, ob er den Bösewicht (Termi) oder einen Polizisten spielt. Aber er hat sich auch nicht sehr darum bemüht, der Terminator sein zu wollen, so wie es Arnie tat. Anders ausgedrückt, Arnold Schwarzenegger ist seine eigene Zutat. Er wusste davon und machte davon rigoros Gebrauch. Und schuf somit einen gigantischen Mehrwert für alle Beteiligten.

Manchmal sind es Gelegenheiten, die das Eine zum Anderen führen. Aber darauf sollte man sich nicht verlassen, wie bei einem Glücksspiel. Im Grunde reicht es bei den meisten schon, wenn sie bei dem was sie sowieso schon tun, eine Portion Querdenken mit rein bringen. Was vieles ändern würde. (Wenn man Veränderung will.)

Aber wahrscheinlicher ist, dass du genauso wie ich, dein eigenes Ding durchziehen willst.

In dem Fall gehen Veränderungen langsamer. (Nicht jeder lügt die Filmbosse an wie seiner Zeit der junge Filmjunkie Quentin T., um schnell einen Fuß in die Branche zu kriegen.) Aber wenn du selbst über längere Zeiträume eigentlich nie weg und immer wieder zur Stelle bist, dann festigt sich eine bestimmte Sache, die du vorangetrieben hast.

Diese Sache muss nichts großes sein, wie ein Film. Aber irgendwas, was es (lauf lange Sicht für jemanden) wert ist. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass Querdenken der ultimative Ursprung für jeden Mehrwert ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob du bereits in einer Sache drin steckst oder hinein willst oder – noch besser – selbst kreieren willst.

Was man über dich sagt, ob im Ernst oder im Witz, das kannst du vielleicht nie 100%ig kontrollieren. Womit man dich in Verbindung bringt, kannst du aber maßgeblich mit beeinflussen. Erst recht, wenn du etwas über einen längeren Zeitraum hinweg tust.

Sei kein Experte, sondern nur jemand bestimmten ein Begriff, den man erkennt und mit dir assoziiert. Kurz: Lass deinen Rauch aufsteigen.


 

*Wer ist Seth?

Es ist besser, wenn man ein Vorurteil über dich hegt

Image (CC) by Ian Aberle (ianaberle.com)

Die Art zu denken, die am wenigsten anstrengt ist die in Schubladen zu denken. Daraus resultieren ja erst all die Vorurteile. Sie sind nichts weiter als eingefahrene Denkmuster.

Genau diese Denkmuster machen es in unserer immer verwirrender werdenden Welt nun mal leichter, alles Komplizierte auf möglichst einfache Weise zuzuordnen.

Insbesondere Menschen.

Deshalb kannst auch du mal betroffen sein. Dann aber hoffentlich richtig.

Weißt du was? Am besten fängst du schon mal damit an, dass man auch bald über dich ein Vorurteil hegt. Und mache es denen, die es tun, auch noch möglichst leicht.

Jetzt fragst du dich, warum ich dir dazu rate? Weil du entscheiden kannst, wie man dich sehen soll. Hier zwei völlig unterschiedliche, aber bekannte Beispiele, welche Wirkung das letztendlich haben kann:

 

Im Positiven wie im Negativen

„If you look a little punkish, then they’re going to give you the parts. And if you play an iconic villain early on in your career, you tend to get asked to play one over and over and over again.“ — Malcolm McDowell

Hier noch Mal in fucking sucking weird German:

„Fall du ein bisschen punkig aussiehst, dann werden sie dir die Rollen geben. Und falls du schon frühzeitig in deiner Karriere einen Kult-Bösewicht spielst, geht es darauf hinaus, dass man von dir immer wieder und wieder und wieder verlangt, einen zu spielen.“ — Malcolm McDowell

 

Warum sieht man bestimmte Schauspieler immer in den gleichen Rollen, oder überhaupt nicht — obwohl sie doch weit mehr drauf hätten? Weil es Regisseuren und Produzenten (beides Menschen) in der Regel nun mal schwer fällt, sich Malcolm McDowell als den liebenswerten Kumpeltypen vorzustellen. Oder als sympathisch-bescheidenen Helden, der selbstlos die Menschen um sich herum rettet. Malcolm’s Vorurteil heißt schräger Bösewicht. Oder Alex. Und er verdient ganz gut daran.

Warum war der VW Pheaton trotz – zugegeben – gewisser Qualitäten nie ein kommerzieller Erfolg? Weil man in dieser Preisklasse keinen Volkswagen kauft. Sondern gleich einen Benz oder BMW. Das Vorurteil heißt hier schlicht und ergreifend Volkswagen. Oder Riesen-Passat. Und VW verdient als VW daran nichts. Als Bentley schon. (Selbe Basis.)

 

Vorurteil, Schublade, Ruf, Image — Alles eine Wichse

Also: Da wir nun wissen, das du Vorurteilen kaum entrinnen kannst, ist es besser, du sorgst gleich dafür, dass du mit dem passenden Vorurteil behaftet bist. Oder sagen wir, dich zur richtigen Schublade bekennst für das, was du bist und machst. Eine, in der man dich locker-flockig rein stecken kann. Nennen wir es Ruf oder Vorurteil. (Selbe Basis.)

Aber was ist, wenn du was besonderes bist oder vor hast, das so besonders ist, dass es auf keinen Fall in irgend eine Schublade passt? Ganz einfach. Dann landest du nicht einmal im falschen Film. Sondern in gar keinen. Frag Malcolm:

„The thing is, I’ve never been a handsome leading-man type, so let’s not kid ourselves.“ — Nochmal Malcolm McDowell

Dann findet man ein Vorurteil oder eine Schublade für dich. Wobei genau da die Gefahr besteht, dass es genau deshalb auch noch die falsche sein wird. Dann bist du mit dem falschen Vorurteil behaftet. Für immer und ewig. Vorurteile haften und aus Schubladen kommt man seines Lebens nicht mehr raus. Die Lösung hierfür?

 

Hilf denen, die dich und dein Ding irgendwie einordnen wollen (und sollen).

Wer erzählt dir eigentlich, dass Vorurteile ausschließlich negativ sein müssen? Ich jedenfalls nicht. Und eigentlich auch sonst keiner.

Wenn du nun ein Vorurteil, dass man über dich haben soll, bewusst züchtest…? Was dann? Was passiert dann?

Dann erhöhst du die Wahrscheinlichkeit, dass du genau dort hin kommst, wo du hin willst. Mit anderen Worten, dich steckt man sowieso in eine Schublade. Ob du es willst oder nicht. Also warum dann nicht gleich in die richtige (oder naheliegende oder bestmögliche) Schublade?

Vorurteile sind dazu da, um bestätigt zu werden. Hilf dabei. Mache es leicht, dass man dich in die Schublade stecken kann, die deinem Ziel am nächsten ist. Dann wird aus dem Vorurteil dein Vor…teil.