Monster der Woche

„1966 … ‚Ruk‘ gets zorched!“ (Ted Cassidy, Star Trek). — Image source: James Vaughan

Nein, ich schreibe heute nicht schon wieder über Andrea Sawatzki oder Thomas de Maizière. Sondern darüber, dass die Lösung für ein Problem – obwohl das gern und oft behauptet wird – nicht immer die Lösung ist.

Die meisten Fantasy und Science-Fiction-Serien leben schon Jahrzehnte davon, in ihren wöchentlichen TV-Sows ein neues Monster, einen neuen Wiedersacher zu erfinden, der die Helden herausforderte. Das ist das Monster of the week.

Das war ein einfaches Prinzip, um sowohl Spannung als auch immer wieder „Neues“ für die Stangenware des Fernsehens zu produzieren. Die Handlungsabläufe ähnelten und wiederholten sich – Genre-übergreifend – oft.

Es war und ist in vielen Fällen Effekthascherei, um über dünne Handlungen und niedrige Budgets hinweg zu täuschen. Wirkungsvoll war und ist es trotzdem.

Das Monster der Woche war vergänglich. Denn am Ende einer Folge wurde es oft besiegt oder vertrieben. Damit es nicht langweilig wurde, kam in der folgenden Woche bereits ein neues Monster. Das war ein einfaches Rezept, den Stamm-Zuschauer bei der Stange zu halten, aber vor allem war es praktisch, gelegentlichen Zuschauern einen leichteren Einstig zu bieten.

 

Die Aufgabe des Monsters ist, ein Problem zu schaffen, um dafür die Lösung zu ‚verkaufen‘.

Kunst besteht aus Spannung. (Siehe Hollywood.) Wen jemand im realen Leben, z. B. beruflich, einem Risiko ausgesetzt ist, entsteht eine unfreiwillige, also unangenehme Spannung. Diese will man lösen. Unbedingt. Diese Spannung kann auch ein Drang sein, einen gewissen Nachteil gegenüber anderen aufzuheben. Oder ein Gleichgewicht herzustellen. Ein Monster aber schafft ein Ungleichgewicht dort, wo vorher alles im Lot war. Das ist schließlich seine Aufgabe.

Nicht nur das. Monster sind gewöhnlich auch hässlich und unansehnlich. Genau wie so manches Problem, dass man nicht so direkt in die Augen sehen will.

Und wo alles hässlich ist, da achtet man auf was? Wo sieht man hin? Richtig, man sieht auf das einzig schöne, das vorhanden ist. Selbst dann, wenn es real gar nicht so dolle ist. Beim Beispiel Hollywood ist das die hübsche, junge Frau, die unter vielen kernigen Kerlen, manchmal im Visier des Monsters gerät.

Oder es ist ein technisches Gimmick, worauf der Zuschauer wartet, dass das Monster genau davon eine gewichst bekommt. Oder der Zuschauer ist neugierig, wie das Monster auf das Gimmick reagiert. Oder wie dann die Ersatzlösung aussieht.

 

Man soll die Lösung ersehnen

Der Zuschauer ‚erlebt‘ die Lösung. Und diese Lösung hat ihre Existenzberechtigung nur deshalb, weil es das Monster gibt. Denn wer keine Monster hat, der braucht auch keine Lösung dagegen.

Aus ähnlichen Gründen ist es für uns meist nicht sinnvoll, Lösungen zu kreieren. Denn es gibt meist gar kein Problem dafür. Oder man findet keines, dass man lösen kann. Es reicht demnach nicht, „nur die Lösung für ein Problem (des Kunden)“ kreieren zu wollen. Das Monster der Woche aber hat es drauf, die richtigen Probleme zu kreieren.

Ein und das selbe Problem, dass wie ein Monster abwechslungsreich daher kommt, schafft erst die Existenzberechtigung für die Lösung. In diesem Fall ist es eine maßgeschneiderte Lösung, perfekt abgestimmt und in Szene gesetzt durch unser absichtlich verursachtes Problem.

 

Manche Lösungen brauchen ihre Monster oder ihren Bösewicht

Male das Monster namens „Problem“ auf die Leinwand. Führe dir und anderen deine Lösung anhand deines Monsters vor Augen. Das kann vieles sein, wie eine Erkenntnis, eine Inspiration, etwas unterhaltsames oder eine Lösung anhand eines Problems, wie zum Beispiel den Anschluss nicht zu verpassen. (Sorge dafür, dass jemand den Anschluss verpasst. Wie? Indem du wiederum jemand anderem einen monströsen Vorteil verpasst.)

Lass dein Monster los. Denn das Monster ist deine Lösung.