Anders oder besser machen?

Wenn man etwas gutes verändert, dann kann es durchaus schlechter werden, obwohl es nun anders ist (als vorher). Kunden von neuen Softwareversionen können da ein Lied von singen.

Man sollte das anders sein nicht seiner selbst wegen anstreben. Man muss das anders sein zulassen, um das Bessere überhaupt erst möglich oder zumindest wahrscheinlich zu machen.

Neue Wege zu gehen bedeutet für die einen oft, einen steinigen Irrweg vor sich zu haben. Und für die anderen bedeutet dies, den weit besseren, den ihren, anderen Weg zu finden und zu gehen. Egal, ob der nun steinig ist oder nicht. Meist ist er es. Genauso, wie er lohnend sein kann.

Anders bedeutet nicht automatisch besser. Besser ist aber meist anders.

Außerordentlich

Das heißt so viel, wie alles außer ordentlich.

Innerhalb einer Ordnung kann kaum Neues entstehen. Dafür fehlt dort einfach der Raum für freie (gefährliche, inspirierende, künstlerische) Entfaltung.

Jemand, der außerordentliches fabrizieren oder produzieren will, der muss demzufolge zwangsläufig nach außen gehen, das heißt, die bestehende Ordnung verlassen.

Von Außerhalb ein neues, in seiner Art noch nie da gewesenes Element in eine bestehende Ordnung hinein zu bringen, das ist mit einer gewissen Hartnäckigkeit machbar. Und es ist in jedem Fall wahrscheinlicher als umgekehrt.

Ich habe es ausprobiert.

Obstautos

Als ich noch im Kindergarten war, da nannten wir alte und behäbige Autos abwertend „Obstautos„. Einige der damaligen Obsthändler fuhren mit derartigen Maschinen, die aus heutiger Sicht eher geräumige Gehhilfen aus Blech waren.

Uns ging es weniger um Obst, sondern um das Lebensgefühl, dass sie uns vermittelten.

Damals waren es zudem oft Zweitakter, die komisch klangen. Die wirkten wie jemand, der eine quäkige Stimme hat.

Im letzten Jahrzehnt kamen Fahrzeuge auf den Markt, die wie Obstautos aussehen, aber technisch umso stärker waren. Erfolgreich sind diese Vehikel durchaus. Aber das heißt nicht, dass sie exakt nur so aussehen müssen, um sich gut zu verkaufen. Auch der neue Smart wirkt in meinen Augen deutlich altbackener als sein Vorgänger. Leider sehen die Alternativen nicht viel anders aus.

Bei vielen Produkten, insbesondere technischer Art (bei Autos fällt es mir besonders auf), würde es wirklich Sinn machen, mal ernsthaft Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Das wäre mal eine willkommene Abwechslung zu den Möhren und Gurken, die man langsam über ist, weil sie designtechnisch schon überzüchtet wirken.

Wenn der Dieb im Gästezimmer wohnt

Wie hilft man jemanden in der Not, obwohl man vielleicht ahnt, dass man sich im Extremfall dabei selbst gefährden könnte?

Richtig, entweder man lässt es einfach sein oder man hilft großzügig. Falls man sich dafür entscheidet, dann gibt es Szenarien, mit denen man rechnen muss.

Man bekommt zuweilen das Gegenteil von dem was man erreichen wollte oder man gerät selbst zwischen die Fronten.

Oder man wird von jemanden überraschend gelinkt, von den man es „nie für möglich“ gehalten hätte. Das ist, als wenn man einen Verunglückten am Straßenrand hilft, nur um dann von ihm ausgeraubt zu werden. Kollateralschäden sind dabei nicht ausgeschlossen, aber im Sinne aller Beteiligten hoffentlich überschaubar, begrenzt und Ausnahmen.

Gut möglich ist, dass wir im Extremfall vom Weg ab kommen oder die eigene Glaubwürdigkeit an anderen (für uns weit wichtigeren) Stellen riskieren, da vieles gesagte oder geschriebene dann wie Hohn klingt und wir selber von heute auf morgen aus dem letzten Loch pfeifen könnten. Natürlich unverschuldet.

Da kann schnell die kontraproduktive Wut hoch kochen. Dabei sollte man bedenken – auch wenn es unglaublich klingt – dass alles auch sein Gutes hat. Die eigene Feinjustierung verbessert sich abermals, mindestens genauso die Fähigkeit zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden. Dümmer wird man dadurch nicht. Man lernt auch nicht, wie man Fehlentscheidungen zukünftig verhindert oder wie man resigniert, sondern wie man aus der Erfahrung heraus besser agiert. Untätigkeit nützt keinem was.

Ich habe alle Szenerien schon selbst erlebt, mich oft falsch entschieden und daraus gelernt. Das letzte mal vorige Woche.

Tip: Lassen Sie Niemanden bei sich zu Hause übernachten während Ihre Passwörter offen herum liegen und der Rechner auf Standby ist. Sei denn, Sie sind gut im Greifen und Überführen von Dieben. Manchmal geht es ans Eingemachte, und damit meine ich weder Pfirsiche noch Erdbeeren.

Herausforderungen…

…gibt uns das Leben, dass wir leben.

Falls unser Leben nicht sonderlich erbaulich, interessant oder lebendig im sprichwörtlichen Sinne ist, dann fehlen uns mit großer Wahrscheinlichkeit die richtigen Herausforderungen, die wir zu meistern im Stande wären.

Suchen Sie bewusst nach derben, großen Herausforderungen. Selbst wenn Sie sich dadurch in (kurzfristige, vorübergehende) Gefahren begeben oder sich Unannehmlichkeiten gegenüber sehen, ist es auf lange Sicht gefährlicher und unangenehmer dies nicht zu tun.

Aber bevor das passiert, begrüßen wir doch einfach das gefährliche und unangenehme, was wir uns gelegentlich einbrocken. So wissen wir erstens, woran wir sind. Und zweitens sind es nichts weiter als Begleiterscheinungen, die wir immer noch besser überschauen, beherrschen und stemmen können, als wenn wir völlig überrascht würden.

„Es ist nicht persönlich“

Es ist immer persönlich. Nicht persönlich bedeutet unpersönlich und ist eine Floskel für verantwortungslose Manager, Betrüger und Profitgeier.

Jemand, der etwas Ihnen gegenüber als „nicht persönlich“ gemeint hinstellt, der will garantiert keine Verantwortung über jegliche seiner Aktivitäten übernehmen. Der geht notfalls über Leichen. — Persönlich hat er es trotzdem gemeint, den er macht mit Ihnen gemeinsame Sache (solange es ihm nützt).

Egal, ob es jemand mit mir nun persönlich oder unpersönlich meint, ich nehme es immer persönlich, denn ich bin in gewisser Weise, was ich tue. Ich nehme alles, sowohl geschäftlich als auch privat immer persönlich.

Wenn Sie alles persönlich nehmen, dann weiß ich, dass Sie hinter dem stehen, was Sie tun. Ich traue keinem, der das nicht tut.

„Es geht nur ums Geschäft“

Wenn es bei jemanden wirklich nur um das Geschäft, das Geld machen und den Profit geht, dann kann er auf lange Sicht bald nichts mehr anbieten, womit er Geld, also ein Geschäft machen kann. Selbst dann, wenn er einige Zeit noch im Vorteil sein sollte.

Steuervorteile, Subventionen, Kungeleien, Absprachen, Ausbeutungen, Marktmacht sind alles nur Symptome für den baldigen Niedergang einer Unternehmung. Mit „baldig“ meine ich keine kosmischen Maßstäbe, sondern bald, demnächst oder „schon im Gange“.

Niemand kann ein Unternehmen aufbauen oder lange halten, wenn es nur um das reine Geschäft geht. Kunden (besonders die Guten) und Partner haben feine Antennen für gewisse Tendenzen bei ihrem Lieblingsanbieter, so dass sie diesen bei den ersten Anzeichen von kalter Profitgier schon die ebenfalls kalte Schulter oder schlimmeres zeigen werden.

Heißt das jetzt, dass der Unternehmer oder Kunstschaffende nun auf selbstlose Liebhaberei umschwenken soll? Nein, denn das ist genauso ein tödlicher Irrsinn. Die Kunden werden ihn zwar ebenso lieben. Aber der Liebesschmerz wird schnell schlimm wenn der geliebte Anbieter wegstirbt oder vom verhassten Rivalen verdrängt oder gar gefressen wird.

Was wäre das Richtige, um Vertrauen von Kunden und Fans zu gewinnen? In einer Liebesbeziehung muss man beides, den Profit (Sex, Geld) und die Liebe zusammenbringen, damit die Beziehung hält. Beide müssen das Gefühl haben, dass sie in fairem, also gerechtem Maße geben und nehmen. Nur Geben funktioniert genauso wenig, wie nur Nehmen. Beides muss harmonisch zusammen finden. Der Künstler, Entrepreneur und Unternehmer möge den ersten Schritt machen.

Weltmeister

Genau so sollten Sie sich jeden Tag fühlen!

Manuel Neuer hat es gesagt: Alle Deutschen sind jetzt Weltmeister. Also, Glückwunsch an alle! Und danke an die, die noch in Brasil sind.

Wenn ich Bastian Schweinsteiger sehe, dann denke ich daran, dass man selbst nach mehrfachen und übelsten Verletzungen immer wieder aufstehen muss. Was er immer wieder tat.

Auch wenn der italienische (und im Laufe des Spiels zunehmend argentinische) Schiedsrichter Rizzoli unfair und unperfekt wie das Leben (und wie alle Menschen) war: Es liegt letzten Endes an uns, was wir daraus machen. Egal, ob im Sport, in der Kunst oder im Geschäft.

[Ich persönlich glaube, dass Löw mit der glücklichen Einwechslung von Torschütze Mario Götze nach seinem Bauchgefühl ging.]

Wie im Finale, nur anders herum

Ein Finale wird es bei uns hoffentlich nie geben. Ich empfehle eher einen Anfang oder Einstand. Gern als Auswärtiger. Mit „uns“ meine ich Sie und ich als waghalsige Gründer und provokante Kunstschaffende. Und nicht die National-Elf.

Bei der Fußball-WM ist es einfach. Wer im Finale gewinnt, bekommt den Pokal, den World Cup. Vorher gab es all die K.O.-Runden, auch das war überschaubar. Wenn wir (Gründer, Künstler, Weltverbesserer) ein Projekt zum Erfolg führen wollen, aber nicht, wie die übergewichtige FIFA, mit Marketingmillionen um uns werfen können, dann verhält sich alles genau umgekehrt.

Am Anfang sind Sie mit Ihrer Idee völlig allein. Auch später noch, wenn Sie voller Tatendrang von der theoretischen Idee in die praktische Umsetzung übergehen, dann weiß keiner davon. Niemand kennt Sie, niemand hat auf Sie gewartet und niemand in unserer von Misstrauen verdorbenen Welt vertraut Ihnen. Sie sind kein Star, Sie sind neu im Spiel.

Aber. Von der emotionalen Stärke übertrifft jeder berufliche Projektstart, jede künstlerische Neuveröffentlichung und jede noch so kleine Gründung das WM-Finale in der heute Abend anstehen Form bei weitem. Bei uns geht es nicht um das Ende, um das „geschafft haben“, sondern um den Start, besser das gelungene Hochfahren, wie ich es gern nenne.

Dieses Hochfahren kommt nicht mit einem Marketing- oder PR-Knall, sondern allmählich. Und daher gefühlt täglich.

Obwohl viele von uns ungeduldig sind, ist dies paradoxerweise nichts für Ungeduldige. So wie man selber mit einer Aufgabe wächst, so wächst – sofern man am Ball dran bleibt – auch ein derartiges Vorhaben. Mannschaften werden von Spiel zu Spiel besser. Aber wir müssen innerhalb eines einzigen, noch weniger vorhersagbaren Spiels* besser werden.

Wie soll das gehen? Unseren Kunden oder Fans müssen und sollten wir tatsächlich etwas bieten, anstatt nur zu werben. Diese Vorgehensweise ist nachhaltig im Sinne von Dauerhaft, Langfristig und Vertrauensbildend. Aber es braucht Zeit.

Denn die ersten Kunden oder Fans müssen dazu überschäumen vor Begeisterung und andere damit anstecken. Das ist ähnlich, wie bei einem Gewinn im Finale. Nur hier müssen Sie (und Ich) ganz am Anfang die Begeisterung auslösen. Manchmal nur bei 1, 2 oder 10, 20 Personen. Was dabei hilft, ist unsere Echtheit, dass wir gewissermaßen das sind, was wir anbieten, verkaufen. – Somit ist Entrepreneurship eine gute Möglichkeit, dies zu tun, ohne sich zu prostituieren.

Was das Spiel für heute Abend betrifft, so sage ich: Möge die bessere Mannschaft – also Deutschland (oder der FC Bayern München) – gewinnen. — Miro, dreh zum Schluss noch einmal den Salto!

 

* Falls Sie das Buch Kopf schlägt Kapital von Günter Faltin in die Hände bekommen, lesen Sie zum Thema „unvorhersagbares Spiel“ mal das Kapitel 8.3 von Seite 154 bis 157 durch. (Über Businesspläne, aber sehr gut ge- und treffend beschrieben.)

Eine Machtdemonstration

Nachdem nun die Preise fürs Regiert- und Abkassiertwerden rückwirkend massiv erhöht wurden, wird wieder ein Signal deutlich. Dieses Signal in Form der aktuellen Diätenerhöhung ist, wie übrigens viele Signale, eine Warnung an das Volk.

Das heißt Ämter für Beamte, Politik von Politikern und Funktionen für Funktionäre sind für die Bürger nicht mehr so billig zu haben wie früher. Das ist – durchaus realistisch geshen – eine gewisse Machtdemonstration. Der Bürger bekommt die Botschaft: „Ihr könnt nichts, aber auch gar nichts dagegen tun. Wir bestimmen über Euch und Euer Geld. Capisce?“

Nur warum hat Chefschwadronierer Gauck mit seiner Unterschrift noch gewartet? Das mit den „Überprüfen“ war nur Show. Meiner Meinung nach hat dieser Narziss nichts überprüft, außer vielleicht seine Frisur. Er und seine Kompagnons wollten nur sehen (abwarten), ob sich Widerstand abzeichnet oder sich lautere, kritischere, aggressivere Stimmen aus dem Volk melden, die gegen das große Abgreifen wären.

Aber da kam nicht viel außer „Urlaub“ und „Tooor!!!“, und das bedeutet für Funktionäre: Grünes Licht.

Auch ich habe nicht dagegen protestiert, weil ich als Entrepreneur sowieso anders denke. Ich protestiere auch jetzt nicht. Sondern zeige nur die Verhältnisse hierzulande auf. Laut der extrem gut kommentierten Seiten der Systemmedien raten die Leute allen ernstes ihren Nachwuchs Politiker oder Funktionär zu werden. Und das aus nur einem einzigen Grund. Der Einkommenssicherung. Das ist Zynismus gepaart mit Dummheit.

Die Folge wäre der langfristige Staatsbankrott. Gewissermaßen argentinische Verhältnisse trotz und gerade wegen gegenwärtig voller Kassen. Verordnungen werden dann täglich aktualisiert oder hinzu verfügt. Das trifft dann nicht nur kleine Unternehmen oder Gründer, sondern auch den Normalbürger. Warnwestenpflicht und Mautdrohungen wären dann ein Scheißdreck dagegen.

Fakt ist, der deutsche Polit- und Funktionärsadel, der auch die EU-Zentrale stark unterwandert hat, konnte schon vorher nach gut dünken fürstlich abkassieren und drangsalieren. Natürlich alles unverdient, denn von „verdienen“ kann hier keine Rede sein.

Die werden in ein paar Jahren wieder die an ihnen gerichteten Tributzahlungen erhöhen. Aber die sind nicht das eigentliche Problem. Es ist der weit verbreitete Irrglaube, nur als Karrierepolitiker oder Funktionär eine aussichtsreiche Zukunft haben zu können. Alles beflügelt von Regularien, die immer weniger lohnende beruflichen Alternativen erlauben.

Ich mache an dieser Stelle mal eine selbst erfüllende Prophezeiung, die Ihnen wiederum Mut machen soll und den Energie zehrenden Groll etwas vermindert. (Sie werden Ihre Energie noch für wichtigere Dinge brauchen.)

Wenn die Gierschlunde von Politikern unter sich bleiben wollen, sich schützen wollen, müssen die Ihren „Markt“ aufteilen. das heißt, es dürfen nicht all zu viele mehr hinzu kommen. Auch in der riesigen EU nicht. (Die Sowjetkader in der UdSSR haben sich auch gegenseitig weg gebissen.)

Genau genommen, werden die sich irgendwann selbst weg regulieren, denn das können die gut. Dies wiederum bedeutet, derartige Karrieren werden unattraktiver, da schwieriger und unbequemer. Eben wegen neuer Regeln.

Warum mache ich hier diese dreiste Vorhersage? Weil ich die Charakterschwächen dieser Leute gut einschätzen kann.

Was deren Neuzugänge betrifft, die erlauben ihresgleichen nicht so ohne weiteres neben ihresgleichen zu verweilen. Ausgenommen, es ist so jemand bereits drin im Machtzentrum oder dessen Außenstellen. Den duldet man. Das wäre vergleichbar mit dem Hochadel.

Momentan sind die Regelungen relativ lax, sofern man sie mit denen für Unternehmensgründern vergleicht.

Demonstrieren Sie lieber Ihre Macht, auf die Art, wie Sie es gerne machen würden. Fangen Sie einfach mit einem an und haben Sie dann Geduld. Kurzfristig denken nur Politiker, verantwortungslose Manager und Funktionäre. Und die unterschätzen manchmal die Macht einer einzigen, völlig normalen Person.