Alle lieben Vladimir

Warum sind denn sonst alle nach Sochi (oder Sotschi oder Zottschi) gefahren? Geht es dort nicht etwa um Putin? Doch. Denn nahezu überall ist Vladi’s Portrait zu sehen. Er ist halt fotogen.

Es gibt auch viele, die sich über den IOC und deren Funktionäre beschweren. Komischerweise sind deren Kritiker auch alle da. [Politiker kritisieren das nicht, die tun nur so mit ihrem demonstrativen Abwesenheitsgetue.] Ich zumindest habe noch von keinem Journalisten oder qualifizierten Sportler gehört, der aus freien Stücken eine Olympiade boykottiert hätte.

Wer sich beschwert, der soll was neues auf die Beine stellen. Davor haben viele Angst. Das brauchen Sie aber nicht, den Sie müssen weder qualifiziert sein, noch (für) die ganze Welt gewinnen.

Tequila Drive (Das Paradebeispiel einer brillianten Story)

Die zündendensten Ideen, die besten Produkte, Dienstleistungen, Kunstwerke, Filme, Shows und die besten Geschichten überhaupt entstehen erst dann, wenn man zwei Dinge kombiniert, die nicht zusammen gehören. Das ist wie mit Feuer und Wasser. Dann haben Sie Feuerwasser.

Oder wie bei Westerwald und Sachsen-Anhalt. Da bekommen Sie Basaltfeuer. Und Tequila. (Anhalt ist jetzt New-New Mexico.) Aber wie wär’s mit Tequila trinken und Motorrad fahren? Dann befinden Sie sich im Tequila Drive. Im doppelten Sinne.

Wie Andy Stähler & Birgit Tiepelmann vor über 20 Jahren auf die Idee für Ihr namensgebendes Konzept kamen erinnert mich an die Geschichte von Richard Branson, wo er mitten im Urlaub seine erste Airline mit den Worten „Virgin Airways“ auf einem Pappschild bewarb. So konnte er zusammen mit den anderen, ebenfalls gestrandeten Urlaubern durch Kostenteilung eines Charterfluges günstig von den Virgin Islands nach Puerto Rico weiterfliegen.

Zurück zum Tequila Drive

Der Mythos besagt, daß Andy wohl mit Birgit’s Bruder auf einem Festival war. Und statt ein Flugzeug war es ein Taxi, daß nur wenige Meter um die Ecke fuhr. (Die hätten auch laufen können.) Wer da nun alles drin saß, ist nicht genau überliefert. Der Legende nach waren es jene 5 (!) weisen Taxi-Fahrgäste aus dem trunksüchtigen Abendland, die das „Tequila Drive“ versehentlich und notgedrungen erfunden haben, nur um ein paar Sekunden schneller an das namenlose Zelt zu kommen wo der Tequila aggressiv vertickt wurde.

Es gibt zwar keine weiteren schriftlichen Aufzeichnungen aus jenen Zeiten, aber Ich glaube aus einer alten mündlichen Erzählung gehört zu haben, daß daraufhin sogar ein Pappschild mit der Aufschrift „Tequila Drive“ ans Zelt gepappt wurde. Genau wie bei Sir Richard damals mit „Virgin Airways“. Der einzig signifikante Unterschied der beiden Geschichten ist, daß Branson und seine Fluggäste nüchtern waren. Bei Andy waren garantiert alle Anwesenden für 26 Stunden am Tag blitzeblau.

Das echte, heutige Tequila Drive wurde – ähnlich wie Branson’s Virgin Atlantic in England – später als Biker Cafe in Reuden, Sachsen-Anhalt gegründet. Das war 1993 in einer ländlichen Gegend. Was seitdem dort abgeht, kann man nicht beschreiben. Man muß es erleben.

Als ich in den Neunzigern selber eine Kneipe hatte, die ungefähr 30 km entfernt war, profitierte auch ich von vielen Bikern aus dem Tequila Drive. Wenn das Tequila Drive Jupiter war, dann war ich Pluto. Ach, was heißt hier Pluto. Ich war ein Mond Jupiters.

Damals hat eine meiner älteren Angestellten, die sehr stark an diese Berta aus Two and a Half Men erinnert, dort gerne mal ein paar „Biker’s Tod“ zuviel getrunken, so daß sie bei mir für einige Tage nicht mehr arbeiten konnte (oder wollte). Und wehe, ich habe was zu ihr gesagt….

Das Tequila Drive betreibt die luxuriösesten Ausnüchterungszellen der Welt. Das ist ein Biker-MO-tel im mexikanischen Stil. Alles ist archaisch-rustikal. Aber durch den Service, Komfort und die Ruhe wirkt es fast schon surreal. Biker lieben das. Man kommt sich vor, wie auf einer Ranch in Mexiko oder Texas mit der Gediegenheit eines Golfclubs inklusive Live Bands und angrenzendem Jagdrevier.

[Ich schätze, falls Sie wie Oberst Gaddafi Ihr eigenes Zelt dort aufschlagen wollen, sagt Andy nichts. Auch dann nicht, wenn Sie mit dem Motorrad direkt in den Quadratkilometer-großen Biergarten reinfahren.]

Trucker (Fernfahrer), vor allem aus England oder Dänemark fahren lieber extra dorthin um zu nächtigen anstatt auf die Raststätte.

Mittlerweile haben sich dieses Biker Cafe und ihre Inhaber auf dem gesamten Planeten rumgesprochen. Die Gäste kommen sogar aus Mexiko. Internationale Motorradzeitschriften hatten Andy schon auf dem Cover. Werner-Erfinder Rötger „Brösel“ Feldmann kam auch schon zum Saufen vorbei.

Das Erstaunliche ist, daß die beiden Inhaber fast all ihre Gäste persönlich kennen, selbst nach Jahren des Fernbleibens. Jeder, der Andy gut kennt, weiß daß er ein Gedächtnis wie ein Elefant hat. Ich habe Andy & Birgit fast 10 Jahre nicht gesehen. [Da ich mich von Umständen abhalten ließ.] Vorgestern hat er Kontakt mit mir aufgenommen, was ich zu schätzen weiß. (Und besser auch sollte!)

Wenn Sie was über kreatives Gründen, jahrzehntelange Erfahrung, das Überwinden von Barrieren, Marketing und Storytelling mitten in Deutschland lernen wollen, aber ungern Bücher darüber lesen, dann rasen oder choppern Sie mal nach Reuden und lassen sich von Andy erzählen, wie es geht. Essen Sie aber vorher was fettiges….

Übrigens, der Beitrag vom 32. Dezember war durch Andy & Birgit inspiriert.

 

 

 

 

 

 

 

Image Copyrights © Tequila Drive GbR

[Anmerkung: Wie Sie wissen, mache ich hier im Kartell keine Werbung. (Außer mal für „Kloke“.) Und dieser Beitrag ist keine Werbung. Dies ist ein lange überfälliges, persönliches Statement. — Und vielleicht sogar der Anlaß, daß ich demnächst aufhöre zu siezen. Ich bin eh mit allen per Du, die mir wichtig sind.]

Firestarter

Wie schafft man es, daß andere Menschen für eine bestimmte Sache „Feuer und Flamme“ sind? Welcher Zaubertrick steckt dahinter?

Ungeachtet von technischen, zeitlichen oder finanziellen Einschränkungen können Sie eine Idee mit Geduld zum Durchbruch verhelfen, indem Sie sich genau die Leute aussuchen, die von vornherein schon für Ihr Vorhaben „leicht entflammbar“ sind. Tun Sie das als Erstes. Dann maßschneidern Sie aus Ihren Ideen ein Konzept, ein Kunstwerk, einen Service oder ein Produkt.

Um einen Wald anzustecken braucht man keine 20 Flammenwerfer, sondern nur ein Streichholz oder ein Feuerzeug. Um ein Unternehmen oder Kunstprojekt zu starten braucht man keine Millionen.

Sie brauchen auch keine Crowdfunding-Plattformen, die sowohl eine Heerschar von Anhängern als auch ein hochwertig produziertes Video vorraussetzen, mindestens. Was Sie wirklich brauchen ist eine zündende Idee, die durchdacht wurde, so daß Sie damit relativ klein anfangen können.

Verhalten Sie sich wie ein Brandstifter. Nur mit dem Unterschied, daß Sie anstelle von Brand einen Nutzen stiften. Das heißt, stecken Sie keinen Wald, sondern andere Menschen mit Ihrer Idee an.

Das Fördermittel-Jagd-Diplom

Bei öffentlich finanzierten Gründungsberatungen bekommen Sie es. Mit gezielter Irreführung durch Gehirnwaschseminare geraten Sie in einem Trance-Zustand zwischen gefühlten Gründungsverbot und Totalverdummung. Dann sind sie reif für das Fördermittel-Jagd-Diplom.

Ich persönlich halte Fördermittel als Bestechung des Gründers mit anschließendem Kniefall vor dem System, akzeptiere aber Gründer, die diese annehmen. Warum? Jedes Geschäftsmodell ist anders und viele Gründer sind pragmatisch, weil Sie in Gange kommen wollen. Wenn es funktioniert, dann ist es o.k.

Bei Klokain würde das nicht funktionieren, schon weil der Interessenskonflikt zu stark wäre. Außerdem hasse ich Bürokratie und Verwaltungsaufwand. Genau das, zusammen mit einem derben Verbiegen der Unternehmensidee ist der Preis, den fast jeder bei Fördermitteln bezahlt.

Wer Politikern und Funktionären mißtraut, der läßt lieber die Finger von Fördermitteln. Und was öffentliche (Existenz-)Gründungsberatungen angeht: Die sollte man meiner Meinung nach verbieten, weil sie mehr Schaden anrichten als sie nützen – bezahlt von Steuergeldern – genau wie die Fördermittel.

Kümmern Sie sich lieber um Ihre potentiellen Kunden, bevor Sie Banker und Beamte „pitchen“.

Geld machen wie Onkel Andy

In Deutschland darüber zu sprechen wie viel Geld man verdient is so, als ob man es im US-amerikanischen Frühstücksfernsehen vor laufender Kamera mit der Moderatorin treiben würde.

Jede Gesellschaft hat ihre Tabus über die man nicht spricht. Bei der einen ist es Sex, bei der anderen ist es die Cosa Nostra und bei uns ist es das Geld (verdienen). Und wenn jemand von Geld „machen“ redet (was es ja eigentlich ist), dann ist derjenige zwielichtig, unschicklich oder ein Strolch.

Fakt ist, Sie müssen Geld verdienen, und besonders viel davon in Deutschland. Denn Sie können Ihren Lebensunterhalt, den Fortbestand der Familie oder gar den eines Unternehmens nur dann sichern, wenn Sie laufend genug Geld einnehmen, das heißt Geld machen. Das Land ist teuer.

Also, was soll das Versteckspiel? Ach ja, der Neid. (Aus meiner Sicht ein Fall für den Doktor.)

Nähern wir uns deshalb dem Thema „Geld machen“ mal anders als in diesem Lande üblich.

Wenn das Leben oder dessen Umstände bei jemanden eher unbestimmt sind, dann spricht man häufig von Lebenskunst oder echten Lebenskünstlern. Es ist also künstlerisch. Sogar in Deutschland.

Treiben wir es mal auf die Spitze und lassen den hierzulande immer noch sehr geschätzten und bewunderten Andy Warhol (nicht Bernie Ecclestone, der sieht nur so aus) sprechen:

„Gut im Geschäft zu sein ist die faszinierendste Art Kunst.“ / „Geld verdienen ist Kunst und Arbeiten ist Kunst und gute Geschäfte sind die beste Kunst.“

Hier das englische Original:

„Being good in business is the most fascinating kind of art.“ / „Making money is art and working is art and good business is the best art.“

Noch Fragen?

Der eigentliche Grund, nichts zu unternehmen

Vielleicht sollte ich schreiben, warum man manchmal nicht aus der Knete kommt. Sind es wieder die deutschen Regularien oder doch die lieben Mitmenschen, die einem die energetische Luft rauslassen? Ist es vielleicht Geld- oder Beziehungsmangel? Nein, es ist das Loslassen.

Wenn wir etwas neues anfangen, dann geben wir etwas altes, liebgewonnendes (Bequemlichkeit, Gewohnheiten, Genüsse, Bindungen, Zeit etc.) auf. Genau die Angst davor, daß dieses Liebgewonnende womöglich nie wieder kommt ist die Barriere, die viele vom Gründen abhält. Die eigenen Fähigkeiten oder äußeren Umstände sind es eigentlich nicht. Jene wirken nur erschwerend.

Das gleiche Problem tritt auf, wenn jemand von einer Droge loskommen will, aber nicht kann. Nicht der Entzug selber ist das Problem, sondern die Angst davor. Oder besser gesagt, die Angst davor, etwas zu verlieren und erst dadurch mit den Unständen nicht mehr klarzukommen.

Die Wahrheit ist, Sie geben im eigentlichem Sinne nichts auf. Es ist eine Entscheidung, ein Tausch *Alte Zeit* gegen *Neue Zeit*. Um in die neue Zeit zu kommen, muß man raus aus der alten. Wenn Sie das machen, dann liegt das Beste nicht hinter Ihnen, sondern garantiert noch vor Ihnen.

Über Deutschland

Gott möge die Welt in sechs Tagen erschaffen haben. Als er am siebten Tag ruhte, tauchte plötzlich Beelzebub auf und machte dieses Land.

Wenn ich mir wieder diese übereifrigen und pensionsgesicherten Funktionäre, wie von der Leinegelassen und Steinmeier ansehe, denen der Souverän (und dessen Geld) völlig am Arsch vorbei gehen, dann glaube ich, der hat noch Zeit gehabt, die wichtigtuerische DNA für einige Politker zu programmieren.

Wenn Gauck schwadroniert, dies wäre ein gutes Deutschland, das beste Deutschland, daß „wir“ kennen. [Mich kennt der nicht.] Dann frage ich mich, wen er mit „wir“ meint? Wenn er Konformisten, Großindustrie und von Steuergeldern alimentierte Sabbelköppe wie ihn meint, dann hat er wohl recht. Die Steuereinnahmen sprudeln ja zur Zeit.

Ich bin nicht dieses Deutschland und ich bin nicht gut. Sind Sie es?

Normalerweise will ich mich aus „Politik“-Themen heraushalten. Was mich aber nervt, ist halbheller Aktionismus von verblendeten Profilneurotikern, die die Schlagzeilen dominieren. Im doppelten Sinne.