Der praktische Nonkonformist

Wenn Sie eine Unternehmung, ein künstlerisches Projekt oder einen Event planen und idealerweise kein Geld haben, dann sind Sie in der glücklichen Lage nichts so tun zu müssen, wie man es tun sollte. Dann sind Sie praktischer Nonkonformist.

Guy Kawasaki würde sagen „Focus on function, not form“. Günter Faltin würde sagen „Funktion statt Konvention“. Ich sage, seien Sie praktischer Nononformist.

Ihr Vorhaben trägt ihren nonkonformistischen Stempel indem Sie ein Statement abgeben. Dieser Stempel, dieses Image, reicht aber nicht. Die Strukturen, Produktion, Beziehungen und Wege zum Kunden oder zum Publikum, die Sie aufbauen, müssen genauso nonkonformistisch sein.

Was heißt das in der Praxis? Zuerst einmal, Sie müssen nichts so machen, wie es „immer so gemacht wurde“, sondern einfacher, schlanker, kleiner, direkter, um die Ecke. Um eine professionelle Buchhaltung bzw. Steuerberatung durchführen zu lassen, brauchen Sie nicht bei McKinsey anzurufen, nur weil das alle Großen so tun oder irgendein Kapitalgeber (oder die Bank) das will. Wenn Sie letztere brauchen, dann sind Sie sowieso Konformist, also angepaßt.

Genauso wenig müssen Sie ein Büro mit einem rustikalen Schreibtisch plus Empfangsdame haben, nur weil alle in „Ihrer Branche“ dies haben oder weil es zum guten Ton gehört. Oder daß Sie Broschüren drucken lassen, nur weil jemand mal danach gefragt hat, weil es jener wiederum so seit 25 Jahren gewohnt ist. Das ist alles Konform-Ballast.

Suchen Sie nach Talenten, nicht nach Titeln. Falls Sie eine Fußballmannschaft aufbauen wollen, die bisher nur verloren hat aber erfolgreich werden soll, Sie aber schon viele Trainer verheizt haben. Dann sollten Sie ganz nonkonformistisch mal nach jemanden Ausschau halten, der diese Funktion vielleicht mit mehr Elan ausfüllt und Ihre Mannschaft zum Erfolg führt, weil er der richtige Typ dafür ist. — Nicht deshalb weil jener staatlich geprüfter Coach mit Diplom ist. [Sondern seines Könnens wegen.]

Wie wäre es mit einem – zwar normalen – aber motivierenden (und inspirierenden) Sportlehrer? Oder schlicht dem Hausmeister, der alles, aber auch alles über Fußball weiß, selber spielt und sehr begiering auf Anerkennung ist?

Falls Sie mit Handelsware handeln, handeln Sie nonkonform. Bauen Sie Ihren Handel so auf, indem sie selber kaufen und verkaufen. Dadurch schaffen Sie Mehrwert, haben weniger Kosten, keine Zwischenhändler, direkten Kundenkontakt und Sie haben alles in der Hand und können Entscheidungen oder neue Ideen direkt umsetzen. Dadurch bleiben Sie stets ein handlungsfähiger Händler.

Kurz, bauen Sie Ihr Business, Ihre Branche von vornherein so schlank auf, daß Sie erst gar nichts von diesem überflüssigen Schnickschnack brauchen. Das ist wie mit [dem Großteil des] Erlernten in der Schule. Wirklich brauchen werden Sie es nie.

Warum Wischi-Waschi so gut läuft

Die populärsten deutschsprachigen Blogs sind im Grunde nichts weiter als müde Werbeplattformen. Aus meiner Sicht ist das legitim, denn die Betreiber wollen ihren Lebensunterhalt verdienen. Nur warum sind ausgerechnet solche Blogs bei den Lesermassen so beliebt?

Niemand wird überfordert, der Leser konsumiert nur Informationen, die ihn darüber informieren, was er wie und wo zu konsumieren hat. Der Leser muß sich nicht anstrengen, um irgend etwas verstehen zu müssen.

Er muß nur darauf achten, daß er ja nichts verpaßt, das neueste Gadget, Spiel, ein Trend, den angesagtesten Slang-Begriff. Irgendwas. Er braucht stängig Neues, „frischen“ Input, um mithalten zu können mit seinesgleichen.

Das lesen (konsumieren) eines Wischi-Waschi-Blogs ist einfach. Nach deren Prinzip aber zu leben ist sauschwer [für deren Leser/Konsumenten]. — Frei nach Yoda: Verführerisch und hinterlistig das Ganze ist.

Die meisten Leser wollen nicht, dass ich Beiträge schreibe

Dieses Kartell als Blog hat seine Leser. Aber keine Social-Media-Buttons, keine nervenden Werbeanimationen oder irritierende Slider, nichteinmal Verlinkungen zu und von anderen Websites. — Im Grunde genommen ist es ruhig, isoliert und ein Wunder, daß es trotzdem funktioniert.

Den Beweis dafür bekam ich, als ich am 7. [Februar] hier die bisher mit Abstand höchsten Zugriffe innerhalb dieses Monats hatte. Das komische daran ist nur, daß eben jener verflixte 7. Februar der einzigste Tag war, an dem ich seit Bestehen dieses Blogs keinen Beitrag veröffentlicht hatte.

Diese Anomalie hat mich zum Nachdenken veranlasst. Was wäre, wenn ich anstatt der Inhalte die nur die Technik aufrüste, mich also vernetze? (Zumindest muß ich damit umgehen können und wollen.) Bekomme ich dann mehr Leser? Mit Sicherheit, deshalb arbeite ich daran.

Was wäre, wenn ich die Beiträge nicht mehr so gut mache oder kopiere (geht schneller), dafür aber ordentlich Werbebanner, Shockwave Interruptions und Javascrips reinhaue, so daß die Ladezeit bei älteren Computern mindestens 10 min dauert? Bekomme ich dann die meisten Leser? Wahrscheinlich, deshalb werde ich es verhindern.

Wenn der Medial-Industrielle Komplex etwas veröffentlicht…

…dann wird von deren Seite garantiert nichts hinterfragt. Mit Journalismus hat das nichts zu tun. Das ist interessensgetriebene Hörigkeit. Wir sehen dann nur junge, glückliche Menschen, die perfekt aussehen und sich ins System einpassen. Das System propagiert sich selbst.

Der Oberbegriff „Deutschlands beliebteste Arbeitgeber“ suggeriert, daß es in Deutschland schön sein muß als Angestellte in Konzernen zu arbeiten. Besonders wenn, wie in den meisten Fällen, ein glänzender Name lockt. Dann sollte man doch froh sein, daß man dort überhaupt arbeiten darf.

Sicherlich würde sich die deutsche Mehrheit ganz gern als stolze Angestellte [bzw. abhängig Beschäftigte] im heroischen Glanz „ihrer“ Weltkonzerne (oder deren Produkte) sonnen, als „Teil des Teams“, als gehirngewaschenes Rädchen im System. [Das ist auch Bequem.]

Hierzulande spielt man gern die vernünftige kleine unbedeutende Nummer in einem groß angesehenen Industrieunternehmen, anstatt was eigenes zu wagen und voller Unvernunft die Gesellschaft voranzubringen.

Etwas positives können Sie dadurch kaum bewirken, denn das überlassen Sie ja anderen. Und der berühmte Name, der auf sie abstrahlt, ist nicht Ihr Baby, sondern das von Ihren Bossen.

Ich sehe es so: Wenn man Porsche als eines der beliebtesten Arbeitgeber in Deutschland darstellt, dann ist es so, als wenn man Syphilis als einer der beliebtesten durch Geschlechtsverkehr übertragbaren Krankheiten anpreist.

Systemsprech

Angepasste Bürger merken die typischen Giftwörter des Systems nicht. Oder nur in negativer Assoziation.

Mit dem Begriff Entrepreneur kann in Deutschland so gut wie keiner was anfangen. Wir werden, je nach Herkunft oder sozialem Status anders bezeichnet. Folgende irreführenden Begriffe suggerieren (unterschwellig) Fehlverhalten und vermitteln ein latentes Gefühl von Angst:

  • Gewerbetreibender (Das assoziere ich mit (be)werben und dann Unwesen treiben.)
  • Existenzgründer (Existenzangst, Existenzminimum, es geht um die nackte Existenz. Die 3 Zischlaute „x“, „s“ & „z“ allein klingen schon giftig genug.)
  • Selbsständiger (ständig alles selber machen, auf sich allein gestellt – was totaler Blödsinn ist, da man nicht von sich selbst leben kann, sondern es immer nur mit anderen funktioniert. Ein sehr ausgrenzender Begriff, so wie „Aussetziger“.)

Der Klang dieser Wörter hat für mich immer was abwertendes und sozial isolierendes. Wenn Sie zum Beispiel das Wortmonstrum „Existenzgründerberatung“ lesen, dann sollten Sie einen großen Bogen darum machen. Dort beraten öffentlich Beschäftigte oder Beamte auf Lebenszeit, die jemand Unbedarftes in die Irre führen können. Die bringen einem bei, wie man die Bürokratie richtig macht und Regeln befolgt.

Zudem halten jene die öffentlichen Fördergelder als unabdingbare Vorraussetzung zum erfolgreichen Gründen. Zu viele potentielle Gründer fallen auf die herein, denn in der Schule wurde einem nur beigebracht, daß man auf Nummer Sicher gehen soll (wieder Regeln befolgt) und wie man sich einen beschissenen Job sucht.

Ich will jetzt nicht alle über einen Kamm scheren, die diese Wörter benutzen. Denn manchmal muß man die Sprache des Systems sprechen, um überhaupt jemanden zu erreichen. Aber meine Meinung hierzu ist klar. Ich spreche nicht „System“. Sei denn ich muß jemanden etwas erklären, um es gleich danach zu übersetzen und richtig zu stellen.

Die Eingangs erwähnten 3 bekannten Beispiele sind tote, wissenschaftliche Begriffe, die den Geschmack des Verderbens haben. Deutsche lieben tote, wissenschaftliche Begriffe, welche das Gegenteil von Inspiration bewirken. Jeder will Akademiker sein und wundert sich dann, warum er nicht mehr als laues Wischi-Waschi hinbekommt. (Hauptsache kompliziert.)

Ich empfehle, daß Sie eine eigene, lebendigere Sprache wählen, um inspiriert zu sein. Denn Inspiration ist der Anfang jeder Kreativität. Und wer kreativ ist, der denkt und redet anders und inspiriert somit andere.

„Das ist doch völlig hirnverbrannt…“

…war mal die lautstarke Antwort eines Liebhabers rustikaler Motorräder und gelernten Ingenieurs auf meine Frage, was er von Harley-Davidson bzw. deren typisches Motorkonzept hält. Damit gehört er zu jener Sorte von Leuten, die kopfschüttelnd die Rille einer Schallplatte mikroskopisch genau untersuchen, um einen Song zu beurteilen. Und falls er den Song hört, ist es für ihn nur „Krach“.

Ich will nicht sagen, daß er (ein Ex-Kollege von mir) mit dem Motorrad-Beispiel nicht recht hätte. Aus rein konstruktionstechnischer Sicht meint er die archaische Funktionsweise. Das heißt, klassische Harley-Motoren sind (für ihn) technologisch grenzwertig und daher weit von der Perfektion entfernt.

Nur, die Motoren funktionieren komischerweise trotzdem, erzeugen dadurch immer noch genug Kraft, auch etwas Nutzen und vor allem sehr viel Magie (Sound, Vibrationen). Auch die kostbarsten Bilder von zeitgenössischen Malern sind von Fotografien weit entfernt. Man weiß manchmal wirklich nicht, ob es ein Gemälde oder die Rest-Tapete mit den Farbklecksen von der letzten Renovierung ist.

Wenn das nicht so wäre, dann wäre Harley-Davidson heute wohl keine Religion, sondern (wenn überhaupt) nur eine Motorradmarke.

Perfekt zu sein kann auf Dauer sehr anstrengend werden, weil man dadurch in sehr vielen Fällen vergleichbar statt unterscheidbar, oder noch schlimmer, unsichtbar statt erkennbar wird.

Ich empfehle dringend, mal etwas „hirnverbranntes“ auszuhecken. Damit entziehen Sie sich den bekannten Maßstäben. Klar, dann wird es sicherlich viele Leute geben, die dann die Nase rümpfen oder abwertend über Sie und Ihr Werk reden. Aber die Wahrscheinlichkeit, daß Sie einen Nerv bei genau den Leuten treffen, die Ihnen wichtiger sind als Perfektionisten und Naserümpfer ist hoch.

Haben Sie sich schon einmal darüber gewundert, weshalb gerade Harleys so oft zu Kunstwerken umgebaut werden? Was meinen Sie wohl, was Kunst ausmacht (außer, daß sie „hirnverbrannt“ ist)?

Meine erste Abtreibung…

…war sehr unangenehm und schmerzhaft.

Trotz weiterer Abtreibungen hatte ich mich nie an diese Eingriffe gewöhnt. Es wurde eher schlimmer.

Aber ich habe daraus gelernt und wollte endlich mal eine Schwangerschaft durchstehen: So richtig mit Plautze, übler Laune und Baby austragen und so. Und ich schwor mir, mein Baby zu lieben und großzuziehen, auch wenn es grottenhäßlich wird. (Wir alle wissen, daß das passieren kann….)

Hin und wieder bekommt man Vergangenheitsängste, wenn Erinnerungen wieder hochkommen. Aber das ist ja Gott sei Dank vorbei, denn mein Baby ist jetzt da. Naja, es ist ziemlich haarig und hat den Entbindungsdoktor gleich in den Finger gebissen. Ja, der kleine hat jetzt schon Zähne, knurrt und guckt etwas grimmig. Aber das Baby ist meins, es ist schön und gut is‘.

Natürlich wurden sofort Stimmen für eine postnatale Abtreibung laut, um die übliche Depression zu ersetzen, die wider erwarten nicht eingetreten ist.

Natürlich schütteln all meine Abtreiber und Abtreibungsbefürworter den Kopf oder rümpfen die Nase, wenn sie jedesmal mein Baby sehen, es knurren hören oder irgendwie schon riechen. Das macht nichts, denn ich bin eine gute Mutti. Und daher freu‘ ich mich schon, wenn mein kleiner Critter das Laufen lernt und ich ihn endlich von der Leine lassen kann. (Sofern er sich nicht schon von selber losbeißt [so wie bereits zuvor mit der Nabelschnur].)

[Ich, Lutz Finsterwalder, männlich, bin nonkonformistischer Entrepreneur (künstlerisch-kreativer, lösungsorientierter Gründer) und der obige Beitrag ist nicht ganz ernst gemeint, trifft aber genau den Punkt, was in einem Entrepreneur vor und während der Konzeptphase so vorgeht.]

Widersprüche sind anziehend

Konflikte entstehen, wenn man widersprüchliches, also Gegensätze kombiniert. Je widersprüchlicher desto konfliktbeladener. Konflikte sind die treibende Kraft für Neues. Das selbst ist nicht neu, aber für kreative Macher wie Benzin für einen Motor.

Die besten Geschäftsmodelle, die aufregenste Kunst, die lustigsten Witze und die kultigsten Filme oder Produkte wurden aus kunstvoll arrangierten Widersprüchen geschaffen. Damit meine ich, daß er kreativ gelöst wurde. Der Widerspruch ist noch da, aber in gelöster – und daher anderer – Form.

Dieser Widerspruch wird in eine Bahn gelenkt, das heißt, jener wurde so aufbereitet oder verpackt, daß er Erwartungen, Meinungen, Sichtweisen, Geschmäcker und Symbole bedient.

Gleichzeitig dient der eigentliche Widerspruch dem Überraschungseffekt oder er beschäftigt den Nutzer auf amüsante oder herausfordernde Art. Mit anderen Worten, der Widerspruch ist interessant und Reizvoll, und er tötet in dieser aufgereiteten Form die Langeweile. Ob er gut ist, spielt in erster Linie keine Rolle. Denn „gut“ ist ansichtssache. (Siehe oben.)

Wenn Sie jemanden wirklich faszinieren wollen, dann lösen Sie für ihn einen Konflikt. Und wenn Sie obendrein noch sein Weltbild untermauern, dann brauchen Sie garantiert keine Marketingabteilung mehr. Egal, was Sie anbieten.

Wo Sie Ideen hernehmen, die funktionieren

Die besten Ideen kommen von Ihren Kunden. Ihre Kunden aber nach Ideen zu fragen oder danach abzusuchen ist aber eher eine lahme Idee.

Wenn Ihnen jemand sympathisch ist, Sie diese Person schätzen, dann tun Sie ihr sicher gern einen Gefallen. Das beste Geburtstagsgeschenk ist – falls Sie gern schenken – eines, daß dem Beschenkten deutlich zeigt, daß sie ihn kennen bzw. sie sich für ihn interessieren. Er ist ihnen nicht egal, weil Sie nunmal die richtige Idee für sein Geschenk hatten.

In verstärkter Ausprägung sollten Sie so Ihre Fans oder Kunden sehen. Dann können Sie mit dieser Einstellung Ihr Ideenkonzept aufbauen.

Früher hat man groß um die Aufmerksamkeit potentieller Kunden gebuhlt. Dagegen habe ich nie was [einzuwenden] gehabt. Allerdings ist dies in sämtlichen Medien immer aggressiver geworden. Ich empfehle aber dringend, exakt das Gegenteil davon zu tun.

Seien Sie aufmerksam gegenüber denen, die Sie etwas verkaufen wollen. (Ich meine diejenigen, die Sie schätzen, aber nicht wegen deren Geld. [Sonst ist ihr Konzept weder tragfähig noch nachhaltig.])

Wenn Sie aus dieser, ihrer, Aufmerksamkeit heraus Ihr Ideenkonzept entwickeln, dann brauchen Sie bei der Umsetzung kein extra Marketing mehr.

Ein ordentliches Chaos schaffen

Wenn Sie was Verändern oder Bewegen wollen, dann stiften Sie Chaos da wo Ordnung im System herrscht.

Um das hinzubekommen, ist es von entscheidenem Vorteil, selber ein System zu schaffen, um auf der einen Seite ein Durcheinander zu organisieren, daß auf der anderen Seite ein ordentliches Chaos verursacht.