Wie ein alter Hut

Vieles ist uns so vertraut, daß wir es gar nicht mehr merken. Erst wenn es weg ist merken wir es und wollen es plötzlich wieder haben: Gesundheit, Freunde, Wohlwollen, Rituale, Einkommen.

Im Kreieren von neuem (Inhalte, Design, Pläne, Unterhaltung) können wir uns in erster Linie nur am Alten orientieren. Von nichts kommt bekanntlich nichts. Wir nehmen das, was bereits funktioniert und arrangieren es neu. Jemanden dies als „Neu“ zu verkaufen, wäre dann nicht ehrlich, zum Teil zumindest.

Wenn wir jemanden, der uns lieb ist, etwas Gutes tun wollen, dann bringen wir ihn das Vertraute. Da fühlt er sich sicher. Das kennt er. Wenn wir es besonders gut meinen, dann geben wir noch etwas hinzu. Wir werten es durch weitere Zutaten, durch Abwechslung oder durch schiere Fantasie auf.

Ein alter Hut sitzt sehr bequem, so daß man ihn weiterträgt, falls man einen Hut trägt. Wenn Sie wollen, daß jemand mal einen neuen Hut ausprobiert, dann geben Sie ihm einen Neuen. Achten Sie vorher aber darauf, daß der mindestens genauso bequem ist, wie der alte.