Wie die Karnickel

Dank der bevorstehenden Wahlen sieht man sie jetzt wieder. Jungpolitiker. In den Medien, auf Plakaten, überall. Eine Spezies, die sich schneller zu vermehren scheint als sexsüchtige Karnickel und Ursula von der Leyen zusammen. Vielleicht ist das der Deutsche Weg. Aber es ist gewiss kein fruchtbarer Weg, und schon gar keiner in die Zukunft. Und es stört mich.

Die Wahlplakate mit den Jungpolitikern wirken auf mich wie ein rotes Tuch. An die allgegenwärtige und selbstgefällige Gutmenschenfratze von Wickert* kommen die noch nicht ran. Aber eine gewisse Arroganz wabert schon drum rum. Besonders beim Autofahren ist das gefährlich, weil dadurch mein Adrenalinspiegel steigt.

Dabei frage ich mich: Gibt es keine anderen Perspektiven mehr, außer Karrierepolitiker zu werden? Zumindest haben wir die falschen Vorbilder, denn Jungpolitiker sind die Stars im Lande. Zum Beispiel Kristina Schröder (die mit den Haaren von Günter Netzer) schmeißt mit den Euronen nur so um sich. Alle anderen wollen das dann auch.

Philipp Rösler, Minister für Planwirtschaft und Altindustrie, sieht mit seiner Mahatma Ghandi-Brille fast 8% schlauer aus, als er eigentlich ist. Alle anderen wollen das auch. Baron Von-Und-Zu wollte damals bescheißen und die Abkürzung per Haargel nehmen. (… nichts gegen Barone per se.) Alle anderen wollen das auch. Jeder von denen trägt (bzw. einer trug) in schöner deutscher Tradition den Doktortitel vor sich her. Alle anderen wollen das auch.

Während dessen transformiert sich ein politischer Altrüpel, wie der irre Klaus Kinski, der heute Hans-Christian Ströbele heißt, bereits zum Dritten mal in eine andere Person. (Die Augenbrauen sind nur angeklebt.) Täuschungsversuche dieser Raffinesse soll so ein Jungspund erstmal nachmachen.

Klaus passt gut in die Politiknische. Warum? Er ist ja Schauspieler durch und durch. In welcher Partei der überhaupt ist, das vergesse ich jedesmal. Aber das spielt bei Klaus auch keine Rolle.

Jemand sagte mal, Politik zu machen ist wie mit einem stumpfen Bohrer in ein nasses Brett zu bohren. Da stimme ich zu. Aber das stört denen nichtmal. Der Traumberuf des Deutschen ist Beamter, möglichst bequem, wichtig und in Spitzenposition. Denn als Funktionär winkt eine satte Pension.

Wenn alle nur noch Politiker werden wollen, ist zu befürchten, daß sich die Politiker aus Langeweile sportlich übertreffen wollen und in einem der üblichen Anfälle von Profilneurose mehr irrationale Regularien einführen als Honecker und Breschnew es sich je hätten erträumen können.

Jeder, der was bewirken will, ist in der Politik völlig fehl am Platze. Warum? Der Politikzirkus ist Ego-getrieben, also einseitig. Und in der vermeintlichen Absicht, es allen recht zu machen, wird mit mit großem Aufwand an Steuergeldern wenig erreicht und oft eher Schaden angerichtet. (Unterirdische Flughäfen, Bahnhöfe, Chipfabriken, Erdwärmebeheizte Öko-Plumpsklos.)

Wenn Sie ihrer Gesellschaft schon Ihren Stempel aufdrücken wollen, dann meiden Sie den sicheren Pfad der Politkarriere und entwerfen statt dessen ein Unternehmenskonzept und setzen es um.

Falls es nicht klappen sollte, fangen Sie wieder von vorne an. Sie können nur besser werden. – Gesichtsverlust ist nur was für Politiker. Und von der Sorte haben wir schon genug.

/rant

*frankophiler Rotweinsnob