Jobs oder Jobs?

Über Jobs:

Ein Anglizismus, den jeder kennt. Ein Job definiert im englischen, was jemand tut, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Im deutschen Sprachgebrauch auch. Aber mit der Einschränkung, daß damit eine Stelle, ein Angestelltenverhältnis bei einem Unternehmen, einer Behörde oder sonstigen Körperschaft gemeint ist.

Ein Beruf im Sinne von „Berufung“ ist es nicht. Denn jemand, der einen Job hat, folgt heutzutage eher dem Ruf der Notwendigkeit. Ein Job wird angenommen und gemacht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Nicht weil dieser Job so toll wäre.

Finde ich das o.k.? Nein, weil es eine existenzerhaltende Monokultur war und ist. Die letzten hundert, zweihundert Jahre hat es funktioniert, sein Leben lang bei jemanden seinen Job (heute mehrere) zu machen. Jetzt nicht mehr. Arbeiter und Angestellte werden respektlos behandelt, relativ mies bezahlt, mehr unter Druck gesetzt, gehetzt….

Über Jobs:

Ein Outlaw, den jeder kennt. Durchgeknallt, streitsüchtig und mit viel Geschmack. Leider viel zu jung verstorben. Und in Deutschland schlicht unmöglich. Aber er hat einiges mehr hinterlassen als Apple, Pixar & iPhones. Zum Beispiel seine Inspiration.

Tip:

Es ist besser ein Pirat zu sein, als der Navy beizutreten. Lasst uns Piraten sein.
Steve Jobs

„Das ist keine gute Idee!“

Oder wie wärs mit dieser Variante: „Das ist nicht realistisch!“

Keine gute Idee? Nicht realistisch? Dann ist es eben eine schlechte Idee. (Real können sie trotzdem werden.) Gute Ideen sind knapp. Und warum? Gute Ideen kommen nicht von selbst. Hier ist es oft wie beim häßlichen Entlein. Sie entwachsen gern aus schlechten Ideen. Die Realität ist, schlechte Ideen sind das Ausgangsmaterial für gute Ideen. Sie müssen nur (konsequent) entwickelt werden, um sie erfolgreich zu realisieren.

Schlechte Ideen sind typischerweise irre und geradezu verrückt. Sie machen Angst, man stellt sie gleich in Frage und schießt sie damit frühzeitig ins Aus (und die gute Idee, die daraus hätte werden können, gleich mit). Diese Form geistiger Abtreibung ist im sicherheitsgelähmten Deutschland höchst populär. Man macht es bei sich selbst und genauso energisch bei anderen: „Denn wenn ich keine Ideenkinder kriege, dann sollen andere das gefälligst auch nicht!“

Der spießbürgerliche Zwang, unbedingt als „normal“ gelten (oder tatsächlich sein) zu wollen verhindert eine gesellschaftliche Erneuerung. Diese Erneuerung ensteht dann eben woanders. Unzwar dort, wo die Kinder erwachsen geworden sind, die wir dann bewundern und versuchen zu kopieren. Diesen Trends hächeln wir dann nach und zahlen wie selbstverständlich den Preis dafür, um dabei zu sein. Das ist heute Realität.

Tip: Wir Entrepreneure können und sollten die Welt so sehen (und nehmen), wie sie ist. Dadurch können wir die Probleme in ihr früh genug erkennen, um sie mit einer ausgereiften Idee zu lösen. Wir sollten uns nicht von der Wahrnehmung anderer in die Irre führen lassen, wie sie die Welt „sehen“ oder was sie für „realistisch“ halten.

Die 5 wichtigsten beruflichen Ziele der Deutschen

Der leichteren Lesbarkeit halber habe ich die Top-Five-Liste rückwärts von unten nach oben gezählt:

Platz 5: Zu Tisch sein. (Alternative: Konferenz.)

Platz 4: Feierabend.

Platz 3: Wochenende.

Platz 2: Urlaub. (Alternative: Krank.)

Platz 1: Rente. (Alternative: Pension.)

Wenn man liest, daß gut die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland mit ihrer Beschäftigung (Stelle, Job, Arbeit, Posten, bloße Anwesenheit) zufrieden sind, dann ist es die andere Hälfte wohl nicht. Und die Tendenz zur Unzufriedenheit steigt. Beschäftigte oder „Arbeitnehmer“ werden immer mehr leisten müssen. So gemütlich wie früher wird es nicht mehr.

Die Gesellschaft geht weg von einer industriellen Wirtschaft und (wenn sie weiter bestehen will) hin zu einer kreativen Wirtschaft. Aber Deutschland ist ein stark industrialisiertes Land. Das will man nicht aufgeben, also gibt’s Druck, eben diesem System mehr denn je zu dienen.

Eine Alternative zum oben genannten (und dessen Alternativen) ist Entrepreneurship im Sinne von Unternehmensgründungen seiner selbst wegen. Dann können Sie alle Top-5 von oben vergessen, weil diese nicht mehr erstrebenswert sind. Im Gegenteil, sie stören. Und die Gründer werden stören, und zwar die Industriepolitik.

In den Schulen gibt es das Thema Entrepreneurship nicht, denn es hat viel mit Kreativität und weniger mit Anpassung oder arbeiten nach Handbuch zu tun. Stark vereinfacht ausgedrückt: Es wird einem beigebracht, wie man sich einen (beschissenen) Job sucht und sich ins System einfügt.

In Deutschland liebt man die Ordnung, aber wo die Ordnung herrscht gibt es keine Kreativität, keine Kunst. Ideen werden nicht weiterverfolgt oder entwickelt. Vielleicht wartet man auf Investoren, die aber meist das Gegenteil bewirken.

Tip: Seien Sie mal einen Tag lang unordentlich, besser chaotisch. Bringen Sie ihren Alltag durcheinander. Gehen sie auf Leute zu, die Sie sonst nie ansprechen würden. (Es müssen ja nicht gleich die Nachbarn sein.)

Machen Sie was Sie wollen

Das, was Sie wirklich wollen, sollten sie in unternehmerischer Form auch tun. Klingt plausibel.

Nicht so plausibel klingt folgendes: Das, was sie lieben, sollten sie lieber nicht tun. Warum? Weil es gefährlich ist und zu Verbitterung führen kann. Sei es eine Liebhaberei zu einem bestimmten Produkt oder die Liebe zu einer Tätigkeit. Man kann es machen. Es funktioniert nur selten. (Nicht, daß es unter Umständen nicht funktionieren würde.)

Bei mir hat es jedenfalls nicht funktioniert, als ich  vor ca. 15 Jahren (1998) eine Firma für Industriedesign gründete. (Obwohl ich mich eher wie ein Freiberufler verhielt.) Ich liebe Formensprachen und Ästhetik. [Auch wenn dieser Blog gegenwärtig noch nicht danach aussieht.]

Aber:

Wenn man etwas liebt, will man nichts anderes mehr machen. Selbst dann noch, wenn es nicht mehr funktioniert. Viele, insbesondere Freiberufler können nicht loslassen, jagen von Auftrag zu Auftrag. Und man tut und opfert so einiges für diese Aufträge, seien sie noch so mickrig.

Man frisst sich in seine eigene Liebe hinein, wie bei einem Kolbenfresser. Dadurch verliert man den Blick für alles andere, auch weil man denkt, nur dieses eine Talent zu haben. (Was nicht stimmt, denn jeder hat mehrere schlummernde Talente bzw. Neigungen.) Ich konnte nach einigen Jahren schließlich kein Design mehr sehen und habe aufgehört, das zu tun, was ich zuvor noch liebte.

Allerdings, wenn man tut, was man will, kann man mehrere Talente gleichzeitig einsetzen und bleibt zudem flexibler. Man ist weniger frustriert, der Kopf bleibt kühler und man fällt bessere Entscheidungen. Nun opfert man ja nichts mehr für die geliebte Tätigkeit. Dabei ist das beste, daß Sie (und ich) jetzt – sofern Sie wollen – gern dickere Bretter bohren können. Vorher waren selbst dünne Bretter nicht möglich.

Wenn Sie machen, was Sie wollen, dann haben Sie schlicht mehr Möglichkeiten, was sie tun können.

Im Riesenreich der Zwergbürokratien

Jeder hat es vielleicht schon mal erlebt. Man kommt als Kunde zu einer relativ kleinen Firma, meist inhabergeführt. Und aus heiterem Himmel gibt es Probleme. Der Service kann nicht durchgeführt werden oder ist nur sehr langsam, weil Unterlagen „beim Kunden“ fehlen (die aufgrund von Schlampigkeit nie ausgeliefert wurden).

Oder man ist privater Neukunde und Selbstabholer, will schnell ein Produkt, weil es gebraucht wird. Dann kommt man mit der gefüllten Brieftasche in der Hand und erhält eine Absage, die im grunde genommen nichts anderes sagt, als: „Bei uns können Sie nicht bar bezahlen, wir brauchen eine Anweisung, um eine Lieferung zu legitimieren, die dann Kostenpflichtig ist.“ Oder: „Ich bin dafür nicht zuständig, das macht nur der Chef.“ Und wo ist der Chef? „Im Urlaub.“

Oder zu Geld gemachte Inkompetenz: „Bevor wir Ihnen weitere Fragen beantworten, müssen Sie zuerst einen langfristigen (und kostenpflichtigen) Service-Vertrag unterschreiben.“

Kleine Firmen verspielen oft Ihren Vorteil gegenüber finanzkräftigen Großkonzernen, weil sie sich exakt so verhalten, wie Großkonzerne. Aber nur letztere können es sich leisten. Minibehörden braucht keiner.

Tip: „Unternehmenspolitik“ kann sich nicht jeder leisten. Denn sie ist sauteuer. Man bezahlt nicht nur mit Geld, sondern mit einer noch härteren Währung: Zahlenden Kunden.

Manager fordern Leistung

Entrepreneure fördern Kreativität.

Manager sind Chefs auf sicherem Posten (besonders dann, wenn sie diesen Posten verlieren).

Entrepreneure sind angreifbar, da sie für Ärger sorgen, den Status quo in Frage stellen, als Neunmalklug & Spinner gelten (gilt nur für Deutschland) und hin und wieder auf die Schnauze fallen.

Manager erwarten Perfektion (von anderen).

Entrepreneure sind Outlaws und wissen, daß sie selber Fehler machen (müssen). — Ich fang schon mal an.

Wer macht mit?

Probleme, nur Probleme!

Überall nichts als Probleme heute (…und morgen). Egal, wo man hinschaut. Ob bei den anderen oder – natürlich viel schlimmer – bei uns selber. Schwierig und unlösbar sind sie auch noch. (Weshalb wir sie uns gar nicht erst ansehen.)

Dann umgehen wir sie und schon schon stehen wir (wie bei Hase und Igel) wieder vor diesem oder jenem Problem. Ignorieren wir das Problem, dann hat es Gelegenheit sich heimlich zu mästen und zu vermehren. Laufen wir davon, kommt es hinterher. Jetzt samt Anhang.

Stellen wir uns den Problemen, dann merken wir bei dem ganzen Ärger auch noch, daß wir uns vielleicht umsonst geärgert haben und unser Problem womöglich gar kein (so großes) Problem ist. Jedenfalls nicht so eins, wie wir es uns vorgestellt haben. Nicht mal auf Probleme ist verlaß.

Aber nun wissen wir zumindest, woran wir sind. Und die Outlaws und Entrepreneure unter uns (mich inbegriffen) wollten es ja so haben. Anders würde es auch nicht gehen. Wir sind Problemlöser, wir machen nichts anderes. Wir stürzen uns in unmögliche Situationen (was automatisch Probleme verursacht) und kreieren Lösungen. Das heißt, daß wir eigentlich Lösungsorientiert sind. Und ohne Probleme bekommen wir keine Lösungen.

Tip an uninformierte: Informieren Sie sich genau, wovor sie wegrennen. Bevor Sie wegrennen.

Der Chef weiß von nichts

Man könnte es auch so ausdrücken: der Chef muß ja nicht alles wissen, schon gar nicht die unangenehmen Dinge, die mit Verantwortung zu tu haben. Wo es diese unangenehmen Angelegenheiten gibt, da werden von seinen Wissenden (die einzigen Nutznießer dieses Chefs) potemkinsche Dörfer herumgebaut.

Aber was ist, wenn der Chef (doch) bescheid weiß? Entweder ist er sauber oder er macht es der Mafia gleich und behauptet einfach, es gäbe gar keine Mafia. Das gilt aber nur, sofern er überhaupt etwas sagt. Letzterer Fall tritt ein, wenn eine Bedingung erfüllt ist: Er hat potentielle Konkurrenten (Alternativen zu ihm selbst) schon vor langer Zeit , sagen wir mal, „entschärft“. Dann gibt’s nichts mehr zu sagen.

Tip an alle Vorstände, CEOs, Patriarchen und Bundeskanzlerinnen: Probleme führen zu Lösungen und Konkurrenz belebt das Geschäft. Und wenn man keine Probleme mehr löst und das Geschäft nicht mehr belebt, gibt’s bald keins mehr. Sogar dann, wenn der Chef noch immer irgendwie „der Chef“ ist.

Nicht nur Bauern sind vom Wetter abhängig

Wir alle sind es.

Der Getränkemarkt liebt die Sonne, weil bei Hitze mehr getrunken wird. Der Handwerker kann bei Frost oder feuchtem Wetter kaum Außenarbeiten durchführen, genauso Maler und Bauarbeiter. Piloten und Kurierdienste bekommen (Termin-)Schwierigkeiten und Ärzte schlichtweg mehr zu tun.

Wir sind alle von den selben Dingen abhängig, um zu überleben. Dinge wie Essen, Trinken, Luft und Liebe. Trotzdem wollen viele autonom und unabhängig sein.

Tip: Vielleicht sollten wir nach den richtigen Abhängigkeiten suchen.