Welcher Weg ist der richtige?

Diese Frage stellt sich spätestens dann, wenn wir an einer dieser Weggabelungen kommen, wo es zwei Möglichkeiten gibt weiterzumachen. Oder gar keine Möglichkeit, außer einen neuen Kurs einzuschlagen. Ungewiss ist, zu was der eine oder der andere Weg führen wird.

Wie sollen wir entscheiden? Schnell. Und warum? Weil wir keine Zeit verschwenden müssen. Was wir, was Sie tun könnten, ist eine Pause einlegen, Rast machen. Alles o.k. Mal nachdenken, innehalten – auch o.k. Aber nicht anfangen zu grübeln.

Letztendlich können wir uns nur auf einen Weg völlig einlassen. Wir können nicht beide Routen gleichzeitig einschlagen. Letzteres ist, was Zauderer versuchen. Aber welcher Weg ist denn nun der richtige? Das ist der, wo der Wind in Ihre Segel bläst. Und das sagt Ihnen Ihr Bauchgefühl. Oder der Wind. Aber der Wind kann ja drehen….

Fakt ist, der richtige Weg, ist der, den Sie dazu machen. Sofern Sie eine Entscheidung treffen. Dann gibt es keinen „falschen Weg“. Mit anderen Worten, wir bestimmen wo es lang geht. Nur daran müssen wir uns noch gewöhnen.

Die Münchhausen-Methode

Diese Methode hat es in sich und ist die Königsdisziplin für Entrepreneure. Wollen Sie unabhängig sein und sich auf Ihre Kunden fokussieren, dann sollten Sie von Anfang an das machen, was Münchhausen sagt. Baron von Münchhausen gibt gewissermaßen vor, was zu tun ist. Dann haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit eine solide Basis für ihr Unternehmen.

Der Baron sagte einst, daß er sich selbst an seinen Haaren aus dem Sumpf gezogen hat. Samt seinem Pferd. Das lustige ist, er hat sich nach eigenen Angaben (vielleicht doch nicht ganz freiwillig) erst in diese Situation begeben. Im übertragenden Sinne können wir das auch tun. Dazu brauchen wir weder Sumpf noch Pferd. Nichtmal Haare.

Hierfür gibt es auch einen Begriff aus dem amerikanischen (Englisch): Bootstrapping. Damit ist dasselbe gemeint. Der Sinn besteht nicht darin, unseren Kunden und Partnern die Hucke voll zu lügen. Denn dann würden wir tun, was Münchhausen tut. Wir können aber machen, was er sagt. Das bedeuet, etwas zu tun, was unmöglich erscheint. Man kann ein Unternehmen ohne Geldgeber sprichwörtlich hochziehen.

Man braucht statt Geld mehr Zeit, mehr Gedult und mehr Leidenschaft und mehr Kreativität um einen zusätzlichen Wert zu schaffen. Und man braucht ein durchdachtes Unternehmenskonzept, daß sowohl für Sie als auch für Ihre zukünftigen Kunden maßgeschneidert ist.

Man könnte sich und seine Kunden tatsächlich so langsam aus der Bedeutungslosigkeit herausziehen. Ganz ohne großes Marketing-Brimborium. Allein durch Vertrauen und ein Konzept, daß von Anfang an dem Kunden den Mehrwert und Respekt gibt, den er verdient. Das sollte funktionieren.

Tip: Heutzutage können Sie wahrmachen, was andere für schlicht unmöglich halten. Die ganzen Abzockerfirmen tun eher, was Münchhausen tat, nämlich Lügen. Das ist Ihre Chance mit Transparenz beim (potentiellen) Kunden zu punkten. Wir können wahrmachen, was der Lügner nur behauptet.

[Dieses Prinzip will ich für Klokain anwenden, unser Produkt. Damit es klappt, muß ich genau das tun, was ich in diesem Beitrag geschrieben habe. Über Klokain werde ich in nächster Zeit genaueres bekanntgeben und aus dem Nähkästchen plaudern. Live und unverfälscht.]

German Angst

Angst vor Veränderung des Status-Quo.

Angst vor Image-Schaden/Gesichtsverlust. (Scheitern innerhalb der deutschen Scham- und Leistungsgesellschaft mit konsequenter Isolierung durch andere.)

Angst vor Erfolg. (Siehe oben.)

Angst vor Verantwortung. (Daß man für sein eigenes Handeln zur Rechenschaft gezogen wird, kommt im strengen Deutschland einer gefühlten Hinrichtung gleich.)

Angst davor, seine „Sicherheit“ aufzugeben. (Diese „Sicherheit“ ist eine Illusion. In dieser Welt gibt es keine Sicherheit. Die Welt war, ist und bleibt unsicher. Seine Zeit mit exzessiven Sicherheitsmaßnahmen zu verplempern ist daher fehlgeleitete Energie.)

Angst vor das Fremde generell. (Weil es die soeben erwähnte „Sicherheit“ bedroht.)

Angst, aus der Reihe zu tanzen. (Den Kommentar erspare ich mir hier.)

Angst. (Ist natürlich und haben selbst Outlaws. Jene lassen sich von ihr aber nicht leiten oder gar führen.)

Tip: Angst ist der schlechteste Ratgeber, besonders die von der Sorte „Made in Germany“.

Der Marktschreier und der Märchenonkel

Es gibt sowohl Marktschreier als auch Märchenonkel. Beide haben unterschiedliche Methoden und Ziele. Beide haben ihre Daseinsberechtigung. Ist jemand gleichzeitig Marktschreier und Märchenonkel, dann wird daraus großes Entertainment, sofern er versteht, wovon er spricht. Wenn Sie Entrepreneur sind, ist diese Kombination Gold wert.

Wenn Sie die oben beschriebenen Eigenschaften besitzen und kein Entrepreneur sind, dann können Sie Ihr Talent nur einsetzen, wenn Sie zu 110% hinter dem stehen, was Ihre Organisation so fabriziert (oder treibt). Selbst dann noch, wenn Sie nicht dafür bezahlt werden und erst recht, wenn Sie Ihren persönlichen Einsatz reinstecken. Und der Kreis schließt sich.

Fakt ist, Sie werden es nicht jedem recht machen, weil die meisten eben Sie (abwertend) als „Marktschreier“ oder „Märchenonkel“ betiteln werden. Egal, Sie sind es trotzdem.

Als Jim McEwan, der nie selbst ein Unternehmen gründete (er ist das Unternehmen „Jim“) seine gut bezahlte und angesehene Position als Bowmore’s Marken-Ambassador beim japanischen Spirituosenkonzern Suntory (der aus Lost in Translation) freiwillig aufgab, um bei einem privaten Experiment auf Islay ohne sicheren Ausgang mitzumachen, lag es zum grossen Teil an ihm, ob es gelang oder nicht. Das war im Jahr 2000.

Bruichladdich [deutsch-phonetisch: „Brruch-Lahdi“] hatte nichts als Schulden, kaum relevante Kunden, die mächtige Konzern-Konkurrenz im Nacken und war eine ungünstig gelegene Ruine. Sie hatten keine Marketingabteilung. Aber sie hatten Jim. Er stand mit Inbrunst und Leidenschaft hinter seine „Babies“, wie er seine selbst kreierte Produktpalette nannte. Er schoß mit samt seiner Redegewandtheit oft über das Ziel hinaus. Egal, Perfektion ist für stumme Erbsenzähler. Jim war und ist der König in seinem Reich. (Sagt er selber und ich glaub ihm gern.)

Er und sein Mitstreiter Mark Reynier wurden zu Outlaws der Branche und brachen mit Konventionen im Akkord. Weil sie Produkte erschufen, die bei einigen Kennern als „Gepansche“ galten (jetzt nicht mehr!). Und sie hatten als erste den Mumm, aus dem obligatorischen Industrieverband, der Scotch Whisky Association (SWA) auszutreten bzw. erst gar nicht einzutreten. Wierum auch immer, es war ein Affront gegen alle. Aber die Produkte wurden beliebt und geschätzt, erhielten weltweit höchste Ehrungen von erfahrenen Gourmets, Whisky-Gurus und Aficionados.

Jede Flasche ist wie konservierte Magie. Ein persönliches Stück Jim. Die Kunden (Liebhaber) lieben das. Das einzigste, was die Kunden düpierte, war der verfrühte Verkauf an einem französischen Schnaps-Multi. Selbst das hat keinen nennenswerten Image-Schaden verursacht. Weil:

Ohne Jim hätten die kein einziges Fass verkauft. Jim müsste längst in Rente sein, aber er kann scheinbar nicht aufhören…   …er ist immer noch voll da. Eben wie ein echter Entrepreneur, wie einer von uns. Aber auf seine Art.

Tip: Sie müssen sich nicht „selbstständig“ machen, um Entrepreneur, Künstler oder Outlaw zu sein. Wenn Sie Vertrauen bei Ihren Kunden genießen, dann sind Sie bereits Entrepreneur. (Bzw. Intrapreneur als Teil einer Organisation.)

Wieviel verdiene Ich?

Wieviel wiege Ich? Wie alt bin ich? Wieviel Followers habe ich bei Twitter, „Freunde“ bei Facebook? Wieviel Haare habe ich (noch) auf dem Kopf? Fragen nach Zahlen, Zahlen, Zahlen.

Zahlen sind nicht immer eine verlässliche Größe, weil sie oft betrügen und wir das (wie bei einem guten Betrüger) nicht merken. Und wer mir nach obigen Zahlen fragt, der will anscheinend betrogen werden. Warum? Es ist einfach und bequem, Dinge, die eigentlich nicht meßbar sind, anhand mathematischer Größen zu kategorisieren.

Beispiel: Wenn ich wirklich wissen will, ob ich zu dick (oder zu dünn) bin, dann stelle ich mich vor dem Spiegel. Der Spiegel erzählt mir die brutale (und unbequeme) Wahrheit direkt ins Gesicht. Die Waage betrügt, indem sie mich vom eigentlichen Problem auf diplomatische Weise fern hält. „Wenn die Zahl stimmt, ist alles toll.“ Na dann Guten Appetit.

Dasselbe können Sie auf Einkommen (sehr realtiv, wenig real), Followers beim Zwitscherdienst (viele belanglose oder wenige glühende Fanatiker) oder beim Alter, was von Person zu Person sowohl biologisch als auch geistig erheblich schwanken kann, beziehen.

Tip: Wenn wir unseren Allgemeinzustand zurecht zu rechnen, lenken wir uns selber ab vor dem was wir haben. Nicht was wir nicht haben. Haben wir was, können wir daraus immer noch was neues, anderes machen. Akzeptieren wir uns.

Jobs oder Jobs?

Über Jobs:

Ein Anglizismus, den jeder kennt. Ein Job definiert im englischen, was jemand tut, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Im deutschen Sprachgebrauch auch. Aber mit der Einschränkung, daß damit eine Stelle, ein Angestelltenverhältnis bei einem Unternehmen, einer Behörde oder sonstigen Körperschaft gemeint ist.

Ein Beruf im Sinne von „Berufung“ ist es nicht. Denn jemand, der einen Job hat, folgt heutzutage eher dem Ruf der Notwendigkeit. Ein Job wird angenommen und gemacht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Nicht weil dieser Job so toll wäre.

Finde ich das o.k.? Nein, weil es eine existenzerhaltende Monokultur war und ist. Die letzten hundert, zweihundert Jahre hat es funktioniert, sein Leben lang bei jemanden seinen Job (heute mehrere) zu machen. Jetzt nicht mehr. Arbeiter und Angestellte werden respektlos behandelt, relativ mies bezahlt, mehr unter Druck gesetzt, gehetzt….

Über Jobs:

Ein Outlaw, den jeder kennt. Durchgeknallt, streitsüchtig und mit viel Geschmack. Leider viel zu jung verstorben. Und in Deutschland schlicht unmöglich. Aber er hat einiges mehr hinterlassen als Apple, Pixar & iPhones. Zum Beispiel seine Inspiration.

Tip:

Es ist besser ein Pirat zu sein, als der Navy beizutreten. Lasst uns Piraten sein.
Steve Jobs

„Das ist keine gute Idee!“

Oder wie wärs mit dieser Variante: „Das ist nicht realistisch!“

Keine gute Idee? Nicht realistisch? Dann ist es eben eine schlechte Idee. (Real können sie trotzdem werden.) Gute Ideen sind knapp. Und warum? Gute Ideen kommen nicht von selbst. Hier ist es oft wie beim häßlichen Entlein. Sie entwachsen gern aus schlechten Ideen. Die Realität ist, schlechte Ideen sind das Ausgangsmaterial für gute Ideen. Sie müssen nur (konsequent) entwickelt werden, um sie erfolgreich zu realisieren.

Schlechte Ideen sind typischerweise irre und geradezu verrückt. Sie machen Angst, man stellt sie gleich in Frage und schießt sie damit frühzeitig ins Aus (und die gute Idee, die daraus hätte werden können, gleich mit). Diese Form geistiger Abtreibung ist im sicherheitsgelähmten Deutschland höchst populär. Man macht es bei sich selbst und genauso energisch bei anderen: „Denn wenn ich keine Ideenkinder kriege, dann sollen andere das gefälligst auch nicht!“

Der spießbürgerliche Zwang, unbedingt als „normal“ gelten (oder tatsächlich sein) zu wollen verhindert eine gesellschaftliche Erneuerung. Diese Erneuerung ensteht dann eben woanders. Unzwar dort, wo die Kinder erwachsen geworden sind, die wir dann bewundern und versuchen zu kopieren. Diesen Trends hächeln wir dann nach und zahlen wie selbstverständlich den Preis dafür, um dabei zu sein. Das ist heute Realität.

Tip: Wir Entrepreneure können und sollten die Welt so sehen (und nehmen), wie sie ist. Dadurch können wir die Probleme in ihr früh genug erkennen, um sie mit einer ausgereiften Idee zu lösen. Wir sollten uns nicht von der Wahrnehmung anderer in die Irre führen lassen, wie sie die Welt „sehen“ oder was sie für „realistisch“ halten.

Die 5 wichtigsten beruflichen Ziele der Deutschen

Der leichteren Lesbarkeit halber habe ich die Top-Five-Liste rückwärts von unten nach oben gezählt:

Platz 5: Zu Tisch sein. (Alternative: Konferenz.)

Platz 4: Feierabend.

Platz 3: Wochenende.

Platz 2: Urlaub. (Alternative: Krank.)

Platz 1: Rente. (Alternative: Pension.)

Wenn man liest, daß gut die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland mit ihrer Beschäftigung (Stelle, Job, Arbeit, Posten, bloße Anwesenheit) zufrieden sind, dann ist es die andere Hälfte wohl nicht. Und die Tendenz zur Unzufriedenheit steigt. Beschäftigte oder „Arbeitnehmer“ werden immer mehr leisten müssen. So gemütlich wie früher wird es nicht mehr.

Die Gesellschaft geht weg von einer industriellen Wirtschaft und (wenn sie weiter bestehen will) hin zu einer kreativen Wirtschaft. Aber Deutschland ist ein stark industrialisiertes Land. Das will man nicht aufgeben, also gibt’s Druck, eben diesem System mehr denn je zu dienen.

Eine Alternative zum oben genannten (und dessen Alternativen) ist Entrepreneurship im Sinne von Unternehmensgründungen seiner selbst wegen. Dann können Sie alle Top-5 von oben vergessen, weil diese nicht mehr erstrebenswert sind. Im Gegenteil, sie stören. Und die Gründer werden stören, und zwar die Industriepolitik.

In den Schulen gibt es das Thema Entrepreneurship nicht, denn es hat viel mit Kreativität und weniger mit Anpassung oder arbeiten nach Handbuch zu tun. Stark vereinfacht ausgedrückt: Es wird einem beigebracht, wie man sich einen (beschissenen) Job sucht und sich ins System einfügt.

In Deutschland liebt man die Ordnung, aber wo die Ordnung herrscht gibt es keine Kreativität, keine Kunst. Ideen werden nicht weiterverfolgt oder entwickelt. Vielleicht wartet man auf Investoren, die aber meist das Gegenteil bewirken.

Tip: Seien Sie mal einen Tag lang unordentlich, besser chaotisch. Bringen Sie ihren Alltag durcheinander. Gehen sie auf Leute zu, die Sie sonst nie ansprechen würden. (Es müssen ja nicht gleich die Nachbarn sein.)

Machen Sie was Sie wollen

Das, was Sie wirklich wollen, sollten sie in unternehmerischer Form auch tun. Klingt plausibel.

Nicht so plausibel klingt folgendes: Das, was sie lieben, sollten sie lieber nicht tun. Warum? Weil es gefährlich ist und zu Verbitterung führen kann. Sei es eine Liebhaberei zu einem bestimmten Produkt oder die Liebe zu einer Tätigkeit. Man kann es machen. Es funktioniert nur selten. (Nicht, daß es unter Umständen nicht funktionieren würde.)

Bei mir hat es jedenfalls nicht funktioniert, als ich  vor ca. 15 Jahren (1998) eine Firma für Industriedesign gründete. (Obwohl ich mich eher wie ein Freiberufler verhielt.) Ich liebe Formensprachen und Ästhetik. [Auch wenn dieser Blog gegenwärtig noch nicht danach aussieht.]

Aber:

Wenn man etwas liebt, will man nichts anderes mehr machen. Selbst dann noch, wenn es nicht mehr funktioniert. Viele, insbesondere Freiberufler können nicht loslassen, jagen von Auftrag zu Auftrag. Und man tut und opfert so einiges für diese Aufträge, seien sie noch so mickrig.

Man frisst sich in seine eigene Liebe hinein, wie bei einem Kolbenfresser. Dadurch verliert man den Blick für alles andere, auch weil man denkt, nur dieses eine Talent zu haben. (Was nicht stimmt, denn jeder hat mehrere schlummernde Talente bzw. Neigungen.) Ich konnte nach einigen Jahren schließlich kein Design mehr sehen und habe aufgehört, das zu tun, was ich zuvor noch liebte.

Allerdings, wenn man tut, was man will, kann man mehrere Talente gleichzeitig einsetzen und bleibt zudem flexibler. Man ist weniger frustriert, der Kopf bleibt kühler und man fällt bessere Entscheidungen. Nun opfert man ja nichts mehr für die geliebte Tätigkeit. Dabei ist das beste, daß Sie (und ich) jetzt – sofern Sie wollen – gern dickere Bretter bohren können. Vorher waren selbst dünne Bretter nicht möglich.

Wenn Sie machen, was Sie wollen, dann haben Sie schlicht mehr Möglichkeiten, was sie tun können.