Wie du dir Respekt verschaffst

Image by Guilhem Vellut *–*

Ich komme wie immer gleich zum Punkt: Leute, die sich Respekt verschafft haben, entziehen sich jeden üblichen Vergleich.

Selbstredend ist dies bei jedem — du ahnst es — anders.

Auch jemand, der ein sicheres und geregeltes Leben hat, kann sich Respekt verschaffen – gern über den Umweg der Bewunderung – indem er kleine Dinge so macht, wie er oder sie es für richtig hält.

Nimm dir nur ein kleines Detail vor. Eines, das dich beschäftigt. Und dann sei konsequent. Deine Sprechweise, die Kleidung, die Haare, der Gang, die Art der Begrüßung, die Gesten oder Geschäftsgebaren. Irgendwas, womit man dich erkennt und was keiner so gut hinkriegt wie du. Und… das mit dem Umgang mit anderen zu tun hat.

Bestimmte Leute werden nicht deshalb respektiert, weil sie reich, gebildet oder eine Hipster-Bartverlängerung aus Affenhaar haben. Die werden respektiert, weil die sich eine Sache trauen, die sich sonst keiner getraut hat. Das Unterscheidet sie. Es ist der Unterschied, der sie respektabel macht. Sogar für ihre Feinde, besonders jenen, die in allen Punkten gegenteiliger Meinung sind.

 

Es ist schwer, sich der Welt zu entziehen, wenn du ein Teil von ihr bist

Und das bist du. Und zwar von Geburt an. Da gibt es kein Entrinnen. Du bist immer involviert. Entweder passiv oder aktiv.

Also, warum solltest du es dir schwer machen — mit dem Entzug von der Welt? (Auch Tod genannt.)

Bei „passiver“ Involvierung bestimmen andere über dich. Bei „aktiver“ Involvierung bestimmst du über dich.

Ein Risiko gibt es in beiden Fällen. Aber glaub mir, du bist erheblich kompetenter, was dich betrifft, als sonst irgend jemand. Somit machst du das unvermeidliche Risiko namens „Leben“ für dich kalkulierbarer. Und spaßiger.

Du siehst, wer bestimmt, wird respektiert. Im großen wie im Kleinen. Du musst jetzt nicht die Weltherrschaft anstreben.

Am besten ist es, wenn man es sich zur Gewohnheit macht, nicht verunsichert immer der Herde, dem Handbuch oder den Vorgaben hinterher zu hinken wie Doktor Renfield einer begrenzt schmackhaften, aber wendigen Fliege, während Graf Dracula feinstes Blut direkt aus dem Hals von hübschen Frauen trinken darf. Sei doch gleich kreativ und fantasievoll.

Vor Renfield hat keiner Respekt. Vor dem alten Dracula schon.

Auch Erfolg allein verschafft dir auf Dauer keinen Respekt. Der ist nur ein Symptom. Respektiert wirst du für das, was dich zum Erfolg geführt hat. Und das ist dein Mumm, einen Unterschied zu machen. Wie? Das entscheidest du. Aber höre bitte nicht auf den ängstlichen Teil von dir.

 

Positiver Vampirismus

Es geht hier darum, wie du dir Respekt verschaffst und nicht um Vampire. Aber irgendwo muss ich dich ja abholen.

Vampire sind negativ, weil sie davon ‚leben‘, anderen den Lebenssaft auszusaugen. Nicht umsonst gibt es den Begriff vom Engergievampir, also jemanden, den du erfolglos aus dem Weg gehst, um danach für den Rest des Tages erledigt zu sein. Ausgesogen, sozusagen.

Aber Vampire, zumindest die in klassischer Literatur und Film, haben Stil und werden – über den Umweg der Furcht (teilweise Bewunderung) – respektiert.

Das heißt für dich, statt Jungfrauen das Blut auszusaugen kannst du es anders herum machen. Nein, renne jetzt nicht mit zwei Eimern zur Blutspende, sondern lies erst mal zu ende.

Wie wäre es, den guten Wein (Whisky, Champagner) einzuschenken oder zu bestellen, anstatt der Billig-Plörre? Wie wäre es, der netten Bedienung ein sattes Trinkgeld und ein Lächeln zu geben, anstatt den hektischen Geizhals raushängen zu lassen? Damit respektierst du dich und andere. Und du zeigst es.

Mal ehrlich, wie soll dich jemand respektieren, wenn du weder dich noch andere mit Respekt behandelst?

Du musst nicht jeden respektieren, sondern die, die dir wichtig sind. Selbst Vampire sind charmante Gastgeber, weil denen ja auch was wichtig ist. — Auch wenn es nur frisches Blut ist.

Oder wie wäre es, den Leuten, die bei dir was kaufen, immer eine extra Portion (Sorgfalt, Service, Freundlichkeit, Qualität, Beratung, Bequemlichkeit, Erlebnis) mit zu geben? — Auch wenn dir deren Geld wichtig ist.

Um respektiert zu werden, musst du jetzt nicht das Batmobil fahren oder den harten Chicano spielen und regelmäßig Leute umbringen. Du musst auch kein Schloss oder – je nach gusto – Reichskanzlei bauen, wie früher. Aber: Du kannst dir was trauen, trauen zu entscheiden.

Respekt kannst du erweisen, wem du willst. Deine Entscheidung. Auch das sagt was über dich aus, zum Beispiel von wem du respektiert werden möchtest. Das einfachste Beispiel ist eine funktionierende Partnerschaft.

Und noch was: Entweder du bist Dracula oder Van Helsing. Alles dazwischen ist lau und langweilig. Einen Langweiler hat noch nie jemand respektiert. Du etwa?