Wir alle sind Prinz Charles

Original image by Ian Burt

Nein, wir sind Thronanwärter, ähnlich wie Prinz Charles. Der ewige Prince of Wales steht halt für nichts Gutes. Aber auch für nichts Schlechtes.

Er steht einfach nur für einen Sohnemann, den Mutti nun mal nichts zutraut. Gerade jetzt, wo das restliche Empire schneller zu zerbröseln droht als ein Queen Cake aus der Thatcher-Ära… da bleibt die Alte doch lieber noch.

Um noch etwas an Konstanz und Würde zu wahren, macht sie es wie die deutsche Mutti. Das heißt, sie wird nicht weichen.

Nicht zuletzt auch deswegen, weil sich ihr Hintern so schön an den Thron gewöhnt hat. Auch an das Klopapier im Buckingham Palace und dem Bentley.

Deshalb musste sie dieses von Mortimer dem Kammerdiener mit dem stilecht von Spinnweben verschönerten Handfeger unterm königlichen Sofa hervor geholte Ding — diesen Queen Cake — schnell schlucken. Und warum?

Um wegen dem darin durch Überlagerung reichlich enthaltenen und von Hausstaubmilben durch Ausscheidungen verfeinerten Acrylamids ewig zu leben.

Eine Teilmumifizierung ist aus britischer Sicht immer noch besser als zu sterben oder gar bei vollem Verstand noch zuzusehen wie Charles mit seinem roten, in Scotch getauchten Riechkolben das Übel nicht mehr wittern kann, wie Untertanen ihre getrieben Politiker dazu zwingen, unterbewusst die royale Ursippe noch weiter zu versauen.

Nein, hier geht es nicht um Bloody Britain. Oder darum, was Kamilla noch alles anstellen muss, damit Klein Charlie bei ihr Männchen macht.

Es geht darum, dass das Leben scheiße sein kann. Selbst dann (oder erst recht dann), wenn man der älteste Prinz der größten Monarchie der Welt ist und unbegrenzten wie kostenlosen Nachschub an 15-jährigen Laphroaig hat.

Wenn dir keiner was zutraut, dann bist du am Arsch. Und nein, hier geht es auch nicht um Charles(` Mutti).

Sondern um dich. Und du könntest Prinz Charles sein. Oder, je nach Wahl, Putin. Oder (nein, nicht Trump. Trump ist einmalig), sagen wir…Bob…

 

…Bob Dylan

Er ist der unbestrittene König unter den (noch lebenden) Songwritern. Nicht weil er Song-König sein wollte. Sondern, weil er auf seine Art immer wieder dasselbe von dem gemacht hat, was er sowieso schon macht: Richtige Musik.

Bob hat immer musiziert wie Thomas Müller Fußball spielt. Mit extrem viel Ballkontakt gelingt es Thomas manchmal ein richtig schönes Tor zu schießen. Und mit viel ‚Musikkontakt‘, also dem spielen der Lieder anderer oder mit anderen schaffte Bob mehr und mehr eigenes Material. Und dadurch hin und wieder ein legendäres Werk. Beide arbeiten für Geld und liefern meist kurz vor Schluss.

Und… keiner konnte und kann sich den Erfolgsdruck so gut entziehen wie Bob Dylan. Er ist nur dann Bob Dylan, wenn er Bob Dylan ist. Das kann Thomas Müller nicht.

Ja, Bob hat massig durchschnittliches Zeug fabriziert. Aber darunter sind nun mal auch einige der weltbesten Songs überhaupt. Und so was kommt nicht, wenn man nur einen Song schreibt. Oder acht.

Machts du viel, bist du Bob Dylan. Der Bob Dylan des […worin du gut bist…]. Ich habe entdeckt, dass jeder Bob Dylan ist. Einer, der produziert statt konsumiert.

Produktivität ist nicht gleich bedeutend mit Fleiß oder mit dem Abarbeiten von Vorgaben anderer. Produktiv bist du im massenhaften Erschaffen von dem, was du wirklich gut kannst. Von dem, was aus dir selbst heraus kommt. Deine kreativen Orgasmen. Dabei kannst du inspiriert sein. Aber leider nicht kontrolliert und formatiert. (Charles‘ Problem.)

Von dem, was du wirklich gut kannst ist das meiste immer noch scheiße. Das meiste, wohlgemerkt. Denn das ganz wenige, das davon gut ist, ist dann so gut, dass es brillant ist und alles andere (auch dein eigenes) überragt und trägt.

Dieses bisschen kann so gut, so gewaltig sein, dass es sogar noch deine Scheiße mit aufwertet. Denn die ist ja von demselben, der das Gute, das Brillante produziert hat. Und ein Bob Dylan-Song ist ein Bob Dylan-Song, nicht wahr?

 

Nochmal zurück zum ewigen Thronanwärter

Bei Prinz Charles habe ich – genau wie die Queen – den Eindruck, dass er der Aufgabe, König zu sein, nicht gewachsen ist. Nicht weil er zu faul oder zu dumm wäre. Nein.

Er, Prinz Charles wird wie viele („junge“) Leute heute einfach erschlagen von der abverlangten Perfektion alles richtig, korrekt und gleich beim ersten Versuch fehlerfrei hin zu bekommen. Der Druck zur Anpassung ist größer als die eigentliche Anpassung. Und die ist schon schlimm genug.

Besser wird es auch nicht, wenn Charlie noch etwas tun soll, wozu er nicht geeignet ist. Genau wie viele Leute.

Diese vielen Leute sind bestenfalls alles kleine Prinzen. Alles kleine Luschen, Lutscher und Weichtiere. Meistens aber sind sie Kopien von ihresgleichen. Um nur nichts falsch zu machen und daher von vornherein nicht zu viel zu machen. Am besten gar nichts.

Himmel Donnerwetter nochmal, ich will Falschmacher, Reißer und Beißer sehen. Und wo zum Henker sind sind die Könige?

Ich meine die Könige, die ihr Reich, trotz Rückschlägen, selbst erschaffen.

Wer keine Rückschläge akzeptiert oder aushält hat hat kein Anrecht auf die Krone. So jemand ist ganz tief im Innern mal ein bisschen Bob Dylan gewesen, aber er lebt und liebt diesen-seinen Bob nicht. (Sein inneres Kind. Sein Original. Sein Unikum.)

Fazit: Nein, Thomas Müller ist nicht der Bob Dylan des Fußballs. Bob ist ein wenig Thomas Müller. Beide beschäftigen sich eine Menge, mit dem was sie tun. Und Übung machte sie zum Meister. Das kann dir auch passieren. — Während Prinz Charles, wenn er nicht gestorben ist, immer noch Thronanwärter ist. Aber auch darin kann man Meister werden.