Kunden zuerst, KUNDEN ZUERST!

Original image by Rita Willaert, CC BY 2.0

Wer im Internet oder in sozialen Medien in Großbuchstaben schreibt, der schreit und brüllt. Nein, so jemand hat sich nicht im Griff, das gehört sich nicht. Und ja, ich hab‘ mich diesmal nicht im Griff. Denn ich hab die Faxen dicke.

Mal ehrlich, hast du Lust bei jemanden zu kaufen, zu lesen oder zuzuschauen, dem du als Kunde, Leser oder Zuschauer scheiß egal bist? Oder hast du Lust darauf, nach einer Abzocke oder einer berechtigten Reklamation auf arrogantes Getue oder taube Ohren zu stoßen, oder mit Ausreden oder verallgemeinernden Textbausteinen abgefertigt zu werden?

Nein? Gott sei Dank.

 

Elitäre Überheblichkeit

Wir wissen nicht erst seit der erfolgreichen Beweisführung von Präsident Evil, der mich zur Überschrift verleitet hat, dass elitäre Augen blind und elitäre Ohren taub für die Bedürfnisse und Nöte bestimmter Leute sind. Leute, von denen sie abhängen.

Und wir müssen ab jetzt auch keine vergilbte Watte als Kopfschmuck tragen und Luftakkordion spielen, um unseren Frust Ausdruck zu verleihen.

Aber wir können als Kunden, Leser oder Publikum genau überlegen und genau entscheiden, wen wir unser Geld geben, wen wir kommentieren und wen wir unterstützen.

Einen Kommentar auf einem sozialen Medium (z.B. Blog) zu hinterlassen braucht ein paar Minuten unserer Zeit (Beitrag lesen, Kommentar ausdenken, Kommentar schreiben).

Und wie wir wissen, ist Zeit Geld. Unser Geld. Also Geld wofür wir unsere Lebenszeit aufgewendet haben, um es zu verdienen. Das rücken wir deshalb nicht so leichtfertig raus. Sollte man meinen.

 

Das Opfer verliebt sich in seinen Peiniger

Oder das Opfer kann nicht von ihm ablassen. Bekannt ist das Beispiel vom Mann, der täglich besoffen seine Frau schlägt, die aber bei ihm bleibt, statt sich zu trennen, die ihre Klappe hält anstatt Hilfe zu suchen.

Leute wie dieser Mann und diese Frau gibt es leider auch oft als Anbieter und Kunde.

Kunden werden zu Profitcentern und damit zu Opfern ihrer Profiteure. Jene sind Anbieter von Produkten, Diensten oder Medieninhalten mit Kommentarfunktion (Online-Zeitung, Blogs, FB-Posts etc.), die ihre Kunden, Leser oder Follower nicht wertschätzen. Warum?

Weil die sie ignorieren, für gegeben hinnehmen, oder sagen wir ‚übersehen‘.

Ich habe sehr oft den Eindruck, das Verkäufer im Einzelhandel (oder deren Bosse), Blogger oder Redaktionen es nicht für nötig halten, mit dem Kunden, Besucher, Leser auf Augenhöhe zu kommunizieren. Besonders nach dem ‚konsumieren‘ des jeweiligen Angebots.

 

Ein Beispiel, das ich miterlebt habe:

Mit der Lustlosigkeit eines genervten Dorfdoktors beantwortet der Inhaber eines Spirituosengeschäftes sehr einfache und nett gestellte Fragen. Und zwar, Sekunden nachdem ein Bekannter von mir bereits zwei teure Superpullen dort gekauft hatte. Er war nämlich bereit, dort noch mehr, also noch zusätzlich über – Halleluja – 800 Euro für edlen Stoff auszugeben.

Vielleicht stand der Ladenbesitzer unter Schock, weil er einen Kunden (Ausländischer Tourist) hatte, der sich das Zeug auch leisten kann.

 

Noch ein Beispiel:

Mit der ausdruckslosen Art eines Patentanwalts auf Valium leiert der Nordamerika-Chef eines hochpreisigen Motorradherstellers, also eines sehr emotionalen Produktes, die längst bekannten Fakten immer und immer wieder runter, während er – Halleluja – neben Jay Leno steht, der selber genervt, einfach den Motor startet und Gas gibt.

Womöglich war der Boss deshalb so dröge, weil man bei Ducati davon ausgeht, dass das Bike von Anwälten gekauft wird?

 

Und noch ein Beispiel:

Ein weiterer Bekannter kaufte sich einen neuen VW für 35 Mille. Dann fängt der Motor beim Beschleunigen an zu zwitschern wie ein notgeiler Buchfink. Der Meister der Fachwerkstatt jenes Händlers hatte zuerst keine Ahnung, danach keine funktionieren Ersatzteile und zum Schluss keine Lust mehr auf den Kunden.

Vielleicht hat man damals bei VW den Begriff Twitterfunktion noch irgendwie falsch verstanden.

 

Und noch ein paar Beispiele, wie man sie überall sieht:

Ein Blogger hat es weit gebracht, denn er bekommt im Schnitt sagenhafte 5 echte, interessierte Kommentare pro Beitrag.

Die er aber nicht beantwortet. Wenn ich das irgendwo sehe, dann lese ich den Beitrag nicht. Da ist mir jemand lieber, bei den man – aus genau definierten Gründen – nicht kommentieren kann. Vielleicht halten sich diese Blogger für Ernest Hemmingway. Der antwortet ja auch nicht mehr. Weil er tot ist.

Eine Stufe tiefer gibt es Blogger, die wohlwollende Emails nicht beantworten. Denen sollte man den Onlinezugang sperren und jedes Mal einen Stromschlag verpassen, wenn sie die Tastatur berühren.

Die (noch) etablierten (aber untergehenden) Medien sind da frecher. Die haben sich selbst überhöhende, aber gut bezahlte Schreiberlinge, die mehr grobe Fehler, unverständlichen Quark, Langeweile und Falschaussagen in einem Beitrag hineintippen als ich in diesem ganzen Blog bisher.

Dann kommentiert mal ein freundlicher Leser und weist auf die belegbaren Fehler hin und was passiert? Nichts. Auch nicht nach Jahren.

Die verantwortlichen Redakteure gehören gefeuert. Danach können sie sich wieder hinlegen.

 

Kaufe nicht beim Ignoranten

Bevor ich hier noch einen Tobsuchtsanfall kriege (das überlasse ich Schack-Elstern und dem US-Präsidenten), stoppe ich hier meine Aufzählung von Beispielen.

Statt dessen empfehle ich dir etwas, das garantiert gut für dich ist:

Gib dein Geld dort aus, wo du nicht einfach nur eine Ware bekommst. Kommentiere dort, wo du eine (ehrliche) Antwort bekommst. Und unterstütze diejenigen, wo du ahnst, dass sie im Erfolgsfalle nicht völlig abheben und noch ganz genau wissen, wer sie dort hin gebracht hat.

Andersrum: Hast du etwas anzubieten, dann weißt du, was du zu tun hast. Enttäusche nie einen Kunden, Leser oder Unterstützer. Lass ihn oder sie niemals hängen.