Wie man sich selbst (zur Party) einlädt

Image by Daniel Rossi

Stell dir vor, du platzt irgendwo uneingeladen hinein. Am besten dort, wo man dich weder erwartet noch kennt. Das macht man nicht.

Oder?

Doch, das macht man schon. Das sollte man sogar machen, besser, du solltest es machen, wenn:

Du damit ein bestimmtes Ziel erreichen kannst, dass du erreichen willst. Was sonst? Aber macht es überhaupt Sinn?

Meistens ist dies keine so gute Idee. Aber du bist sicher kein Typ für ‚Meistens‘. Sondern jemand, der weiß, was er will.

…und jemand, der willkommen ist. Oder doch nur wieder Ärger macht.

 

Willkommen wird man nicht. — Man ist es. Oder man ist es nicht.

Nochmal: Kannst du dir vorstellen, dich selbst bei jemanden einzuladen, der dich nicht eingeladen hat? Genau dorthin, wo du eigentlich – oder sagen wir offiziell – nicht dazu gehörst. Das kann eine Party, ein Club-Abend, ein Treffen, ein Gremium oder sonst was sein. Die Antwort: Ja, du kannst, jederzeit. Aber womöglich tust du es nicht.

Dann schiebst du Ausreden vor, wie: „Sonst gucken die doof.“ Oder „Dann gibt’s bloß Ärger.“ Na und? Hauptsache du guckst nicht doof und machst keinen unnötigen Ärger. Denn, jemand, der weiß, was er tut, der guckt nie doof. Andere dann aber umso mehr. Und wegen Ärger lädt sich keiner selbst ein, außer Lebensmüde oder Chuck Norris. Verstanden?

Gut.

 

Gehen wir rein in die Materie. Natürlich ohne Einladung.

Das Unwahrscheinliche wird für dich erst dann wahrscheinlich, wenn du das unwahrscheinliche tust. Es geht nur so und nicht anders. Und trotzdem, sich selbst einladen, das klingt erst mal so absurd wie eine Vespa zu kaufen, um einen MC zu gründen oder mit einem Chopper am Moto Grand Prix teilzunehmen. Aber es gibt Dinge im Leben, die um einiges einfacher, ungefährlicher und damit machbarer sind. Genau die sollte man einfach machen..

Ich schreibe offen, dass dieses Thema nichts für introvertierte ist. Dieser Blog, das ganze Klokain-Kartell ist nichts für Introvertierte. Da gibt es hunderte von Blogs für introvertierte. Was ich hier tue ist für Extrovertierte. Und: Auch Extrovertierte können – in entsprechnender „Gesellschaft“ – schüchtern, gehemmt oder einfach nur abgeschreckt sein.

Dann hilft nur noch, sich selbst zu entschrecken. Wie? Indem man sich nur dorthin einlädt, wo man ohnehin offene Türen einrennt. Was mich selbst betrifft, habe ich zwar ein sehr gutes Bauchgefühl, wo oder bei wem ich willkommen bin. Aber Begegnungen mit Idioten sind genauso wenig auszuschließen, wie es auf irgendwas im Leben eine Garantie gibt.

 

Das Leben ist von Natur aus gefährlich und unberechenbar

Du kannst dein Leben lang in einer gefährlichen Gang sein. Du kannst dein Leben lang Rennen fahren oder als Stuntman arbeiten. Und kannst 40 Jahre lang als Söldner arbeiten.

Aber irgendwann willst du deine Mutter besuchen und auf dem Weg dorthin in einer beschaulichen Reihenhaussiedlung mit Blümchen und Gartenzwergen fällt dir so ein scheiß Ziegelstein auf den Kopf, weil Fritze Blau sein Dach nicht repariert hat. Und Mutter wundert sich dann, warum du schon wieder nicht pünktlich bist.

Nur so nebenbei: Eine Heile Welt gibt es nicht. Schon gar nicht dort, wo es danach aussieht.

Also was soll das Theater von Sicherheit, Vorsicht, Mäßigung und all den Quatsch? Es bringt nichts. Übervorsicht bringt nichts. Zurückhaltung bringt nichts. Nichts bringt nichts. Und Gefahren lauern überall. Denn die Ganze Welt ist gefährlich.

Und wenn die Welt schon gefährlich ist, dann lebe ich lieber gefährlich und abenteuerlich als gefährlich und langweilig.

Locker-leichte Lebemänner und Hallodries haben den Dreh raus, denn die scheren sich nicht um etwaige Gefahren. Deshalb kann man von ihnen einiges lernen. Ich glaube einige dieser Leute haben den Begriff „proaktiv“ erfunden.

Von so jemanden hier gleich mal ein Beispiel:

 

Hans & Franz

So richtig proaktiv und angriffslustig war ein Bekannter von mir, den ich erst kürzlich wieder getroffen habe. Nennen wir ihn Hans*. Hans könnte man nicht direkt als extrovertiert bezeichnen. Eher als getriebenen. Das reicht schon.

Wenn Hans von einer Party gehört hat, dann leuchtete bei ihm sofort die rote Alarm-Leuchtreklame auf. Für Hans gab es nur ein Kriterium, nur einen Grund, sich ohne Vorankündigung einzuladen: Weiber.

Ein anderes Kriterium oder einen sonstigen Grund gab es für ihn nicht. Nicht für Hans.

Er war nie beleidigt oder in seinem Selbstwertgefühl gemindert, nur weil er nicht offiziell eingeladen wurde. Selbst dann nicht, wenn Kollegen ihn auf privaten Feiern nicht einluden. Er kam trotzdem. Und er war dann meist der beliebteste Gast und oft der einzige, an den man sich erinnern konnte. (Weshalb er dann immer öfter gezielt eingeladen wurde.)

Er erwischte immer die schönste Frau. Er ging nie leer aus. Das wusste er schon vorher.

Warum ging er nie leer aus? Kannte er gewisse dort anwesende Frauen? Nein. Es gab andere Gründe:

Grund 1: Als denkenden Menschen war ihm klar, dass auf jeder Party auch Frauen sind. Er musste nicht wissen, wer es war. Denn als Frauen-Gournet ließ Hans sich gern überraschen. Allein die Neugierde trieb ihn schon an.

Grund 2: Er war gut gelaunt. Denn wer schlecht gelaunt ist, der lädt sich besser nicht zu Parties von fremden Leuten ein.

Grund 3: Hans hatte jemanden, der ihn jedes mal aufs Neue zwang, sich einzuladen. Und dieser jemand war Franz. – Ein Körperteil, halb Freund halb Schwanz.

Grund 4: Er hatte bei jeder Party immer einen Mann vor Ort, der ihn kannte, oder einen Freund, der sagen konnte, dass Hans „dazu gehört“. — Sein freundliches Wesen und seine tadellose Erscheinung erledigten den Rest.

Grund 5: Er vertraute sich selbst und machte sich damit sozusagen ’systematisch beliebt‘. – Man kannte ihn immer schon von woanders her. Somit war er routiniert im Umgang mit fremden Leuten und niemand konnte seinem Charme widerstehen — Trotz seines Rufes.

Grund 6: Geschicktes Timing. Er kam nie gleich zu Beginn einer Party. Aber auch nicht zu spät, denn er wollte eine Frau wie eine Rosine heraus picken. Er kam erst später dazu, so „beiläufig“. Er war halt „gerade zufällig in der Nähe“. (Natürlich mit Absicht.) So frei nach dem Motto „Ach bei Euch ist eine Party? Na wenn ich schon mal hier bin…“.

Hans war ein Meister des ‚Point of Entrance‘, so wie man es bis dato nur von Überraschungsauftritten Prominenter in amerikanischen Late Night Shows kannte. Er erschien immer genau im richtigen Moment. Also dann, wenn alle schon angetrunken genug waren, dass sie nicht mehr wussten oder es egal war, ob Hans überhaupt eingeladen wurde.

Hans jedenfalls sah offizieller, sprich eingeladener aus als manch eingeladener Gast. Er wartete nur, bis die regulär eingeladenen Party-Gäste schon zwei, drei Drinks intus hatten. Wen interessieren dann noch Kleinigkeiten?

 

Image by Simon Thomas

Hans nutzte die häufige Tatsache, dass sich die Frauen ausreichend sturmreif gesoffen hatten, um von ihm in Angriff genommen zu werden. Sie waren bereits genug enthemmt. Hans war nun derjenige, der die beginnende Langeweile der Damen für sich zu nutzen wusste.

[In den USA würde Hans, der dort sicherlich John heißen würde, etwas zum trinken mitbringen. Meiner Erfahrung nach ist das aber kein Muss… wenn man selber nichts trinkt.]

Kurz, Hans wartete wie ein Kater auf die Maus. Und unser Damen-Gourmet Hans bekam seine Maus auf dem Silbertablett.

 

In anderen Lebensbereichen ist es genauso

Wenn die Zusammensetzung mit den richtigen Leuten stimmt, die Lage sondiert und der Zeitpunkt reif ist, dann heißt es: Zupacken.

Ich behaupte in 9 von 10 Fällen funktioniert kein Vorhaben. Und warum?

Weil die Vorarbeit und damit die ganze Strategie zur Ausführung fehlt. Und vorarbeiten kann man nur mit Geduld und Beobachtungsgabe. Freundschaften und Ehen werden ja auch nicht von heute auf morgen geschlossen. (Zumindest im nüchternen Zustand.) Und falls doch, dann wissen wir, was am Ende meist heraus kommt. Dasselbe gilt für Künstler-Karrieren, Unternehmensgründungen, Olympia-Medaillen und Bestseller.

Das noch viel schlimmere Problem ist, wenn man gar nichts tut, nur weil man es für aussichtslos hält. Oder erst dann in Aktion schreitet, wenn eine todsichere Zusage von außen kommt. (Die so gut wie nie kommt.) Dann funktioniert in 10 von 10 Fällen nichts.

Du musst nicht extra warten, bis dich jemand bittet (einlädt), etwas zu tun, worin du ausgesprochen gut bist.

Ja, es wird vielleicht jemand darum gebeten, das zu tun, was du am besten kannst. Und wenn das passiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du derjenige bist Eins zu Sieben Milliarden.

Die Wahrscheinlichkeit spielt gegen dich, solange du nicht derjenige bist, der dich einlädt, genau das zu tun. Tust du es, dann hast du zwar noch immer keine Garantie auf Erfolg. Denn auch die gibt es nicht. Aber du gibst dir die Chance, dass die Wahrscheinlichkeit darauf jetzt 1:1 steht statt 1: 7.000.000.000. Kurz: Der gefährlichste Kater bekommt die Maus…

Image by Andy Miccone

…oder noch besser, die Katze.

 

 

 

 

 

 

 

Miau.


*Namen geändert.