Die Probierer

Image by badlyricpolice

Ehrlich, mir schwillt jedes Mal der Kamm, wenn ich wieder höre, dass irgend jemand erst mal irgend was probieren muss. Was muss der denn probieren? Das, was er nicht haben will? Oder will er probieren, ob er noch probieren darf?

Probieren ist eigentlich Quatsch. Selbst teure Immobilien oder Ehefrauen kann man(n) nicht probieren. Die muss man so nehmen, wie sie sich präsentieren. Probieren gibt es nicht, schon gar nicht in der Form wie das Probierte sich später im Alltag bewährt. Probieren sollte man in einigen Fällen schon.

Allerdins nur wenn man der richtige Probierer dafür ist. Weiter lesen…

Braucht man für einen Hexenbesen eine allgemeine Betriebserlaubnis?

Original image by Thomas Widmann, Denseman on the Rattis

Muss ich für einen der letzen Flugfähigen (restaurierten) Hexenbesen russischer Bauart eine Typgenehmigung, einen TÜV und eine Zulassung bzw. Fluggenehmigung einholen? Was ist, wenn die Polizei mich damit anhält?

Muss ich einen Helm tragen und ein riesiges Kennzeichen anschrauben? Denn das Ding hat eine maximale Flughöhe von nur 2,2 Metern. Nicht schlecht für einen fast 90 Jahre alten Feger. Früher, wo er neu war, waren über 4 Meter drin, da damals heutzutage unbekannte russische Flüche die Leistung steigerten.

Der Besen ist auf Dauer zwar unbequem, aber extrem selten. Das Gerät wäre auf jeder Flugshow und jedem Bikertreff der Brüller. Weiter lesen…

Außer Kontrolle

Image by Thierry Ehrmann of Demeure du Chaos – Musée d’Art Contemporain

Kontrollverlust ist was feines. Und zwar deshalb, weil so ein Zustand Überraschungen zulässt. Ganz zu schweigen von weiteren positiven Eigenschaften, wie das Zerstören der (eigenen) Ordnung oder dem schamvollen Entblößen eigener Schätze — oder noch besser — Schandtaten. Daher bin ich ein großer Befürworter des Kontrollverlustes.

Voll die Kontrolle zu haben ist ein Machtspielchen. Vielleicht ein kleines Machtspielchen, aber sicher ein fieses. Denn das Spielen mit Macht ist wie das Spielen mit leckeren Drogen. Man fängt klein an, findet es so toll, dass es ohne nicht mehr zu gehen scheint und kann deshalb nicht (gleich) wieder aufhören. Dann braucht man mehr. Aber ‚Mehr‘ macht nicht mehr zufrieden. Sondern noch kontrollsüchtiger.

Kontrollieren und gleichzeitig regieren ist für Diktatoren und Alleinherrscher. Für den Rest von uns sollte es ausreichen, Kontrolle abzugeben (loszulassen) und stattdessen nur zu regieren. Damit meine ich nicht die Art von regieren, wie Politiker und Machtmenschen das tun. Sondern Einfluss zu nehmen auf eine bestimmte Situation, im Sinne von Veränderung herbei zu führen. Oder aus üblen Umständen heraus zu regieren.

Macht über die täglichen Dinge zu haben, bedeutet, dass der Tag reibungslos abläuft, die Zwischenfälle und Pannen sich in Grenzen halten. Es bedeutet genauso, dass man bei bestimmten Dingen (Streit, Betrug, Sex) und auch darüber hinaus unentdeckt bleibt. Man kontrolliert es halt. Aber schon diese Kontrollen beanspruchen unsere Energien und Ressourcen.

Eins, zwei Stufen höher in der sozialen Hierarchie will man gern kontrollieren, was die die Medien über einen berichten, die Leute erzählen, der Politiker entscheidet, der Nachbar (oder die Konkurrenz oder das Finanzamt oder der geschasste Ex-Partner) gegen einen ausheckt. Der Unternehmer will „Marketing“ machen, um Kunden zu kontrollieren, womit er Werbung und PR meint, was heutzutage fatal ist.

Der Künstler will „seine“ Kritiker kontrollieren, was wieder fatal ist, wenn er doch eigentlich für seine Fans arbeiten sollte. Und sowieso, ein Künstler, der zum kontrollieren neigt, der kontrolliert auch anderswo. Nämlich in seinen Gedanken. Und dort wirkt Kontrolle wie eine Selbstschussanlage gegen kreative Ausbrüche und Ideen. Und gegen das Eindringen gegen Inspiration von außen. So jemand gleitet kontrolliert in den Tod.

 

Wir müssen die Kontrolle haben

Ach nee, jetzt auf einmal…. Ja, aber nur bei bestimmten Dingen, nur zu bestimmten Zeiten. Nicht immer und überall. Nach außen gerichtet nur beim Start, bei der Initiierung, beim Lostreten, Ansagen, Anstecken und Infizieren.

Nach innen beim Umgang mit Gefühlsausbrüchen. Oder beim Alkohol.

Kontrolle ist so notwendig wie das Essen. Ganz ohne geht es nicht. Aber Essen kann auch wie eine Droge wirken. Das wäre dann Völlerei. Das heißt, wir brauchen nur so viel Nahrung und Kontrolle, wie nötig. Allerdings keine Sucht danach.

Alles, was über das notwendige, gesunde Maß hinaus geht wird gefährlich. (Was es manchmal muss — dazu später.)

Übermäßige, übertriebene Kontrolle richtet sich gegen den Kontrolleur. Sie lähmt ihn.

Diesem wird Ordnung, Perfektion und widerspruchslose Unangreifbarkeit wichtiger als das Leben selbst. Der Control Freak ist derjenige, der die Kontrolle über seinen eigenen Kontrollwahn verliert. Bumms, und schon erliegt er einem Zwang, der nun alles andere überlagert, hemmt und dominiert.

Die Frage ist jetzt: Wie weit sollen wir uns oder irgendwas kontrollieren, ohne dass wir dadurch wiederum die Dinge lähmen, die uns wichtig sind?

Mir persönlich ist es zum Beispiel wichtig, dass ich kreativ bin, ungestört arbeiten kann und mir es zu gegebener Zeit gelingt, aus meiner Position als Underdog heraus mein geplantes Produkt bekannt zu machen, damit es sich verkauft. Also das Offensichtliche. Der Weg dorthin führt über diesen Blog, über die Beiträge und einige für mich sehr wichtige Menschen, die mir dabei helfen und ich ihnen dafür ewig dankbar sein werde. Alles weitere aber kann ich nicht kontrollieren. Da herrscht das Chaos.

 

Du musst nur richtig in der Jauche rühren

…dann kommt die ganze Scheiße nach oben. Genauso funktioniert die Welt.

Brillante Ideen zur Lösung von Problemen entstehen am besten im eigenen Chaos. Das sollte man nicht kaputt kontrollieren, so viel sollte mittlerweile klar sein.

Aber. Das äußere Chaos, also die Welt an sich (hier als Jauche bezeichnet), die braucht ebenso wenig unsere Kontrolle über mögliche (aber meist erfolglose) Eingriffe oder Manipulationen. Egal, was wir versuchen, Jauche bleibt Jauche. Welt bleibt Welt. Mensch bleibt Mensch.

Du kannst es (Jauche, Welt, Mensch) nicht kontrollieren. Aber du kannst es durcheinander bringen und so manche Karten neu mischen. Denn wenn du nichts machst, ändert sich nichts. Wenn du nicht weißt, was zu tun ist, tust du für gewöhnlich auch nichts.

Die gute Nachricht: Manchmal musst du gar nicht wissen, was zu tun ist. Du musst nur wissen, dass du irgendwas tun kannst. Scheißegal, was.

Tue nur irgendwas richtig beklopptes und mache es ausdauernd. Dadurch mischst du deine Karten und die Karten anderer neu. Das ist gefährlich (und innovativ). Gefährlich für den Status Quo, gefährlich für Ausweglose Situationen und gefährlich für unlösbare Probleme. Und es ist sehr gefährlich für Gatekeeper und deine Rivalen. Das heißt, jede Veränderung einer schlechten Situation ist… Trommelwirbel… Gut.

Anders ausgedrückt, wenn du Chaos und damit Gefahr schürst, dann bist du gefährlich. Logisch. Und wenn du gefährlich bist, dann bist du – auf diese Art – interessant. Oder ein Hassobjekt. Egal. Zumindest achtet man mehr auf dich. Du weißt schon warum: Du wirst langsam zur Bedrohung für die etablierten Eliten und Raffkes. Oder bestenfalls für deine eigene Branche. Oder für Falschspieler.

 

Kontrolliere nur das, was du kontrollieren kannst

Aber nicht darüber hinaus. Lass dort lieber das Chaos entstehen und erfreue dich an den Folgen. Aber kontrolliere sie nicht. Denn das wäre so, als wenn man versucht, mit bloßer Hand ein weiches Stück Scheiße festzuhalten. Hier gilt: Wer kontrolliert, der verliert. (Sogar noch die Scheiße.)

Im Chaos hingegen kannst du ständig Neues entdecken. Denn es ist dein Chaos, deine Scheiße und das bedeutet für dich Chancen, Veränderung und (aus der Jauche) auftauchende Möglichkeiten. Innovationen und künstlerische Inspirationen können so bei dir entstehen. Positive Überraschungen eben.

Rühr die Jauche um. Offenbare das versteckte. — In dir und in der Welt. Das geht am besten, wenn du du selbst bist und das offen lebst. Damit erschaffst du dein Stück Welt. Es ist zwar nach wie vor „Jauche“. Aber jetzt gilt: Wer rührt, regiert.

Dies ist kein Reiseblog, aber heute tue ich mal so

Image/Screenshot by Kevin Dooley

‚Lutz will auch mal‘ (cool sein) könnte die Überschrift ebenso heißen. Aber um ‚Lutz‘ geht es hier nicht. Ach, scheiß was drauf…:

Ausnahmsweise geht es heute mal um mich. Und dazu lade ich dich ein.

 

Was hat das Klokain-Kartell mit Reisen zu tun?

Eine Menge. Und in gewisser Hinsicht sogar mehr als mancher etablierte Reiseblog. Denn ohne meine Reiserei wäre es hier langweiliger — falls dieser Blog als solches dann überhaupt existieren würde.

Schön, mittlerweile gibt es unendlich viele deutschsprachige Reiseblogs. Da muss ich jetzt nicht auch noch mit anfangen. Und so jemand wie mich hat da gerade noch gefehlt. Lassen wir die mal unter sich bleiben. Denn deren Klientel kann mit meiner Art von „Reisen“ wohl nicht viel anfangen.

Bei denen gibt es vor allem Blogs von Backpackern für Backpacker(-Blogger). Es gibt Blogs für Touristen(-Routen), Blogs für Kurztrips, Blogs für Zen und Yoga und vegetarisches Essen (und darüber, um es wieder auszukotzen).

Es gibt dazu Blogs von Snobs und Angebern, die ihre Leser für zu dumm zum Reisen halten.

Es gibt Blogs von Reisenden Fotografen. Und es gibt Blogs mit Tips, wie man den Rucksack richtig packt. Viele dieser Blogger nennen sich Digitale Nomaden. Manche sind richtig gut. Bei den (für mich) besten kommentiere ich manchmal oder teile einen Beitrag.

Auch ich reise gern. Aber was manche Blogger so treiben, erscheint mir zu anstrengend. Damit meine ich nicht dieses Bühnenhafte, also das für Zillionen von deutschen Followern und deutschen Lesern zelebrierte Reisen mit all den persönlichen Eigenheiten des jeweiligen Bloggers. Sondern das Geordnete und Organisierte daran. Langweilig.

Einige Reiseblogger haben eines gemeinsam: Sie sind streng organisiert in ihren Aktivitäten und wirken so sauber und vorbildlich, als ob sie für ihre Blogger-Kollegen schreiben. Ganz so als ob sie sich in einem Wettbewerb mit denen befänden und auch noch beim wilden Reisen der Einser-Schüler sein wollen. Das ist zwar nicht immer der Fall, aber bei einigen dringt es dermaßen durch wie der Kotz-Geruch bei Kleinkindern. Und sie halten zwangsläufig den Bezug zu Deutschland, behalten wie ihre Leser die deutsche Sichtweise. Letzteres könnte ich nicht, wenn ich D-Land verlasse.

 

Reisen verändert Menschen nachhaltig

Wer wie ich allein, viel und weit weg unterwegs war, also die Welt gesehen hat, der kommt nur schwer wieder in ein weltfremdes, angepasstes und unternehmerfeindliches System wie das Deutsche hinein. Und umgekehrt?

Sobald ich ausländischen Boden betrete, höre ich schlagartig auf, Deutsch zu sprechen, Deutsch zu lesen, Deutsch zu schreiben und vor allem deutsch zu denken. Selbst dann, wenn ich in ein deutschsprachiges Land fahren sollte. Bin ich in Österreich, denke ich österreichisch. Versuchen tue ich es zumindest. Aber mit der Aussprache lass ich es lieber, obwohl ich es – je nach Lokalität – schon könnte. Aber Österreichisch klingen dürfen nur Österreicher. Keine Diskussion. Dasselbe gilt für Bayern (außer München.)

Ich bin im Englischen wie im Deutschen extrem gut darin, jede Stimme, jede Mundart und jeden Akzent zu imitieren. Du musst mich mal als Sylvester Stallone, Al Pacino oder Michael Caine (oder Miley Cyrus) hören. Vielleicht sollte ich doch noch einen YouTube-Kanal aufmachen….

Egal. Solche Fähigkeiten helfen beim Erlernen von Fremdsprachen generell. Was das Reisen und kommunizieren erleichtert. Aber nicht jedem liegt das. Und in den meisten Fällen hat es nur Unterhaltungswert. Jedenfalls komme ich in der physischen Welt (außerhalb des Internets) mit Menschen schnell in Kontakt. Auch weil ich mich für andere interessiere. Oder ich für deren Lebensweise und Eigenheiten ehrliches Interesse zeige. Das heißt, ich höre ebenso gerne anderen zu.

Du erlernst eine Sprache dann man besten, wenn du allein reist und dich für Land und Leute interessierst. Aber allein eine Sprache, einen örtlichen Bauerndialekt oder Straßen-Slang akzentfrei zu beherrschen ist nicht alles.

Genauso wichtig wie eine Sprache ist auch der Umgang, die Sitten, die Gebräuche, die Gesten, die Mimik, die Körpersprache und feinen Eigenheiten. In Deutschland würde man bei dem Thema fast schon von exzellenter Integration reden. Reden wir nicht länger, fangen wir an zu scheißen…

 

Al Bundy lässt grüßen

Die Amerikaner haben bessere Toiletten als die Deutschen, so viel ist Fakt. Die haben da keine Sparfunktion, die spülen richtig oder gar nicht. Die Funktionsweise mittels Standwasser ist dem deutschen Klos überlegen, da viel sauberer, in jeder Hinsicht. Das ist amerikanische Ingenieurskunst wie ich sie liebe. Die natürlichen Ressourcen werden kräftig gechlort einfach durchgespült, nur für die reine Freude des Mannes.

In Privathaushalten sind die Klobrillen und Deckel komfortabel mit Kunstleder gepolstert. Das heißt die sind für fette amerikanische Männerärsche gemacht und nicht für knochige deutsche Öko-Hintern.. Dazu ist das Klopapier fluffig weich und nicht so ein fusseliger Eichenkarton wie in D-Land. Glaub mir, ich arbeite daran, dass sich das irgendwann ändert.

Al Bundy hatte recht. Die Europäer können vieles, aber keine Toiletten bauen.

 

Scheiß auf den Rucksack — Es geht auch anders

Du hast nun bestimmt mitbekommen, dass ich mich nicht für den typischen Backpacker eigne. Zen ist nicht ganz so mein Ding. Und in die Hecke scheißen will ich auch nicht.

Wenn ich verreise, will ich die Dinge zwar schräg, aber komfortabel haben. Ich will auf direktem Wege hinein ins wahre Leben. Und möglichst dort hin, wo andere schon bei dem Gedanken die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Oder sich totlachen. Beispiel?

Als ich mich 1998 beruflich neu orientieren wollte, nahm ich wie es sich gehört, erst mal eine Auszeit. Und ich wollte an einem Ort, den ich bisher nur aus amerikanischen Filmen kannte. Ich war neugierig und wollte rein in die Welt der Stereotype und Klischees. Gereist bin ich mit zwei alten Reisetaschen aus DDR-Produktion. (Nicht im Sinne des Herstellers, denn die kommunistischen Dinger sind auf einen Truck liegend auf der Fahrt nach Waco aufgeplatzt.)

Es ging – unter anderem – nach San Marcos. Dort wohnte ich in einem billigem Motel, dass ähnliche Gebrauchsspuren, sagen wir „Patina“, aufwies, wie man es hierzulande nur aus Fernsehserien, wie My Name Is Earl kennt. Ein Trailer Park, also eine Wohnwagensiedlung, wäre sicherlich auch ganz interessant gewesen. Aber ich wollte es mit dem sozialen Milieu (White Trash) nicht untertreiben.

Ich wollte das Motel und mir gefiel es sogar viel besser als erwartet. Ich hatte erstaunlich hohen Wohnkomfort für sehr wenig Geld. Es gab auch dort „Nachbarn“, also Langzeitbewohner (meist Studenten), mit denen ich mich (teilweise mehr als) anfreundete.

Die erste Zeit hatte ich nicht mal ein Auto. (Und das in einem Motel!) Auch deshalb nicht, weil ich merkte, dass wenn ich irgendwo hin wollte, immer mit jemanden mitfahren konnte. Selbst dann, wenn derjenige ganz woanders hin wollte. (Ich war dort – abgesehen von den Mexikanern – der einzige Ausländer weit und breit.) Erst später habe ich jemanden einen alten Truck abgekauft.

Einmal lief ich zur nächst gelegenen Bar, die ca. 10 min Fußweg entfernt war. Und auf halbem Weg kam mir ein bereits bekannter mit seinem Truck entgegen, hielt an und fragte: „Hey Lutz, wo willst du hin?“ Ich: „Zum River Pub & Grill.“ (Heutzutage, 2016, nicht mehr existent.) So gabelte er mich auf, fuhr erstmal zur Tankstelle, dann weiter in einen Lebensmittelladen und anschließend mich in den Pub. So läuft es da.

Ivar Gunnarson, selber ein Kanadier isländischer Abstammung und damals schon über achtzigjährige Besitzer der Bar war eine Ikone dort. Jeder in San Marcos kannte Ivar. Der konnte Geschichten erzählen vom feinsten. Deshalb habe ich in San Marcos nie eine andere Bar besucht. Sein Laden war auch allabendlicher Dreh- und Angelpunkt der vielen Studenten von der Universität ‚direkt‘ nebenan. Ivar war Pflicht.

Bereits nach 3 Wochen zog ich aus dem Motel wieder aus, weil mich ein paar Studenten einluden, bei ihnen im Haus zu wohnen. So war ich außer in Ivar’s Pub meist auf privaten Parties zugegen. Tagsüber war ich „zuhause“ oder ging (teils auf dem Campus) spazieren, um den Geist wieder frei (oder mit Weibsbildern voll) zu kriegen. Ich dachte – so lange die Sonne schien – über Geschäftsideen nach. Das war nötig, denn gekifft wurde immer und überall. Und da ich nicht wie die anderen zur Uni musste, war ich stets ausgeschlafen und deshalb jede Nacht topfit.

[Im Gegensatz zu manch anderen Orten in den USA kann man in San Marcos sehr gut zu Fuß gehen und – falls man dazu noch in der Lage ist –  das Südstaaten-Flair genießen.]

Selbst einige Lehrer, die man mit hölzernen deutschen Beamten nicht vergleichen kann, waren was Party treiben angeht, nicht zahmer als ihre Studenten oder meine Wenigkeit.

Natürlich war ich nicht ständig dort. Ich war auch in der Hauptstadt, in Austin, einer weiteren Universitätsstadt. Der Ort ist ein Eldorado für Live-Musik. Clubs und Bars mit Live-Bands gab es in rauen Mengen. Leider war ich dort nur vereinzelt und immer nur für ein paar Tage. Und beinahe, also um Haaresbreite hätte ich in dem Getümmel auch noch meine erste Texanerin geheiratet.

Scan_001b
1998 grin image by K.T. Stern

Offerten von weiteren Damen hatte ich auch in Dallas. (Allein darüber zu schreiben würde locker nochmal 10 Beiträge füllen.) An höchst attraktiven und ‚zielorientierten‘ Frauen hat es dort jedenfalls nicht gemangelt. Und die sind nicht so prüde, wie man hier in Deutschland gerne annimmt. Im Gegenteil. Ich zumindest fand sie phänomenal, in jeder Hinsicht. — Das ist Reisen!

Im sogenannten Metroplex hielt ich mich die letzten Wochen auf. Vor allem in Dallas. Dieser Metroplex ist eine Art Ballungsgebiet, bestehend aus den Zwillingsstädten Dallas und Fort Worth. Dazwischen liegen kleinere Städte wie Arlington und Grand Prairie. In jedem dieser Orte habe ich schon privat übernachtet.

 

Im größten Kuhdorf der Welt

Dallas ist definitiv anders als andere Städte. Nicht nur weil dessen Kneipendichte, neben Fort Worth gleich ’nebenan‘, eine der höchsten der Welt ist. Oder weil Viehtransporter manchmal mitten durch die City fahren. Aber wenn du nur einige Wochen dort bist, dann kennt dich gefühlt jeder. Insbesondere dann, wenn du in bestimmten Gegenden mit bestimmten Leuten oft zusammen warst. Selbst einige Leute, die du nie getroffen hast, wissen dann über dich Bescheid.

Noch lustiger ist, man trifft auch an völlig anderen Ecken der Großstadt immer wieder auf die selben Leute. Manchmal mitten in Downtown. Oft war ich in der Greenville St, in Deep Ellum („Speed Ella“) oder im alten West End.

War ich aber zum Osterpicknick in Turtle Creek, einer relativ ruhigen, aber spießigen Wohngegend der Mittelschicht, wurde mir schon nach drei Minuten von Bekannten das Bier im dortigen Park, direkt neben General Lee, gereicht.

Ging ich irgendwo die Straße entlang, rief immer jemand meinen Namen: „Lootes!“ Und die Passanten erfuhren, „Lootes“ ist heute wieder unterwegs.

Wie in einem Dorf sind auch die Eigenheiten in den Saloons, Bars und Restaurants. Wenn dich beispielsweise der Wirt oder Angestellte wieder erkennt, was mir häufig passierte, dann kannst du – ohne Not – anschreiben lassen. Bezahlt wird dann immer nur am Freitag. In Kalifornien musste ich selbst als ‚Stammgast‘ jeden Drink einzeln bezahlen. In ganz Texas zahlt man, für Fraß und Trank, erst am Freitag. Billiger als in Cali ist es außerdem.

Und wenn man mal aus Gewohnheit am Freitag vergisst zu zahlen? Da sagt keiner was. Peinlichkeiten erspart man sich untereinander. Und Samstag geht ja auch noch. Meistens aber denken die Wirte dran, denn denken fällt manch angetrunkenen Texaner schwer.

Ein andermal, diesmal Sonntags, wollte ich in eine Bar, nur um die vergessene Rechnung der vergangenen Woche zu bezahlen, weil ich eigentlich woanders hin wollte. Der Opa hinterm Tresen, der aussah wie Willie Nelson nach 3-stündiger Marihuana-Abstinenz, sah mich nur an und sagte: „Bones hat für dich bezahlt.“ (Ein Bekannter, der mir so rückwirkend – wie so oft – einen ausgegeben hat.)

Da wurde mir klar, dass die Texaner geschäftstüchtig sind wie Sau. Erstens baut bequemes Anschreiben auf Rechnung wiederkehrende Stammkundschaft auf. Und Zweitens vertraut man darauf, dass irgend jemand schon bezahlen wird (wie Bones in diesem Fall für mich). Ich schätze, es gibt in Deutschland auch größere Städte, wo das Usus ist. Als völlig Fremder hat mir bisher nur mal ein Wirt in Dortmund vertraut. Geht doch. Da geht man gerne wieder hin. Falls man in Dortmund ist.

Du siehst, wie schnell ich den Übergang geschafft habe. Schon sind wir wieder in Deutschland. Und damit am Ende meiner Version eines Reise-Beitrags.

Fazit: Auch als reisende Barfliege kann das Leben recht interessant sein. Leute trifft man da….