Immer diese Rosinenpickerei

Image by Cary Bass-Deschenes

Gerade wieder hier bei uns in Bad Belzig passiert (wo sonst?!):

Ein fleißiger unbescholtener Bürger – nennen wir ihn Walt – hilft seinen Nachbarn wann er kann, verleiht seine Landmaschinen, hat immer ein offenes Ohr und trotzdem will jeder nur an seinen tonnenschweren Drogen- und Waffenvorrat.

Nehmen wir an, du bäckst einen Kuchen und steckst viel Zeit, Liebe und Mühe rein. Und dann kommen die Gäste und jeder will am liebsten nur die Rosinen haben, die du mit eingebacken hast.

Den Kuchen an sich will gar keiner. Jedenfalls nicht so richtig.

Warum hast du dir die Arbeit nicht gespart und gleich Rosinen angeboten?

Nehmen wir an, du wärst ein Gast, der nun Kuchen bekommt.

Würdest du, nur weil dir die Rosinen schmecken, nach mehr von dem Kuchen verlangen, in dem sie drin sind? Vielleicht.

Aber vielleicht bist da ja auch kein Kuchenzahn. Ich auch nicht. Also was sollen wir tun? Wie kommen wir an die Rosinen ran? Ganz einfach, indem wir sie uns herauspicken.

Denn damit ersparen wir uns das herunter würgen des ganzen Kuchens, der den Rosinengeschmack sowieso überdeckt.

 

Lästiges Beiwerk

Für jemanden, der Rosinen mag, ist der Kuchen nur lästiges Beiwerk. Es ist wie Ballast, Füllmaterial oder Schlacke.

Also warum stellt jemand, der Kuchen zum Fraß anbietet nicht gleich noch ein Schälchen mit den passenden Rosinen daneben?

Wenn ich Konditor wäre, dann würde ich es im Verkaufsladen tun. Kostenlos. (Die Rosinen „promoten“ dann den Kuchen.) Den Kuchen würde ich einen passenden Rosinen-Namen geben. Und ich würde nur Top-Rosinen verwenden. Diese dürften gern teuer sein. Denn soo viele sind im Kuchen auch wieder nicht drin. Und was kosten schon Rosinen? Eben.

 

Andere Rosinen

Image by Stephane Farenga

Beispiele?

Frühere Fussballübertragungen: Selbst Nichtinteressierte haben sich die Analyse nach dem Spiel angesehen. Meist ohne das Spiel selbst gesehen zu haben. Warum? Wegen der Kommentatoren. Gegen Delling/Netzer waren Hahnenkämpfe geradezu langweilig. Das Fußballspiel war der Kuchen. Delling/Netzer die Rosinen. Und Netzer der Kinski des Fußballs.

Octomore: Einige Whiskies werden wegen ihres starken „Raucharomas“ geliebt. Aber manch einen ist das nicht genug. Der Octomore von Bruichladdich ist flüssiger Rauch. Er qualmt schon beim öffnen, ‚er‘ ist die Rosine. (Ich persönlich kann in keinem Whisky Raucharoma wahrnehmen. Sondern nur Schuhe, morsches Holz und Schweinsleder.) Wer Octomore trinkt, dem vergeht das Rauchen. Wer sich dann trotzdem noch eine ansteckt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Maserati baut nicht die schnellsten Autos, nicht die komfortabelsten und auch nicht die schönsten. Oder die exklusivsten. Assistenzsysteme sind nicht der Rede wert. Der Verbrauch ist hoch. Aber der Name, der Dreizack und vor allem der Klang reichen da völlig. Das Grunzen der Benziner weckt Tote auf. Das ist Jurassic Park auf Rädern. Kein Ami, kein AMG, kein Porsche kann bei diesem Maser-Rock mitspielen. Für Audiophile ist diese Marke die Rosine unter den Autos.

 

Schwarzenschnitzel* mit Rosinen

Image by Neon Tommy

Terminator-Filme laufen nur dann gut, wenn olle Arnie den Termi gibt. Nicht weil Arnie so ein guter Schauspieler wäre oder eh schon so Roboterhaft aussieht (was stimmt). Sondern weil nur Arnie der beste Arnie ist.

Im Gegensatz zu anderen Schauspielern bietet Arnie die Rosinen. Aber nicht in der Menge, dass man sich überfrisst.

Sondern gerade so, dass man nach mehr verlangt. Immer wieder. Jeder, der ein besonderes Geschäftsmodell sucht, kann sich von unserem Schwarzenschnitzel was abgucken. Warum? Es ist ein ‚auf ewig‘ wiederholbares Geschäftsmodell und keine Eintagsfliege oder ein One-Hit-Wonder.

Was für Rosinen hat er denn?

Sich. Seine unverhüllte Schrulligkeit.

Arnie spielt gar nicht. Er ist halt so, wie wir ihn sehen. Wir sehen seine unperfekte Rohbatzigkeit, diese kleinen, aber typischen Arnie-Aktionen, die einen zum schmunzeln bringen. Der Mann ist der perfekte Clown. Ganz einfach, weil er – ohne offiziell einen zu spielen – tief im innern einer ist. Und das lässt er hin und wieder, aber immer an der richtigen Stelle, raus. Er parodiert sich selbst in Form von dosierter Übertreibung. Alles ganz ohne Anstrengung.

Er bietet genau das, was der Zuschauer insgeheim über Arnold Schwarzenschnitzel sowieso schon denkt. Arnie bestätigt dieses Weltbild und fertich. Das löst den Lacher aus. Und solche Lacher wirken wie Crack. Und von Crack kommst du nicht mehr los. Du willst mehr. Kurz: Arnie-Rosinen sind Crack-Rosinen.

Warum bietet nicht gleich jeder seine besten Rosinen den Rosinenpickern an. Ich selbst bin überzeugter Rosinenpicker. Nur: Von den besten Rosinen hat man nicht so viele. Aber dafür findet man mit höchster Wahrscheinlichkeit ausreichend Abnehmer. Wenn jene kommen, dann am besten gleich auf dem Silbertablett servieren.

Frei nach Al Bundy: Den Kuchen können wir weglassen. Essen wir gleich.


*Arnie nennt sich oft selbst im Scherz „Arnold Schwarzenschnitzel“.