Designgeschwüre

1:1 Designstudie als 3D-Modell, die ich selber vor fast 15 Jahren (Ende 2001) gemacht habe.

Ich habe mich mal auf einigen Websites zum Thema Neuerscheinungen in Sachen Autos und Motorräder umgesehen. Nicht weil ich eines kaufen will. Sondern ein Bekannter, der dazu eher meine Meinung als Ex-Designer wissen wollte. Er gab mir ein paar Links. Ich hab gestern keine 3 Minuten dafür gebraucht und meine Pupillen sind immer noch erweitert.

Design, wozu nicht nur optische Gestaltung und Architektur, sondern ganzheitlich auch Klang, Konstruktion und vor allem Markt und Milieu gehören, sind mir wichtig. Denn für Design verlangt man gewöhnlich viel Geld. Aber hier geht es nicht um Menge, sondern um die richtige Dosierung. Mit zu viel Design erhält man den gleichen Effekt wie mit zu viel Süße, Säure oder Bitterkeit bei Lebensmitteln. Sie werden ungenießbar.

Das Problem, dass zu viele Produkte unserer (und nicht nur unserer) gewaltigen Industrie haben ist nicht der Mangel an Design. Es ist der Zwang immer mehr zu bieten. Mehr Design, mehr Firlefanz, mehr optische Masse, mehr Sicken, Kanten, Winkel, Beulen, Blasen und Löcher.  Einfach mehr wirrer Schrott.

Nur ein Beispiel: Warum haben verdammt noch mal die neuen Elektroautos einen riesen Grill vorne dran? Ein Fake wohlgemerkt. Das erinnert mich an Kau-Knochen für Hunde. Jetzt fehlen nur noch Sidepipes mit Lautsprechern und Verdufter mit Spritgeruch drin.

Die Designer sind heutzutage mindestens genauso dämlich wie vor über hundertzwanzig Jahren, als die ersten Autos wie Kutschen aussahen. Können oder sollen die nicht weiter denken? Wer segnet das ab? Richtig, Juristen, Manager, „Marketing“-Affen die keine Ahnung haben. Und dann wundern die sich, warum der „Absatz“ in wichtigen (da innovationsfreudigen) Märkten nicht in Gang kommt.

Manchmal hätte ich Lust all diese „Designer“ auf dem Mond oder, besser, nach China zu schicken, wo sie hingehören… falls sie dort nicht schon sind.

Motorradhersteller (Bikes sind heutzutage Luxusgüter) können wegen einem Katalysator (Gewicht, Kosten) nicht anders als kilometerlange Auspuffrohre durch die Karre zu ziehen wie ein Schweine-Dickdarm um den besoffenen Fleischer bei einer misslungenen Hausschlachtung. Da kommen aus 2 Zylinder zwei Krümmer, die gehen dann in ein Rohr über, welches sich zum Schluß auf einer Seite wieder in zwei Öffnungen teilt. Das ist nicht schön, aber verzeihbar. Trotzdem: Jeder Benzin-Motor klingt charaktervoller mit relativ geraden, separatem Auspuff. Pro Zylinder.

Vielleicht bin ich zu anspruchsvoll, was den Charakter von relativ gut aussehenden Fahrmaschinen wie den BMW M3/M4 (klingt wie Rasenmäher) oder die Ducati XDiavel (wie Muttern’s Heckentrimmer) betrifft. Aber von Sound her haben die – und nicht nur ‚die‘ – mich an mein erstes Fahrrad aus Kindheitstagen erinnert. Einfach einen Bierdeckel in die Speichen geklemmt und ab ging der Lutzey… bis ich mit Pappe rumexperimentiert habe, vorn und hinten.

 

Motorrad mit Titten

Die BMW-Boxer sind meiner Meinung nach nicht die schönsten, aber originell. Die seitlich vorstehenden Zylinder wirken an sich schon wie Hoden oder Titten. Was aber nicht heißt, dass man den Rest der Maschine vom Design her vernachlässigen kann.

Es gibt aber Lichtblicke. Das einzige, was bei BMW sowohl klingt und einigermaßen vorzeigbar (wenn auch modisch wie Vollbart mit Dutt) ist, heißt R nineT. Das Design ist zwar Retro (heißt: „fällt nichts neues mehr ein“), aber gekonnt. Weil es bettelt förmlich nach Umbau. Der Originalauspuff ist zwar wieder nach üblichem Schema (2-in-1-in-2), aber klanglich so richtig schön deutsch. Was diesmal positiv gemeint ist. Das heißt, diese „R“ (Reichsmotor)* klingt schon mit der Serien-Kanone bedrohlich nach Wehrmacht.

Ja, laut können viele. Aber Charakter? Guter Sound und schönes Design gibt es selten zusammen. Meistens gibt es entweder oder. Mir ist aktuell nichts bekannt (außer Ferrari). Den besten Sound bei Autos liefern trotzdem die eher langweilig ausschauenden Maseratis, egal ob V6 oder V8. Das ist Heroin mit Sahne. Trotz Biturbo. Kein AMG, kein Lambo oder Ami kommt da ran. Und schon gar nicht BMW.

Die großen Konzerne haben Hundertschaften von Designern auf ihren Lohnlisten, etliche Studios unter Vertrag oder im Besitz. Alle kochen mit am großen Bottich des Konzern-Breis. Die Leute, die für den Sound verantwortlich sind, haben oft sogar einen Doktor. Aber sie sind Technokraten und Weichspüler, die privat Techno mit Andy Borg hören statt AC/DC und ZZ Top.

 

Design ist nicht alles. Aber ohne Design ist alles nichts.**

Das ganze Leben ist Design, so wie die Natur, von der viele abgucken. Aber manchmal und immer öfter, ist es ganz gut, wenn ein einziger Mensch eine winzige Idee durchsetzt. Nur dann, nicht im Team, sondern mit Kunden und Fans, bringt dieser eine Mensch auf originelle Art etwas zustande, was lange Zeit begehrenswert sein wird. Allerdings, und das ist der Haken, dauert es. Aber Langfristig zahlt sich aus. Bei jedem.

Wer zu viel tut, hier mit übermäßigem Design, bei dem steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass er viel falsch macht. Und wer gar nichts tut, der kann auch nichts falsch machen. Er hat dann aber auch kein Design, was den Unterschied macht.

Wie bei allem im Leben, was funktionieren oder einfach nur wirken soll, ist das richtige Maß entscheidend.

Gutes Design ist, wenn man sich Regularien und Gestzen entzieht. Anstatt noch mehr Design in ein Ding hinein zu packen, um gesetzliche Einschränkungen zu kaschieren, wäre es das bessere Design jenes, dass die gesetzlichen Einschränkungen umgeht. Versteh mich nicht falsch. Ein Gründer, der sein Konzept von vorn herein auf wenig Bürokratie auslegt oder ein Musiker, der sein Instrument jenseits aller Standards auf einfache Art selber baut, tut das selbe. Das sind keine Kriminellen, sondern die Leute, deren Ideen lang und positiv nachhallen — oft im wahrsten Sinne des Wortes.


*Lass dich von mir nicht veralbern. Das „R“ bei den heutigen BMW-Boxer-Modellen (ganz früher auch Einzylinder) ist eher eine Tradition für diese Bauart. Die ersten BMWs waren 2-Zyl.-Boxer. Und MotorRäder noch untypisch für BMW. Das „R“ bedeutete für den damaligen Flugmotorenhersteller schlicht und einfach Rad.
**Danke Peter

Das heutzutage dringend benötigte Erwachen aus der üblen Bücklings-Hypnose

Image by Hans Thijs

Brauchen Gesetze Beamte, um um zu gelten. Oder brauchen Beamte die Gesetze um zu gelten?
Brauchen die Konsumenten die Konzerne? Oder brauchen die Konzerne die Konsumenten?
Brauchen die Massenmedien die Massen? Oder braucht die Masse die Medien?
Brauchen Billigarbeiter die Industrie? Ober braucht die Industrie Billigarbeiter?
Brauchen die Bürger die Politiker? Oder brauchen die Politiker die Bürger?
Die interessante Frage ist immer wieder: Wer braucht eigentlich wen?
Brauchst du irgendwas oder irgendwen von da oben?
Oder könntest du getrost auf die verzichten?
Was glaubst du brauchen zu müssen?
Oder wen glaubst du zu brauchen?
Weist du, wer dich braucht?
Vielleicht missbraucht?
Dich dazu betrügt?
Weißt du es?
Seit wann?
Von wem?
Von dir?
Gut.

 

Wenn genug Leute glauben…

…dass man was von dem weiter oben genannten braucht, dann ist der, der einem das liefert, was man „braucht“ schlimmer als jedes Drogenkartell. Jene sind das notwendige Übel, dass sich immer noch für unersetzlich und unverzichtbar hält. So wie früher, wo die meisten Leute noch unwissend waren. Aber heute? Heute kann jeder so schlau sein wie die, die sich sich bisher für schlauer (oder ausgewichster) hielten.

Viele sind schon schlauer im Sinne von ‚wissender‘ geworden. Einige wenden ihr neu erworbenes Wissen schon an.

Nur ‚einige‘ sind nicht genug. Der Rest glaubt fatalerweise weiter, was man ihm erzählt. Trotz frei verfügbarem Wissen. Trotz Wikipedia, Blogs, Vlogs, Podcasts und unabhängige (und kostenlose) Online-Journalien.

Obrigkeitshörigkeit entsteht durch Unsicherheit und Angst (vor Veränderung, Verantwortung, Teilen). Diese Ängste und Unsicherheiten entstehen wiederum aus Unwissenheit heraus. (Vom Nicht verstehen wollen rede ich hier erst gar nicht.)

Das ist mehr als bloße Abhängigkeit. Sie ist einprogrammierte Blödheit und ein damit abgenötigtes Einverständnis zum Missbrauch der eigenen Person und Kinder durch andere.

 

Wie kann man die Leute aus der Bücklings-Hypnose wecken?

Wir brauchen neue Geschichten. Nicht neue Ämter, Ministerien und Gesetzesverschärfungen. Wir brauchen also andere Geschichten, um den alten, die mir und dir im Sinne der Gehirnwäsche erzählt wurden, das Lebenswasser abzugraben. Geschichten, die die Machteliten belagern, beschämen und der Lächerlichkeit preisgeben.

Was der Industriell-Mediale Komplex wirklich so macht, erzählt er nicht. Nicht gern. Ansonsten er erzählt einem viel.

Aber: Die besten Geschichten werden nicht erzählt. Sondern gelebt.

Der Klopapier-Nazi

Original Image by Contando Estrelas (Elentir)

Meine erste These vorneweg: Die Deutschen sind mir zu verhitlert [fer-hit-lert]. Diese Verhitlerung [fer-hit-ler-ung] ist eine Art Fluch, ein Bann. Diesen Geist bekomme ich deutlich zu spüren, weil ich selber nicht verhitlert bin. (Nur wütend.)

Stephan Grünewald, selbst ein unverhitlerter [un-fer-hit-ler-ter] Autor von Büchern wie Deutschland auf der Couch schreibt darin sinngemäß:

Wegen Hitler entwickeln ‚die Deutschen‘ keine großen Visionen mehr.

Stimmt.

Sie widerstreben, sich für große Ideen zu begeistern, um nicht schon wieder einem Wahn zu erliegen.

Stimmt auffallend.

Statt dessen zeigen die Deutschen in der Öffentlichkeit ein aufgesetztes kühles Desinteresse in einer Stimmung von albern-langweiliger Politischer Korrektheit.

Stimmt leider. Kann ich immer wieder bestätigen.

Sie (ze Germans) unterstützen nur Vorhaben, wenn diese für sie keine moralische Mehrdeutigkeit haben. (Energiewende plus Kapitalinteressen; Schocken plus Unternehmertum; etc.;)

Stimmt ebenfalls.

 

Worauf will ich hinaus?

Gut, ich sag es frei heraus. Ich habe das Gefühl, für einige eine Art Mini-Hitler zu sein. Oder einer von der Hitler’schen Sorte. Mir fehlen bloß noch Scheitel und Bart. Den Gesichtsausdruck hab ich schon. Als Bösewicht bezeichne ich mich auch. Dazu kommen meine spitzen Bemerkungen und Nazi-Ausdrücke, die so manchen eine böse Vorahnung oder gleich die Bestätigung geben, dass ich so was wie der Klopapier-Nazi sei.

Somit vermute ich, dass einige das Klokain-Kartel [oder etwas vergleichbares (??) wie das Klokain-Kartell] deshalb folgendermaßen sehen:

Wenn die Idee vom Klokain-Kartell aus dem Ausland käme, wäre alles „in Ordnung“ für die Deutschen. Wäre eine schräge Idee wie Kloke (oder ein Redner wie Obama) allerdings Deutsch, so wird es (oder er) – von Deutschen – misstrauisch beäugt. Dann versucht man dem zu widerstehen. Der Begriff Kartell klingt irgendwie groß, nach etwas wie einem Wahn, den man dann erliegen könnte. So was darf in D natürlich niemals sein. Grünwald drückt es ähnlich aus.

Daher spitze ich die Sache mal zu und beschreibe, was sich im Deutschen Hirn so abspielt, wenn es beispielsweise vom Klokain-Kartell oder von jemanden wie mir hört und liest:

Natürlich erliege ich dem Wahn als erster. Denn irgend einer muss ja den Anfang machen, den man sich wieder mal nicht erwehren kann. Anschließend greift es auf meine „eigentlich ganz gern und auch bewusst zu Wahnsinn neigenden Leser“ über. Dann ist der Wahnsinn perfekt. So oder so ähnlich könnte das Denkmuster des Angstbürgers aussehen. Weiter:

Original Image by Contando Estrelas (Elentir)

Und schwupps, ehe man sich versieht, überfalle ich mit dem Klokain-Kartell Polen. Bei mir weiß man ja nie. Und wenn das olle BMW-Gespann im Winter noch anspringt, vielleicht auch gleich Russland. So gesehen wird mir langsam klar, warum einige Germans mit dem bösen Klokain-Kartell nichts anfangen können.

Es ist denen wohl zu wahnsinnig.

Ich gebe zu, das ist etwas überspitzt und eingebildet. Im Sinne von „kleiner Blogger hält sich für bedeutend“ ausgedrückt. Aber so ist mein Eindruck. Und nicht nur meiner.

Leute, die hierzulande etwas wagen (auf eigenes Risiko wohlgemerkt!), die stehen allein da. Ausnahmen sind nur jene, die mit Gleichgesinnten aufgewachsen sind und sich daher intim kennen. Oder die von Beruf Sohn oder Tochter sind.

Ich will dir jetzt nicht den Eindruck geben, dass ich jammere oder mich beschwere. (Finde auch keinen Grund dafür.) Ich will doch nur erklären.

 

Und dann will ich noch was völlig anderes.

Ich will, dass sich die Deutschen wieder trauen öffentlich (oder offen) exzentrisch zu sein. Und nicht heimlich, still und leise, wenn es keiner sieht. Mit Exzentrik meine ich nicht die hierzulande üblichen politischen Extremisten. Die sind ein deutsches Ding. Ich meine Entertainer, Unternehmer/Entrepreneure und Kunstschaffende aller Couleur. Am besten jemand wie du. Oder jemand der mit seiner Art wirksam Idioten (z.B. Nazis, Kriminelle oder Politiker) abschreckt.

Ich meine nicht die bei den Deutschen üblichen exzentrischen Hobbies oder Sexpraktiken. Sondern Ideen und Entwürfe, mit denen man den (einigen) Leuten mehr Ungezwungenheit verpassen kann. Um sie weniger langweilig zu machen. Und wohlhabener. Weil sie auf glückliche Art Geld damit verdienen. Genau so wie das glückliche Freilandhuhn beim Eier legen. Wieso soll nur das Huhn glücklich sein, wenn es seiner Arbeit nachgeht? Eben. Leg ein Ei. Oder Zwei.

Die Leute behandeln sich und andere schlimmer als die Hühner. Sie sind viel zu vorsichtig, zögerlich und zaghaft. Keiner traut sich was. Keiner ist lustig. Deshalb herrscht humorlose Langeweile. Das Huhn gackert wenigstens, wenn es ein Ei gelegt hat. Wenn es ein Deutsches Huhn wäre (Ich denke, Hühner sehen sich einfach nur als Hühner), dann würde es – nachdem es ein Ei gelegt hat – wohl denken: „Jetzt bloß nicht gackern, sonst war es das mit dem frohen Eier legen.“

 

Deutschland ist langweilig

Die deutschen Unternehmen sind langweilig. Deutsches TV ist langweilig. Viele deutsche Blogs sind langweilig. Zu viele Deutsche sind langweilig. Diese öffentliche Langeweile will ich weg haben. Alles ist ernst. Jeder nimmt sich ernst. Es gibt ernsthaft Männer, die heißen sogar Ernst.

Auch die damit verbundene typische Blasiertheit, Gleichgültigkeit und diese aufgesetzte (falsche) Coolness will ich weg haben. Zumindest ein Stück weit, bei einem. Oder sechs.

Fakt ist, dieser Beitrag ist zum Teil nicht ganz erst gemeint und ich hab ihn geschrieben, um die deutschen Vorbehalte gegenüber Exzentrikern, bunten Hunden und Nonkonformisten durch den Kakao zu ziehen. Das ist der eine Zweck des Klokain-Kartells. Ein weiterer ist Klokain. Und der eigentliche bist du.

In Memory of Lemmy

Prestigenot

So viel vorneweg: Für Stolz kann man sich nichts kaufen. Stolz kostet, je nach Schwerpunkt Geld, Gesundheit oder Leben.

Image by National Media Museum (http://www.nationalmediamuseum.org.uk/)

Früher, als ich noch eine Kneipe besaß (das war in den Neunzigern, kurz nach dem man das halten von Sauriern als Statussymbole bei uns verboten hat), da hatte ich unter anderem auch Österreicher als Stammgäste.

Jene kamen aus St. Pölten und bauten eine „Kunsteisbahn“ (artificial ice rink) gleich nebenan. Jedenfalls hatten die einige Zeit mit dem Bau zu tun. Teuer war er außerdem.

So viel weiß ich heute: Da die Spezialisten aus St. Pölten zu meinen besten Gästen gehörten, waren sie und ich die einzig wirklichen Nutznießer dieser Eisbahn. Obwohl ich diese nie betreten habe. Wieso? Die St. Pöltener verdienten an dem Projekt und ich verdiente an den St. Pöltenern.

War da noch wer? Ja, die damaligen Politiker, die den Bau zu verantworten hatten. Diese hatten natürlich ihren Prestige-Orgasmus. — Während der feierlichen Eröffnung. Heute, und nicht erst seit heute, ist das Ding dicht. (Zu teurer Unterhalt.) Und keiner hat was davon.

Lokalpolitiker wie Provinzfürsten sind stolze Leute, die zeigen wollen, was „sie“ bei sich so alles haben. Oder sich leisten „können“. Vor allem wenn sie Geld von woanders (Steuerzahler) kriegen. Politiker sind Blender, die von ihrer eigen Größe so geblendet sind, dass die Notwendigkeit, auf dem freien Markt Geld zu verdienen schlicht ausgeblendet wird. Hier im Ort (und nicht nur hier) leiden die obersten Beamten unter einer chronischen Prestigenot.

 

Prestige ist eine Ausgeburt des Stolzes

Szenenwechsel. Vormittags der 11. Oktober 2015 nach einer durchzechten Nacht. Ich frühstückte in gemütlicher Runde im Bikerhotel des Tequila Drive in Reuden, Sachsen-Anhalt. Während dessen lief im Radio ein Live-Interview mit dem Komiker Uwe Steimle. Die Moderatorin sagte, er sei ja beruflich viel unterwegs und fragte, ob er sich denn auch woanders wohl fühle.

Steimle’s Antwort (sächselnd): „Nein. Am schönsten ist es immer dort, wo man herkommt. In meinem Falle ist es Sachsen. Ich finde es immer wieder bemitleidenswert, wenn jemand behauptet, er fühle sich überall wohl oder er sei ‚Weltbürger‘. Wer kein Heimatgefühl hat, der tut mir leid. Die haben keine Verbundenheit.“

Ich sehe das anders. Da kam wohl der Honecker in ihm durch. (Erich, ein provinzieller Saarländer, der beruflich immer fern der Heimat leben musste.)

 

Willst du meine Meinung lesen?

Gut, ich war an jenem Tag im Tequila Drive. (Sachsen-Anhalt.) Da läuft halt ein Radiosender. Aber wäre ich wie früher in meinen eigenen Laden, ich hätte das Radio wohl schnell abgestellt. Zumindest, solange die Österreicher da waren. Die erzählten nämlich, dass sie in der ganzen Welt Kunsteisbahnen bauen. (Biker fahren ja auch viel umher…) Ich sagte: „Da seid ihr ja nur unterwegs.“ Darauf sagte mir Pepe, einer der Österreicher: „Ich bin da entspannt, weil ich mich überall zu hause fühle.“ Ich sehe es wie Pepe.

Szenenwechsel. Beobachtet man Deutsche im Ausland, sind diese keine „Deutschen“ mehr. Sondern stolze Sachsen, Bayern [Franken!], Thüringer, Westfalen oder Pfälzer. [Und da, wo sie herkommen (denn Herkunft ist denen wichtig), ist es immer „wunderschön“. Fast so, als ob man betonen müsste, dass es woanders nicht so wäre. Denn das eigene Kind findet man auch immer am schönsten, selbst wenn es offensichtlich hässlich ist.]

Das alles heißt, der Stolz ist da. Und der muss irgendwo hin. In diesem Fall geht er ins sub-nationale. Also in die Freistaaten und Bundesländer. In die Provinzen.

Falls ich beispielsweise in Baden-Württemberg bin und man dort meine lokale Mundart heraushört, fragt man meistens: „Du bist Berliner, nicht wahr?“ Ich: „Ja.“ Antwort: „Das höre ich gleich heraus.“ Aha. — Ich spare mir Belehrungen, dass ich gar kein Berliner, sondern Brandenburger bin. Egal. Berlin ist in der Nähe und es kennt jeder. Fertig.

Im Ausland, vor allem in Nordamerika, fragt man mich auch, wie München so ist. Dann sage ich, es ist einen Besuch wert, denn ich fahre auch ganz gern mal dort hin. Dann sage ich gleich, dass ich „aus Berlin“ komme. Aha.

Stolz ist nicht nur ein teurer Spaß, sondern vor allem eine Barriere [durch Pedanterie]. Diese Barriere verdirbt einem oft den Spaß. Oder das Geschäft. Meist sieht man diese Barriere um Spießer herum aufgebaut. Denn diese wagen nie den ersten Schritt. Den tun dann andere, woanders, nicht zwangsläufig ortsgebunden. Und Steimle’s Meinung ist Steimle’s Meinung. Fertig.