Warum Herrchen immer so aussieht wie sein Hund

Es ist kaum zu übersehen, dass Frauchen und ihr Hund vom Aussehen her eine verblüffende Ähnlichkeit haben. Immer.

Ich will jetzt nicht analysieren, warum das so ist. Wahrscheinlich ist es unbewusst. Aber es lässt sich sich auch auf andere Bereiche übertragen.

Nach meiner Beobachtung ist es in fast allen Betrieben so, dass die Angestellten in vielen Punkten ihren Chef ähneln. Im Guten wie im Schlechten. Und nicht nur äußerlich.

 

Vor ein paar Wochen waren bei einem Nachbar von mir die Maler, um die Fassade des Mietshauses neu zu streichen. Es waren zwei Maler, die herum standen und lange ihr unvollendetes Werk betrachteten. Ich ging an die Herren direkt vorbei und grüßte (ich bin groß, gehe aufrecht, sehe jedem in die Augen und habe eine laute, unüberhörbar markante Stimme).

Ich sagte: „Hallo! Guten Morgen!“ Deren Antwort war ein schweigendes Glotzen. Die glotzen mich an, als ob sie einen Klingonen auf Urlaub gesehen hätten. Ansonsten kein Ton.

Am nächsten Tag lief ich wieder dort vorbei. Die Maler pinselten irgendwas oben hinter der Dachrinne an. Der ältere, etwas dickliche und weißhaarige Maler-Chef quälte sich gerade mühsam aus seiner neuen weißen Mercedes A-Klasse und stellte sich jetzt unten an die selbe Stelle am Eingang. Er sah mich an. Ich grüßte freundlich. Er: Schweigendes Glotzen. Aber diesmal glotze ich zurück und hob dabei langsam und demonstrativ meine rechte Augenbraue. So nach 5 Sekunden sah er weg. Und dann nach oben, zu seinen Angestellten und ohne was zu sagen.

Ich ging in dieses Haus und bekam Gewissensbisse, weil ich vielleicht unwissend über andere Leute urteile, ohne sie oder ihre genaueren Probleme zu kennen.

Aber. Für Ausländer ohne deutsche Sprachkenntnisse sahen mir diese maulfaulen Maler-Typen definitiv zu deutsch, zu lokal beheimatet aus. Aber noch bevor ich meinen Nachbarn taktvoll fragen wollte, ob die Maler vielleicht taubstumme oder von einer Behindertenwerkstatt seien, hörte ich sie draußen in der bei uns typischen Mundart grölen. Und der Chef grölte am lautesten. – Alles klar!

Etliche Tage später ging ich wieder dort vorbei. Diesmal waren drei andere Angestellte da, die ich jetzt absichtlich ignorierte. Aber zu meiner Überraschung riefen sie mir ein freundliches „Guten Morgen!“ und „Morgen!“ entgegen. Einer mit polnischem Akzent. Ich reagierte sofort und grüßte zurück und fragte darauf meinen Bekannten, ob er die Firma gewechselt hat, da jetzt andere hier arbeiten und das Haus noch nicht fertig zu sein schien. „Nein“ sagte er „das sind nur die Gerüstbauer“. Als er den Namen dieser Gerüstbau-Firma nannte, fiel mir ein, dass ich den Inhaber aus früheren Jahren flüchtig kenne. Und der ist mir als netter Typ in Erinnerung.

Mittlerweile ist das Haus „fertig“, und die Maler brauchten mehr als doppelt so lange, wie veranschlagt. Nur sehe ich keinen Unterschied zu vorher. Ich fragte meinen Bekannten halb im Scherz: „Haben die überhaupt was gemacht?“ Er: „Weiß ich auch nicht.“ Aber mein Bekannter ist ja nur der Mieter und nicht Eigentümer….

 

Kommen wir nun zu einem völlig anderen Thema mit völlig anderen Malern.

Vor ein paar Jahren fand bei uns im Ort eine Kunstausstellung in einer Schule statt. Da jemand teilnahm, den ich kenne und ihn nicht brüskieren wollte, ging ich hin und sah mir die Gemälde der verschiedenen Künstler an.

Ehrlich, ich fand die meisten Bilder mäßig bis scheiße. Da war keine Inspiration oder ein gewisses Etwas, das meinen Blick länger als einen Bruchteil einer Sekunde an eines der Bilder verweilen lies, ohne auf der Stelle eine Depression zu bekommen. Ich fragte mich, womit die wirklich ihr Geld verdienen.

Ich brauchte nicht lange, um mir vorzustellen, wie die jeweiligen Künstler aussahen und wie die drauf waren, von denen die Bilder stammten. Ich war in der Lage, unter den Besuchern die Künstler als solche zu identifizieren.

Es waren komisch riechende, alte Männer mit langen ungepflegten Haaren a-la Einstein, Frauen mit riesigen Röcken und riesigen Gebissen, klobigem Holzschmuck, Holz in den verlausten Haaren oder mittelalterlichen Kopftüchern. Die erinnerten mich schlagartig an als Trümmerfrauen verkleidete Neanderthaler-Weibchen. Oder so was in der Art.

Dann schließlich wurden sie vorgestellt und ohne zu wissen, wer was gemalt hat, lag ich bei allen richtig. Die sahen ganz einfach so aus, als ob sie aus ihren eigenen Bildern entsprungen wären. Mit anderen Worten, die Kunst sah aus wie der dazugehörige Künstler.

 

Wieder anderes Thema: Blogger.

Mir ist aufgefallen, das unregelmäßig gepflegte Blogs – unabhängig von ihrer Qualität – immer von Leuten betrieben werden, die zwar kompetent und freundlich-zuvorkommend sein können, einem aber am nächsten Tag nicht mehr kennen. (Gelegenheits-Psychos.) Auch hier gilt auf äußerst direkte Art: Wie der Blog, so sein Betreiber.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass es solche Ähnlichkeiten überall gibt.

Gibt es bei dir Ähnlichkeiten in Bezug zu dem was du machst oder mit wem du im Verhältnis stehst? Wenn ja, dann hoffentlich mit Absicht.