Manchmal hört man, meist in Filmen, wie jemand vom letzten große Ding redet, um dann für immer in Rente zu gehen. Oder um danach aus der Kriminalität auszusteigen. Denn die eigene Krininalität kann einem schon Sorgen bereiten.

Ein Bellini ist das, wovon jeder Kriminelle träumt. Und nicht nur die. Denn jeder, der zum Beispiel im Internet nach Hilfe sucht, der sucht selten Hilfe. Der sucht eine Abkürzung. Also einen Weg, der einem schneller (oder billiger oder bequemer) ans Ziel bringt, ein Problem löst oder von vornherein ausschließt. Aber meistens muss es schnell gehen, mit einem Ruck.

Im Film Welcome to Collinwood sagt einer der Figuren aus dem Gangsterviertel: „Jeder hier hat einen scheiß Bellini“. Als „Bellini“ wird darin so was, wie der perfekte Diebstahl bezeichnet, groß genug, damit für alle Beteiligten genug übrig bleibt. Der Bellini ist demzufolge ein „todsicheres Ding“.

In den Köpfen einiger Leute, die vom besseren Leben träumen, demzufolge auch bei Nichtgangstern, gibt es ebenso einen Bellini. Dann eben ein legaler.

Jene Leute wären mehr als gern bereit, etwas zu machen, dass ihnen schon nach kurzer Zeit eine lebenslängliche Rente garantiert. Mit spätestens 35. Unser Bellini ist hier der legale Bruder des Bankraubs, um kurz und schmerzlos auszusorgen. Ein Rente ohne Vorleistungen, ohne Investition und ohne Realitätssinn.

 

Ich verstehe die allgemeinen Sorgen

Es ist die Zukunft, die einem Sorgen bereitet und so den erlösenden Bellini entstehen lässt. Er ist die ersehnte Erlösung.

Aber, einen Bellini zu planen ist so, als wenn man einen selbst verschuldeten Verkehrsunfall mit Kollateralschaden plant, nur um sich danach nie mehr Sorgen mehr um den Spritpreis machen zu müssen.

Ein Bellini ist – obwohl er trotz aller Raffinesse langfristig alle Probleme (mit Geld) lösen soll – eben zu kurz gedacht. Er ist ein Wunschtraum, der die Zukunft zerstört, anstatt sie zu gestalten. Dabei spielt es weniger eine Rolle, ob der Bellini legal ist oder nicht.

Der Grundgedanke ist, die bestehenden (und zukünftigen) Probleme auf einem Schlag zu eliminieren. Der Bellini ist daher etwas für ungeduldige, da er eine absehbare Flucht aus der gegenwärtigen Realität verspricht. Und deshalb ist er auch unrealistisch.

Man kann die Realität akzeptieren, ertragen und gestalten. Man kann ihr aber nicht entfliehen. (Außer man ist Lebensmüde.) Und ein Bellini lässt andere, reale Leute außer acht und nimmt keine Rücksicht auf sie, weshalb er auch nicht nachhaltig ist. Er schafft keinen Wert für andere, sondern ist – Gegenteil – nur auf das Nehmen, das Abgreifen ausgelegt. Ehrlich, so etwas bleibt nicht ungestraft. Das heißt, der Bellini pisst nach „erfolgreicher“ Ausführung sein eigenes Herrchen ans Bein. Und das immer wieder.

 

Wozu ein Bellini doch noch gut ist

Ich selbst hatte auch schon einen Bellini. Du auch? Vielleicht war es vielleicht nicht gleich eine Absicht, sondern nur ein Gedanke, eine reine Fantasie, ein Hirngespinst, ein Roman, ein Songtext oder ein Drehbuch. Oder ein Witz. Aber falls du immer noch einen Bellini hast, dann sage ich dir, dass du diesen für dich einspannen kannst. (Und nicht der Bellini dich.)

Wenn du ihn und die Beweggründe, warum du ihn hast, auseinander nimmst, dann entdeckst du Vordergründig einzelne Probleme. Diese Probleme sind – wenn du sie zueinander richtig zusammenbaust – die realistische (entgegengesetzte, machbare, funktionierende, nachhaltige) Spiegelvariante zum Bellini. Und der ist lauf lange Sicht das bestmögliche, was du mit deinen vorhandenen Mitteln zu machen im Stande bist. Du erkennst, was du kannst und wie du genau das anwendest, was du kannst. Die Spiegelvariante zeigt dir nicht den kürzesten Weg und auch nicht den leichtesten, sondern einen, der sich lohnt. Falls du diesen Weg zu gehen bereit bist, wirst du ihn – wie in einem Spiegel – sehen.

Wer die Erfüllung seiner Träume von außerhalb sucht (das Geld anderer Leute, Star-Ruhm mit Groupies), wird seines nie finden. Und wer glaubt, seine Probleme mit Geld lösen zu können, macht sich mit steigender Tendenz abhängig von noch mehr Geld, das er dann braucht. (Und wieder nicht haben wird.)

Um den eigenen Sorgen und Problemen zu entkommen, ist ein Bellini ungeeignet. Weil er nur die eigenen Sorgen und Probleme lösen soll und nicht mehr.

Ein Bellini ist kein Problem an sich, er ist nur das Symptom einer noch nicht zu Ende gedachten Lösung. Diese lösung ist größer als der Bellini. Denn der ist erst einmal nur eine von vielen schlechten Ideen. Daraus kann eine gute Idee entstehen. Zum Beispiel eine, die die Sorgen und Probleme anderer löst, weil sie die eigenen in anderem Licht darstellt.

Diese Sorgen und Nöte sind dann vielleicht noch da, werden mit der Zeit aber handzahm und auf jeden Fall umgänglicher. Und zwar bis zu dem Punkt, an dem es keine Sorgen und Nöte mehr sein werden. Sondern brauchbare Lösungen für bestehende Probleme. Und künstlerische Geniestreichs, die sich kommerziell behaupten.