Fast jeder kennt die niedlich-bunten Kühlautos von Bofrost, die in Wohngebieten immer zum passenden Zeitpunkt die engen Einfahrten blockieren, um ein Eis zu verkaufen. Diesem radikal-kulinarischen Tiefkühl-Kalifat ist das wohl noch nicht genug und daher wollen die es jetzt genau wissen.

Am Wochenende lag deren zugegeben verführerischer Katalog bei mir im verstopften Briefkasten. Darin zeigen sie, das sie von der Auswahl her jeden Supermarkt in die Schranken weisen können. So fing ich an, Sympathien zu hegen. Weil Konkurrenz, vor allem wie hier mit Service, ist immer gut und ich nicht gerne in Supermärkten einkaufen gehe.

So sah ich mir zwei Tage später mal deren Angebot an. Bis ich mich fragte, wie das funktionieren soll – falls ich was kaufen möchte. Denn woher soll ich wissen, wann das lustige Auto kommt?

Auf der ersten Seite im Katalog steht dann, wie man bei Bofrost einkauft:

Man wählt seine Produkte vorher aus. Klar. Aber unter „Terminplanung“ steht weder Telefonnummer noch Web-Adresse, sondern wörtlich: „Ihr persönlicher Besuchstermin wird Ihnen mitgeteilt.“ Jetzt war ich baff.

Wie soll das funktionieren?

Sucht mich nun nachts – sofern ich auch meine Produkte in aller Ruhe ausgewählt habe – der Bofrost-Wicht heim, nimmt die Betsellung entgegen und weist mir den Termin zu. Oder erscheint in der Tiefkühlphase meines Schlafes ein Geist, der sowieso meine Gedanken kennt und mir einfach nur sagt, wann das Auto vor meiner Einfahrt hält? Erfahren diese Wesen von meiner Kaufabsicht per Gedankenübertragung? Oder hat Bofrost richtig Geld investiert und eine Technologie für telepathische Fernhypnose patentieren lassen, die eine zuverlässige Belieferung bewirkt?

Vielleicht haben die aber während meiner Abwesenheit nicht nur den Katalog eingeworfen, sondern beim mir Zuhause noch heimlich Wanzen und Kameras installiert, so dass die wissen, wann ich den Katalog mit fragenden Augen zuschlage, um mich unmittelbar darauf anrufen zu können.

Genau das ist scheinbar passiert.

Exakt eine Minute nach Beendigung der Lektüre klingelte mein Telefon. Und wer war dran? Bofrost.

Leider war mir das zu aufdringlich. Trotzdem versuchte diese Feinkost-Taliban mit verschiedenen Nummern noch 4 (vier) [update: 7 (sieben)] mal anzurufen. Ich wollte schon meine Wohnung nach Kameras absuchen oder eine eigenen Webcams abkleben, da kam mir in den Sinn, das diese Firma vielleicht einfach jeden Anruft. Denn Adressen mit den Telefonnummern bekommt man in jedem Verzeichnis oder Telefonbuch. Diese im Branchenjargon Kaltaquise genannte Methode ist doch eigentlich verboten. Aber das sind Terrroristen ja auch.

Terror-Marketing ist, wenn man über das Ziel hinaus schießt und dadurch leider die eigenen potentiellen Kunden umnietet.