Synthetisches Glück ist tot und teuer

Dieses Glück ist Hochleistungsstoff und basiert auf einer speziellen Formel. Es ist genauso synthetisch, wie synthetisch hergestelltes Motorenöl oder künstlicher Geschmack. Und es ist ein hier mal von mir gewähltes sinnbildliches Beispiel.

Dieses Glück ist käuflich, und damit teuer. Das gibt es Tröpfchenweise für den armen Mann. Und falls man es auf Dauer bezahlen kann, direkt aus der Nadel.

Die Wirksamkeit von Synthetikglück hingegen ist phänomenal, eben weil es synthetisch ist. Wie der Hochleistungsmotor mit synthetischem Öl besser läuft, so läuft auch der Hochleistungsmensch mit diesem industriell produzierten Glücks-Raffinat schneller, besser und reibungsloser.

Wenn die Dinge nicht so gut laufen, dann brauchen wir Schmierstoff in Form von Glück. (Konsum, Alkohol, Konsum, Nikotin, Konsum, Lob, Konsum, Stolz, Konsum, Coke, Konsum, Meth, Konsum, TV und schon wieder Konsum.)

Da, wo alles reibungslos läuft, da besteht weniger Bedarf an Synthetikglück. Das ist meist dort der Fall, wo natürlicher Schmierstoff ausreicht und der Motor „Mensch“ auch länger hält, seltener kaputt geht und kaum verschleißt. Dort gibt es weniger Kolbenfresser (Depressionen), weniger Motorbrände (Burnouts) und weniger Explosionen (Amokläufe).

Bei Motoren für den Wettbewerb ist Synthetik ein Muss. Bei Menschen für den Wettbewerb ebenfalls. Denn Konkurrenzdruck gibt es überall. Unter Kollegen, unter Firmen, unter Nachbarn und unter der Verwandtschaft.

Konkurrenzdruck ist Leistungsdruck und umgekehrt.

Weil Synthetikglück für den Wettbewerb gemacht ist, optimiert es uns, mit unseresgleichen zu konkurrieren und um noch einmal 0,0006% mehr Leistung herauszuholen.

Wenn man sich dem Vergleich, also der Konkurrenz entzieht, wird jeder teure Synthetikstoff überflüssig. Dann reicht natürliches Glück aus. Dies muss nicht teuer eingekauft werden, weil wir wieder lernen, es selbst zu produzieren…

…durch Kreativität.

Kreativ sein können wir nur, wenn wir uns befreien. Das heißt zu aller erst innerlich. Es reicht somit schon die Absicht aus, einen Weg einzuschlagen, der unsere freie Entfaltung zulässt und dadurch produktive Energien freisetzt. Das Glück, was wir dabei fördern, kommt aus dem Hahn. Und zwar so reichlich, dass es geteilt werden muss. Es sprüht Funken und springt über wie Feuer.

Dieses Glück muss nicht teuer erkauft, sondern kann verschenkt werden. Es ist natürlich, unbegrenzt und lebendig.

Das andere Glück dagegen ist nur synthetisch, begrenzt und tot. — Und ein typisches Produkt der Machteliten.