Meine Abneigung gegen zu viel Denglisch und andere Unverständlichkeiten

Für mich ist Verständlichkeit in meinen Beiträgen schon wichtig. Im Gegensatz zu angestellten Schreiberlingen in der Mainstreampresse (ein denglisches Wort), die mit Fremdwörtern um sich werfen, die ich nie in Wörterbüchern finden kann. Die wollen sich halt schlau tun. Warum? Wer nur schlau tut, der wird es wohl kaum sein.

Leute, die jahrelang in Marketingagenturen gearbeitet haben (von denen verständlicherweise viele etwas Blogger-artiges geworden sind) erkennt man daran, dass sie sowohl Denglisch sprechen als auch schreiben. Warum? Weil es alle so machen. Oder hast du in den letzten Jahren eine hippe, coole Werbung gesehen, in der kein englischer Begriff vorkommt? Also.

Ich selber betreibe ein bewusstes – aber sparsames – Spiel mit der Sprache, wobei ich versuche, nichts zu übernehmen, was mich zu einer bestimmten Gruppe als zugehörig zeigen könnte. Und wenn es für irgend eine Erklärung ein deutsches Wort gibt, dann werde ich es nicht durch ein englisches ersetzen. Schon allein deshalb, weil ich es dann zwangsläufig falsch, also auf Denglisch, schreiben muss.

Das heißt, man kann – wenn man deutsch schreibt – kein korrektes Englisch schreiben. Substantive werden ja eingedeutscht und daher groß geschrieben. Aus dem Wort player wird dann „Player“. (Ich weiß, deutsche Marketingleute lieben diesen Begriff.)

Noch schlimmer wird es mit gebräuchlicheren Begriffen. Bekanntestes Beispiel ist ein Wort, dass ich im deutschen (und französischen) Sprachgebrauch absolut hasse:

„Handy“ (engl. cell phone, mobile).

Ich vermeide diesen Begriff wie die Pest und sage ganz altmodisch Mobiltelefon oder einfach Telefon. Aber das ist nicht der einzige Denglisch-Klassiker. Da gibt es den oben schon genannten „Player“* (key player) oder die „Mail“* (email) oder „Oldtimer“ (classic car). Wobei der der Begriff Rock’n Roll im englischsprachigen Raum mehr als nur die Musik und das Lebensgefühl der 1950er Jahre meint.

Ich gebe zu, dass ich bei „Rocker“* (outlaw/biker) oder der deutsche „Dealer“* (candyman, drug/narco/trafficker, pusher, pedlar), der im Englischen aber nur „Händler“ bedeutet, selber darauf zurückgreife. Das sind somit deutsche Worte wie „Handy“ und vereinfachen somit die hiesige Verständigung. Das heißt, in der deutschen Sprache gilt: Was falsch ist, klingt richtig und was richtig ist, das klingt falsch.

Apostrophe werden ebenfalls umgekehrt, was mich zugegebenermaßen irritiert. Ein deutliches Beispiel ist der Name Richard. Insbesondere wenn jemand Richard mit Nachnamen heißt, dann schreibt man im deutschen „Richards Werk“ oder „Das Werk Richards“, meint aber Richard. Ich denke dann aber an jemanden, der wirklich Richards heißt. Mit „s“. Das ist einer der Gründe, warum ich wie im englischen statt Muttis (oder Merkels) lieber Mutti’s (oder Merkel’s) schreibe. Bei den deutschen Namen Wessel/Wessels oder Carsten/Carstens ist es wieder irritierender.

Das ist eine verkehrte Welt. Und diese Verkehrung kommt meiner Ansicht nach aus einer versuchten Abgrenzung vom althergebrachten, also traditionellen Sprachgebrauch. Und man will paradoxerweise zeigen, dass man wiederum irgendwo dazu gehört, zum Beispiel zu den ‚Wissenden‘. Das ist ok. (Oder O.K.)

Kompliziert sind russische Namen, sofern diese eingedeutscht werden. Ich selber benutze nur ungern die deutsche Schreibweise und bevorzuge die internationale Version. Aus Churkin (Чуркин) wird in D. „Tschjurkin“ oder aus Shelkovnikov (Шелковников) wird ein zerdeutschtes Ungetüm wie „Stsjelkownjikow“.

Richtig schlimm sind die Medien, was die Aussprache von englischen Wörtern betrifft. Profis, die es eigentlich besser wissen (und können müssten) machen hier einfach alles falsch:

Aus Beth wird „Peys“ (deutsch-phonetisch: Pess).

Aus Nathan wird „Naes’n“ (deutsch-phonetisch: Neessn).

Aus Lohan wird „Loan“ (deutsch-phonetisch: Loon).

Aus Germany wird „T’shur-m’nee“ (deutsch-phonetisch: ‚Tschörminie)

Aus check wird „d’t’sh-sheck“…

Aus dad wird „tet(te)“… oder aus Brad wird „Pkhet(te)“

Ja ja ich lass es…

Der englische Buchstbe V (vee) wird grundsätzlich mit dem W (double-u) vertauscht. Aus Vinnie wird „Winnie“. Und aus Willie wird „Villie“. Oder noch härter: „Feedley“. Zumindest in meinen Ohren wird das deutsche „L“ manchmal so hart, dass es mir ein „D“ klingt. Oder ein „T“ wie ein „K“ (aus Lettland wird Lecklant) , ein „M“ wie ein „B“ oder ein „N“ wie ein „M“. Letzteres wird einigen Gegenden in England (oder „Englands“) ebenso ausgesprochen.

Bei einigen fremden Namen ist es anders, wie z.B beim arabischen Ortsnamen Dubai. So wird hierzulande die erste Silbe, also das „u“ betont. Dabei wird Dubai im Rest der Welt (inklusive der Emirate) auf dem „ai“ (wie in Sauerei) betont.

Ich habe in den USA schon mehrmals deutsche Einwanderer, das heißt, US-Amerikaner deutscher Abstammung (die hier geboren sind) getroffen, die nach über 30 Jahren Deutschland-Abstinenz immer noch eine Art Denglisch sprechen, dazu einen fetten deutschen Akzent haben, der so klingt als wenn sie zum ersten Mal diese Sprache sprechen. In dem Zusammenhang merke ich gerade, dass dieser Beitrag einer der sinnlosesten ist (und wohl einer unbeliebtesten sein wird), die ich je geschrieben habe. Es ist ein sprichwörtlicher Pfingstmontagsbeitrag. Aber ich musste ihn schreiben, es musste raus, ging nicht anders.