Jeder hat ’ne Macke

Genau. Die Welt ist ein einziges Irrenhaus, weil es zu viele Irre gibt. Damit meine ich nicht nur die, die das Sagen, also Macht haben. Sondern alle Leute in allen Schichten und Umständen.

Wie kannst du selber da noch klar im Kopf bleiben?

Gute Frage. Aber es hilft zu wissen, dass jeder eine Macke hat. So auch du. Und ich. Alle.

Die meisten bezeichnen eine Macke auch als solche. Und eine Macke bleibt eine Macke. — Wenn man es bequemerweise dabei belässt. Das gilt besonders in komplizierten und Regel-überladenen Gesellschaftsordnungen, wie der deutschen. Das fördert Zwänge, im Großen wie im Kleinen.

Eine Macke ist nicht gesellschaftskonform, obwohl jeder in der Gesellschaft eine hat. Das an sich ist schon widersprüchlich. Denn eine Gesellschaft besteht nun mal zu 97,8% aus Irren. Sie wird wird von denen sogar beherrscht.

Aber Irre irren sich (deshalb sind sie ja irre), wenn sie eine Macke zum Makel machen. Denn im eigentlichen Sinne ist eine Macke etwas sehr eigenständiges und hoch produktives. Und es ist das, was (den Charakter von) Personen zum großen Teil ausmacht.

Mit eigenständig meine ich einzigartig, unvergleichlich und unnachahmlich. Damit ragt man heraus und macht einen Unterschied.

Mit produktiv meine ich nützlich, gewinnbringend und profitabel. Mit ihr schafft man Wert und Bedeutung.

Wenn nun jeder ‚bemackt‘ ist, warum ist dann nicht jeder auf seine besondere Weise produktiv damit?

Weil die meisten Leute Angst vor der eigenen Macke haben. Das heißt, sie haben Angst vor sich selbst, und damit Angst vor den besten Teil ihrer selbst.

Fakt ist, eine Macke hat immer Auswirkungen. Sie lässt sich nicht wirklich verstecken, auch wenn viele ihr Leben lang genau das versuchen. Entweder zwingt sie uns sie zu kaschieren, zu Intoleranz, zu Gleichförmigkeit oder zu rigiden Strafaktionen. – Was die Welt zum gefährlichen Irrenhaus und viele Leute unglücklich macht.

Oder wir lassen die Macke einfach das sein, was sie wirklich ist. In dem Fall zeigt sie dann ihr wahres Gesicht und ändert ihren Namen wieder in den ursprünglichen zurück. Dann heißt sie nicht mehr Macke, sondern Kreativität, Inspiration, Neigung, Talent, Interesse, Energie, Leidenschaft. Und sie zeigt nicht nur den Weg, den jemand besser gehen sollte. Sondern gleich noch dessen Ziel.

Und wer kein Ziel hat, der irrt ziellos herum. Deshalb ist so jemand – wie bereits gesagt – ein Irrer. Davon haben wir genug. Man wundert sich darüber, aber man lässt es tagtäglich geschehen. Angefangen im Elternhaus und in der Schule. Somit kann für den Einzelnen nichts weiter aus seinen speziellen Eigenschaften werden, als… eine üble Macke.

Viele Dinge werden zu dem, was wir aus sie machen. Fangen wir bei der eigenen Macke an. Nicht nur, indem wir sie akzeptieren, sondern auch kultivieren. Denn mit dem Beleben deiner Macke holst du dein Leben aus der Zwangsjacke.