Falls der Tod dein Nachbar ist

Stell dir vor, es ist Sonntag Abend, du bist gerade im Flow und kannst dich besonders gut auf deine Arbeit konzentrieren. Plötzlich, unerwartet und aus heiterem Himmel schreit die Bohrmaschine des Nachbarn auf, der momentan dabei ist, das nächste seiner bereits Achzigtausend Löcher in die Wand zu bohren. Da knallen die Sicherungen durch. Bei dir im Kopf.

Vielleicht hast du kein extra Büro angemietet, um deine Arbeit zu machen. Das tust du zu Hause, weil es billiger ist.

Allerdings wohnst du vielleicht nicht allein in diesem Haus. Es gibt einen oder mehrere Nachbarn. Und diese Nachbarn sind schlimmer als der zweite Weltkrieg.

In Momenten der Störung gehen dir sehr spezielle Fantasien durch den Kopf. Ein solcher Gedanke wäre beispielsweise, dass du zu diesem Bastard rüber gehst, ihm die Schlagbohrmaschine aus der Hand reißt, einschaltest und ihm das Ding dann richtig tief in den Arsch rammst.

Der zweite Gedanke ist: Ihn mal ansprechen. Aber das geht nicht. Denn womöglich ist dein Nachbar ein Idiot.

Vielleicht trägst du Ohrstöpsel oder hast die Wände mit tonnenschweren Bleiplatten verstärkt. Aber bei aggressivem Lärm geht bei dir trotzdem nichts. Außer Rage, Wut und Mordlust.

Wer das nicht kennt oder sowieso auf einem ruhigen Anwesen residiert, dem empfehle ich den Film Duplex mit Ben Stiller, der darin ähnliche Situationen erlebt.

Die Lösung? Es gibt keine. Außer tote Nachbarn. Aber dann zieht womöglich der nächste Idiot ein. Und wer weiß, welchen Bohrstil der bevorzugt. Oder umziehen? Keine Chance, der Lärm zieht gern mit.

Das einzige, was du machen kannst, ist im Moment zu leben. Also den Moment so auszukosten und mit produktiver Arbeit und Kreativität zu füllen, das du trotz der Störungen immer einen Schritt weiter kommst. Der störende Nachbar symbolisiert den Tod. Den versuchst du ja auch aus dem Weg zu gehen. Und der kann einen überraschen oder Angehörige aus der Bahn werfen. Meist im ungünstigsten Moment. Denn der Tod stört immer.

Bestimmte Nachbarn oder Störenfriede erinnern uns unregelmäßig, aber in kurzen Abständen daran, dass wir nicht ewig Zeit haben. Oder dass du – eventuell – öfters mal raus oder meinetwegen in die nächste Bar gehen solltest.