3 Beispiele, wie du erkennst, dass du kein Narziss, sondern gesund bist

Die Welt und ganz besonders das Netz ist voll von Narzissten, so dass es beinahe schon weh tut. Aber ich habe eine heimliche Liebe für diese Typen. Genauer gesagt, eine Hassliebe. Denn fast jeder, der sich online präsentiert, ist bis zu einem gewissen Grad ein Narziss.

In abgeschwächter Form sehe ich das auch bei mir. Wie sieht es mit dir aus? Hier drei Beispiele, wie du erkennen kannst, ob du noch gesund narzisstisch, also im grünen Bereich bist:

 

Beispiel 1

Du bist mit Menschen in einem Raum zusammen, die den Ton angeben. Und die – vielleicht nicht ganz so gut wie du – redegewandt und unterhaltsam sind, sich dazu mit einem Thema beschäftigen, das wohl niemanden so liegt, wie eigentlich dir.

Während dessen bleibst du ganz entspannt, ruhig und lächelst zustimmend und geduldig, anstatt zu zeigen, wo der stimmgewaltige Al-Pacino-Hammer voller Ausdruck und Sprachfertigkeit samt fundierter Expertise hängt.

Du bleibst deshalb ruhig, weil du willst, dass das Haus deines Gastgebers noch steht, nachdem du es verlassen hast. Denn du hast Vertrauen und weist, dass deine Gelegenheit noch kommt.

Kurz: Du kannst – gerade weil es dir schwer fällt – anderen den Vortritt lassen und eine Zeit lang Nichtbeachtung und Ignoranz aushalten, ohne gleich dazwischen zu gehen, wie ein kläffender Köter.

 

Beispiel 2

Du willst gut behandelt werden. Du sitzt an einer Bar. Rechts neben dir setzt sich ein älterer Stammgast, zählt sein scheinbar letztes Kleingeld, bestellt einen Drink und fängt ein nettes Gespräch mit dir an. Kurz danach betritt ein berühmter Rockmusiker mit schwarzen Locken, Nasenpiercing, Sonnenbrille, Zylinderhut Baseball cap und Gitane Kaugummi im Mund die Bar, setzt sich links neben dir und bestellt einen halben Liter Vodka mit Schuss ein Glas Wasser und ein Käsetoast.

Er grüßt, du grüßt zurück und wendest dich wieder dem Stammgast zu, während dieser sagt, dass er gehen muss, weil er sich keinen zweiten Drink mehr leisten kann. Du zögerst nicht lange, bittest ihn zu bleiben, gibst ihm den nächsten Drink aus und unterhältst dich über Gott und die Welt, während der (eigentlich kumpelhaft-gesellige) Rockstar erstmal seine Ruhe hat, obwohl er direkt neben dir sitzt und du die letzten Tage World on Fire in Endlosschleife gehört hast.

Kurz: Du behandelst jeden so, wie du selbst behandelt werden willst. Völlig unabhängig vom Ansehen der Person, inklusive deines eigenen.

 

Beispiel 3

Du bist eine Ikone im Internet, betreibst einen Blog mit hunderttausenden von Lesern. Trotz der vielen Leute, die sich für deine Inhalte interessieren findest du die Zeit auf jede Email persönlich zu antworten, weil du das für wichtig hältst. Unter deinen Beiträgen beantwortest du jeden einzelnen Kommentar, anstatt willkürlich zu selektieren. Und du gehst auf deine Leser ein, zitierst sogar deren Inhalte, falls die welche haben.

Meine Meinung: Selbst deutschsprachige „Großblogger“ haben eine stets überschaubare Zahl von sinnvollen Kommentaren, die man in wenigen Minuten beantworten kann. Falls du nicht jeden antworten willst oder es dir zu „bunt“ wird, dann wäre es vielleicht besser, konsequent zu sein und die Kommentarfunktion zu deaktivieren. Der Fairness halber. – Ansonsten suggerierst du mir, dass du Kommunikation nicht mehr nötig hast, weil dein Sack bereits voll ist.

Kurz: Du nutzt das Internet und deine Website zur Kommunikation und nicht als distanzierte Ego-Bühne.

 

Fazit:

Wenn du dich in diesen drei Beispielen so oder so ähnlich wieder erkennst, dann ist alles gut. Dann würde ich dir auch gern einen Drink ausgeben, egal, wie dein sozialer Status ist oder wie viel Geld du gerade ausgeben kannst.