…sind scheinbar günstige Gelegenheiten. Scheinbar deshalb, weil sie einem Aussichten auf Einkommen, neue Kontakte, einen anderen Status (mehr Wichtigkeit) versprechen oder einfach nur bunt, exotisch und interessant wirken. Sie geben Hoffnung, bergen aber eine gewisse Gefahr von ebenso ungünstigen Überraschungen.

Von Zeit zu Zeit bekomme ich immer wieder mal Angebote, gewissermaßen in das Geschäft von jemand anderen mit einzusteigen. Meist geht es darum, dass jemand sein (zumeist spezielles) Produkt verkaufen will und einen Vertriebspartner sucht. Zweimal wollte mich jemand komplett in sein Unternehmen holen. Das eine mal als Grafikdesigner und das andere Mal als eine Art Ghostwriter — ohne Namensnennung.

Finanziell war alles sehr verlockend.

Und ich habe ernsthaft über alles nachgedacht, obwohl ich keine neuen Tätigkeiten mehr annehmen wollte. Trotzdem habe ich Tage damit verbracht, mich mit den Menschen und deren Unternehmen zu beschäftigen, mit ihren Ideen, Vorschlägen und dem realen Nutzen für alle Beteiligten. Dann habe ich eigene Gegenvorschläge unterbreitet, die freudig akzeptiert wurden. Aber genau dabei wurde mir immer unwohler.

Warum? Meine Erfahrungen warnten mich. Obwohl meinem Projekt, dem Klokain-Kartell, keines der Angebote direkt im Wege stehen würde, wäre die Zeit genau dafür wieder knapp geworden. Und der Fokus ginge verloren. Darüber hinaus könnte einem auch eine zuerst simple Angelegenheit über den Kopf wachsen. Denn das, was von mir jetzt hier wie eine bequeme Ausrede für einen Rückzieher klingt, sind Abwägungen, was langfristig das Richtige ist.

Langfristig, und demnach lohnend und erstrebenswert, sind gelegentliche Bindungen mit anderen selten.

Gelegentliche Angebote können kurzfristig etwas bringen und neue Wege aufzeigen. Sie können auch – wie bereits erwähnt – zum Denken anregen. Aber wenn man bereits ein Ziel hat, dann sollte man seinen gesamten Fokus und die ganze Energie darauf richten. Und beibehalten und dabei flexibel bleiben.

Allerdings kann der Frust, falls eigene Zwischenziele nicht so erreicht wurden, wie man es sich erhofft hat, einem offen für andere Gelegenheiten machen. Auch, und vor allem geschäftlich wie beruflich.

Da ich mich mit den Perspektiven dieser Gelegenheiten tatsächlich auseinander gesetzt habe, erkannte ich, dass mein Frust (den jeder Entrepreneur und Künstler mal hat) nicht so ganz begründet ist. Denn wenn er (der Frust) tatsächlich begründet wäre, dann bräuchte ich hier nichts mehr zu veröffentlichen und könnte die Sache (Kartell, Blog) begraben.

Ich bewege mich zwar in einer kleinen Nische und kann mich auch nicht mit einem der bekannteren Blogger vergleichen. Aber ich habe hier Stammleser. (Das heißt natürlich nicht, dass es automatisch alles potentielle Kunden wären.)

Meine Leser, Du und auch die anvisierte Klientel sind nun mal speziell. Das ist als Kompliment gemeint. Sie sind so speziell, dass jedes andere (und neue) Nebenprojekt die Arbeit (und das Bloggen) am und im Klokain-Kartell verwässern würde. Hier aber wird nichts verwässert. Hier wird in Faßstärke ausgeschänkt.

Interessenkonflikte werden oft nicht gleich erkannt.

Wenn ein Unternehmen feststellt, dass es so jemanden, wie mich dringend braucht und dazu alle möglichen Bedingungen zu akzeptieren bereit ist, dann ist der Konflikt mittelfristig vorprogrammiert. Das ist ungefähr so, als wenn jemand mit Tierhaarallergie ein Haustier für die Kinder und für sich einen Wachhund braucht, aber gerade noch schlau genug ist, um zu sagen „Hey, nehmen wir doch ein paar Klapperschlangen. Wenn die klappern, dann kommt Besuch.

Fazit: Ich habe nichts gegen Kooperationen. Im Gegenteil. Aber dann sollte man sich entweder gegenseitig ergänzen oder ein Mindestmaß an gemeinsamen Interessen haben. Wenn einer der potentiellen Partner dies nicht erkennen kann, dann werden aus ungünstigen Gelegenheiten unmögliche Vorhaben. Trotz plausibler Argumente.