Falls du im Alltag und auch sonst immer und überall eine gewisse Ahnung hast, dass irgendwas im Busch ist, dich jemand leimen will oder etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, dann ist deine Ahnung mit hoher Wahrscheinlichkeit berechtigt. – Sofern du Ahnung hast.

Denn du kannst versteckte Gefahren am besten dann erkennen, wenn du Ahnung davon hast, weil du selber so eine Gefahr bist.

Will ich dir jetzt mit diesem Beitrag sagen, dass du böse oder gefährlich bist?

Ja.

Wieso? Erstens, weil ich der erste Blogger sein will, der seinen gefährlichen Lesern Bösartigkeit unterstellt. Und zweitens, weil ‚böse‘ relativ ist. Und damit auch jede Gefahr. Das Böse ist auch frei von Moral, und, von der richtigen Seite betrachtet, gut.

Beruhigt? Hoffentlich nicht. Denn du sollst ja weiter lesen.

Da aber die Welt brutal, sprich böse ist bzw. erscheint (je nach Sichtlage), versucht eben dieses Böse, sich in seiner ureigenen Welt permanent durchzusetzen. Man nimmt es zuerst wahr und somit dominiert es häufig, weil man darauf reagiert. Bewusst oder unbewusst wird eine Spirale in Gang gesetzt. Das heißt, das Böse existiert automatisch, gewinnt an Macht, obwohl es gar nicht da ist. So böse ist es!

Was wir wissen: Jeder hat seine bösen und seine guten Seiten, sein Ying und sein Yang. (Wenn Weisheiten asiatisch klingen, wirken sie so schön.) Unsere dunkle, also böse Seite hilft uns, das echte Böse zu erkennen, sofern wir es bei uns selber unter Kontrolle haben. Und um es wirklich zu kontrollieren, muss man auch den bösen Teil von sich kennen.

Ist jetzt alles gut? Nein, denn jetzt wird es erst richtig böse.

Dass man gewisse Teile von sich kennen muss, um sie woanders zu erkennen erklärt sich von selbst, klingt logisch.

Aber. Wie wir von unseren chinesischen Freunden Mister Ying & Mister Yang wissen, kann das eine nicht ohne das andere existieren. Und wenn es versucht, getrennt zu existieren, dann vernichten sich im ungünstigsten Fall beide gegenseitig. Das Böse verpufft. Das Gute aber auch.

Damit unsere Erkenntnis von Gut und Böse gelingt, bevor wir selber verpuffen, müssen wir Gut von Böse unterscheiden können, um entscheiden zu können. Oft müssen wir sogar schnell entscheiden, weil keine Zeit zum Analysieren bleibt.

Daher hilft uns nur, das einzig mögliche zu wagen. Dieses einzig Mögliche ist der dritte Bekannte von Mr Ying & Mr Yang:

bolo
Cropped image version of Budu Gala 2010/Bolo Yeung by Popeyee @ Flickr, licensed under CC BY-SA 2.0

Mister Yeung.

Als waschechter Chinese beherrscht Mr Yeung Tai-Chi, was für ihn hilfreich ist. Und er hilft uns hier symbolisch, das Böse zu umarmen, zu akzeptieren, zu inhalieren. Gut und Böse greifen ineinander. Immer fester und immer besser.

Wenn wir das tun, dann können wir das auch mit der Welt, in der wir leben, anstatt sie abzustoßen, vor ihr weg zu rennen, zu verstecken oder sie zu meiden.

Nach dieser Akzeptanz (oder Vereinigung) handeln wir instinktiv und ohne groß nachzudenken im Einklang mit der Welt, dessen Teil – welch Überraschung – wir ebenfalls sind. Da unsere Wahrnehmung so ungetrübter ist, haben wir jetzt genug Ahnung von dem, was um uns herum so alles lauert, wartet oder passiert. Wir können jetzt nicht nur Gut und Böse unterscheiden, sondern genauso all die Feinheiten dazu wahrnehmen.

Wir können mit dem Bösen am besten umgehen und es gar ins Positive wenden, wenn wir es genau kennen. Das heißt: Bist du Mr Ying & Mr Yang, dann bist du du selbst. Oder Mr Yeung.

[Zur Überschrift: „Das Böse kennt seinesgleichen.“ (Engl.: „Evil knows evil.“) — Gary Oldman als Dr. Smith, aus dem Film Lost in Space (1998).]