Zocker

Ich kenne sie. Unternehmensgründer, Entertainer und Künstler kennen sie. Freiberufler kennen sie definitiv. Sie kennen diese vermeintlich potentiellen Kunden oder Interessenten, die so tun, als müsste man erst einmal umsonst für sie arbeiten, um einen Fuß in die Tür des Erfolges zu bekommen. Vielleicht kennst du sie auch.

Ich nenne diese Leute Zocker.

Der Zocker tut sich selbst zunächst wichtig, macht Hoffnung auf ein großes Ding oder einen Karrieresprung desjenigen, den er kontaktiert. Aber er will nichts oder – wenn überhaupt – nur einen symbolischen Preis bezahlen, der nur einen Bruchteil der Kosten deckt.

Außerdem will er ständig Angebote, Konzepte oder Ideen sehen, die vielleicht seinen Vorstellungen entsprächen, die womöglich brauchbar für ihn erscheinen.

Typische Zocker sagen so Sachen, wie: „Mir gefällt Ihre Arbeit. Unterbreiten Sie mir mal ein paar weitere Ihrer Arbeiten (Vorschläge, Entwürfe, Kostproben, Varianten), die wir gebrauchen können.“

Manche sind da direkter: „Stellen Sie uns Ihr Produkt (oder Ihre Dienstleistung) doch zuerst einmal unentgeltlich zur Verfügung. Dann sehen wir, ob es ankommt, ob es das richtige für uns ist. Damit können sie sich einen Namen machen, um bei einem Folgeprojekt dann auch den (vollen) Preis zu verlangen.“

Oder so: „Wir gucken mal, was sie so haben. Wir bräuchten zwar dieses auf eine bestimmte Art. Aber wenn sie wieder mal was haben, dann schauen wir, ob wir es verwenden können oder ob es zu uns passt. Dann machen wir einen Vertrag, bei dem sie gutes Geld verdienen.“

Falls du es mal mit einem Zocker zu tun hast, dann verschwende keine Zeit mit ihm. Mache klar, unter welchen Bedingungen du arbeitest. Oder besser: gib ihm gleich einen Korb.

Und die wirksamste Möglichkeit, sich zuerst einen guten Ruf per kostenloser Angebote zu erarbeiten ist, indem du das selbst in die Hand nimmst. In Eigenregie. Als Autor, Blogger, Zeichner, Designer, Videokünstler oder Dienstleister. Völlig egal. Du kannst entscheiden, welchen Teil deiner Arbeit (oder Werke) du unentgeltlich heraus gibst und für welchen Teil du dich (später) bezahlen lässt. Mit einem Zocker geht das nicht. Der denkt nur an sich und hat zumeist selber nur eine vage Vorstellung, was er denn nun genau will. (Abgesehen von kostenlosem Service, Forschung oder Entwicklung.)

Statt hoffnungsvoll Leistungen für eine Person zu machen, die deine Mühen nicht zu schätzen weiß, könntest du es für viele andere durchaus tun. Letztere kannst du dir selber aussuchen. Dabei kannst du vorher festlegen, wie du es teilen willst und welchen Teil deiner Arbeit du mit wem langfristig teilen willst. Somit kümmerst du dich um deine eigentlichen Fans, Kunden oder Partner. Investiere hier deine Zeit, Kreativität und Zuwendung.

Und das Risiko, dass du wieder umsonst arbeitest, ist hier erstens genau kalkulierbar (von dir selbst) und zweitens auch viel geringer. Damit erschaffst du dir Möglichkeiten, statt unkalkulierbare Risiken. Unkalkulierbare Risiken sind für Zocker.