Besinnlich und besinnungslos

So sind die Feiertage. Es wird der ganze Weihnachtsstress hinein gefressen und gesoffen, bis die Schwarte kracht. Am besten (und das ist praktisch) wird gleich bis Sylvester durchgemacht. Und wenn man schon mal in Fahrt und sowieso ein harter Junge ist, dann gibt’s Verlängerung bis zum 32. Dezember. (Auch „Neujahr“ oder „1. Januar“ genannt).

Mit Alkohol werden die guten Vorsätze bereits vorbeugend, also vorsätzlich (aber nicht bewusst!), aus dem Gehirn gebrannt. So macht sich der Mensch frei von irgend welchen Verpflichtungen, die er sowieso nie einhalten wollte. Dann hat man wieder das ganze laufende Jahr Zeit, um es noch einmal zu versuchen. Und die Alte gibt Ruhe, denn man kann den 12-monatigen Aufschub ja plausibel erklären. — Sofern man das hier gelesen hat.

Warte, habe ich eben – neben der „Alten“ – über einen „Mensch“ geschrieben, wie „er“ dies oder jenes macht? Politisch korrekt sollte es doch MenschIn heißen. Oder die MenschInnen. Oder MännInnen. Oder der FrauRich. (Wie bei Mäuserich.) Oder der WeibLing. (Wie bei Weichling.)

Ich komme mal zum Punkt. Viel zu sehr achten die Leute (oder Leutinnen) auf politische Korrektheiten, welche nur Modeerscheinungen sind, um nicht anzuecken oder als zeitlich zurückgeblieben zu gelten. Das ist lieblose, oberlehrerhafte Pedanterie und hat nichts mit gegenseitigem Respekt zu tun.

Politisch korrekte Wörter sind ein Alibi für Spießer, ansonsten Müll zu erzählen.

Das Ganze ist jetzt nur in „korrekte“ Worte verpackt. Jeder ist auf sich selbst bedacht, wenn er diese asexuellen Ausdrücke verwendet. Mit den richtigen Wörtern geht man auf Nummer Sicher. Und wer geht gern auf Nummer Sicher?

Richtig, ein Konformist.

Wow, was für eine Wendung dieser Beitrag hat. Und es wird noch philosophischer und hochtrabender. So wünsche ich dir und eigentlich uns allen, dass wir uns auf das für uns Wichtige besinnen, erst recht, um nicht besinnungslos Korrektheiten zu nutzen, nur um eben jenes Wichtige daneben zweitrangig werden zu lassen.