Networking bedeutet angepisst werden

…also mach‘ was ganz anderes.

Keiner kennt dich und wer vielleicht von dir gehört hat, der legt keinen Wert auf deine Gesellschaft. — Exakt, weil er dich nicht kennt. Du bist außerdem unangepasst und unbequem. Gerätst du in die Nähe von einem Schnösel, so bist du es, der sein Territorium beschmutzt. – Durch deine bloße Anwesenheit. Du fällst nicht in deren Raster oder Anhängerschaft.

Du willst und kannst nicht auf normale Art kommunizieren und bekommst scheinbar keinen Draht zu irgend jemanden. Die Etablierten lehnen dich ab, weil sie angepasste Spießer um sich haben wollen (die denen keine Probleme machen).

Die dir Unbekannten, also diejenigen, die du (noch) nicht kennst, aber gern kennenlernen würdest, scheinen entweder nicht existent oder bereits unerreichbar. Letztere haben deine Gesellschaft, deinen Zuspruch und deine Unterstützung schlicht nicht (mehr) nötig.

Vieles im deutschsprachigen Internet, den Blogs und „Communities“, ist Blendwerk. Deren Macher und Obermacher haben zu große Egos. Viele sind sich viel zu fein oder haben zu viel um die Ohren, um sich auf jemanden wie dich einzulassen. Manche sind arrogant, weil sie sich so edel fühlen. Einige von denen hatten einfach nur Glück.

Dummerweise sind sie oft die einzigen oder die ersten, die du relativ leicht findest.

Aber. Du willst den ersten Schritt machen und auf Leute zugehen. Manchmal sind die Falschen dabei, welche die Sache (deine Sache) noch schwieriger machen. Die brauchst du nicht, so lasse sie für immer aus deinem Leben verschwinden.

Geh einfach weiter. Falls du es mit einem weiteren bornierten* Idioten oder einer narzisstischen Grinsebacke zu tun hast, der oder die vor lauter Stolz kaum vernünftig kommunizieren kann: Selbe Prozedur, abhaken, deren Staub abklopfen und weiter gehen.

Wenn du anders bist, dann verhalte dich auch anders, kommuniziere anders, gehe andere, eigene Wege. Und wenn du nicht weist, wie und wo und mit wem du anfangen sollst, dann geh den Weg, den nur du gehen kannst. Das heißt, dass du nicht das Geld oder die Beziehungen hast, um es auf deren Art zu machen. Viele Ratgeber und Internet-Gurus gehen davon aus, dass du zumindest eines von beiden hast. Wenn du es hast, super für Dich. Gratulation!.

Falls aber nicht, dann brauchst du vielleicht zehn bis zwanzig mal so lange, als jemand mit besseren Voraussetzungen, um ein für dich akzeptables Resultat, einen Erfolg zu erreichen. Ist das schlimm? Nein, das ist nicht schlimm, sondern dein Leben. Daher gehst einen anderen, eben deinen Weg. Du unterscheidest dich schon dadurch, dass du es schwerer hast und beweist damit echte Qualitäten.

Welche Qualitäten?

Zum Beispiel, dass Ausreden für dich nicht gelten. Denn Ausreden sind nichts weiter als… Ausreden.

„Ich habe kein Geld, keinen Beziehungen, keine Ahnung, keine rechte Lösung und erst recht keine Ruhe.“

Die Wahrheit ist, dass diejenigen, deren Erfolg du bestaunst oder ungläubig wahrnimmst, es in vielen Fällen verhältnismäßig – also relativ zu dir gesehen – leicht hatten. Obwohl jene genauso hart arbeiten, wie du, keine Frage. Aber die, die es nicht so leicht hatten, wie vielleicht auch du, die haben ihr Projekt vorzeitig aufgegeben, weil sie auf die Big-Player sahen und deshalb demoralisiert oder entmutigt statt unterstützt oder ermutigt wurden.

Sie haben ihr eigenes Baby begraben, weil es nicht so schnell wachsen konnte, wie die mit einer bunten Auswahl an Vitaminen, wie Geld, Beziehungen, Wissen, persönliche Umstände und Erfahrungen.

Wie aber wirst du anerkannt? Indem du echt bleibst. Und wenn du echt bleibst, dich treu bleibst, dann ziehst du deine Nummer auch durch. Gerade, weil sie länger braucht. Der Wert, den du dadurch erschaffst ist stabiler und beständiger als das, was es bislang in der Art gab. Du erreichst nicht kurz-, nicht mittel-, sondern langfristig mehr Eigenständigkeit als die glücklichen Bastarde.

Geht es dir um andere, dann wirst du sie finden. Punkt.

Aber es dauert, denn nicht jeder wird gleich deine Liebe annehmen oder überhaupt erkennen. Das Geheimnis ist daher so simpel, dass es gern übersehen wird:

Suchen ist nichts weiter als Investieren.

Wenn du weißt, für wen (welche Menschen, Kreise, Gruppen) du brennst, aber nur schwer an sie heran kommst, dann kreise um sie herum, so wie du gedanklich ein Problem umkreist, bis du es gelöst hast. Beschäftige dich mit diesen Leuten, studiere sie, suche dir Beispiele von Leuten oder Organisationen, die in irgend einer Weise vergleichbares leisten, wie du.

Und wenn du weiterhin niemanden findest, außer wieder die üblichen Idioten und erfolgreichen Bastarde? Dann suche intensiv und unerbittlich nach den richtigen Leuten. Diese Leute sind das allerwichtigste. Die Suche nach denen ist dein Investment. — Ich sag es klar, weil ich weiß, wovon ich rede: Investiere hier richtig oder gar nicht.

Hier eine kurze Diskussion, in der ich selber Rat in eigener Sache suchte. (Das Popup-Fenster unten auf „Go to this class“ einfach weg klicken). War es mir peinlich, öffentlich mal gestandene Experten zu fragen? Ein bisschen. Na und?

Noch eines: Falls du die Aufmerksamkeit bestimmter Leuten oder Kreise in Deutschland suchst, aber keinen, wie auch immer geartet, erreichen kannst (besonders dann, wenn du sie erreichst), dann ändere deine Taktik.

Das heißt, geh weg von den aktiven „Wichtigen“ (selbst Kleine fühlen sich in D. viel zu wichtig) und hin zu denen, die eine andere oder sogar keine sichtbare Präsenz haben. Hier kannst du direkt, gegenteilig und virtuos an die Sache heran gehen. Auch offener und ungehemmter. Aber Ausdauer, Zeit und Geduld solltest du mitbringen. Oder viel Geld. (Deine Wahl. Falls du eine hast.)

Was meine ich mit ‚direkt, gegenteilig und virtuos‘?

Direkt heißt, keine Umwege über „Multiplikatoren“ gehen, sich dort anbiedern, wo es keinen Sinn hat. (Z.B. die bekannten, gut vernetzten Meinungsführer, deren Empfehlungen viele vertrauen.) Wende dich lieber gleich hin zu deinen Fan oder potentiellen Kunden. Und mache ihnen es leicht und reagiere promt.

Gegenteilig heißt, nimm dich selbst aus deinem Angebot heraus und dafür die Gedanken des Nutzers, des Kunden oder des Fans hinein. Das ist der schwierige Teil und erfordert extremes (und ungestörtes) Nachdenken (und von daher viele Anläufe). Egal, was du machst, ob Musik, Schreiben, Comedy, Produktentwicklung oder Servicedienstleistungen — definiere es so um, dass du genau das zu bieten hast, was dein potentieller Kunde, Fan oder Nutzer wirklich sucht. Das ist das, was in seinem Kopf bereits als Frage kursiert. Spreche seine oder ihre Sprache. Dein Angebot ist selten dein eigentliches Angebot, sondern dessen subtile (oder offene) Botschaft.

Virtuos heißt, einen Zugang zu deinen Wunsch-Leuten designen, also den Graben zwischen dir und deinen Leuten zu überbrücken. Oder die Mauer zu durchbrechen, die dazwischen steht. Hier solltest du deinem Instinkt, deinem Bauchgefühl, deiner inneren Stimme folgen — auch wenn dein analytischer Verstand dir was anderes erzählt. Mit anderen Worten, kombiniere oder missbrauche gewisse Werkzeuge oder Strategien zu diesem Zweck, obwohl sie für diesen Zweck eigentlich „nicht so geeignet“ erscheinen. Du kannst dir Dinge woanders abgucken und übernehmen. Aber du musst sie anders abstimmen, anpassen, zersägen, verkehrt herum einbauen, damit es für dein Vorhaben funktioniert. Ein virtuoser Gitarrist zupft oder schlägt nicht nur die Saiten an, sondern er tappt beidhändig. Ein anderer verbiegt, quält oder schüttelt die Gitarre, um seinen Sound heraus zu holen. — Tue etwas ähnliches, indem du quer denkst. Mach den Weg frei für deine ersten Leute, so dass sie zu dir finden. Danach kannst du deren Vertrauen gewinnen.

Wer soll dich da noch anpissen, wenn du deine direkte, gegenteilige und virtuose Taktik anwendest?

*Kloke-Wiki: Borniertheit bedeuet, dass jemand gleichzeitig eingebildet, kleinkariert/kleinbürgerlich ist, beschränkt denkt, eine eingeengte Wahrnehmung hat, auf einem hohen Ross sitzt und aufgrund seiner Ellbogenmentalität keine „Emporkömmlinge“ neben sich duldet und daher für Beziehungen, die nicht ausschließlich seinem Vorteil dienen, „ungeeignet“ ist. Er ist verwandt mit einem Narziss, der – blogtechnisch gesprochen – von allen bewundert, verlinkt und kommentiert werden will, dies aber nicht zurück gibt (obwohl er das Gegenteil, das Geben propagiert). Jemand, der nicht mindestens die gleiche Popularität (oder Autorität oder Erfolg) wie er hat, ist für den hier beschriebenen Idiotentyp seiner ’nicht würdig‘. Wer so jemanden in den Arsch kriecht, der wird schneller wieder ausgeschissen, wie er reinkriechen konnte.