Eine interessante, aber gestörte Schönheit

Der angeblich beste Weg, etwas fehlerfrei und makellos zu gestalten, ist der, es zu perfektionieren. Denn je perfekter es wird, desto weniger Umgereimtheiten und Schönheitsfehler kommen darin vor. Perfekte Schönheit ist fehlerfrei.

Das klingt plausibel. Und nach viel Mühe und Fleiß.

Aber.

Mit der erreichten Perfektion gehst du auf Nummer Sicher und niemand wird daran etwas störendes finden. Und niemand wird sich somit an deinem Ergebnis stören. Erst recht keine potentiellen Fans, Kunden oder Unterstützer. Das heißt, abgesehen vom Erschaffer, interessiert sich komischerweise keiner dafür.

Aufgrund der arbeitsintensiven, aber dafür ausgefeilten Perfektion gerät dein Projekt unter der Wahrnehmungsgrenze, derer, die du ansprechen willst.

Denn Schönheit wird, sofern sie nicht gestört wird, relativ schlecht erkannt. Eben, weil sie relativ ist. Relativ zum nicht so schönen und damit störendem Element. Alles schöne (oder attraktive oder außergewöhnliche) braucht Kontrastpunkte und kleine Ungereimtheiten, die sie erst richtig interessant machen. Dann wird sie deutlicher wahrgenommen.

Das Schöne braucht immer ein paar kleine Hässlichkeiten, neben der sie herausragen oder positiv auffallen, entzücken und reizen kann.

Es geht bei Schönheit nicht um Makellosigkeit, Perfektion oder Vollendung, sondern um Kontraste. Ganz einfach, weil das Schöne nicht ohne das Hässliche existieren kann.

Erfolgreiche Künstler, insbesondere Musiker und Filmemacher wissen das. Produktdesigner leider eher selten, denn jene bauen oft schöne (nette) Details in etwas komplett hässliches ein. Das bisschen schöne wird dann erdrückt. (Dies würde zumindest auffallen, wenn es nicht jeder machen würde.)

Die perfekte, makellose Schönheit hingegen stört überhaupt nicht und wird deshalb auch nicht gestört.

Schon gar nicht von potentiellen Interessenten.

Warum?

Zu viel Perfektion ist langweilig.

Wie man die etablierte Ordnung stört

Falls du versuchst, niemanden mit deinem Treiben zu stören, dann wird dich auch niemand wahrnehmen. Gar keiner. Aber zu befürchten, dass du durch heftige Störungen alle verschrecken könntest, ist Blödsinn. Also ist Stören die einzige Wahl, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Und gepflegtes Stören ist eine Kunst.

Damit meine ich kein Stören im Sinne von Pop-Ups, Werbeunterbrechungen, Guerilla-Aktionen, Spam, den unpassenden Besuch (oder Anruf) vom Vertreter oder jemanden sonst wie geartet auf den Sack zu gehen. Denn die etablierte Ordnung stört man nicht damit, dass man ihre allgegenwärtigen (eben genannten) Symptome imitiert oder weiter verschlimmert.

Ich meine, du kannst auf deine Art stören. Subversiver (zerstörerischer, zersetzender, verborgener), eben von unten, dass heißt von der „Basis“ her.

Eine Voraussetzung dafür ist, dass du auf dich selbst hörst, dich einigermaßen verstehst und ein Ziel hast. Das hilft dir, Interessierte zu finden und zu gewinnen, mit denen du aus freien Stücken zu tun haben willst. Also, jene, mit denen es sich gut stören lässt. Der Unterschied ist, dass du so schon mal niemanden direkt stören (im Sinne von nerven) musst.

Klar, du musst auf deine innere Stimme hören. Aber kannst du das, dann fällt es dir leichter, diejenigen (besser) zu verstehen, die dir wichtig sind.

Alles weitere ist delikater und erfordert etwas Empathie. Und es ist sehr subtil, teilweise unsicher und wird gelegentlich von Frust begleitet. Besonders dann, falls du noch am Anfang stehst oder noch nicht so breit wahrgenommen wirst. Aber das ist ja der Grund, warum du es (auf deine Art) machst, also störst. Der Frust sollte dich daher weniger stören.

Je besser du die Ordnung kennst, desto gezielter kannst du sie stören.

Du machst es online, weil es effektiv ist. Und du kannst – aber musst kein – Blogger sein, um richtig zu stören. Bringe die Leute bei dir so nach und nach zusammen, die du auch haben willst. Wie? Beschäftige dich mit ihnen, schreibe über sie, promote sie, tue denen was gutes in irgend einer Form, aber kräftig gewürzt mit deinem unnachahmlichen Charme.

Gehe beispielsweise auf deren Websites und lerne sie aus der Ferne kennen. Kommentiere, teile, verlinke oder gib denen bei Gelegenheit auch mal einen heißen (aber wirklich guten) Tip per Email.

Das ist kein einfaches Stören mehr, sondern direkte Einflussnahme. Klingt gut, oder?

Gehe noch einen Schritt weiter.

Mache Reviews, bilde Meinungen, gebe Statements ab. Genau so, wie es ein Journalist oder Medienunternehmen tun würde. Aber auf deine Machart. In deinem Machtbereich. (Also im Bereich, des für dich machbaren.)

Beispiel: Finde jemanden, dessen (oder dessen Leuten) Aufmerksamkeit du willst. Sage oder schreibe oder verbildliche mit deiner persönlichen Art und Weise deine Meinung über ihn oder seiner Organisation, Band oder Firma. Das ist ähnlich wie aggressives, aber kreatives Flirten, was fast an Stalking grenzt. Es ist eine Aufforderung zum Tanz oder einer Spritztour mit ungewissem Ausgang. (Letzteres liegt bei dir.)

Gehe gewitzt an die Sache.

Beeindrucke mit feinem Kommentar, zeige eine neue Sichtweise auf deinen Kandidaten, parodiere, zitiere, persifliere, seziere und modifiziere.

Dann verbreite die frohe Kunde subtil genau dort, wo man darüber reden, teilen, sich freuen oder sich ärgern wird.

Diese Leute (Privatpersonen, Blogger, Unternehmer, Künstler, Models, Rüpel, Sünder, mehr oder weniger Prominente) müssen von deiner Zuwendung nicht einmal was erfahren. Vorerst. Sie erfahren es viel wahrscheinlicher erst später und eher indirekt. Und die Leute von deren Leute erfahren dadurch. Weitere, für dich wichtige Leute, ebenfalls.

Das passiert, indem du zuerst aktiv deinen Wunschleuten deine Zuwendung und Aufmerksamkeit schenkst. So störst du bereits effektiv die bestehende Ordnung. Jeder, der eine Ordnung auch nur ändert, beeinflusst die Menschen darin.

Du spinnst ein neues Netz, wie eine Spinne im Gebüsch. Du bist das Unkraut im richtigen Garten, dass störend die Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber bei näherer Betrachtung sich als wohlriechender Dope entpuppt.

Zeige, dass man mit dir rechnen muss.

Biete, wenn möglich, deine exklusive, persönliche Hilfe an — auch abseits der üblichen Kanäle oder des Internets. Tue dies mit Freude. Und nicht, weil du es „musst“.

Störe immer wieder. Und zwar im Sinne von denjenigen, mit dem du kommunizierst, durch positive, gewinnbringende und unterhaltsame Art. Hier musst du weder perfekt noch immer überall sein. Du musst auch nicht allen alles recht machen.

Sei einfach nur ’speziell‘ bei den für dich speziellen Leuten. Drücke ihnen – also jenen Teil der der Gesellschaft oder der Kultur, die dich interessiert – einprägsam deinen Stempel der Erinnerung auf. Mit voller Wucht.

Schaffe eine Ordnung, die stört. Eine Störordnung. Eine Antiordnung. Deine Ordnung.

Sei so etwas, wie ein ganz kleiner Klumpen Antimaterie gegenüber der Materie der Etablierten. So störst du nicht nur die alte, bestehende Ordnung, du baust eine neue Ordnung auf. Du mischst die Gesellschaft auf kreative, schöpferische Art auf. Du erneuerst einen Teil davon, weil du mehr Energie (Lust, Kraft, Talent und Tatendrang) hast. Alles aufgrund deiner typischen Art.

Und falls nun dich jemand stört?

Dann sei der charmante Gastgeber und lade ihn ein. Hole ihn rüber zu dir. Gib ihr einen Drink aus. Exakt so, wie du es dir von anderen gewünscht hättest, die es nicht getan haben. Tue einfach das Gegenteil, von dem, was so üblich ist.

Unsere Gesellschaft als Ganzes kann keinen Wohlstand mehr erschaffen. Diese Zeiten sind vorbei. Du kannst es. Deine Zeit ist gekommen. Es ist die Zeit des unüblichen*, die Zeit der Störenfriede.

*Unüblich bedeutet auch, dass man organisatorisch seine unüblichen Wege findet, um gesellschaftliche Barrieren (wie z.B. Bürokratie, juristische Gefahrenstellen und somit unnötige Kosten und Zeitverschwendung von vorn herein) zu umgehen. Eigenes Querdenken liefert hierfür die mit Abstand besten Lösungsansätze. Nicht Lehrbücher, Seminare oder Berater.

Networking bedeutet angepisst werden

…also mach‘ was ganz anderes.

Keiner kennt dich und wer vielleicht von dir gehört hat, der legt keinen Wert auf deine Gesellschaft. — Exakt, weil er dich nicht kennt. Du bist außerdem unangepasst und unbequem. Gerätst du in die Nähe von einem Schnösel, so bist du es, der sein Territorium beschmutzt. – Durch deine bloße Anwesenheit. Du fällst nicht in deren Raster oder Anhängerschaft.

Du willst und kannst nicht auf normale Art kommunizieren und bekommst scheinbar keinen Draht zu irgend jemanden. Die Etablierten lehnen dich ab, weil sie angepasste Spießer um sich haben wollen (die denen keine Probleme machen).

Die dir Unbekannten, also diejenigen, die du (noch) nicht kennst, aber gern kennenlernen würdest, scheinen entweder nicht existent oder bereits unerreichbar. Letztere haben deine Gesellschaft, deinen Zuspruch und deine Unterstützung schlicht nicht (mehr) nötig.

Vieles im deutschsprachigen Internet, den Blogs und „Communities“, ist Blendwerk. Deren Macher und Obermacher haben zu große Egos. Viele sind sich viel zu fein oder haben zu viel um die Ohren, um sich auf jemanden wie dich einzulassen. Manche sind arrogant, weil sie sich so edel fühlen. Einige von denen hatten einfach nur Glück.

Dummerweise sind sie oft die einzigen oder die ersten, die du relativ leicht findest.

Aber. Du willst den ersten Schritt machen und auf Leute zugehen. Manchmal sind die Falschen dabei, welche die Sache (deine Sache) noch schwieriger machen. Die brauchst du nicht, so lasse sie für immer aus deinem Leben verschwinden.

Geh einfach weiter. Falls du es mit einem weiteren bornierten* Idioten oder einer narzisstischen Grinsebacke zu tun hast, der oder die vor lauter Stolz kaum vernünftig kommunizieren kann: Selbe Prozedur, abhaken, deren Staub abklopfen und weiter gehen.

Wenn du anders bist, dann verhalte dich auch anders, kommuniziere anders, gehe andere, eigene Wege. Und wenn du nicht weist, wie und wo und mit wem du anfangen sollst, dann geh den Weg, den nur du gehen kannst. Das heißt, dass du nicht das Geld oder die Beziehungen hast, um es auf deren Art zu machen. Viele Ratgeber und Internet-Gurus gehen davon aus, dass du zumindest eines von beiden hast. Wenn du es hast, super für Dich. Gratulation!.

Falls aber nicht, dann brauchst du vielleicht zehn bis zwanzig mal so lange, als jemand mit besseren Voraussetzungen, um ein für dich akzeptables Resultat, einen Erfolg zu erreichen. Ist das schlimm? Nein, das ist nicht schlimm, sondern dein Leben. Daher gehst einen anderen, eben deinen Weg. Du unterscheidest dich schon dadurch, dass du es schwerer hast und beweist damit echte Qualitäten.

Welche Qualitäten?

Zum Beispiel, dass Ausreden für dich nicht gelten. Denn Ausreden sind nichts weiter als… Ausreden.

„Ich habe kein Geld, keinen Beziehungen, keine Ahnung, keine rechte Lösung und erst recht keine Ruhe.“

Die Wahrheit ist, dass diejenigen, deren Erfolg du bestaunst oder ungläubig wahrnimmst, es in vielen Fällen verhältnismäßig – also relativ zu dir gesehen – leicht hatten. Obwohl jene genauso hart arbeiten, wie du, keine Frage. Aber die, die es nicht so leicht hatten, wie vielleicht auch du, die haben ihr Projekt vorzeitig aufgegeben, weil sie auf die Big-Player sahen und deshalb demoralisiert oder entmutigt statt unterstützt oder ermutigt wurden.

Sie haben ihr eigenes Baby begraben, weil es nicht so schnell wachsen konnte, wie die mit einer bunten Auswahl an Vitaminen, wie Geld, Beziehungen, Wissen, persönliche Umstände und Erfahrungen.

Wie aber wirst du anerkannt? Indem du echt bleibst. Und wenn du echt bleibst, dich treu bleibst, dann ziehst du deine Nummer auch durch. Gerade, weil sie länger braucht. Der Wert, den du dadurch erschaffst ist stabiler und beständiger als das, was es bislang in der Art gab. Du erreichst nicht kurz-, nicht mittel-, sondern langfristig mehr Eigenständigkeit als die glücklichen Bastarde.

Geht es dir um andere, dann wirst du sie finden. Punkt.

Aber es dauert, denn nicht jeder wird gleich deine Liebe annehmen oder überhaupt erkennen. Das Geheimnis ist daher so simpel, dass es gern übersehen wird:

Suchen ist nichts weiter als Investieren.

Wenn du weißt, für wen (welche Menschen, Kreise, Gruppen) du brennst, aber nur schwer an sie heran kommst, dann kreise um sie herum, so wie du gedanklich ein Problem umkreist, bis du es gelöst hast. Beschäftige dich mit diesen Leuten, studiere sie, suche dir Beispiele von Leuten oder Organisationen, die in irgend einer Weise vergleichbares leisten, wie du.

Und wenn du weiterhin niemanden findest, außer wieder die üblichen Idioten und erfolgreichen Bastarde? Dann suche intensiv und unerbittlich nach den richtigen Leuten. Diese Leute sind das allerwichtigste. Die Suche nach denen ist dein Investment. — Ich sag es klar, weil ich weiß, wovon ich rede: Investiere hier richtig oder gar nicht.

Hier eine kurze Diskussion, in der ich selber Rat in eigener Sache suchte. (Das Popup-Fenster unten auf „Go to this class“ einfach weg klicken). War es mir peinlich, öffentlich mal gestandene Experten zu fragen? Ein bisschen. Na und?

Noch eines: Falls du die Aufmerksamkeit bestimmter Leuten oder Kreise in Deutschland suchst, aber keinen, wie auch immer geartet, erreichen kannst (besonders dann, wenn du sie erreichst), dann ändere deine Taktik.

Das heißt, geh weg von den aktiven „Wichtigen“ (selbst Kleine fühlen sich in D. viel zu wichtig) und hin zu denen, die eine andere oder sogar keine sichtbare Präsenz haben. Hier kannst du direkt, gegenteilig und virtuos an die Sache heran gehen. Auch offener und ungehemmter. Aber Ausdauer, Zeit und Geduld solltest du mitbringen. Oder viel Geld. (Deine Wahl. Falls du eine hast.)

Was meine ich mit ‚direkt, gegenteilig und virtuos‘?

Direkt heißt, keine Umwege über „Multiplikatoren“ gehen, sich dort anbiedern, wo es keinen Sinn hat. (Z.B. die bekannten, gut vernetzten Meinungsführer, deren Empfehlungen viele vertrauen.) Wende dich lieber gleich hin zu deinen Fan oder potentiellen Kunden. Und mache ihnen es leicht und reagiere promt.

Gegenteilig heißt, nimm dich selbst aus deinem Angebot heraus und dafür die Gedanken des Nutzers, des Kunden oder des Fans hinein. Das ist der schwierige Teil und erfordert extremes (und ungestörtes) Nachdenken (und von daher viele Anläufe). Egal, was du machst, ob Musik, Schreiben, Comedy, Produktentwicklung oder Servicedienstleistungen — definiere es so um, dass du genau das zu bieten hast, was dein potentieller Kunde, Fan oder Nutzer wirklich sucht. Das ist das, was in seinem Kopf bereits als Frage kursiert. Spreche seine oder ihre Sprache. Dein Angebot ist selten dein eigentliches Angebot, sondern dessen subtile (oder offene) Botschaft.

Virtuos heißt, einen Zugang zu deinen Wunsch-Leuten designen, also den Graben zwischen dir und deinen Leuten zu überbrücken. Oder die Mauer zu durchbrechen, die dazwischen steht. Hier solltest du deinem Instinkt, deinem Bauchgefühl, deiner inneren Stimme folgen — auch wenn dein analytischer Verstand dir was anderes erzählt. Mit anderen Worten, kombiniere oder missbrauche gewisse Werkzeuge oder Strategien zu diesem Zweck, obwohl sie für diesen Zweck eigentlich „nicht so geeignet“ erscheinen. Du kannst dir Dinge woanders abgucken und übernehmen. Aber du musst sie anders abstimmen, anpassen, zersägen, verkehrt herum einbauen, damit es für dein Vorhaben funktioniert. Ein virtuoser Gitarrist zupft oder schlägt nicht nur die Saiten an, sondern er tappt beidhändig. Ein anderer verbiegt, quält oder schüttelt die Gitarre, um seinen Sound heraus zu holen. — Tue etwas ähnliches, indem du quer denkst. Mach den Weg frei für deine ersten Leute, so dass sie zu dir finden. Danach kannst du deren Vertrauen gewinnen.

Wer soll dich da noch anpissen, wenn du deine direkte, gegenteilige und virtuose Taktik anwendest?

*Kloke-Wiki: Borniertheit bedeuet, dass jemand gleichzeitig eingebildet, kleinkariert/kleinbürgerlich ist, beschränkt denkt, eine eingeengte Wahrnehmung hat, auf einem hohen Ross sitzt und aufgrund seiner Ellbogenmentalität keine „Emporkömmlinge“ neben sich duldet und daher für Beziehungen, die nicht ausschließlich seinem Vorteil dienen, „ungeeignet“ ist. Er ist verwandt mit einem Narziss, der – blogtechnisch gesprochen – von allen bewundert, verlinkt und kommentiert werden will, dies aber nicht zurück gibt (obwohl er das Gegenteil, das Geben propagiert). Jemand, der nicht mindestens die gleiche Popularität (oder Autorität oder Erfolg) wie er hat, ist für den hier beschriebenen Idiotentyp seiner ’nicht würdig‘. Wer so jemanden in den Arsch kriecht, der wird schneller wieder ausgeschissen, wie er reinkriechen konnte.

Gefundene Schätze sind selten viel wert

Jemand entdeckt beim Entrümpeln auf Oma’s Dachboden eine verstaubte Pulle Jim Beam White Label. Der selbe Stoff, den man zu jeder Zeit – also auch jetzt, morgen und sowieso immer – in allen Supermärkten für 9,99 oder so bekommen kann. Massenware halt, nur etwas angestaubt. (Whiskey und Whisky altern nicht in Flaschen, sondern in Eichenfässern.)

Yawning. — Copyright by Charles Lam.

Der Finder verhält sich wie eine Elster, die als einzige ein Stück zerknüllte Alufolie im Schnabel hat.

Er geht in diverse Fach-Foren für Liebhaber edler Tropfen und erntet Spott und Häme, weil er dort nach dem Wert fragt und dann erfährt, dass er nicht das hat, was er zu haben glaubte. Da hätte er genauso gut mit einem 20 Jahre alten Opel in Pebble Beach vorfahren können.

Ein freiberuflicher Designer bekommt eine Nachricht von einem namhaften Unternehmen, dass ihm bei einem Projekt dabei haben will, von dem er schon immer geträumt hat und das für ihn einen immensen Karrieresprung bedeuten könnte.

Die Verträge werden tatsächlich gemacht, der Designer steigt bei dem Projekt ein und merkt nach ein paar Tagen, dass er – sofern er das Projekt durchhält – abgezockt , ausgenutzt und als Sündenbock herhalten wird.

Und wirklich Geld verdienen tut er auch nicht, denn das ist abhängig von anderen Faktoren, die er weder vorausgesehen hat noch beeinflussen kann. Er merkt sehr schnell, dass er im „falschen Film“ gelandet ist.

Du hast sicher schon vom Lottogewinner gehört, der nach nicht all zu langer Zeit finanziell schlechter da steht als vor dem Gewinn. Er hat nichts aufgebaut und vertraut daher anderen anstatt sich selbst. Er hatte schlicht keine Erfahrung mit dieser Situation. Er wurde überrumpelt, überfordert und vom plötzlichen Reichtum komplett paralysiert. Das Geld wurde zur Droge. Und Drogen bedeuten Kontrollverlust.

Gewinne verrinnen, weil das eigentliche Leben aus den Fugen gerät. Und günstige Gelegenheiten sind nicht viel besser, sie sind oft nur Ablenkungen vom eigentlichen Ziel. Die sind ähnlich wie gefundene Schätze, nicht nur relativ wenig wert, sondern häufig schon daran zu erkennen, dass sie zu schön sind, um wahr zu sein.

Wat nu? Anstatt auf Gelegenheiten zu reagieren oder auf Schätze zu hoffen, was auf Fremdbestimmung hinaus geht, haben wir die Möglichkeit das Gegenteil dessen zu tun, was Frau Elster & Co. hier getan haben.

Beobachte die Welt um dich herum, mache dir ein Bild, treffe daraufhin deine Entscheidungen und dann setze sie rigoros um. Kreiere das, was fehlt. Mache das Schöne doch selber wahr. Du musst auch keinen extra Schatz für dein Wohlergehen finden. Du besitzt bereits einen. Du musst dich nur trauen, die Kiste zu öffnen. Ach ja, hier sind die Schlüssel (passen alle):

Deine Fantasie. Deine Interessen. Deine Macken. — Und… nichts verstecken. – Such dir Leute, mit denen du es teilen kannst. Mehr teilen = mehr Wohlergehen. Ich gehe jetzt die Elstern beobachten, wie sie sich um dreckige Alufolie zanken.

Es geht nicht um das Produkt

…oder um deren Eigenschaften oder um den Service, nur weil dafür bezahlt wird. Es geht um die (symbolisierte) Attitüde als Ganzes.

Auch ein gutes Markenzeichen beschränkt sich nicht nur auf das Logo oder den Firmennamen. Sondern durch die augenfällige Verbindung zur Attitüde dessen, was es repräsentiert. Also, in dem Sinne, was wirklich passiert.

Wie sieht das Produkt in Aktion aus? Wie und in welchem Tonfall reagiert der Service? Welche Vorlieben hat der Inhaber und wie ist der so drauf? Welchen Eindruck machen das Werbeprospekt und die Homepage? Welche Meinung ist im Blog präsent? Guckt das Maskottchen fies genug? Muss auch der Köter von Stammgästen jedes mal draußen bleiben?

Das, was man tut und wer man ist, ist das Markenzeichen. Also die Aktion, das Projekt, die Personen und ihre Einstellung dahinter. Einfach alles, was wir sofort oder vielleicht erst später so mit bekommen. Dafür bezahlt man.

Genauso ist ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Webangebot nur ein Teil des Ganzen. – Obwohl gerade nur dies offenbar gegen Geld verkauft wird. Aber stimmt alles andere nicht, bezahlt man auch hierfür nicht. Oder nur ungern. Oder notgedrungen. Aber nie (wieder) freiwillig.

Sorge mal für tägliche Komplikationen bei deinen Vorhaben

Wenn Dinge naturgemäß schwierig oder kompliziert in der Umsetzung sind, dann sollte man sie radikal vereinfachen. Am besten, bevor man damit anfängt. So viel ist klar. Und Klarheit ist gut, wenn man sie hat.

Wenn du dir durch starke Vereinfachung einen organisatorischen Vorteil verschafft hast, dann hast du nicht nur den Kopf frei, sondern auch noch Zeit übrig. Das ist dein Vorteil in Form von Freiraum, den du nutzen kannst, um diesen ganz ohne Anstrengung mit den „fehlenden“ Komplikationen wieder auszufüllen. Alles klar?

Alles klar.

Oder falls dir völlig unklar ist, was ich meine:

Ein vorhandener Freiraum ist die Bühne für den Virtuosen. Denn was ein Virtuose im nächsten Moment genau tun wird, ist ihm selber noch nicht ganz klar. Denn er legt einfach los. Ohne Ordnung. Ohne Struktur. Ohne Zwang. Ohne Abkürzungen. Er schweift also richtig aus, in alle erdenklichen Richtungen und Wendungen.

Er erlaubt sich Dinge (Elemente, Netzwerke, Besonderheiten, Service-Ideen, Charaktereingenschaften, Extras, Riffs, Produktteile, Beziehungen) spielerisch, einfallen und gedanklich miteinander tanzen zu lassen. Je eigenartiger, desto besser. Die Eigenart eines Virtuosen wird somit unnachahmlich. Und zwar von ganz allein.

Wenn du mit außergewöhnlichen Reizen, Spielereien, Verlockungen und Emotionen spielst, dann spielst du hörbar, sichtbar und vor allem deutlich erkennbar.

Es gibt Produkte, die nur aufgrund ihrer sichtbaren, zur Schau gestellten Komplikationen begehrt sind. Das sind oft jene Dinge, die man gern mit „lebendig“ oder als „mit Charakter“ bezeichnet.

Das kann Mechanik als Kunstform sein, wie bei Uhrwerken oder Tuningteile für Fahrzeuge. Das kann Service als Entertainment sein, wie bei Erlebnisgastronomie oder Schulungen. Das kann Dekoration als (moderne) Kunst sein, wie bei Möbel, Innenarchitektur, Essenszubereitung oder Gartenbau. Oder eine Kombination über Kreuz, als Mix aus all den Verschiedenen Bereichen. Und noch mehr.

Die Möglichkeiten sind schier endlos. Bei jedem. So auch bei dir, in deinem inneren Kosmos. Wage es, richtig zu spinnen.

Einfache Dinge, die funktionieren, entstehen erst aus vorangegangenen, komplexen Denkspielen, die danach penibel geprüft und extrem gekürzt wurden. Tue das. Aber denke, besser spiele, irgendwann weiter.

Denn als Sahnehäubchen führen durch Virtuosität entstandene Komplikationen, wenn sie gezielt, das heißt, sichtbar eingesetzt werden, zu einem zusätzlichen Mehrwert.

Das, was einen erkennbaren Wert zeigt, wird auch gekauft (und gut bezahlt).

Fehlen wird deine unnachahmliche Komplikation immer und überall. Sei denn, du erschaffst sie. Als Extra, als Bonbon, als Goodie, als Zugabe, als Imageträger, eben als deinen ganz besonderen Reiz.

Das ist deine Kür, deine Kunst, dein Mumm, die heraus ragen. — Neben denen, die ängstlich nur die „Pflicht“ tun.

Macher statt Angstmacher

Versicherungen, Sicherheitsfirmen, Massenmedien, Pharmakonzerne, Waffenfabrikanten, Bildungseinrichtungen und Politiker haben einiges gemeinsam. Sie schüren Angst, damit sie im Geschäft bleiben. Das ist deren Verkaufsmasche.

Die haben scheinbar von den Drogenbossen (oder vielleicht von gewissen Managern der Tabakindustrie) gelernt und sind daher nicht viel anders. Weil sie falsche Abhängigkeiten schaffen.

Wer schon Angst hat, der will noch mehr erfahren – von dem, was Angst macht. Der verängstigte will wissen, welches Produkt oder welchen Dienst er jetzt braucht, um beispielsweise mithalten zu können oder nicht bestraft zu werden.

Die oben genannten Angstmacher haben viel gemeinsam und sie verpassen einem das Gefühl, immer irgendwas zu verpassen zu können. Dadurch entsteht Ablenkung und bei manchen sogar begründeter Stress. Der fragt sich:

Ob er die letzten News der von den üblichen Verdächtigen (siehe oben) verursachten Gefahr auch mit bekommen hat. (Und weiter verfolgt.) Ob er die letzten Vorhaben, die dümmsten Sprüche oder eigennützigsten Aktionen des Funktionärs oder Politkaspers schon gehört hat. (Damit man einen Grund hat, sich umsonst aufzuregen.) Ob er den neuesten Blockbuster, der aufdringlich beworben wird  – wie ‚alle anderen‘ – auch schon gesehen hat. (Und mitreden kann.) Ob er die letzte Karre endlich mal probe gefahren hat. (Damit er weiß, wie sich Nachbar’s nächster möglicher Wagen fährt.) Ob er nun auch langsam Mitglied im angesagten Onlinenetzwerk ist. (Weil alle anderen auch schon da sind. Und die Welt ansonsten an ihm vorbei rauscht.) Und so weiter.

Um es mal salopp auszudrücken: Dieses ganze System baut darauf, Loser und Versager heran zu züchten und unter sich zu haben, die irgendwas oder irgendjemanden in der obigen Form hinterher hecheln. Das lustige daran ist, es muss keiner. Keiner muss das alles haben, alles hören, alles sehen und verdauen. Jeder kann sich abwenden. Zu jeder Zeit.

Nur wer tut das?

Das sind automatisch diejenigen, die einen Unterschied machen (die Dinge ein wenig anders angehen, sich selbst um Rat fragen, selbst bestimmen und gegen den ganzen Einheitsbrei einen fahren lassen), indem sie kreieren statt zwanghaft zu konsumieren, als ob er sich nicht davon befreien könnte. Es sind die, die als erste voran gehen, wo sich keiner hin traut.

Das sind mit Sicherheit keine passiven, nach Sicherheit strebenden Vorzeigebürger.

Und das sind auch keine, die genau nach Vorgaben arbeiten. Es sind die notorischen Regelbrecher und unbequemen kreativen, die angepissten Zerstörer des oben genannten.

Es sind die gefährlichen Typen, die von der richtigen Sorte. Das sind die Macher von Morgen.

Das Kraut gegen die Selbstbedienungsmentalität

Korruption an sich ist schon knifflig. Sie vertseckt sich gern. Denn wenn sie gut funktioniert, erkennt man sie nicht als solche. Aber sie hat viele Namen, Varianten und Erscheinungsformen, an der man sie erkennen kann.

Nahezu jeder Politiker, Funktionär und Spitzenbeamte ist hierzulande korrupt. Und zunehmend bequem. Das ändert die Art der Korruption und ermöglicht deren Ende.

Jemand, der korrupt ist, der ist von vornherein bestechlich. Er will bestochen werden. Das ist seine Absicht und sein Karriereziel. Er lässt sich aushalten oder vertritt die Interessen desjenigen, der ihm gewisse Annehmlichkeiten, Bevorzugung oder die Durchsetzung wiederum eigennütziger Interessen, das heißt persönliche Vorteile ermöglicht. Der Korrumpierte steht in der Pflicht des Bestechenden. Er muss diesen Weg zu Ende gehen.

Korruption ist ein Pakt zwischen zwei Parteien. Es entsteht ein Nutzen für diese beiden auf Kosten Dritter. Somit ist Korruption auch immer Betrug an diesem Dritten. (Zum Beispiel durch Gesetzesänderungen, Verordnungen oder Deals.)

Eine weitere Form der Korruption

Sich in den oberen Zirkeln der Politik oder Institutionen zu befinden, ermöglicht Machtpositionen, in denen klassische Korruption zum Teil nicht mehr nötig ist. Die Position an sich ist schon das korrupte Element oder das korrupte Endziel.

Hohe Funktionen werden, insbesondere wenn sie keinen Nutzen haben, gut bezahlt und mit Annehmlichkeiten gepaart.

Zusätzlich steigen Bezahlung und Annehmlichkeiten genau in dem Maße, wie der in dieser Position oder Funktion angerichtete Schaden. Und wer in so einer Funktion sitzt, der verursacht permanent(en) Schaden. An wem? An praktisch sämtlichen Leuten, die nicht in seiner Position sind.

Machterhalt und Selbstbedienungsmentalität sind die zwei Karriereziele moderner Politiker und Funktionäre. Ein großes Ding, einen Coup gibt es Krönung. Aber das fällt in die Kategorie Schaden. (Siehe oben.)

Der Selbstbedienungsladen ist die effizienteste Form der Korruption. Denn effizient ist sie durchaus, und zwar für den, der korrupt ist. Für diese eine Person. Nur für die anderen, den Rest, ist sie ineffizient.

Genau dort, wo solche Leute das Sagen haben, steigen unentwegt die Kosten. Ein Nutzen oder zumindest eine Gegenleistung kann dabei gar nicht entstehen, da die Machtposition allein die Kosten rechtfertigt. Es wird das Gegenteil, also Schaden fabriziert und als Leistung verkauft. Und falls so etwas, wie Nutzen oder Leistungen entstehen, dann sind sie nur ein Vorwand, der entweder Irrelevant (Minderwertig) ist oder als reine Pro-Forma (Alibi-Leistung) her hält.

Jetzt die Frage: Ist irgend ein Kraut dagegen gewachsen? Nein. Leider noch nicht. Aber es kann gepflanzt werden.

Die Samen dafür liegen in der Absicht, das Gegenteil dessen zu tun, was die hohen Damen und Herren so tun. Konkret bedeutet das, viele kleine Gegenorganisationen zu initiieren. Mit Organisation meine ich keine Institutionen, wie die oben beschriebenen. Sondern virtuellen Austausch, wie Gedanken, Ideen und Konzepte von Gleichgesinnten.

Jedes Online-Forum, jeder Blog und jede „Community“ ist eine Organisation. Der Betreiber ‚organisiert die unorganisierten‘ (Godin). Und er lässt (hoffentlich) nicht locker, wenn er mal Staub schlucken muss. (Bei mir weht auch ab und zu mal der Wüstenwind.)

Aber all diese Organisationsformen sind wie kleine Pflänzchen, die, wenn sie wachsen, zum Kräutern, zum ultra-starken Dope gegen die Selbstbedienungsmentalität werden. Denn irgendwann kann man den aromatischen Geruch der Kräuter nicht mehr ignorieren. Viele verschiedene Kräuter ergeben einen guten Blend oder eine brisante Mischung, die es in sich hat. Diese entziehen dem Funktionärssystem den Nährboden.

Warum? Weil sie an Einfluss gewinnen.

Jeder kann es anstellen, so wie er oder sie es am besten kann. Du kannst Buntstifte verkaufen, Online-Live-Konzerte veranstalten oder Möbel designen. Aber wenn du es machst, dann mach es mit Attitüde.

Erst dann entsteht Vielfalt. Und Vielfalt, ist das, was hierzulande definitiv fehlt.

Das alles ist nicht sooo schwer auf die Reihe zu kriegen, wenn es viele im Kleinen und mit Ausdauer machen würden.

Der schwierige Teil ist, fruchtbaren Boden zu finden, wo diese vielfältigen Kräuter gedeihen können und nicht verdorren.

Terraforming Pluto

Kann man das machen? Man könnte. Man könnte so einiges. Man könnte auch Deutschland zu einer Inspirationsquelle für Gründer, zu einem Hort für Pioniergeist und Abenteurer, zu einer Brutstätte für innovative Ideen oder zum Zentrum musikalischer Vielfalt und aufregender Film und TV-Produktionen machen. Aber Terraforming auf Pluto? Ist einfacher.

Nehmen wir mal an, Deutschland wäre Pluto. Denn kulturell und vom Mut zur gesellschaftlichen Erneuerung ist es das auch. – Vom Oktoberfest und den nächtlichen Schmuddelweibern im TV mal abgesehen.

pluto
© Image Copyright Lutz Finsterwalder

Als ‚Plutermany‘ sozusagen zieht es seine eigene Bahn. Es hat als wirtschaftliches Kraftzentrum Europas (gibt’s auch als Mond) schon bewiesen, was es kann. Und damit den Namen des niedlichen Zwergplaneten in eisiger Ferne alle Ehre gemacht. Denn Pluternamy’s Gesellschaft ist eine Mischung aus Pluto und Demokratie. Das ergibt zusammen gemixt eine Plutokratie. Der ganze Rest geht unter ferner liefen oder ordnet sich dem unter.

Pluternamy ist kulturell relativ isoliert. Dank GEMA und diversen anderen Spielverderbern kommt vieles nur gefiltert, abgeschwächt und mit reichlich Verzögerung hier an. Inspirationen und Beispiele, die Kreativität zu einem Treiber der Wirtschaft machen, die gibt es nur da, wo die Sonne auch hin scheint. In Kalifornien oder generell auf der Resterde.

Jeder Entrepreneur, jeder Künstler, jeder Blogger und Verrückte, der ernsthaft was bewegen will, schielt genau dorthin.

Pluternamy ist vollständig mit Eis bedeckt, er wirkt wie eingefroren von einer dicken Schicht Beamten, und damit unter deren Verordnungen und Verwaltungs- und Gebührenzwang.

Kurz, da wächst nichts.

Die dürren Halme der wenigen Gründer, die sich alle 15 Meter durch den bürokratischen Permafrost quälen, hätten es woanders auch leichter.

Das einzige, was hierzulande nicht Pluto-typisch erscheint, ist die Masse an Leuten, die es gibt. Fast 81 Millionen Einwohner sind kein Pappenstiel. Aber sowohl von der innovativen Seite als auch vom kulturellen her wirken sie wie… 8.

Ich meine, das hiesige Potential ist riesig. Es gibt ja auch ebenso viele Regeln, Vorschriften, Anleitungen, Auflagen, Handbücher, Steuerberater, Steuern, Gebühren, Zwangsmitgliedschaften, Juristen, Ämter, Beschränkungen, Doktortitel, Ängste, Vorurteile, Konflikte, Ökoismus, der ganze Variantenreichtum an Idioten und so weiter. — Nur was hilft es?

Eventuell sollte man Pluternamy mal aus der Bahn werfen, mehr hin zur Sonne, damit einige dieser hindernden Schichten weg schmelzen. Aber dann hat man ja Befürchtungen wegen globaler Erwärmung. Es ist zum heulen.

Vielleicht sollte man doch lieber mit Pluto selber anfangen, damit man sich das hier erst mal wieder abgucken, studieren, analysieren, darüber schwadronieren und schließlich mies machen und zerreden kann.

Nächstes Mal geht’s ab auf die Venus. Oder gleich in die Hölle. Es soll schön warm dort sein.

[Eigentlich sollte die Überschrift „Terraforming auf Pluto“ heißen. Aber ich fand dieses Wörtchen „auf“ überflüssig, irgendwie kaputt-machend, eine Regel zu viel. Deshalb nahm ich mir mal die künstlerische (oder stilistische) Freiheit, es so zu schreiben, dass man es auch so schreiben und verstehen kann.]

Funktionär für und mit Fehlfunktionen

Man braucht nur Funktionäre, damit nichts mehr funktioniert. Funktionäre gewinnen nur auf Kosten anderer. Immer. Ohne Ausnahme. Damit das auch so „funktioniert“, haben sie ein krankes Ego.

Hier muss ich mich präziser ausdrücken. Es geht um das Reptilienhirn des Funktionärs. Denn jenes hat ihn erst zum Funktionär werden lassen. – Mit dem Ziel von der Allgemeinheit zu leben und ihr gleichzeitig zu schaden. Denn was diese Person mit ihren Mitmenschen macht, das entscheidet dieses kleine Ding im Hinterkopf dieser Person. — Falls diese Person eben dadurch gestört ist.

Gestört durch die sogenannte Amygdala, die für Neid, Angst, Wut oder Arroganz verantwortlich ist. Und für das Ego, das beisipielsweise Angst hat, zu kurz zu kommen. — Falls sie außer Kontrolle gerät. Dann bestimmen diese Gefühle die Befehlsstruktur des Gehirns. Und das bedeutet Schaden. Schaden für andere Menschen. Schaden für die Gesellschaft. Schaden für die ursächliche Person. Schaden in dessen Gehirn. (Aber der war schon vorher da.)

Und wo Schaden ist, da funktioniert nichts mehr. Das gilt für das Hirn und alle durch dessen Fehlfunktionen gesunden Teile der Gesellschaft.

Leute, die solche Hirnschäden haben, die sind häufig in hohen Funktionärsposten anzutreffen. Exakt, weil diese Posten (im Grunde) für Geisteskranke maßgeschneidert sind. Wie tollwütige Hunde verschlimmern sie ihr eigenes Umfeld. Das war schon immer so. Nicht erst seit Adolf.

Der Ego-Trip

Wenn man kein Ego hat, dann wird es schwierig, selbst rational plausible Vorhaben durchzusetzen. Wenn das Ego zu groß, besser gesagt, aufgequollen ist, dann hat man womöglich sogar das Zeug zum echten Diktator. Und egal, ob es was wird mit der Diktatorenkarriere oder nicht, größtmöglichen Schaden richtet so jemand immer an. Das fängt bei Familie, Kollegen und Bekannten an und geht bis in die Position eines Spitzenpolitikers, Spitzenmanagers oder eben Spitzenfunktionärs.

Von letzterem fühle ich mich mehr und mehr geschädigt. Aber damit gleichzeitig auch in meiner Weltsicht gestärkt. Ich fahre zum Beispiel gern Auto. Oder Motorrad. Und Ich mag weder öffentliche Verkehrsmittel noch die Verkehrspolitik. Und sowieso: Lieber stehe ich komfortabel im Stau, als in überfüllten Zügen.

Trotz all dem konnte ich mich letzte Woche ausnahmsweise mal überwinden, genau das zu tun, was Politiker und ihre Funktionäre mit erhobenem Finger doch immer fordern.

Was hab ich getan?

Etwas, dass ich extrem selten mache. Und gleichzeitig einen Fehler. (Mache ich öfters.) Und es ist dadurch ein hoher Schaden für mich und mehrere Personen in meinem Umfeld entstanden. War ein Unfall? Nein.

Ich habe mir nur für diese Tage zwei Bahntickets gekauft.

Idiot.