Viel Kuddelmuddel und ein Happy End

Manchmal, so von Zeit zu Zeit ergeben sich Momente, während der Arbeit, die einem ungewollt gedanklich völlig vom eigenen Tun ablenken, da man so ganz nebenbei das Leben von anderen beeinflusst. Das ist mir neulich passiert.

Ich kontaktierte einen jungen Künstler (einer meiner argentinischen „Facebook-Freunde“), um ihn zu fragen, ob ich eines seiner Bilder hier im Blog verwenden könnte, natürlich mit den entsprechenden Verweisen. Er freute sich darüber (kontaktiert zu werden), aber brachte mich – eher ungewollt – dazu, doch wieder einen Rückzieher zu machen.

Ich würde sagen: Zu viel Kuddelmuddel.

Er war zwar begeistert, aber sehr unsicher, was sonst noch so mit seinen Bildern geschehen könnte. Dabei handelt sich um schier endlos viele Fotografien meist unfertiger Skulpturen. Die Fotos publiziert er dutzendfach im Stundentakt. 24/7, alles „privat“. (Ich frage mich, wie Kunden auf ihn aufmerksam werden könnten und wann der eigentlich arbeitet).

Plötzlich nannte er, so nach und nach, eine Bedingung nach der anderen. Ich wäre mit allem einverstanden gewesen, bekam aber den Eindruck, mich selber rechtlich absichern zu müssen, um hinterher keinen Ärger zu bekommen. Denn einige Tage zuvor erfuhr ich von einem deutschen Blogger per Email, dass dieser in einer vergleichbaren Angelegenheit mit einem seiner eigenen Kunden (!) richtig Ärger bekam.

Ich wollte daher nicht mit absichernden Rechtstexten hantieren, nur um ein Bild hier im Blog zu zeigen. Ein derartiges Theater wäre mir dann doch zu viel. Somit bleibt der junge Künstler hier (vorerst) ungenannt.

Aber, und das ist vielleicht paradox:

Dieser Künstler ist sehr emsig und begierig darauf, Abnehmer zu finden und seine Bekanntheit zu steigern. Er hatte bisher nur einen einzigen Kunden, ein Ferrari-Sammler in Frankreich. Dieser zahlte ihm 120.000 Dollar Netto für eine Skulptur. (Ein 4 Meter hohes ‚Cavallino Rampante‚,  ein Ferrari-Pferd, von Hand gefertigt aus Aluminium.)

Er fragte mich schon mehrfach, so auch dieses mal, ob ich denn nicht noch (weitere) potentiell-potente Kunden für ihn wüsste. Ich sagte ihm nach einigen hin und her, dass ich womöglich jemanden kenne, der seiner relativ kleinen Zielgruppe (Kunst-affin und wohlhabend) entsprechen könnte. Der wiederum kennt weitere mit ähnlichen Interessen.

Dann verriet ich, dass ich zufällig einen alten US-amerikanischen Bekannten (prominenter Restaurator, Oldtimersammler, Kunstliebhaber, Multimillionär, selber gute Kontakte zu seines Gleichen) habe, der sich für seine Arbeiten interessieren könnte. Jenen habe ich selber nie um eine Gefallen gebeten, auch wenn es in machen Jahren für mich verlockend erschien. Aber ich wollte auch nicht abhängig von jemanden werden oder diese langjährige Beziehung aufs Spiel setzen.

Der Künstler fragte, wer dies sei und wie er diesen Herrn als Kunden gewinnen könnte. Ich sagte: Ich gib dir seinen Namen, garantiere aber nicht, ob er dir auch gleich was abkauft. Dann verriet ich schließlich den Namen meines Bekannten. Der Künstler wurde etwas ungläubig aber auch leicht nervös. Er meinte, dass er an so jemanden doch nie persönlich heran käme, geschweige denn einen Deal machen könnte.

Er wollte mich daraufhin herausfordern und fragte gewitzt, ob ich denn nicht einen Erstkontakt für ihn herstellen und ein gutes Wort einlegen könnte.

Ich sagte, das werden wir gleich sehen. Gib mir ein paar Minuten, dann melde ich mich zurück. Ich schrieb dem Kunstsliebhaber, meinen Bekannten, schnell eine Nachricht, dass ich da einen talentierten Künstler kenne usw….

Innerhalb von 30 Sekunden antwortete er freudig, dass er jungen Talenten immer gern eine Chance gibt, diesen Künstler und dessen Arbeiten gerne kennenlernen würde und ich diesen doch gleich mal mit ihm zusammen bringe solle.

Ich vermittelte private Email-Adressen, tauschte die Facebook-Adressen der beiden aus und moderierte ein bischen. Alles innerhalb weniger Minuten. Das Ergebnis: Es fanden sich zwei, Künstler und echter Interessent. Beide kamen ins Geschäft. (Obwohl ich den Künstler warnte, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Aber egal….)

Das besondere dabei war, dass der Künstler sich hinterher wunderte, dass meine Zusage kein Gerede oder falsches Versprechen war, sondern stimmte und all seine Erwartungen übertraf. Und das ich so ein „absolutes Schwergewicht, diesen V.I.P.“ (O-Ton Künstler) überhaupt so gut kenne und dieser mir so vertraut.

Der junge Künstler war außer sich, dass das wahr sein konnte und bedankte sich noch gefühlte hundert mal bei mir. (Sogar jetzt noch.)

Er wollte das Ganze noch am frühen Morgen (Abend in Buenos Aires) des nächsten Tages per Skype mit mir und seiner Familie feiern. (War mir dann doch zu spät-früh…) Er wusste schon, dass ich ihm einen Gefallen tat, meine ‚Kontakte‘ nicht gern aufs Spiel setze oder ständig ausnutze, vor allem, wenn ich selbst noch den Vermittler spielen musste.

Tatsache ist, dass ich drei Leuten eine Freude gemacht habe. Nicht nur einen.

Sondern dem Künstler, dem Kunstliebhaber und dem Moderator (mich). Ich will mir nichts einbilden, aber ich denke, dass das der Fall ist. Hab ich nun was davon, außer, dass ich mich „wichtig“ fühlen kann und es hier heraus posaune?

Vielleicht nicht. Und Klokain habe ich deshalb auch nicht verkauft. Aber ich gebe zu, es war Aufregend. Auch für mich.

Allerdings habe ich einen Tip aus dieser Erfahrung. Es tut gut, Gutes zu tun, auch wenn es mit dem eigenen Geschäft oder dem eigenen Wohlergehen rein gar nichts zu tun hat. Es ist einfach ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden. Das gilt für alle drei beteiligten. Und ich habe ein Thema für diesen Beitrag bekommen. Oder etwa nicht?