Man nimmt, was man kriegen kann

Die erstbeste Fressbude muss genügen. Denn wir haben jetzt Hunger.

Die erstbeste Person wird geheiratet, weil wir glauben, später keinen Partner mehr zu finden. (Und dass die Verwandten endlich Ruhe geben.)

Die erstbeste Glotze, die beim Elektronikmarkt im Angebot ist, wird genommen. Denn schon heute Abend kommt unsere Lieblingsserie, die wir nicht verpassen wollen.

Bei den erstbesten Blogs mit halbwegs passendem Inhalt geben wir unsere halbwegs passenden Kommentare ab. Denn wir wollen unseren Blog selber schnell bekannter machen.

Der erstbeste Schönheitschirurg muss reichen. Dann sehen wir nicht nur gut und günstig, sondern auch immer öfter anders aus.

Der erstbeste Kurs wird gebucht. Wir wollen nicht selber denken, sondern genau wissen, wie es geht.

Das erstbeste Angebot nehmen wir an. Weil wir glauben, mit sonst niemanden ins Geschäft (oder an eine Stelle) zu kommen.

Der erstbeste Bewerber für die freie Stelle wird eingestellt. Denn unser einziger Experte wurde heute überraschend von der Konkurrenz abgeworben.

Die erstbeste Geschäftsidee wird umgesetzt. Weil wir glauben, nicht mehr drauf zu haben.

Zur Not frisst der Teufel Fliegen. Aber Fliegen machen uns nicht satt. Und schmecken tun sie auch nicht. Wir nehmen halt, was wir kriegen können. – Weil wir auf die Schnelle nichts besseres zu finden glauben. Manchmal können wir nicht anders oder wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Aber eben nur manchmal.

Tatsächlich würde es alternativ Sinn machen, den Preis der Geduld (ein rares Gut) zu zahlen, um genau das zu bekommen oder das zu erreichen, was wir uns eigentlich, also zuerst und ultimativ, das heißt, passend zu uns vorgestellt haben. Das wäre für uns das Beste. ‚Gut Ding braucht Weile.‘ Und das Beste erst recht.

Kurzfristiges Denken ist nicht nur in Mode. Es nimmt in unserer schnelllebigen Zeit auch noch zu. Obwohl wir uns es uns gar nicht leisten können. Und so viele Notfälle kann es nun auch wieder nicht geben. Vieles ist nur Dringlichkeit, falsche Eile (oder Eifer), scheinbarer (gefühlter) Druck, Hektik und völlig bekloppter Aktionismus (alles nur reine Show).

Somit sind wir es gewohnt, schnell zuzugreifen und verwechseln daher genauso schnell unsere wahren Ziele mit zwischenzeitlichen Übergangslösungen.

Deshalb ist das Erste sehr oft nicht das Beste. Sondern bestenfalls die zweite Wahl. Im wahrsten Sinne des Wortes.