Karl ist ein sehr lesenswerter und humorvoller Blogger aus Wien, der Lebenskunst zum Prinzip erklärt. Er lud mich zu seiner Blog-Party zum Thema Flow ein. — Völlig klar, dass ich mich zu so einer Party nicht zweimal bitten lasse.

Also das ist interessant: Ein Lebenskünstler lädt einen Bösewicht zur Party ein. Ob das gut geht? Klar, den das hat was mit Flow zu tun.

Also zur Sache. Das, was mir zuerst auffällt: „Flow“ reimt sich auf Klo. Das passt schon mal. Aber was dieser Flow eigentlich ist, beschreibt Karl als:

„…ein Zustand, bei dem du im Tun aufgehst, eine Aktivität, die du mit Leidenschaft verfolgst, so dass du Zeit und Raum vergisst – jenseits von Angst und Langeweile.“

Ich muss schon wieder ans Klo denken.

Nein. Karl möchte wissen, wie es bei seinen Blogger-Kollegen mit diesem Flow ganz im Sinne einer Tätigkeit aussieht. – Eine die glücklich macht und zugleich wirklich produktiv ist. Das er das auch von mir wissen will, dafür für bin ich ihm dankbar. Daher beantworte ich die von ihm gestellten Flow-Fragen natürlich ernsthaft und aus meiner Situation heraus:

Wofür kannst du dich begeistern?

Ich bin ein „was-wäre-wenn-Typ“ und wenn ich irgendwas sehe, egal was, dann muss ich es verändern, modifizieren, verbessern, verschlimmern oder kreativ kaputt machen.

Ich experimentiere halt viel und gern. Real und gedanklich. Dabei gehe ich so weit, dass seriöse oder ernsthafte Dinge durch mein Zutun, wenn möglich, bizarr oder grotesk wirken. Das Vermischen von völligen Gegensätzen mit der darauf folgenden Reaktion anderer hat für mich seinen Reiz.

Ich drehe gern scheinbar unverrückbare Dinge oder Dogmen in ihr Gegenteil um. Das Ausdenken und Inszenieren von schrägen Szenarien ist mein Ding. Und Dinge, die ernst und seriös daherkommen, ziehe ich gern durch den Kakao. Das könnte ich den ganzen Tag so treiben.

Ich bin im Flow, wenn ich albern bin. Kein Witz. Aber albern auf eine produktive und unterhaltsame Art.

Mich selber begeistert, wenn ich andere begeistern kann, so dass ich unmittelbar eine Reaktion (Lacher, Überraschung, Verwunderung, Teilnahme) bei anderen auslöse. Ich spiele gern mit Worten oder Begriffen während ich rede oder schreibe, weil ich damit gleichzeitig – also ‚live‘ – kreativ sein kann. Das tue ich auch, wenn ich andere Leute unterhalte oder ihnen was auf plastische Art erzählen oder erklären kann. (Als ich aus Spaß einmal Al Pacino imitiert habe, da waren sogar die Hunde begeistert.) Im Flow bin ich, wenn ich jemanden auf irgend eine Art mitreißen kann.

Konkret kann alles, was ich mir ausdenke und tue, verschiedene Formen (z.B.Sprache, Texte, Bilder, Musik) annehmen. Die Reaktion anderer macht den Flow perfekt.

Begeisterung ist für mich Faszination. Und Faszination ist für mich Inspiration für die Umsetzung eigener Ideen. Hier mal ein schräg-schönes Beispiel, wie mich Leute mit nonkonformistischer (unangepasster) Attitüde inspirieren und allein schon dadurch meinen Flow generieren:

Komischerweise fühle ich mich in der Gegenwart von Halunken, Ganoven und diversen Außenseitern der Gesellschaft besonders wohl. Die sind respektvoller, geselliger und vor allem viel unterhaltsamer als langweilige Vorzeigebürger oder arrogante Lichtgestalten.

Durch meinen umtriebigen Vater hatte ich in meiner Kindheit regelmäßig Kontakt – ich will nicht sagen zur ‚Unterwelt‘ – aber zu gewissen Kreisen. Vielleicht komme ich selber aus einer Gangster-Familie und habe es nur nicht gemerkt. Aber ich fand das schon damals interessant und inspirierend, wie die drauf waren und wie ungeniert und bunt die gelebt haben. Das waren manchmal Figuren, wie aus einem Film. Echte Charaktere mit Stil eben. Und genau das macht für mich die Faszination aus.

Mich begeistert es daher, mit einem gewissen Gangster-Charme kokettieren oder polarisieren zu können. Das ist für mich wie eine Art Show. Und die Show ist der Flow.

Wie erlebst du den Flow-Zustand?

Ich handele nach Bauchgefühl, nach meinem Instinkt. Denken kann ich, wenn ich außerhalb des Flows bin.

Fakt ist, ich muss von der Stimmung her im Flow sein, um etwas von Belang tun zu können. So richtig produktiv kann ich nämlich nur dann sein, wenn ich meine Interessen mit meinen Talenten, Neigungen und Eigenheiten verbinde. Und je öfter ich das tue, umso mehr und länger befinde ich mich in meiner Art des Flow.

Da ich aber leicht abzulenken bin, bleiben für mich äußere, also unerwünschte, störende Einflüsse und Unterbrechungen, auch innerhalb des Flow präsent. Meiner Erfahrung nach lassen sich jene darin aber leichter überwinden oder schneller beheben. Die Priorität, das Wesentliche gerät nach einiger Zeit wieder in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit.

Interessant ist, dass ich mich nicht zu sehr „verkopfe“, also nicht über irgendwas grübele, während ich im Flow bin. Ein Zustand im Flow bewahrt mich weitgehend vor unnützen Beschäftigungen, wie zum Beispiel Nichtigkeiten und falsche Dringlichkeiten. Ich sehe im Flow alles geschärfter und aufs wesentliche orientiert, wie aus der Geierperspektive.

Welchen Regeln folgst du bei deiner Leidenschaft? Gibt es überhaupt Regeln?

Ich wende keine bewusste Regel an, um im Flow zu sein. Den Flow kann ich nicht erzwingen, er kommt ganz beiläufig.

Voraussetzung ist allerdings, dass ich ‚auf Empfang‘ schalte, also ein gewisses Maß an Flow-Bereitschaft habe. Bin ich nicht auf Empfang, so mache ich ungeliebte Tätigkeiten. Das ist für mich eine Form von Arbeitsteilung zwischen Flow-Zustand und Stress-Zustand.

Im Stress mache ich somit den ganzen stressigen Kram, denn da bin ich ja eh schon gestresst. Und nach einer Weile ist selbst der Stress derart gestresst, so dass er schon freiwillig verschwindet. Danach ist Flow-Time angesagt.

Um den Stress den letzten Rest zu geben, spielt in meinem Kopf ständig Musik. Das zwing den Stress mit mir im Flow zu sein — woraufhin er (der Stress) es natürlich nicht lange mit mir aushält.

Der Flow selber muss nur einmal angestoßen und in Schwung gebracht werden. (Durch eine Inspiration zum Beispiel.)

Normalerweise genügt es, mit meinen Neigungen meinen Interessen nachzugehen. Wenn ein Nutzen für andere dabei entsteht, umso besser. So kann ich mir die Ergebnisse meines Tuns bildhafter und lebendiger vorstellen, was den Blick nochmals schärft. (Wieder die Geierperspektive.)

Welchem Rhythmus folgst du?

Nachdem ich meinen Flow-Zustand in Schwung gebracht habe, muss ich ihn aufrecht erhalten. Sonst ist er wieder weg.

Das gewisse „Drehmoment“, den Schwung, den behalte ich durch die tägliche, wiederkehrende, fortwährende Beschäftigung mit dem, was mich – selbstredend – im Flow behält, also das, was mir liegt oder wichtig ist. Fortschritte bei meinen Resultaten dienen dabei als Turbolader, als Drehmomentverstärker.

Ich darf nicht zu lange pausieren, sonst flüchtet der Flow. (Also doch eine Regel.) Und wenn ich am Ball bleibe, stimmt auch die Stimmung, die bleibt hoch und ich werde besser und fließender, in dem, was ich tue. Ich schaffe dadurch auch immer mehr wichtiges in der selben Zeit.

Ich bin wie einer dieser alten Flugzeugmotoren, der immer erst einige Startschwierigkeiten hat. Der pufft und knallt, geht wieder aus, startet wieder mit etlichen Zündaussetzern. Dicker Rauch kommt aus dem Auspuff. Aber mit der Zeit läuft er schneller und runder. Und der Rauch ist auch langsam weg. Ist die Betriebstemperatur erst einmal erreicht, so läuft er zu Höchstleistungen auf. Sobald er auf Teillast läuft, kommen jetzt statt Rauch Flammen aus dem Auspuff. Exakt so fühle ich mich im Flow.

Fazit für dich: Falls du durch deine Umstände Schwierigkeiten hast, auch nur Ansatzweise in den Flow zu kommen., dann nehme dir jeden Tag nur 5 Minuten dafür und tue eben nur so als ob du im Fluss, im Flow wärst. Dann bist du schneller drin als du denkst. Und je regelmäßiger du das tust, umso länger, stärker und intensiver wird jedes Flow-Erlebnis. Denn der Flow ist ein Perpetuum Mobile. Er verstärkt sich selbst, während er gleichzeitig störende Einflüsse, wie Stress, Unterbrechungen oder Mangel schwächt. — Hast du den Flow, dann hast du schon halb gewonnen.

Und jetzt ab zu Karl’s Party… it’s Flowtime.