Es wird viel darüber diskutiert, warum und weshalb ein Staat den anderen auspioniert. Hierzulande befürchtet man, dass die bösen Amis es auf die deutsche Wirtschaft abgesehen haben und die hiesigen Konzerne samt ihrer tariflich bezahlten Stammbelegschaften dadurch ins Hintertreffen gelangen. Und alle sind empört, weil Mutti diesen fremden Lausebengeln nicht endlich mal den Arsch versohlt.

Mal ehrlich, mich interessieren die hiesigen Konzerne samt ihrer Vorzeige-Angestellten genauso wenig, wie ein neuer Song von Helene Fischer. Denn um die paar gut bezahlten Hampelmänner geht es gar nicht. Es geht um das Gros der deutschen (und schlecht bezahlten) Lohnsklaven und den durch diese Monokultur herbeigeführten Mangel an echter Innovationsbereitschaft.

Das Problem kommt nicht von Außen (Spione), sondern von Innen (Anpassung, Industriepolitik und Machtkonzentration).

Was ist hierzulande innovativ? Oder besser gefragt, was gilt hierzulande als innovativ genug, als dass es ein ausländischer Geheimdienst per Spionage klauen müsste?

Als innovativ gilt das, was am erfolgreichsten ist und auch im Ausland, vor allem in den USA, gut läuft und entsprechend bekannt ist. Ein typisches Beispiel hierfür ist die deutsche Autoindustrie. Aber die wird von leider nicht ganz so innovativen Konzernen dominiert. (Obwohl die selber gern das Gegenteil beteuern.)

In Wirklichkeit sind es doch die USA, besser ihre Unternehmen, Vorreiter in allem, was auch hier in Europa angesagt oder in Gebrauch ist. Das Informationszeitalter hat dort begonnen. (Das macht den Deutschen Angst, da es sich mit überlegener Informationstechnologie besonders gut spionieren lässt.)

Aber ohne die großen Internetfirmen, wie beispielsweise Facebook oder Google läuft hier nicht viel. Es gibt nur wenig bis gar nichts, was in dieser Branche in die umgekehrte Richtung, also nach Amiland geht.

Aber wer um Himmels willen, will dort von den hier ansässigen Deutschen Konzernen Geheimnisse entlocken? Etwa die gebeutelte Fahrzeugindustrie?

Die traditionell drei großen amerikanischen Autohersteller – General Motors, Ford und Fiat – haben alle Hände voll zu tun, um überhaupt mit ihren eigenen Strukturen klar zu kommen. Von denen geht keine Gefahr, also Auftragsspionage aus. Denn dazu bräuchten die Spione einerseits Fachkenntnisse und auf der sprichwörtlich anderen Seite Mittelsmänner bei Daimler, BMW & Co. Letzteres scheint schon allein deshalb absurd, weil nirgendwo in der Wirtschaft so strikt Menschen kontrolliert werden, wie bei diesen deutschen Vorzeigeunternehmen. Das habe ich selbst erlebt.

Sich über das Wohlergehen der deutschen Wirtschaft den Kopf zu zerbrechen ist genauso absurd, als wie sich Sorgen um den Kontostand der Quandts zu machen. Das heißt, die ganze Diskussion ist albern. Viel eher sollte man mal darüber diskutieren, wie man wirklich Wohlstand, im Sinne von Wohlergehen und Produktivität schaffen kann:

Indem man die kleinen Deutschen erklärt oder beibringt, dass auch sie große Ideen haben könnten und umsetzen dürfen.

Man sollte sich darüber empören, dass hierzulande die Voraussetzungen dafür nicht geschaffen werden. Danach kann man diskutieren, wie man diese Voraussetzungen schaffen kann. Wen interessieren dann noch ausländische Spione?