Wenn Unternehmer sich persönlich bewerben

Vorsicht, der Artikel ist lang, aber hilfreich für (werdende) stationäre Unternehmen mit viel Kundenkontakt. Wenn dies zutrifft und Sie Ihrer mächtigen Konkurrenz auf mal so richtig eins reinwürgen wollen, dann lesen Sie den Beitrag lieber.

Es gibt diesen einen netten Verkäufer, den einen coolen Mechaniker, den einen magischen Koch, den einen interessanten Kursleiter, den einen lustigen Kassierer oder die liebenswerte Bedienung. Das Dumme ist nur, sie sind in ihrem jeweiligen Unternehmen oft ein Einzelfall. Falls sie überhaupt dort arbeiten.

Die meisten Personaler, Manager und Unternehmer orientieren sich nach Zeugnissen, Zahlen und Lebensläufen, wenn Sie Leute einstellen. Ferner entscheiden sie aufgrund realer fachlicher Qualifikation und Empfehlungen. Leider gehen sie überhaupt nicht nach nach wahren Talenten und damit dem Charakter desjenigen, den Sie auf Ihre zahlenden Kunden loslassen wollen.

Jemand, der seinen „Laden den richtigen Anstrich“ geben will, sollte dort anfangen, wo es dem Kunden voll ins Mark trifft: Bei der Belegschaft, die mit dem Kunden tagtäglich zu tun hat. Und damit meine ich keine geschulten Verkäufertypen oder fachliche Koryphäen.

Holen Sie sich aktiv die coolen, netten Typen ins Haus. Nicht nur einen oder ein paar. Sondern alle. Jeden, den Sie kriegen können. Achten Sie nur darauf, dass sie miteinander klarkommen (was hier einfacher sein sollte als mit Miesepetern).

Wer soll das sein?

Es sind diejenigen, die gut mit Menschen umgehen können. Damit meine ich natürlich keine Erzieher, Schauspieler oder gar Aufpasser. Sondern den Kumpeltyp, den man gern als Freund hätte. Die Person, in dessen Nähe man sich wohlfühlt.

Das ist der lustige, der einem zum Lachen bringt. Die Person, die anderen einfach ein gutes Gefühl gibt. Die Person mit dem lockeren Spruch (nett, nicht schnippisch). Den Empathen (nicht der, der Jedermann’s Liebling sein will). Schlicht gesagt, die Person, die sich wirklich freut, den Kunden zu sehen. Nicht wegen des Umsatzes, sondern nur so.

Suchen Sie nicht unbedingt nach 100%iger Qualifikation. Sympathische Leute lernen schnell und sind von Natur aus der perfekte Service. Und Fehler werden von Kunden geduldiger ertragen, sogar gern übersehen, wenn ihm das Personal sympathisch ist. Hauptsache die Chemie stimmt.

Warten Sie nicht auf Bewerber und endlos lange Bewerbungsgespräche. Hören Sie auf damit.

Sie müssen sich bewerben.

Gehen Sie runter von Ihrem Thron. Werben Sie direkt ab und zahlen Sie deutlich mehr. Beschwatzen, becircen oder meinetwegen stalken Sie, was das Zeug hält. Mit dieser Strategie, mit diesen Leuten werden Sie es sich leisten können. Hören Sie sich um, wo so jemand schon arbeitet. Selbst wenn derjenige branchenfremd ist, holen Sie ihn, schulen Sie ihn um oder sonst was. Aber holen Sie ihn. Tun Sie dies persönlich und seien Sie charmant. Dann ab zum Nächsten.

Geben Sie den neuen Mitarbeitern Macht über die Kunden. Das heißt, erteilen Sie denen großzügig und ausdrücklich die Lizenz zum Kunden feuern. Denn falls die notorischen Beschwerer und Miesepeter kommen, dann stören die erstens die Stimmung, kosten Zeit, Geld und Kraft. Und zweitens brauchen Sie diese nicht mehr.

Wenn Sie ein Unternehmen mit häufigen Kundenkontakt haben, wie Restaurants, Hotels, Supermärkte, Baumärkte, Tankstellen, Werkstätten, Ausstatter, Service- und Pflegedienste, dann lohnt sich die Investition in Kundensympathie bereits kurz- oder mittelfristig. Seien Sie nicht so kleinlich.

Haben Sie solche Kundenmagneten, die gewissermaßen Sympathieträger, also Strars sind (die nicht das Spiel, sondern ihr jeweiliges Publikum gewinnen müssen), dann haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein anderes Spiel, nämlich das gegen die Konkurrenz gewonnen.

Wenn Sie das richtige Image wollen, dann geht das nur mit den richtigen Mitarbeitern. Jene sorgen für die richtigen Kunden, während sich bei Ihrer Konkurrenz die eh schon falschen Mitarbeiter mit noch falscheren Kunden rumplagen.