Widersprüche (und wir mögen keine Widersprüche, obwohl sie oft nützlich sind) lösen sich dann umso häufiger auf, wenn wir bereit sind, zu erkennen, dass wir zu Extremen neigen. Entweder zum einem oder zum anderen. Wir sind wie hin- und hergezogen. Wobei doch gelebte Ideallinien geschwungener und daher effizienter, weniger zackig verlaufen sollten.

Es führt kein Weg vorbei, mit den Extremen im Blickfeld leben zu müssen. Aber es ist schwer die Balance zu halten. Es zieht uns im Laufe des Lebens von Extrem zu Extrem, bei vielen in hoher Taktfolge, mehrmals täglich.

Das Ergebnis ist entweder ein Zickzackkurs, den wir nehmen oder wir erleben Reibungsverlust .

Das ist wie der besoffene Autofahrer, der von Leitplanke zu Leitplanke (oder Hauswand zu Hauswand) kracht, und dabei sich und seine Umgebung immer mehr in Mitleidenschaft zieht. Er fährt so weiter, aber wie lange noch? — Solange die Leitplanke da ist.

Oder es ist wie bei dem Menschen, der eine Zeit lang mit nur einem Extrem lebt. Der ist wie ein Auto, dass Funken sprühend die Leitplanke entlang scheuert, bis es unfreiwillig zum Stillstand kommt. Beide Zustände sind gefährlich, mindestens aber kraftraubend. — Solange die Leitplanke da ist.

Die schlechte Nachricht: Fast alle Menschen verhalten sich – mehr oder weniger – wie oben beschrieben, oft auch in Gruppen, allerdings jede(r) auf die eine eigene Art.

Die gute Nachricht: Man kann bewusst lernen, alltäglich Balance halten, um ans Ziel zu kommen.

Wie?

Falls Sie Schlagseite haben, werfen Sie inneren und äußeren Ballast ab. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche, der Rest tariert sich von selbst aus.

Und falls Sie danach zum Zickzackkurs übergegangen sind, versuchen sie die abwechselnden Rempler deutlich wahrzunehmen und anzunehmen, notfalls nehmen Sie vorübergehend das Tempo raus oder halten kurz mal an. (Ein Problem nach dem anderen an die Hörner packen.) Dadurch gewinnt man einen gesunden Abstand zu den Extremen ohne diese gleich aus den Augen zu verlieren. Man kann sie besser einschätzen, weil man sie bewusst wahrnimmt.

Das beste, was Ihnen dann passieren kann, ist ein gekonnter Schlingerkurs mit angemessener Geschwindigkeit. Falls Sie es schaffen, schnurgerade zu fahren, dann gratuliere ich Ihnen. Denn dann gehören Sie zu einer Hand voll Personen, die man genau deshalb Meister nennt.