German Abwärtsspirale

Anstatt irgendwann vielleicht einmal der Kreativität Raum zu geben, dreht sich in der deutschen Industriegesellschaft die Abwärtsspirale ganz leise immer weiter. Alles wie gehabt, aber auch alles irgendwie offensichtlicher und ungehemmter.

Zugeständnisse, Belastungen, Einschränkungen, Leistungsforderungen, Verlagerungen, Sparprogramme, verärgerte Kunden und Produktinvasionen* wie aus der Schrotflinte geschossen treten an Stelle von dringend benötigten Ideen.

Das sogenannte Solidaritätsprinzip wird es somit bald nicht mehr geben. Wer zahlt dann noch genügend ein? Keiner.

Die massenhaft abhängige Beschäftigung ist schon jetzt nicht mehr das, was sie mal war: Lebensentwurf, Karriere, Perspektive, Einkommen, generationenübergreifende Sicherheit. – Obwohl unsere Schulen genau dies weiter lehren.

Um dieses Dogma zu versenken, müsste man die 2 Leinen los lösen, die so typisch deutsch sind. Das ist auf der einen Seite die strenge Ausrichtung auf klassisch vordefinierte Berufslaufbahnen, wie dem Ingenieur oder dem Beamten. Und auf der anderen Seite muss endlich die natürliche Kreativität und der Drang zum Problemlösen bei den Kindern entfesselt, befreit und begünstigt werden.

Leider ist die Politik zu sehr auf den Stolz der Deutschen, die traditionellen Konzerne und deren Eigentümerinteressen ausgerichtet, die aber mit Deutschland bald nicht mehr viel am Hut haben. Diese werden hierzulande auch weiterhin einen Teil ihres weltweiten Personals rekrutieren. Aber das Preis-Leistungsverhältnis wird nicht mehr so gut wie früher sein. Das soll heißen, dass der Angestellte mehr für seinen Preis (Gehalt) leisten muss. Die Aufmachung, die Verpackung der jeweiligen Jobs wird sich auch etwas ändern. Wie üblich zu Gunsten der Konzerne.

Der brave deutsche Angestellte ist – genau wie sein japanisches Spiegelbild, der Salaryman – nur eine Ressource, die gut, günstig und gefügig sein muss. Das ist keine böse Absicht, sondern eine zwangsläufige Folge der starken auf äußerste Effizienz getrimmten Industrialisierung. Verbesserungen, im Sinne von Profitsteigerungen, gehen nur noch über eine weitere Leistungsausbeute von Mensch und Material.

Meine Empfehlung dem zu entkommen? Denken Sie sich langfristig aus dieser Situation heraus, bevor es noch schlimmer wird. Erweitern Sie Ihre inneren Grenzen und loten Sie Geschäftsmodelle aus, die auf Kreativität beruhen oder auf Kunstprojekte, die sich refinanzieren. Oder ganz klar Ausgedrückt: Machen Sie genau das, wovor Sie Angst haben. Benutzen Sie dazu Ihren Verstand und nicht das Reptilienhirn (das ist vor allem der Bedenkenträger in uns, der kurzfristige Erfolge verlangt).

 

* Im Krieg (oder dessen Vorbereitung) nennt man so etwas Breitenrüstung, um kurzfristig große Erfolge erzielen zu können. Oder um den Führer/Kaiser zu beeindrucken. Ob die Güter was taugen oder was übermorgen passiert, ist den „Verantwortlichen“ egal. Die sind dann meist in unverdienter Millionärs-Rente.