Chancen von Unten, Chancen von Oben

Auch der heutige Beitrag ist lang. Aber falls Sie nicht mehr weiter wissen, dann lesen besser weiter. Und falls ein böser Reicher dies liest, so wird er erfahren, wie er noch böser und reicher werden kann.

Erfolge nimmt man – gern nach einem unerwarteten Höhenflug – als selbstverständlichen Dauerzustand hin. Niederlagen nimmt man – gern nach einer unerwarteten Durststrecke – als unentrinnbaren Dauerzustand hin.

Ein hoher sozialer Status, samt Anerkennung und Materiellem wird als Normalzustand (und oft als gerecht) von denjeneigen erlebt, der dies (schon lange) hat.

Während eine prekäre, erbärmliche Situation für jeden in seiner Misere als unüberwindliche, aber normale Granitmauer erscheint, die sowohl Ent- als auch Einkommen für ewig verhindert.

Das einzig Gemeinsame an den jeweils beiden Situationen ist, dass sich die darin befindlichen Personen jene als normal für sich selber sehen. Das ist auch der Grund, dass sich eben jene Situationen nicht ändern. Keiner ändert freiwillig etwas daran. Beide haben auch gar keine Chance dazu, weil sie normal denken.

Der Höhergestellte, Vermögende, Einkommensstarke sieht sich kaum veranlasst, seine Situation zu ändern. Riskieren will er ja auch nichts. Jemanden, der nicht so gesegnet ist wie er selber, in seine (bessere) Welt zu holen würde eine Kettenreaktion dahingehend auslösen, dass fortan die Falschen bei ihm Schlange stehen, also betteln, „borgen“, beschleichen, erpressen oder stalken.

Der Multijobber, Niedriglöhner oder Hartz4-Abhängige glaubt nicht im Traum daran, dass er in der Gesellschaft jemals an Status gewinnen könnte. Obwohl er manchmal sieht, hört oder liest, dass er seinem Sumpf entrinnen, gewissermaßen „Aufsteigen kann“, schafft er es natürlich nicht. Warum?

Die Quellen des armen deutschen Mannes werden von Leuten gespeist, die genauso denken wie er, eben normal.

Gehören tun diese Quellen oft Eliten, die von unten Gesellschaft bekommen könnten, wenn es nicht so wäre. Der kleine Mann bekommt heute gemachte Leute, morgen den peinlichen Loser und übermorgen die unüberwindbaren Hürden „nach Oben“ vor Augen geführt. Immer wieder.

Genau dieses illusorische, irreführende und bequem konsumierbare Dreigestirn sagt ihm – obwohl er nichts hat – dass er bei dem bleiben soll, was er hat. Aber das, was er hat (Jobquälerei, Demütigung, Versorgungsprobleme, Aufpasser etc.), will er eigentlich nicht haben.

Falls das jemand liest, der sich momentan in einer prekären Lage befindet und da (wieder) raus will, den gebe ich folgenden Rat: Hören Sie auf, normal zu denken. Vergessen Sie sämtliche Ihrer üblichen Informationsquellen, wie Medien, Mitbürger und Mitleider. Geben Sie diese sofort auf. Tun Sie stattdessen etwas für Sie völlig unübliches:

Hören Sie aufmerksam und respektvoll auf Ihre innere Stimme.

Nicht auf die Stimme der Angst, des Reptilienhirns sollen Sie hören. Sondern auf die Stimme, die das sagt, was Sie gern tun würden wenn Sie es könnten. Können Sie dies nicht tun (wovon ich logischerweise ausgehe), dann wird diese Stimme, die von Ihren Träumen, Erfahrungen, Talenten, Vertrauen und Ihrem Intellekt gespeist wird, Ihnen Ihren Weg zeigen, wie Sie dorthin kommen.

Dorthin, wo Sie genau der oder die sein können wer Sie sein wollen, während Sie das tun, was Sie tun wollen und dabei sprichwörtlich ausgesorgt haben.

Dorthin zu kommen kann manchmal auf Umwegen passieren, aber immer nur Schrittchenweise. Wie Sie den zweiten kleinen Schritt zu gehen haben, können Sie meist erst dann erfahren, nachdem Sie den ersten kleinen Schritt gegangen sind. Wenn Sie trotz Innehalten nicht einmal den ersten Schritt in Erfahrung bringen konnten, gehen Sie einfach und dann wissen Sie auch warum. (Den wirklich Erfolgreichen passierte dies andauernd.)

Den Wohlhabenden sage ich: Inspirieren Sie, gehen sie neue Wege, zeigen Sie mal Mut, sonst tut es keiner. Von Bücklingen und Arschkriechern brauchen Sie dies nicht erwarten. Deshalb steht gerade derjenige, also Sie, in der Verantwortung, der mit letzterem nichts am Hut hat.