Alles, was berechenbar ist, vermittelt scheinbar Sicherheit, Verlässlichkeit und Beruhigung. Falls Sie jetzt glauben, alle kommen zu Ihnen, weil sie berechenbar sind, dann bleiben sie lange allein.

Es ist ganz gut weder berechenbar noch berechnend zu sein.

Was das Verhältnis von Menschen untereinander, von Kunde zu Anbieter, von Konsument zu Erzeuger, von Künstler zu Bewunderer angeht, sollte man Berechenbarkeit nicht mit Vertrauen verwechseln. Vertrauen sollte man sich – direkt oder indirekt (durch Empfehlung) – verdienen.

Unberechenbarkeit als solches sollte man sich gut dosiert und ausbalanciert beibehalten oder ganz bewusst aufbauen. Denn eine natürliche Unberechenbarkeit wirkt selber vertraut. Im Gegensatz zur Willkür, dem ausgeliefert sein (Service, Knebelverträge, Schrottprodukte, Ehepartner) so sehnt sich jeder mehr oder weniger nach einer täglichen Dosis Unberechenbarkeit.

Es würde stinklangweilig sein, wenn ausnahmslos alles und jeder berechenbar wäre. Perfekte, berechenbare Produkte und Dienste gibt es zuhauf. Aber garantiert keine derartigen Künstler. (Zumindest nicht freiwillig.) Man kann mit Produkten und Diensten einen enormen Unterschied machen, wenn man sich traut, diese gezielt unberechenbar für seine Clientel zu machen.

Vertrauen ist die Basis für eine (Kunden- oder Fan-)Beziehung. Unberechenbarkeit ist der Grund in der heutigen Zeit, in gesättigten Märkten exakt diese (d.h. keine andere) Beziehung einzugehen, und dann auch beizubehalten.

Unberechenbarkeit ist hier durchaus positiv gemeint, ganz im Sinne von positiver Überraschung, sinnlicher Nervenkitzel, komplexe Spannung und damit Lust auf mehr.

Der Schauspieler Christopher Walken wurde gefragt warum er immer wieder so unerwartet andersartig in seinen Rollen daherkommt, ganz im Gegensatz zu seinen Kollegen, obwohl Drehbuch als auch Regisseur dies selten so vorsehen. Seine ehrliche Antwort:

„Das Leben ist unberechenbar. So bin auch ich unberechenbar.“

[Hier nochmal ein Video (ab 5:45), wo er sich ähnlich erklärt. Es ist nicht exakt dasselbe Interview wie oben beschrieben, aber ich hoffe, Sie bekommen einen Eindruck, was ich (oder Walken) meinte.]