Die eigene Verwandschaft kann man sich nicht aussuchen. Familien und Banden dagegen schon.

Wie jemand den Begriff Familie definiert, was er darunter versteht oder wen jemand als seine Familie betrachtet, ist seine Sache. Weniger die der Verwandschaft.

Man kann lernen, enge Verwandte zu akzeptieren, mit denen man zeitlebens nie richtig grün wurde. (Vater-Sohn, Mutter-Tochter, angeheiratete Problemherde.) Das ist sehr schwer, aber irgendwann in fortgeschrittenem Alter machbar. Wenn man keine Wahl hat, lernt man mit denen zu leben, wie mit einer Behinderung oder einer Allergie (ich will nicht sagen Fluch), denn oft hat man gar keine andere Wahl als die Dauerpräsenz der Macken anderer zu akzeptieren. Für’s Erste, mittelfristig.

Es hilft, den Kontakt zu begrenzen, während man eine vorhandene Bindung nicht zeitgleich aufgeben muss. Falsche Abhängigkeiten sollte man radikal auf 0 reduzieren, was mitunter lang dauern und viel Nerven, Geld und Kraft kosten kann. (Das bekommt man danach doppelt bis dreifach wieder zurück.)

Schuldgefühle zu erzeugen bringt nichts, weil jeder weitere Gegenrechnungen bis Ultimo aufmachen könnte. Und wer manipuliert, muss damit rechnen, dass er selber manipuliert wird. (Vorbildeffekt.)

Ihre Familie ist Ihre Bande. Eine Bande oder eine Gang, die hält zusammen, ganz besonders dann, wenn es kriselt (Missverstand, Misstrauen, fehlende Anerkennung) und alles unerträglich wird.

Öfter als man denkt, ist es besser, wildfremde in die eigene Familie zu holen. Oder noch besser, die Fremden zur eigenen Familie zu machen. Eine Bande basiert auf geistige Verwandtschaft und damit einhergehend auf Vertrauen.

Ihre beste Familie ist eine Bande. So einer können und sollten Sie beitreten. Falls Sie Ihre Bande nicht finden, dann gründen Sie sie. Diese Option haben sie immer. – Trotz aller Verwandtschaft.