Sie müssen nicht alles verstehen

Neulich erklärte ich kurz einem Ex-Kollegen (Bauingenieur), was genau ich vorhabe. Er meinte allen ernstes, daß ich da sicherheitshalber noch eine spezielle Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann (für Hygieneartikel!?) machen sollte. Ich wollte noch sagen: „Lesen Sie mal irgend einen Artikel im Klokain-Kartell, mein Blog. Da können Sie Klokologie studieren.“ Das wäre aber doch zu arrogant.

Daher sagte ich dann lieber nichts mehr. Ich wollte ihn ja nicht brüskieren und sein stockdeutsches Weltbild erschüttern. Aber, Spezialwissen nützt einem wenig, wenn man es nicht explizit, das heißt wiederholt nutzbringend, anwenden kann. Angestellte können das, freiberufliche Zahnärzte können das auch, Entrepreneure und Künstler weniger.

Als Künstler sollte man wie ein Entrepreneur denken und als Entrepreneur sollte man wie ein Künstler denken. Breites Wissen ist hier besser als tiefes Wissen in einer Sparte. Einem Musiker nützt es wenig, wenn er nur einen Song auf einer Guitarre spielen kann, stattdessen aber sämtliche Entwicklungsprozesse und Produktionsschritte dieser einen Guitarre in- und auswendig kennt.

Als Macher orchestriert man mehr als sich einer Fachdisziplin penibel unterzuordnen. Sie müssen mit vielen Gegebenheiten zurechtkommen, wie Leidenschaft, Beziehungspflege, Trends, Stimmungen Anderer, Stimmungen Ihrerseits, Kaufen, Verkaufen, Produktion, Nutzung, Regularien, Alternativen und etliche Weltsichten im Ansatz begreifen. — Sie sind ein bunter Hund und keine graue Maus.

Spezialistentum ist Fachidiotie. Und Fachidiotie ist Angestelltendenken. Seien Sie kein Idiot und erweitern Sie lieber ihr praktischem Wissen. Kombinieren Sie das, was Sie dabei interessiert. Dann sind Sie ihren Situationen besser gewachsen, völlig egal, welcher Branche sie angehören. Denn wie sagte mal ein alter Entrepreneur aus der hochspezialisierten Autobranche frei heraus:

„Von Motoren habe ich nie etwas verstanden. Dafür hatte ich meine Ingenieure.“ (Enzo Ferrari)