Angepasste Bürger merken die typischen Giftwörter des Systems nicht. Oder nur in negativer Assoziation.

Mit dem Begriff Entrepreneur kann in Deutschland so gut wie keiner was anfangen. Wir werden, je nach Herkunft oder sozialem Status anders bezeichnet. Folgende irreführenden Begriffe suggerieren (unterschwellig) Fehlverhalten und vermitteln ein latentes Gefühl von Angst:

  • Gewerbetreibender (Das assoziere ich mit (be)werben und dann Unwesen treiben.)
  • Existenzgründer (Existenzangst, Existenzminimum, es geht um die nackte Existenz. Die 3 Zischlaute „x“, „s“ & „z“ allein klingen schon giftig genug.)
  • Selbsständiger (ständig alles selber machen, auf sich allein gestellt – was totaler Blödsinn ist, da man nicht von sich selbst leben kann, sondern es immer nur mit anderen funktioniert. Ein sehr ausgrenzender Begriff, so wie „Aussetziger“.)

Der Klang dieser Wörter hat für mich immer was abwertendes und sozial isolierendes. Wenn Sie zum Beispiel das Wortmonstrum „Existenzgründerberatung“ lesen, dann sollten Sie einen großen Bogen darum machen. Dort beraten öffentlich Beschäftigte oder Beamte auf Lebenszeit, die jemand Unbedarftes in die Irre führen können. Die bringen einem bei, wie man die Bürokratie richtig macht und Regeln befolgt.

Zudem halten jene die öffentlichen Fördergelder als unabdingbare Vorraussetzung zum erfolgreichen Gründen. Zu viele potentielle Gründer fallen auf die herein, denn in der Schule wurde einem nur beigebracht, daß man auf Nummer Sicher gehen soll (wieder Regeln befolgt) und wie man sich einen beschissenen Job sucht.

Ich will jetzt nicht alle über einen Kamm scheren, die diese Wörter benutzen. Denn manchmal muß man die Sprache des Systems sprechen, um überhaupt jemanden zu erreichen. Aber meine Meinung hierzu ist klar. Ich spreche nicht „System“. Sei denn ich muß jemanden etwas erklären, um es gleich danach zu übersetzen und richtig zu stellen.

Die Eingangs erwähnten 3 bekannten Beispiele sind tote, wissenschaftliche Begriffe, die den Geschmack des Verderbens haben. Deutsche lieben tote, wissenschaftliche Begriffe, welche das Gegenteil von Inspiration bewirken. Jeder will Akademiker sein und wundert sich dann, warum er nicht mehr als laues Wischi-Waschi hinbekommt. (Hauptsache kompliziert.)

Ich empfehle, daß Sie eine eigene, lebendigere Sprache wählen, um inspiriert zu sein. Denn Inspiration ist der Anfang jeder Kreativität. Und wer kreativ ist, der denkt und redet anders und inspiriert somit andere.