Nach dem Krieg war’s am schönsten

Wie schön war Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg! Der schweflige Rauch hing noch frisch in der Luft. Dazu überall Chaos, Dreck, wildes Durcheinander und übelste Verwüstungen. Zudem war die Infrastruktur kaputt, die staatlichen Strukturen zerstört und die Ordnungsgewalten lahmgelegt. Keiner wußte so recht, wo er hingehörte. Es war einfach herrlich, geradezu paradiesisch…

…für Gründer und Leute, die was starten wollten.

Damals gab es Aufbruchstimmung. Und die Tatsache, daß die Systemstrukturen komplett zerstört waren, ermöglichte erst die freie Entfaltung unternehmerischen Denkens und Handelns. Wo viel Schatten ist, da muß auch Licht sein. Viele Unternehmen wurden damals, in den Jahren nach dem Krieg gegründet und solide aufgebaut. In West und Ost! (Das DDR-Regime würgte – genau wie unsere Eurokraten und Bürokraten heute – das Ganze bei Zeiten nur wieder ab.)

Keine Zwänge, kein verstockter Beamter, kein gerissener Anwalt, keine blödsinnige Verordnung oder lähmendes Sicherheitsdenken stand einem im Weg. Alles mußte, auch auf staatlicher Ebene mit einfachen Mitteln langsam neu eingerichtet werden. Und das gab den Gründern für viele Jahre viel Freiraum. Der Weg zu Wohlstand und Eigenverantwortung für alle war sprichwörtlich frei.

Dieser Freiraum fehlt uns heute. Muß denn erst ein totaler Krieg ordnungsgeiler Irrer vorangehen, damit man in Freiheit gründen kann? Gott sei Dank nicht, denn heutzutage gibt es 3 friedlichere Varianten:

Die 1. Variante wäre: Der Dicke mit der Zigarre kommt nochmal als qualmender Messias zurück. Dann könnte er ein erneutes Wirtschafts- und Wohlstandswunder verheißen. Das glaube ich aber nicht. Selbst wenn, dann müßte man ihm zusätzlich noch zwei geladene Revolver in die Hände drücken, damit er seine Ideen auch in der heutigen Zeit überzeugend rüberbringen kann. Denn nur so würde er den Politokraten klarmachen können, wer nach wessen Zigarre tanzt.

Die 2. Variante wäre, die Regierungsstellen lockern die überregulierten Strukturen auf, indem sie Bürokratie und Verwaltungsaufwand in absehbarer Zeit erheblich verringern. Zusätzlich muß man sich von der EU-Behörde emanzipieren. (Die Schweiz ist auch nicht in der EU.) Gleichzeitig muß bereits in den Schulen Kreativität gefördert und der Unterricht spielerisch gestaltet werden, anstatt den Kindern einzuimpfen, sich einen beschissen Job zu suchen oder bequem* Karriere zu machen. Um ehrlich zu sein mache ich mir da wenig Hoffnung. Denn so wie ich unsere „Bestimmer“ und Quartalspolitiker kenne, mal ehrlich, da ist ein Krieg wahrscheinlicher.

Oder die 3. Variante, die ich für die machbarste halte, ist ein Umdenken zuerst bei uns, den Entrepreneuren (Gründer, Künstler, Problemlöser, Querköpfe) und die, die es werden wollen. Wir müssen im Katz-und-Maus-Spiel mit dem System zur Katze werden und das Spiel bestimmen.

Wie? Das überlasse ich Ihnen. Sie sind kreativ, lassen Sie sich nicht von Systemdienern und Regelbefolgern auf die falsche Fährte führen. Am besten geht das, wenn Sie immer etwas von der gewohnten Norm abweichen und selber nachdenken, wie man die starren Strukturen umgeht. Fahren Sie Slalom um Verwaltungshürden und Bürokratie. Wenn Sie es nicht tun, dann füttern Sie das System und rechtfertigen damit die Beamten- und Funktionärsposten.

Arbeiten Sie Ihre wildesten Träume zu einem realen Konzept aus. Und vor allem, verschwenden Sie keine überflüssigen Gedanken an Sicherheit. Denken Sie stattdessen spielerischer, das heißt kreativer. Kreativität und Sicherheit gehen nicht gern zusammen. Und lassen Sie die Finger von Fördermitteln. Das ist wie Rattengift: Süß, aber tödlich.

Seien Sie unvernünftig und verunsichern Sie! Was meinen Sie, wie „sicher “ oder „vernünftig“ sich die Leute nach dem Krieg vorkamen?

* Karrieren nach klassischen (bequemen) Muster gibt es kaum noch und werden zukünftig selbst in Deutschland gar nicht mehr möglich sein. Fall Sie es dennoch anders sehen, dann hat bei Ihnen die Gehirnwäsche wohl bleibende Schäden hinterlassen.