„Meine bessere Hälfte“

Dieser Spruch ist ironisch gemeint. Aber manchmal bin ich mir nicht sicher, ob das immer der Fall ist. Benutzt wird der Spruch so nur von deutschsprachigen Männern. In meinen Ohren klingt das wie eine Kapitulationserklärung, nach Ungleichgewicht oder das Eingestehen, daß man gegenüber der eigenen Frau minderwertig sei. – Von einer Frau habe ich den Spruch allerdings noch nie gehört.

Im Englischen heißt es „my other half“. Ja, Frauen sind anders als Männer. Sie sind nicht besser, auch nicht schlechter. Sie sind anders.

Aber, Männer, die meinen, daß Frauen weniger intelligent – also irgendwie schlechter wären, haben definitiv einen an der Klatsche und ein gestörtes Verhältnis zu Frauen. Umgekehrt ebenso.

Wie aber kriegen deutsche Frauen das hin, daß sie im Vergleich zu ihren Männern „besser“ dastehen? Es gibt da eine offenkundig deutsche Besonderheit, die mir nie bewußt war, bevor ich mit Ausländern in Kontakt kam: Die Rolle der Mutter.

Diese Rolle ist ist in Teutonien (Deutschland) wesentlich stärker ausgeprägt als in anderen Kulturen.

Mutti ist omnipräsent, streng, sorgt sich mehr um ihr Kind, bewahrt es vor allen Gefahren und achtet darauf, daß der Kleine seiner Mutter ja keine Schande bereitet. Hier haben wir es mit Anpassung und Sicherheitsdenken zu tun.

Mutti hat Angst, indirekt durch auffälliges Verhalten ihres ruppigen Kindes zur Rechenschaft gezogen oder gar bestraft zu werden. Denn das Bestrafen haben die Deutschen genauso perfektioniert, wie die Pflege des Beamtentums oder das Exportieren von Geld samt den dazugehörigen Luxusautos.

Nein, die Mutter hat keine Schuld.

Sie ist ein unfreiwilliger Überträger von Hemmnissen und Zwängen, die von der Gesellschaft erzeugt werden. Wenn „German Man“ dann langsam Erwachsen wird, so Mitte 60, dann ist es für ihn längst eine jahrzehntelange Selbstverständlichkeit, daß die Frau (Mutter, Lehrerin, Freundin, Gattin, Ex-Gattin) immer Recht hatte und hat. Er sieht überall Mutti. Sogar im amtierenden Regierungschef.

Mutti stellt die Regeln auf, die Sohnemann folgen muß. Ungehorsam wird geahndet. Gehorcht er, macht er nichts falsch, denn Mutti ist die Macherin. Im späteren Leben wird daraus im Extremfall eine verkappte Memme, ein Wallach, der sich als Ehefrau natürlich eine (heiße) Mutti sucht.

Vielleicht wird aus ihm auch das andere Extrem, wie z.B. ein Griesgram, ein Miesepeter oder gleich ein vollwertiger Psychopath, der sich dann seine angestauten Aggressionen gewissenhaft einteilt, um sie dann anfallsweise auszuleben.

Egal. Die Phrase „Meine bessere Hälfte“ ist dennoch nichts weiter als ein Symbol der Selbstentwertung, der Entbindung von der eigenen Verantwortung. Letzteres ist Mangelware hierzulande. Denn dazu muß „man“ aus der Reihe tanzen, von der Linie abweichen. Dazu brauchen Sie weder zu kuschen, noch auszurasten. Ihre innere Balance reicht völlig aus.