Wie bei Mackie Messer

„Mal sehen, was er als nächstes wieder anstellt.“ — Die Figur des Mackie Messer aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht erzeugt eine gewisse Erwartungshaltung beim Publikum. Man ist gespannt, was er nun schon wieder anstellt. Anders ausgedrückt, dank Mackie Messer wird es nie langweilig, denn als Bösewicht bringt er Würze in die Geschichte.

In relativer Regelmäßigkeit einen Blog zu schreiben oder zu pflegen ist wie eine Dreigroschenoper. Es bringt die Herausforderung mit sich, Humor, Spannung, Aha-Erlebnisse und Insiderwissen auf Dauer im Akkord zu liefern. Aber wie geht das?

Wenn man jung (geblieben) ist, dann hat man Fantasie und Ideen, die man teilt. Wenn man alt (oder reif) ist, dann hat man Erfahrungen und Menschenkenntnis, die man teilt. Man muß nicht unbedingt schlau sein. Denn das ist meiner Meinung nach jeder, nur auf einem anderen Gebiet. Da jeder für sich andere Motive und Interessen hat.

Sehr nützlich ist das Verbinden von all dem oben genannten mit dem eigenen Charakter. Zuviel Nüchternheit in den Beiträgen ist langweiliger für den Leser und anstrengender für den Blogger, weil er sich „zusammenreißen“ und die eigene Persönlichkeit unterdrücken muß. Das hält keiner lange durch, weder Blogger noch Leser.

Ich habe im kommenden Jahr 20 Jahre Geschäftserfahrung als Unternehmer, allerdings meist außerhalb des Internets. Ich habe in dieser Zeit immer wieder auch (parallel) als Angestellter gearbeitet, aber nie sehr lange. Wenn die Branchen und Länder (Mentalitäten) in denen ich arbeitete zudem noch recht unterschiedlich sind, dann kommt einiges an Erfahrung und kuriosen Geschichten zusammen. All das hilft.

Ich lese auch Bücher, aber jedes Jahr nur ein oder zwei. Auch ältere. Das bringt zusätzlich andere Sichtweisen, Wissen und Bestätigung mit sich. Allerdings war ich immer schreibfaul. — Bis zum 31. Juli 2012, wo ich den ersten Beitrag schrieb.

Ich habe mir von Anfang an vorgenommen, mit jedem Beitrag etwas „anzustellen“, so wie Mackie Messer eben. Allerdings auf produktive Art im Sinne meiner Leser, die ab und zu auf ein metaphorisches Pfefferkorn beißen. Das läßt sich nicht verhindern, denn für einen einzigen ordentlich polierten, korrekturgelesenen und kuratierten Beitrag in dieser Länge bräuchte auch ich mindestens zwei Wochen.

Die rohe und manchmal rohbatzige Direktheit ist es, die die Spannung erhält. Wie bei Mackie Messer, nur „in Grün“.