Pablo Escobar und das Klischee des Drogenbarons

Im Grunde war Pablo Escobar schon zu Lebzeiten so etwas, wie eine Gallionsfigur mit „Neanderthaler-Ideologie“, weil er die USA mit Kokain überschwemmen wollte, ungeachtet aller Folgen. Die wären, daß der Stoff für jeden zugänglich wäre, schlicht mehr Leute involviert wären. Und damit kriminell. Das ist die Meinung von George Jung. Er war Escobar’s rechte Hand für den US-Markt. (George kommt wahrscheinlich nächstes Jahr aus dem Knast.) Carlos Lehder hält Escobar für den treuesten Mann, den er kannte. Jeder sah ihn anders. Trotzdem:

Scheinbar konnte Escobar den Hals nicht voll genug kriegen. Ein Vorbild ist er somit nicht. Eher ein Mythos oder eine traurige Gestalt. Es kommt darauf an, wen man fragt. Folgende Fantasie-Fragen habe ich mir ungeachtet dessen aber trotzdem erlaubt:

Was wäre, wenn man ein Klischee bedient? Anders gefragt: Was wäre, wenn man das klassische Geschäftsmodell eines gestandenen Drogenbarons alter Schule nimmt, dem Gesetz entsprechend umgestaltet, und seiner Natur gemäß (d.h. fast schon selbstgefällig) an bürokratische Hürden und Markteintrittsbarrieren vorbeiorganisiert?

Ein ranghoher Einsatzleiter der DEA, der amerikanischen Drogenbehörde – vertraut mit dem Fall Escobar – sagte mal sinngemäß über das Medellín-Kartell: „Wenn diese Leute ihre Energie und ihre Kreativität für rein legale Zwecke genutzt hätten, dann wären die womöglich genauso erfolgreich.“ (Mehr zu El Patrón gibt’s hier.)

Diese Aussage führte mich zu den Eingangs erwähnten Fragen. Deren Antworten führten mich zu Klokain, unserem Produkt. Und zum Klokain-Kartell, unser Projekt hier.

Das Organisierte Versprechen

Ich hatte schon viele (auch ganz vernünftige) Ideen. Klokain (und das Kartell) aber halte ich für die absurdeste und vielleicht auch die übelste Idee, die ich je hatte. Nur: Keine meiner bisherigen Ideen waren vergleichbar reizvoll. „Kloke“ ist irgendwie interessanter, gerade weil es so schräg ist. Es ist eher eine Frage der Organisation statt von Geheimniskrämerei, daher möchte ich bis Jahresende Details über Klokain veröffentlichen und wenig später die Produktion hochfahren.

Einige werde ich mit dem Produkt enttäuschen, andere werden verwundert sein und wieder andere werden entzückt sein. Klokain wird nicht für jeden sein. Im Gegenteil, es ist nur einem kleinen Kreis vorbehalten. Nicht, daß ich künstliche Verknappung betreibe. Das wäre auch nicht nötig. Das Produkt sorgt bereits selbst dafür, daß sich nicht jeder heranwagt. Es gibt Autos, die zu schnell sind. Es gibt Spirituosen, die zu stark sind. Es gibt Musik, die zu wild ist und Filme, die zu brutal sind. Es gibt Motorräder, die zu schwer und zu teuer sind. Es gibt Frauen, die zu heiß sind. Und es gibt Klokain. Bald.

Was hat das mit Escobar zu tun? Das Böse (Pablo) dient als Inspirationszutat, um ein Produkt mit Wert zu schaffen. Das ist was Gutes. Gangsterfilme- oder komödien bedienen sich der selben Zutat. Was Filmemacher mit Filme machen, das mache ich in der Wirtschaft. Ich will inspirieren. Ob es klappt? Ich weiß es nicht. Und wenn ich wüßte, daß es klappt, dann wäre es nicht mehr reizvoll und ich würde es wohl nicht mehr machen wollen.

Ich komme mal zum Punkt: Die deutsche Wirtschaft, der Markt und die Gesellschaft überhaupt braucht einen Aufmischer (das könnten auch Sie sein). Pablo Escobar führte Krieg gegen den Staat. Die Deutschen lieben und verehren ihren Staat, allerdings nicht alle. Denn nicht alle sind Beamte, in öffentlichen Betrieben beschäftigt oder gehirngewaschen bei 120°C.

Keine Bange, ich zettele keinen Krieg an. Das geht subtiler. Ich tue das, worüber Politiker nur schwadronieren: Eigeninitiative ergreifen, Verantwortung übernehmen, Werte schaffen und die Gesellschaft bereichern. Allerdings ohne deren Hilfe. [Ich meine Funktionäre und Politiker] Keine Fördermittel oder sonstige Weichspül-Bestechungen kommen bei mir in Frage. Diese Unabhängigkeit macht Sinn. Oder glauben Sie ernsthaft, daß ich mit meiner erzfeindlich gesinnten Idee vom „Klokain-Kartell“ bei Funktionären, Bankern und sonstigen Businessplanlesern weit kommen würde?

Pablo Escobar hat auch keinen Businessplan geschrieben. El Patrón war Staatsfeind Nr.1. So sehe ich mich auch oft.  Escobar ist Provokation pur. Als Unternehmer wird man im Funktionärsparadies Deutschland kriminalisiert. Man ist selber ein bischen Escobar. Diesen Umstand persifliere ich mit dem Klokain-Kartell. Wenn die oberen (und der verdummte Teil des Volkes) den Bösewicht haben wollen, dann sollen sie ihn bekommen. Daran arbeite ich. Ich mache es auf ironisch-satirische Art im Sinne der Rechtschaffenheit. Eine provokative Wucht a-la Escobar ist dabei ganz nützlich.

Ich instrumentalisiere wie ein Filmemacher den Mythos eines Supergangsters. Das ist Unterhaltung und Party zugleich. Ich schätze mal, wenn Pablo Escobar halbwegs rechtschaffend gewesen wäre, dann würde er heute wohl seinen 64. Geburtstag feiern.

[Hier gibt’s noch einen zweiten Teil „Escobar schon wieder…“, den ich einen Tag nach diesem hier veröffentlichst habe.]