Escobar schon wieder…

Heute jährt sich zum 20. Mal der Todestag von Pablo Escobar. Erst gestern war sein 64. Geburtstag. Sein Abgang war dramatisch.

Die damaligen Ermittler glauben, ihn bei der Flucht auf dem Dach eines Hauses, in dem er eine Wohnung hatte, erschossen zu haben. Sein Sohn Sebastián Marroquín glaubt aber, er habe sich während dieser Aktion selber erschossen. (Ich las das mal in einem Interview, daß er der Süddeutschen Zeitung vor einigen Monaten gab.) Wenn das stimmt, dann meiner Meinung nach nur deshalb, um seinen (Escobar’s) Hass-Schwur zu bewahrheiten, „lieber in Kolumbien begraben zu sein, als an die USA ausgeliefert zu werden“. Der Mann hatte sicherlich so seinen Stolz.

Der Sohn ist außerdem der Überzeugung, daß die Verbrechen, die seinem Vater angelastet wurden und werden eine gigantische Manipulation der Realität sei. Das riecht nach Politik. Und Escobar war ein Stachel im Fleisch der Politik. Eben nicht nur der kolumbianischen.

Gut möglich, daß unser doppelkinniger Drogenbaron mit der prägnanten Schrägfrisur seinerzeit die sozialste Person in ganz Kolumbien war. Ich hab so einiges gehört! Mann kann sich durchaus mächtige Feinde machen, indem man den Unterprivilegierten massiv hilft. Aber Escobar war der einzigste, der diesen Mächtigen eine Zeit lang wirksam die Stirn geboten hat. Das trägt zu seinem Mythos bei, weniger sein bizarrer Reichtum mit Nilpferden, Giraffen, Betonsaurierern und beinahe täglichem Nacktmodel-Wrestling auf dem Familiengehöft.

Es ist echte Kunst und zugleich eine Herausforderung, aus einem Verbrechersyndikat als Inspiration etwas positives zu erschaffen. Ich sehe Dinge gern aus einem anderen Blickwinkel. Es heißt ja, wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. Im Umkehrschluß bedeutet es, daß dort, wo Schatten ist, auch Licht sein muß. Und wenn ich kein Licht finde? Dann schaffe ich welches. (Nein, ich halte mich nicht für Gott. Helle Gedanken gibt’s gratis und Taschenlampen in jedem Baumarkt.)

Da wir nun das 20 Todesjahr von Pablo Escobar haben, sollte ich langsam unser Produkt vorstellen, die Katze aus dem Sack lassen. Die Ideenphase ist so gut wie abgeschlossen. Bald gibt’s reines, hochwertiges aber böse-kommerzielles Klokain. Und kommerziell ist böse. — In Deutschland.

Pablo Emilio Escobar Gaviria (1949 – 1993)

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