Das Ende aller Privatsphäre

Privatsphäre gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nur noch eingeschränkt und in sehr naher Zukunft so gut wie gar nicht mehr. Wir sollten uns auf diese Gegebenheiten einstellen. – Der Spruch könnte von Tante Merkel sein. Ist er aber nicht.

Ich würde ihr meinen obigen Spruch gerne per SMS schicken (dann braucht sie ihn nur noch laut vorzulesen), habe aber leider ihre Privatnummer nicht. Vielleicht wäre es zielführender, den Text zur amerikanischen Botschaft zu schicken, mit der Bitte, ihn unverzüglich auf Muttis Smartphone als scrollbares Hintergrundbild zu installieren.

Nein, mir geht es hier nicht um Spionage. Obwohl es uns (Deutsche) am wenigsten wundern sollte, wenn man hier rumspioniert. Wir sind halt viel zu interessant. Das waren wir schon immer.

Den ersten Absatz öffentlich vorzutragen wäre daher für Merkel – heitere Miene vorrausgesetzt – eine freudige Botschaft, vor allem für diejenigen, die sich langsam benachteiligt fühlen, weil sie glauben, immer noch nicht abgehört (oder erhört) zu werden. Wer will schon links liegen gelassen und ungehört bleiben?

Ich empfehle uns und unserem Merkelinchen die Flucht nach vorn anzutreten und dieses Erhörtwerden doch mal zu nutzen. Mit jeder weiteren Zeile aus dem Newsticker verbessert sich ohnehin Muttis Verhandlungsposition gegenüber Präsident Barack No Drama. Wäre ich die Kanzlerin, dann würde ich ihm ein Zugeständnis aus den Rippen leiern, daß man unter normalen Umständen nie und nimmer bekommen könnte.

Wie wärs mit einer US-weiten Quersubventionierung (erstmal) bayerischer Autos durch eine höhere Besteuerung importierter Japaner? Letztere wären dann gezwungen, sogar ihre Oberklassewagen in den USA zu bauen und schaffen dort wieder mal Arbeitsplätze. Damit steckt sie womöglich den US-Präsidenten, die (Kohle der) Quandts und auch gleich den knurrigen Seehofer* mit in die Tasche. Das wäre ein Coup der zu Mutti passen und ihr weltweite VerBewunderung bringen würde.

[*Angie könnte damit vielleicht auch Seehofer’s Mautpläne gegen Ausländer (Österreicher) Einhalt gebieten und sich damit für den Friedensnobelpreis positionieren.]

Spaß beiseite. Das, was ich hier etwas satirisch vorschlage ist tatsächlich mein Ratschlag. Man kann sich nicht mehr wirklich verstecken, sowie man sich nicht mehr den heutigen Möglichkeiten verschließen kann. Und das Thema ist nicht beendet, sondern geht in die nächste Runde. Sich daher einzuigeln, während unzählige potentiell abzuhörende Bytes an einem vorbeirauschen ist einfach nur noch albern. Der gewaltige Nutzen wird dabei übersehen. Kein Witz.

Wir könnten tatsächlich die uns zur Verfügung stehenden Plattformen nutzen, um gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle Veränderungen herbeizuführen. Nicht alles auf einmal, aber gezielt. Und wenn da jemand mithören will, nur zu! Andere bekommen es auch mit. Es bekommen viele mit. Auf jeden Fall diejenigen, die es interessiert. Was der „unbefugte“ weiß, das weiß auch der „befugte“.

Die Alternative dazu wäre, daß überhaupt keiner was weiß. Also was soll’s?

Nur wenn sich niemand für einen interessiert, man sprichwörtlich uninteressant ist, dann hat man Privatsphäre. Wobei ich selbst das in dieser unperfekten Welt für fragwürdig halte. Es wäre trotz allen Mißbrauchs durch unbefugte (der natürlich aufgeklärt werden muß) immer noch besser, sich auf die Möglichkeiten zu konzentrieren, die man im Tausch gegen den Verlust der Privatsphäre bekommt.

Ob man das will, kann jeder selbst entscheiden und ist weiterhin freiwillig. Telefone und Internet sind Gebrauchsgegenstände und Infratstrukturen wie Autos und Straßen. Nicht jeder benutzt sie gern und gefährlich sind sie auch. So wie das Leben. Entdecken wir die Möglichkeiten. Trotz der Gefahren.