Der Tag, an dem ich mir Chuck Norris greifen wollte

1997, 18:30 Uhr abends nahm ich in meiner Kneipe in Belzig den Hörer vom Festnetztelefon, drückte auf „Lautsprecher“, wählte erst die südafrikanische Auskunft und dann den Regierungssitz in Pretoria. Eine nette Dame am anderen Ende des Planeten fragte auf Englisch, wie sie mir helfen könnte. Ich sagte, dass sie lieb ist und ich sie jetzt schon leiden kann.

Die Dame lachte und antwortete, dass ich auch nett sei, sie sich über meinen Anruf freut und fragte, was sie für mich tun kann. Ich bat sie, mich schnell mal mit Präsident Nelson Mandela zu verbinden, nur für eine Minute.

Gern, ich sollte einen Moment warten und bitte dran bleiben. Dann kam 5 Minuten lang afrikanische Wartemusik… aber kein Mandela, denn der hatte angeblich gerade das Büro verlassen und Feierabend. Toll, dachte ich mir. Noch so einer, der nur an den Feierabend denkt. Gut, es war bereits Halb Sieben. [Südafrike ist in der selben Zeitzone wie D-Land.]

 

Was hätte ich mit Nelson Mandela besprechen können?

Ehrlich gesagt, nichts wichtiges. Pillepalle. Ich hätte ihm die Wahrheit gesagt und nur den Grund meines Anrufes genannt.

Um meine Gäste, englischsprachige Bauarbeiter, zu unterhalten, betrieb ich manchmal Telefonscherze und stellte dabei auf laut. Das Festnetztelefon war über einen extra Verstärker an die Stereoanlage angeschlossen, so das jeder die Telefonate mithören konnte, wenn ich das wollte. Nicht mehr und nicht weniger hätte ich ihm gesagt. Und vielleicht noch, dass wir am gleichen Tag Geburtstag hätten.

Dasselbe versuchte ich beispielsweise noch mit der neuseeländischen Anwärterin als Premierministerin, die sich gerade im Wahlkampf befand. Und wiederum bei weiteren australischen Politikern. Alles erfolglos. Die Telefonnummern bekam ich teilweise von meinen Gästen, die von dort her kamen.

Mit der Queen hätte ich es auch gern mal versucht, aber Abends wäre das wirklich aussichtslos. Meine Telefonrechnung war trotzdem schon ziemlich hoch. Aber die Gäste haben gesoffen und gegessen, meine Fresse. Und dann meist nur das teure Zeug. Da telefoniere ich gern mit Politikern, die mich nicht sprechen wollen.

Aber nur anzurufen ist nichts für richtige Männer. Und einen Mann wollte ich zur Abwechslung mal persönlich gegenüber stehen. Nicht irgend einen. Natürlich ohne mich vorher anzumelden. Ich wollte Chuck Norris erwischen, selber, persönlich, und nahm mir 1998 dafür etwas Zeit und eine Maschine nach Texas.

 

Erst mal eine Rauchen

Meine oben erwähnte Kneipe in Deutschland hatte ich zu dem Zeitpunkt schon verkauft. So war ich frei und konnte mich anderen Dingen, also Kneipen, widmen.

Auch wenn es sich hier so liest, ich bin nicht extra wegen Chuck Norris nach Dallas, TX geflogen. Ich hatte andere Gründe. Aber wenn ich nun schon mal da war…

Damals hatte ich noch kein Internet. Meine Informationen bekam ich relativ einfach und schnell. So könnte ich ja jederzeit recht unkompliziert [manche nennen das naiv] in die damalige Lone Wolf Cigar Lounge hinein spazieren und fragen ob Chuck da ist. Und wenn es nicht klappt, kein Problem, dann probiere ich es halt nochmal. Ich hatte ja Zeit. Gesagt, getan.

Image by Lone Wolf Cigars
Image by Lone Wolf Cigars

Die Lone Wolf Cigar Lounge (ich glaube es gab noch eine in L.A.) gehörte zu dem Zeitpunkt noch Chuck Norris und Jim Belushi. Das Geschäft samt Tabakhandel haben sie dann so um die Jahrtausendwende verkauft.

Als ich das erste Mal den Laden betrat, war wenig Betrieb, so konnte ich mich in Ruhe mit dem Bartender unterhalten, der nur meinte, um Chuck zu treffen habe ich mir leider den falschen Zeitpunkt ausgesucht. Ein Satz wie eine Drohung.

Das Problem ist, dass Chuck Norris zu dem Zeitpunkt mit der Familie nach Nagano, Japan in den Urlaub geflogen war. Der wollte sich dort die komplette Winterolympiade ansehen und käme erst zurück, wenn die vorbei wäre. Kein Witz!

Die hatten in Nagano doch sicher Parallelveranstaltungen, die sich zeitlich überlagerten?! Aus heutiger Sicht klingt das fast wie einer dieser Chuck Norris-Witze. Aber das war die ernst gemeinte Aussage des Mannes hinter der Bar. Schade, Chuck konnte ich nicht greifen. Aber ich habe viel erfahren und mich lange und gut mit dem Mann an der Bar unterhalten.

Ich erfuhr zum Beispiel, dass Norris, neben den Zigarren in jenen Laden, auch sogenannte Lodges betreibt, also Hotel-ähnliche Einrichtungen, teilweise mit Glücksspiellizenz. Die Schauspielerei war für ihn nur noch Nebenerwerb.

Aber was interessierte mich zu diesem Zeitpunkt, spät am Abend noch Chuck Norris. Der Mann hinter der Bar war das eigentliche Highlight. Nicht berühmt, aber angenehm und unterhaltsam. Er konnte gute Geschichten erzählen, vielleicht besser als so manch Prominenter. Ich fand es gut [und kam daher am nächsten Tag noch einmal auf ’ne Zigarre].

Der Barmann sagte noch, Eric Norris, Chuck’s Sohn, wäre in Dallas und wollte angeblich noch vorbei kommen. Ich könnte ja mit ihm eine Zigarre rauchen. Auf den wollte ich nicht warten, der Mann gab mir nach ein paar Drinks die Visitenkarte vom Laden und fragte, ob er meine Nummer haben kann, falls Chuck Norris zurück kommt. Ich sagte, das wäre nicht nötig und ich hätte sie eh nicht im Kopf, eine Karte hatte ich nicht. (Ich glaube, der fragte nur aus Höflichkeit.)

…denn wer will schon, dass Chuck Norris seine Privatnummer hat. Und irgendwann, wenn man es nicht erwartet, anruft. [Danach sind hier in Bad Belzig wohl alle Leitungen tot und parallel entsteht ein riesiges Funkloch.]

Als ich in der selben Nacht noch in eine andere Bar ging um einen letzten Drink zu nehmen, sah ich, wie dort die Band gerade abbaute. Da sagte mir jemand stolz wie Oskar, dass Kevin Bacon zusammen mit seinem Bruder gerade hier gesungen und sich bei jedem Gast zum Abschied persönlich per Handschlag mit ein paar netten Worten bedankt hat.

Ich sagte, dass ich in einer anderen Bar auch ein interessantes Gespräch mit jemanden hatte und eine sehr teure Zigarre spendiert bekam. In welch einer Bar passiert einem schon so was? So ein Abend ist einmalig und gute Gespräche selten.

Und wenn ich Kevin Bacon sehen will, dann kaufe ich mir eine Blu-ray. Und Chuck Norris? Für den reicht ’ne DVD.

Warum Du die Dinge mal aufmischen solltest

Gunsmoke tv show by CBS Televisionstill captured by Bill Strain

Ich gehe mal davon aus, dass du schon ganz gern die Dinge aufmischst oder es insgeheim gerne tun würdest.

Aber um es richtig zu machen, braucht man die passende Gelegenheit dafür. Und die kannst du dir nach und nach schaffen.

Ich gehe noch darauf ein, warum du die Dinge aufmischen solltest. Dein Temperament ist hierbei auch dein Talent, dein spezieller Vorteil.

Gehen wir mal aufs Ganze. Dann mischst du so gern Dinge auf, dass du damit Gefahr läufst, bei bestimmten Leuten anzuecken.

Jetzt stellt sich die Frage, warum du das machst. Wohl wissend, dass du anecken könntest (und solltest — siehe weiter unten), denn dies gehört zum Geschäft, hier die Antwort:

 

Weil du gesellig bist

Du bist einfach ein geselliger Typ. Egal ob es jemand anderes so sieht oder nicht, du bist es. Sieht er es nicht, dann bist du momentan nicht damit beschäftigt, irgendwas aufzumischen. Aber du könntest es jederzeit tun, wenn du wolltest.

Jemand, der wirklich ein geselliger ‚Typ‘ ist, egal ob Frau oder Mann, der hat gar keine andere Wahl, als bestehende Strukturen aufzubrechen. Sei es als Gast auf einer Party, als Teilnehmer auf einer Konferenz, als Aussteller auf einer Messe oder als Gewürzspinnen-Händler am Markttag im beinahe-Ortszentrum von Trunkenbrunn-Suffhausen.

Die eben genannten unterschiedlichen Situationen oder Szenarien ähneln sich von ihrem sozialen Charakter her sehr.

Ein gewisses Aufmischen der bestehenden Ruhe, Ordnung oder Aufmerksamkeit gehört dazu, weil du damit die Beteiligten an das heranführst, was sie doch eigentlich dort suchen. Das wäre Unterhaltung, Spaß, einen guten Deal, etwas Besonderes, eine neue Idee, einen Partner, eine Beschäftigung für die Gören oder einfach sich die Kante geben.

Ohne dein Zutun (Aufmischen) würden die meisten die eben gannten Dinge, von denen es unzählige Varianten gibt, verpassen und der Tag wäre umsonst. Nicht nur für dich, sondern auch für die. Das heißt, hast du was, dann zeig es so, dass derjenige, der es sehen soll, gar nicht anders kann, als es zu bemerken. Eben so, dass man es sehen muss.

 

Falls du mal keine Möglichkeit hast, die Dinge aufzumischen

Dafür gibt es feinere und subtilere Möglichkeiten, sich durchaus bemerkbar zu machen. Sogar ohne dass du selber an vorderster Front irgendwas dafür tun müsstest. Das geschieht durch Symbole, mit denen man schon zeigen kann, wie du bist oder wer du bist oder was du zu bieten hast.

Beispiele wären die Wahl der Kleidung, ein bestimmtes Getränk in einer Bar zu bestellen, eine bestimmte Sprechweise (Wortwahl, Ton, Ausdruck, Akzent) oder ein unübliches (nicht zwangsläufig teures) Fahrzeug. Eben Unangepasstheit.

 

Statt Aufmischen eskalieren lassen

Man kann auch durch nicht mitmachen bestimmter gemeinschaftlicher Rituale plötzlich in den Vordergrund rücken und sogar Spaß dabei haben. Solche Situationen spielen sich meist innerhalb weniger Sekunden ab.

Gruppenfotos sind so ein Beispiel. Dabei ordnen sich die Leute von allein. Sie stellen sich meist wie von selbst so hin wie man es erwartet. Das ist eine Mischung aus Herdentrieb und Anpassung.

Bleibe dabei etwas außerhalb der Gruppe, so dass du gefühlt nicht mehr aufs Foto passen würdest. Achte dabei auf den momentanen Chef oder die zur Zeit bestimmende Person.

Das ist jetzt der Fotograf und höre, was er dir sagt und tue es. Der wird dich so prominent positionieren, dass du als erstes auf dem Foto ins Auge fällst.

Schiebst du dich von allein oder zu bemüht in den Vordergrund, dann macht der Fotograf das Gegenteil und versteckt dich womöglich noch hinten ans Ende und drückt nicht ab bevor du hinten stehst. (Auch das zu wissen kann für manch einen hilfreich sein, aber das ist ein anderes Thema.)

 

Langweilig…

Ich persönlich mag es nicht, wenn es irgendwo langweilig ist. Man selber hat aber immer die Möglichkeit diese Langeweile zu durchbrechen. Selbst wenn gar nichts geht, kann man den Ort immer noch verlassen. Du kannst ja hektisch sagen, es wäre ein Notfall.

Langeweile ist ein Notfall. Wenn du das nicht tun möchtest, was ich verstehe, hier ein Tip:

Aufgezwungene Langeweile aktiviert kreative Gedanken. Falls du nach einer Lösung für ein bestimmtes Problem suchst, kann durch die Veränderung deiner Umgebung oder deiner Situation, kombiniert mit Nichtstun die Lösung sozusagen erdacht werden. Also immer was dabei haben, um die Gedanken festzuhalten. Ein Notizblock, dein Smartphone, einen Papagei, was auch immer…

…gelingt dir das, dann hast du dich zur Abwechslung mal selbst aufgemischt. Letztendlich ist das die beste Art und definitiv der Anfang, um die Dinge woanders aufzumischen.

Musst du als Kunde alles wissen?

Image by EvelyGiggles

Kunden müssen nicht alles wissen. Sie müssen auch nicht alles kaufen. Aber dir als zahlenden Kunden die Informationen direkt zu geben, die dich wirklich als ‚Konsument‘ betreffen, interessieren und aufklären, ist eine erfahrbare Erweisung von Respekt.

Jeder, der was verkauft, sollte seinen Kunden respektieren. Tut der Anbieter es nicht, fühle ich mich schon verarscht. Zumindest ein bisschen.

Hier mal zwei typische Produkt-Beispiele, die Kunden oft zu recht beklagen und dann trotz guter Angebote verärgert (nicht respektiert) zur Konkurrenz gehen:

Ist der Whisky kühlgefiltert, gefärbt und wie alt ist er? Ferner, was für Fässer wurden verwendet? Ich will nicht erst eine email schreiben und nachfragen. Das gehört aufs Etikett. Und zwar klar und deutlich

Ist das Motorrad Euro3 oder Euro4? Was wiegt das Ding wirklich, vollgetankt und nicht „trocken“. Und haben die Zubehörteile für Deutschland eine Betriebserlaubnis? Ich will nicht erst den Händler nerven. Solche Angaben gehören in den Prospekt, auf die Website. Sichtbar, klar und deutlich.

Es kommt neben den eigentlichen Zweck einer Sache (Genuss, Leistung, Status) auch auf das Vertrauen an, dass wir den Angaben entgegen bringen. Wir wollen was damit anfangen können. In der Praxis, weniger im Labor.

Und ja, vergleichen wollen wir auch. Wir wollen wissen, was der Master Distiller für tolle Aromen bei einem 5-jährigen Whisky aus den Fässern heraus geholt hat. Und wir wollen wissen, ob das Motorrad immer noch nach Motorrad klingt, wenn alles im gesetzlichen Rahmen bleibt. (Wie gesagt, nur so als Beispiele.)

 

Zahlen bedeuten Standardisierung und Vereinheitlichung

Nummern und Mengen sind ein gutes Beispiel. Ich sage mal, es kommt darauf an, wem die Zahlen nutzen.

Zahlen machen Alltagsdinge (Produkte, Messwerte, Mengen) vergleichbar. Aber ihre Bedeutung verweilt nur kurz.

Nämlich bis zur nächsten Zahl, die einen noch höheren (oder niedrigeren) Wert angibt. Bei vielen Produkten sind Zahlen das einzige Verkaufsargument (PS-Leistung, Preis, Gewicht, Schuss pro Magazin). Und bei vielen Menschen sind Zahlen ein Statussymbol (Einkommen, Facebook-Freunde, Oberweite).

Da gab es den Hubraum vom teuren Auto, das Alter vom geliebten Whisky oder die Körpermaße eines weiblichen Models. Letzteres hält sich am hartnäckigsten, obwohl gerade dieses Model-Beispiel mir die Sinnlosigkeit von nackten Zahlen vor Augen führt.

Das ist wie mit dem eigenen Körpergewicht, wo man sich nur auf die Anzeige der Waage verlässt, obwohl jeder Blick in den Spiegel schneller, präziser (und gnadenloser) urteilt.

Zahlen blenden und begrenzen die Gestaltungsmöglichkeiten. Denn Kunst kann man ja nicht so einfach an Zahlen messen.

Aber bei vielen Dingen helfen Zahlen, eine Sache, genauer ein Produkt, zuzuordnen. Und mal ehrlich, eine Frau ist doch kein Produkt. Aber ein Produkt ist ein Produkt.

 

Etikettenschwindel

Kein Etikett berichtet über alle relevanten Fakten. Denn alle Fakten anzugeben würde ablenken vom Wesentlichen. Und das ist der Haken.

Das Wesentliche muss angegeben werden, und dazu gehören wesentliche Zahlen. Manchmal genügt eine, meinetwegen hinten und in klein. Aber sie gehört genauso drauf wie alle relevanten Inhaltsangaben. Und relevant bedeutet relevant für den Kunden. Besonders dann, wenn er doch viel Geld dafür bezahlen soll.

 

Featureritis

Produkte mit immer neuen Funktionen vollzustopfen anstatt Qualität und realen Gebrauchswert zu steigern ist genauso respektlos wie fehlende oder weggelassene Angaben(, die der Kunde unbedingt haben will – wofür er freiwillig zahlt). Das nennt man dann Featuritis oder Blähware. Hier weiß der Kunde, was er will. Aber der Anbieter nicht, weil jener den Kunden ignoriert. Ignoranz ist respektlos.

Leider bekommst du als Kunde womöglich das, was du nicht haben willst. Und musst dafür zahlen.

 

Wenn wir Geld dafür ausgeben

Man will eben was messbares, eine Größenordnung, um zu wissen woran man bei irgend etwas ist.

Wem vertraue ich mehr? Den Geheimniskrämer mit bunten Bildern und schwammiger Werbung (auch „Marketing“ genannt)?  Die zuckende Hipster-voll-in-die-Fresse-Werbung verkauft nicht unbedingt das Produkt. Sondern den Kunden für dumm.

Oder wollen wir ehrliche Transparenz, die uns sagt, was wir letztendlich wirklich bekommen? Selbst dann, wenn die Zahl nicht sehr hoch ist.

So können wir die Handwerkskunst doch noch mehr schätzen. Wegen der Zahl. Auch und gerade wenn diese eher ‚klein‘ ist.

Du hast die Wahl: Eine Flasche Whisky ohne Altersangabe (bei Scotch sind per Gesetz 3 Jahre Minimum), einen mit 10 Jahren Alter oder einen mit 18 Jahren? Jede davon kostet €30. Welchen würdest du nehmen? Ich denke, die Frage würde eher lauten, welchen du nicht nehmen würdest. Denn ein 10er kann manchmal besser sein als ein 18er. Aber der ohne Altersangabe ist die Katze im Sack. Punkt.

Oder beim Zweirad-Händler: Ein Motorrad mit 4 Zylindern und 150 PS kostet €10.000, eines mit 3 Zylindern und 135 PS kostet €12.500 eines mit nur 2 Zylindern und 77 PS kostet €15.000. Das erste ist ein japanisches, das zweite ein englisches, das dritte ein amerikanisches Modell. Jedes verkauft sich, teilweise sogar, weil der offensichtliche „Mangel“ (Gewicht, Zylinder/Winkel, Sitzhöhe) der eigentliche Kaufgrund ist.

Ich will nicht unbedingt wissen, wer mehr oder weniger von irgendwas hat. Oder ob ich statt 200 PS Irgendwo 205 PS bekomme. Wenn es weniger ist, aber sehr gut, dann nehme ich es und bezahle dafür gern [mehr].

Aber ich will zum Henker wissen, was überhaupt drin ist.

Die richtigen Infos bedeuten nicht nur MehrWert, sondern – ich wiederhole – Respekt gegenüber dem Kunden. Diese Angaben heraus zu rücken kostet nichts. Aber der Kunde zahlt oftmals genau dafür etwas mehr. Er will respektiert werden, wenn er schon (etwas mehr) bezahlt. Ich übrigens auch.

Trumps of Anarchy

Hair Force OneStock image by Cage Skidmore (modified by Lutz Finsterwalder)

Als The Donald als Sieger der Präsidentschaftswahlen endlich feststand und dann langsam ans Rednerpult schwebte, hab ich mich vor Lachen nicht mehr eingekriegt. Clinton gegen Trump, das war Böse gegen Böse, wie Alien vs. Predator.

Donald’s Gesicht sah nicht müde aus, im Gegensatz zu seinen Begleitern, insbesondere von Sohnemann, der als Trump’s Minime verkleidet war.

Trump’s Gesicht sah eher aus so wie das eines Katers, der gerade das bunte und immer so lieblich singende Vögelchen gefressen hatte, das Presse, Machteliten und Steinmeier so lieb hatten.

Letzterer war in tiefer Trauer, dazu lieh er sich Merkel’s Mundwinkel aus. — Und jetzt? Ich bin höchst erheitert, dass ein „Bösewicht“ plötzlich die Welt beherrscht. Ich schreibe ungern über Politik. Aber das hier ist Entertainment auf höchster Ebene. Das ist The Apprentice auf Steroide.

Jetzt ist Trump überall. Jetzt kennen ihn auch die Deutschen. Ich erwähnte ihn in diesem Blog bereits 2013, besuchte den Trump Tower 1994 zusammen mit einem Kumpel und weiß von ihm seit 1988 (damals war ich noch DDR-Bürger).

Neu ist: Jeder Politiker und jeder Presseheini erschafft sich jetzt seinen eigenen Trump. Einer verrückter als der andere. Nun haben wir auf einmal viele Trumps. Ich habe mir auch mal zehn Trumps erschaffen, wobei ich zwischen Meinung und Satire hin und her gerissen bin:

 

 

TRUMP 1: Der Hund

Image: Kagan/Finsterwalder

Die Welt der Etablierten schwankt. Das ganze Kartenhaus von Arroganz und Überheblichkeit von Politik und Medien bricht zusammen. Deren Ideologie ist nicht mehr im Amt. Und das sieht man Steinmeier an.

Das ist es, was er betrauert, deshalb macht der so eine Miene.

Steinmeier hat nicht Angst um seinen sicheren und hochdotierten Beamten-Job als Außenminister mit anschließender Vollpension. Sondern dass jede Konfrontation mit dem Thema „Präsident Trump“ mach dem 8. November einen Gesichtsverlust für ihn bedeutet.

Jedesmal wenn er „Präsident Trump“ hört oder nur denkt bekommt er innerlich einen Stromschlag.

Und als Steindussel sein Statement nach der Wahlnacht zum schlechstesten gab, wirkte er, als wenn jemand den großen bellenden Köter aus dem goldenen Zwinger ließ, den er zuvor aus sicherer Entfernung mit Steinen gemeiert hatte.

Und so merken das die vielen kleinen Steingnome (die Jasager aus Politik und Medien) jetzt auch. Eben hysterisch, unglaubwürdig, rechthaberisch, ängstlich. Und vor allem verärgert.

The Donald muss gar nichts tun. Er muss nicht mal da sein. Er wirkt trotzdem. Siehe: Er ist ja jetzt, 2016, noch nicht mal im Amt.

 

 

TRUMP 2: Die Strafe

Image: Kagan/Finsterwalder

Führungsgremien haben in Hillary’s Interesse Bernie Sanders ausgebotet, was undemokratisch ist und viele zu schlimmeren Prostestwählern machte als sie es mit Bernie wären.

Das unvermeidliche, aber amüsante Resultat:

Statt einer Veränderung zum Positiven mit Sanders, gibt es jetzt Spiel und Spaß mit Trump wie früher nur bei Julius Cäsar.

Strafe muss sein.

 

 

TRUMP 3: Die Praxis

Image: Kagan/Finsterwalder

The Donald liebt einfache Lösungen, da sie praktisch sind. Da wird geredet vom „Einzug ins Weiße Haus“, „ins Oval Office“. Wozu dieser Umzugsstress in ein altes Pillepalle-Häusle mit Schimmel an den Wänden aus Lincoln’s Zeiten?

Wer soll dort in Washington einziehen? The Donald etwa? Das ist dem viel zu popelig und zu karg. Der würde sich ja verschlimmern, denn er ist als Milliardär und Immobilientycoon erheblich besseres gewohnt. Und zwar sein Leben lang.

Er wird bei seiner Amtseinführung symbolisch ins Weiße Haus einziehen, natürlich. Und er wird sich dort genüsslich ablichten lassen und sich in Szene setzen. Denn er liebt Trophäen wie er Geld und Frauen liebt. Hin und wieder wird er von dort auch eine Rede halten und gelegentlich einen Diktator begrüßen. Das wäre es auch schon, da es ansonsten einfach nicht trumpig genug ist.

Das heißt ganz einfach, die Welt, Frau Merkel und letztlich die USA werden jetzt vom Trump Tower aus beherrscht.

 

 

TRUMP 4: Der Islamische Staat

Image: Kagan/Finsterwalder

Kurz und Bündig gesagt: ISIS bekommt es mit The Donald zu tun.

Und der fackelt nicht lange.

Das zu wissen reicht eigentlich.

Und falls die Generäle maulen, das ginge nicht, zeigt Donald ihnen wie es geht:

Er kauft den „Islamischen Staat“ einfach auf und führt ihn wie eines seiner Casinos.

 

 

TRUMP 5: Das Dejavu

Image: Kagan/Finsterwalder

Momentan mache ich Honecker’s Zeiten noch einmal durch. Zumindest auf die mediale Berichterstattung bezogen.

Wie damals in der Ostzone Anfang der 1980er über Ronnie „Raygun“ Reagan nach seiner Wahl gejammert und hergezogen wurde, so jammert und grantelt jetzt die deutsche Nomenklatura samt ihrer Agitatoren [ich meinte Journalisten] über The Donald.

In US-amerikanischen Medien ist es eher geteilt. Entweder Pro-Clinton oder Pro-Trump. In Deutschland gibt es nur Pro-Clinton.

Dazu kommt noch ein kleines, aber feines Ärgernis: Die gesamte Mainstream-Presse hatte am Vorabend der Wahlen ihre Titelblätter samt Titelgeschichten und Lobhudeleien für eine „Präsidentin Clinton“ nämlich schon fertig ausgearbeitet, größtenteils gedruckt. Dann mussten sie den ganzen Mist wieder zurück rufen. Jetzt geht mit denen der Gaul durch.

Trotz allem: Von meinen amerikanischen Bekannten und Freunden, von denen ich weiß, wen sie wählten, haben die meisten tatsächlich Hillary oder (aus Protest) Jill Stein gewählt. [Und somit offenbar ihre Stimme zugunsten v. Trump verschwendet.]* Nur eine Hand voll stimmte für Donald. Aber die meisten Amis, die ich kenne sind linksliberal. Die hatten damals auch Bush nicht gewählt…

…aber Nixon hatte angeblich auch keiner gewählt…

 

 

TRUMP 6: Die Geschäfte

Image: Kagan/Finsterwalder

Journalisten, vor allem die stets betroffenen Deutschen, verstehen keinen Spaß. Donald ist doch lustig. Spannend ist er obendrein. Und alles ist schön echt, mit echter Macht und so.

Für viele Germanmen und Germanwomen ist er wie die materialisierte Figur einer fiktiven Seifenoper, in der jeder mit macht. Allerdings ohne Drehbuch und daher umso spannender. Man fragt sich bange, was der Typ wohl als nächstes ausheckt. Ich liebe diese Form von gefühlter Anarchie.

Für manche Amerikaner ist der neu gewählte POTUS* ein John Gotti, ein King of New York oder King of America. Für manchen ist er eine Art amerikanischer Berlusconi oder besser, wie ein durch politische Dummheit anderer verbeamteter Mafia-Boss. Und damit ein hausgemachtes Problem von „demokratischen“ Politikern um Clinton.

Von Politikern erschaffene, aber unerwartete und danach nicht mehr beherrschbare Probleme gab es schon vorher. Allerdings noch nicht in dieser Dimension und mit dieser Bumerang-Wirkung. Trump ist ein Bumerang elitärer Hybris.

Aber genießen wir es als Naturschauspiel, ähnlich als wenn eine Hyäne ein Schwein reitet. Das hat was. Denn auch vom Glamour und der Großspurigkeit her steckt The Donald sogar staatsmännische Paradiesvögel wie Ceaușescu, Ludwig den XIV. und Herman Göring locker in die Brioni-Tasche.

Aber für Putin ist The Donald wohl eine Art Super-Schröder XXL. Ein Deal ist dann schnell mal unter Dach und Fach. Beispiel:

Ein Tausch von Alaska gegen jeweils fünf extra frei geräumte Baugrundstücke in bester Lage mit Glücksspiellizenz im Zentrum von Moskau, Wladiwostok und St. Petersburg wäre nur eine Anregung.

* (President Of The United States)

 

 

TRUMP 7: Der Russe

Screenshot cutout. Original image by PBS Team Coco.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Siehe oben.

 

 

TRUMP 8: Der Weiße Alte Mann

Image: Kagan/Finsterwalder

Nochmal zurück zu Steinmeier. Der hatte Trump nämlich als Haßprediger beschimpft. Olle Steingeier sollte sein Geschimpfe mal gegen die Leute richten, die ihren Haß gegen die „Weißen Alten Männer“ auslassen.

Die Medien meinen damit die von denen frei erfundene „Truppe“ um Trump herum, ein sogenanntes „Gruselkabinett“, dass es noch gar nicht gibt. Die einzig realen Gruselkabinette befinden sich derzeit in Berlin und Brüssel. Nicht in Washington.

Aber tun wir mal so, als ob Trump eine Steilvorlage für deutsche Journalisten liefern würde.

Darüber, wer mit Hairy Donald regiert, wird viel spekuliert. Ich spekuliere nicht, ich mache konkrete Vorschläge, auch mit ein paar richtigen Haudegen, die natürlich alt und weiß sind. Das ist zwar noch kein Verbrecheralbum, aber ein Versuch:

Frédéric Prinz von Anhalt hat sich schon als Botschafter in Berlin angeboten. Na geht doch!

Außenministerin: Sarah Palin.

Verteidigungsminister: Joe Pesci

Arbeitsminister: Donald Trump Junior

Modeministerin: Ivanka Trump

Justizminister: Ein Freund von Trump

Finanzminister: Bernie „The Weasel“ Madoff (Wie? Siehe Justizminister.)

Bildungsminister: David Miscavige [Nennt sich dann Trumpology, halb Trump University, halb Scientology]

Minister für Heimatschutz: Clint Eastwood

Showminister: Regis Philbin. (The Donald hört ihn so gern reden.)

Wenn Trump das nur ungefähr so hinbekommt, dann ist die Muppet-Show perfekt. Aber keine Sorge. Falls es generell schwierig wird, Leute zu finden, dann lässt er sein zukünftiges Kabinett im TV in einer Bewerbungsshow antanzen. Ganz wie im alten Rom. Das nennt sich dann Game of Trumps.

 

 

TRUMP 9: Das Ziel

Image: Kagan/Finsterwalder

Was The Donald alles verhindern und beenden will, das wissen wir.

Was er erreichen oder wie das Land nach vier Jahren seiner Präsidentschaft aussehen soll, dass wissen wir nicht.

Donald auch nicht.

Dass muss er sich erst noch überlegen.

 

 

TRUMP 10: Die Show

Image: Kagan/Finsterwalder

Die Amtseinführung wird zur Krönung. Seine Frisur ist ohnehin eine Art Krone. Dabei ist das Amt des Präsidenten eigentlich viel zu klein für The Donald. Da geht noch was. Zumindest wird er dafür sorgen, dass er täglich in den Schlagzeilen steht. Die Medien sollten ihn danken, dass er zuverlässig liefert.

Außerdem wird es eine Dauerorgie für amerikanische Komiker. Ich freue mich auf 4 Jahre Unterhaltung.

Ehrlich, wenn es so jemand ins Amt des US-Präsidenten schafft, der verdient vorab schon mal den Comedy-Nobelpreis. Und zwar den besten, schönsten und großartigsten von allen Comedy-Nobelpreisen.

Was, den Preis gibt es nicht? Das interessiert mich nicht. Und schon gar nicht The Donald.

 

Fazit 1: Gewinn

Ich habe als Jungspund einige von ihm diktierte und von Meredith McIver geschriebene Bücher im Original gelesen. Darin wurde mir eines klar.

Der Mann sucht tatsächlich neue Herausforderungen, meist solche, die ihm weg vom (für ihn) wenig erfolgreichen, hin zum neuen Unternehmungen und damit erhoffte Anerkennung und Bewunderung bringen. Er will als Gewinner gesehen werden. Erst Immobilien, dann Glücksspielcasinos, dann Golfresorts, dann Fernsehshows, dann Bildung/Schulungen und jetzt Politik. Klappt es hier nicht, dann klappt es eben dort oder anderswo.

Ihm ist es daher nur wichtig, zu gewinnen. Egal wie. So wie ein Unternehmen Gewinn machen will, mit dieser Denke führte der seinen Wahlkampf. Jeden Schritt darüber hinaus macht er sich erst Gedanken, wenn es soweit ist. Der wäre auch für die Grünen angetreten, wenn es ihm eine Siegeschance oder nur genug Aufmerksamkeit gebracht hätte.

Mit einem Politiker hat der rein gar nichts zu tun. In dem Punkt haben die Einschätzungen der Medien meist recht, wissen aber nicht, dass er völlig anders tickt. Den geht es nicht um Rassismus und Mauer bauen. Sondern um härter im Wahlkampf zuzuschlagen, deutlicher, direkter zu sprechen, als es sich ein Berufspolitiker trauen würde. Er hat schlicht die Story seines „Kunden“, seines Wählers, erzählt. Dazu musste er nicht ehrlich sein. Und die Story von Clinton hat er gleich noch ungefragt mit erzählt und dagegen gehalten. Der fragt niemanden um Erlaubnis.

Mit dieser Machart ist er ein Alien. Und nur das Alien konnte dem Predator Hillary auch als solchen sichtbar machen. Dies hielt die Wahlbeteilung in Städten extrem niedrig (Verweigerung). Die übrigen wählten ihn.

 

Fazit 2: Ohnmacht und Wut

Die Wähler, die noch auf die nach herkömmlicher Ansicht wählbarere Clinton gesetzt hatten, fühlen sich jetzt nach der Wahl um ihr Land und ihre Gesellschaft, so wie sie sie kennen und lieben beraubt und betrogen. Hillary hätte alles bewahrt. Aber das wurde über Nacht geklaut. Zumindest fühlt es sich für jene so an. Das ist rein Emotional.

Es ist als wenn der eigene Vater dein Auto (Identität) klaut und zu Schrott fährt, dann besoffen lallend durch die Gegend zieht und deine (mexikanischen, muslimischen, schwarzen) Freunde beleidigt und bedroht. Dann zieht der beschämte Ami sich die braune Papiertüte über dem Kopf oder schwärzt seinen Avatar bei seinen Internetkonten. Oder randaliert, wenn er hart drauf und anarchisch genug eingestimmt ist.

Olle Donald wird unterhaltsamer, drolliger und schrulliger regieren als der glatte, elegante und perfekt lächelnde Obama.

In 4 Jahren beginnt das Schauspiel von vorn. Mal sehen, wer dann Schwein und wer Hyäne sein wird.

Oder Alien und Predator.

*Thank you Barry

Wie freiwillig in den Knast

Image by http://baddcentral.com/

Man sagt, stille Wasser sind tief, dass Leidenschaften im Verborgenen stattfinden.

Und dass geheime (aber gefährliche) Wünsche wahr werden.

Aber eines stimmt: Dass nur die wenigsten den Mumm haben, die innere Sau raus zu lassen.

Ja, die innere Sau raus und gefährliche Wünsche wahr werden zu lassen und (oft unterdrückte) Leidenschaften auszuleben sind hier im Klokain-Kartell was Gutes.

Oder mal so gefragt: Wieso sollten wir den wichtigsten Teil von uns, also den verrückten Teil, wegsperren, nur weil es die gesellschaftliche Norm so verlangt?

 

Deine wahre Natur

Höre nicht auf andere, was gut für dich sei. Das ist es nie. Falls du selber mal den altklugen Ratschlag austeilen willst, man solle sich fügen und mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben, dann sag es zu Leuten, die du nicht leiden kannst.

Für dich ist es besser, du hörst ernsthaft auf dich. Mal angenommen, du hast einen Traum oder eine verrückte Idee, die schon länger in deinem Kopf herum spukt. Die hast du. Aber warum hast du die? Weil jene deiner Natur entspricht, und somit deine Leidenschaften und damit Stärken verrät.

Nun rät dir jemand davon ab, weil es ein Traum ist und weil er/sie vorgibt, das es nur in „deinem“ Interesse wäre, davon abzurücken. Dann handelt derjenige – wie auch immer – gegen dich, gegen deine Natur, gegen dein Wohlbefinden, deine Interessen, Talente und dein Glück. Und nicht eines davon passiert, z.B. Glück, wenn du dich beugst.

Wenn du darauf hörst und dich wider deiner eigenen Natur verbiegst, dann ist es so, als ob du dich freiwillig in den Knast einsperren lässt, nur weil dich jemand vor dem eigentlichen Leben bewahren will, der selbst nicht lebt. Der oder die will wohl, dass du ihm oder ihr in den H-Blocks alias ‚Hölle der Hoffnungslosen Heileweltspießer‘ Gesellschaft leistest.

Oft ist das beste, was das Leben für dich zu bieten und heraus zu holen hat, in irgend einer Form mit Gefahr verbunden.

Das macht auch die Faszination des Lebens aus. Lebst du aber frei von jeglicher Gefahr, dann lebst gar nicht. Dann bist du schon tot. Lebst du gefährlich, aber kontrolliert, weil du es kannst, dann strahlst du das aus, was andere suchen: Sicherheit, Souveränität und Vertrauen. Klingt paradox, ist aber so.

Die Wahrheit ist, jede Situation deines Lebens birgt Gefahr in sich. Du musst nur die Situation finden oder kreieren, die es wert ist, für dich gefährlich zu sein. Richte dich danach aus.

Wer trotzdem auf Nummer Sicher gehen will, der kann schon mal eine Zelle im beschaulichen Hotel Zum Gitterblick buchen. …aber selbst dazu musst du was gefährliches tun. Verrückte Welt. Sei am besten gleich noch verrückter.

[Die Bikerin auf dem Bild oben, Nancy Aurand, war als das Photo geschossen wurde 96. Die blaue 1941er Indian, auf der sie sitzt, kaufte sie damals neu und spulte unzählige Meilen damit ab. Respekt!]

Warum die Leute immer dümmer werden

Original image by Laura Lewis

Eine Freundin verriet mir vor ein paar Monaten gleich nach der Begrüßung: „Du Lutz, ich glaube, die Leute werden immer dümmer. Merkst du das auch?“ (Ja, tue ich.)

Daraufhin erzählte sie mir von Beispielen, die mir seltsam bekannt vorkamen. Denn ich kenne das bereits aus eigenen Beobachtungen. Ich suchte nach Gründen und Ursachen, um dieses Phänomen zu erklären. Leider gelang es mir nicht.

Da blieb mir nur eines zu sagen, und zwar: „Ja, du hast recht. Und das ganze ist unheimlich.“

Ich frage mich aber nach wie vor, warum die Leute noch dümmer werden als sie eh schon sind. Ist es eine Seuche, die aus dem Leitungswasser kommt? Oder aus dem Auspuff von VW-Dieseln? Womöglich ist die fortschreitende Verdummung auch völlig normal — im Sinne von „Geht nicht anders“ beziehungsweise „der Tod fängt im Kopfe an und ist sowieso unvermeidlich“?

Ich erklär das mal an zwei Beispielen.

 

Erstes Beispiel — Der Nachbar

Wenn also jemand seinen 40-Tonnen-Sattelschlepper halb auf den Gehweg und halb auf einer Hauptstraße parkt – nur weil er dort wohnt, und das direkt gegenüber einem auch von (richtigen) Outlaw-Bikern besuchten Laden, wobei ein freier Parkplatz für Schwerlaster nur 2 (zwei!!) Gehminuten entfernt ist, dann bezeichne ich diesen jemand als dumm.

Dieses Beispiel ist leider einen Tatsache. Der oben zitierten Freundin gehört, zusammen mit ihrem Partner, der Laden gegenüber.

Und der neue Nachbar mit dem besagten Sattelschlepper gehört der ganze Ort. Glaubt er. Die versnobte Frau dieses Nachbarn passt irgendwie zum Sattelschlepper, denn bei ihrem Arsch braucht sie selber einen.

Woher kommt dieses Verhalten? Aus dem Arsch der Ehefrau? Nein. (Oder doch.) Ein Grund liegt darin, dass jenes Paar eigentlich aus dieser Gegend stammt. Aber als ‚Ossis‘ vor ca. 15 Jahren nach Westdeutschland wegzogen. Nun sind sie wieder da, im Osten, und halten sich plötzlich für eine überlegene Art von Superwessis….

 

Zweites Beispiel — Party als Kulturschock

Alle paar Jahre wird man per Einladung dazu genötigt, auf Feierlichkeiten zu erscheinen, wo schon vorher klar ist, dass man dort nicht wirklich erwünscht ist (oder erkannt wird). Auf solchen Festivitäten scheint die Dummheit ihren von Hause aus stockdeutschen Ursprung nicht mehr verbergen zu können. Wie zeigt sich das?

Man will jemanden eine Freude machen, ihm zeigen, dass er oder sie „wichtig“ ist, indem man erscheint. Und was passiert dann? Man bereut es, überhaupt zugesagt zu haben, denn man ist nicht wirklich beliebt. Was vorher klar war, aber man vergisst, dass Deutsche ihr Weltbild ihr Leben lang aufrecht erhalten.

Bei mir entsteht dann vorerst der Wunsch, das Ganze so schnell wie möglich wieder verlassen zu wollen. Familienfeiern, Betriebsfeiern und Klassentreffen sind passende Beispiele.

 

Hey Stupid!?

Ab und zu kann ich mich nicht verweigern und nehme – wohl wissend der Gefahren – solche Einladungen an. Außerdem schlage ich Einladungen zu Parties nur ungern aus. Auch solche zu erwartbar schlechten.  Die werden dann trotzdem gut, denn ich bin ja da. Außerdem kann man nicht alle Menschen über einen Kamm scheren. Weil einige freuen sich, dich zu sehen und umgekehrt genauso.

Die sehr gleichförig dargebotene steif-sterile Kulisse beim diesjährigen Klassentreffen war surrealer als ein Tim Burton-Film. Der vorerst einzig herzliche Typ war ein 18-jähriger Ire, namens Jameson …nicht wirklich, ungefähr die Hälfte der Anwesenden hatte nicht nur den gleichen Eindruck wie ich. Sondern waren locker und gut gelaunt.

Ansonsten war es die langweiligste Feier, die ich seit 40 Jahren erlebt habe. Ist gerade einen Monat her und ich mache mir schon Sorgen ums nächste Mal. Die Passivität bei einigen Leuten war einmalig. Viele wirkten blockiert und abweisend-unterkühlt. Leider. Zu dumm, da man hätte man mehr raus holen können als nur eine linkische Begrüßung.

 

Dumme sägen gern an ihren eigenem Ast

Wenn jemand nicht bereit ist, sich weiter zu entwickeln [oder sagen wir sich zu öffnen], wird er automatisch dumm. Das passiert schleichend. So einer degeneriert zeitlebens, allein durch geistige [und emotionale] Stagnation. So jemand verschließt sich allem, was neu ist. Er lehnt fremde Leute ab und labt sich an den vermeintlichen Schwächen anderer, um sich toll zu finden. Ansonsten erfindet er Feinde. Oder praktischer, er erschafft sich welche.

Die Welt dreht sich doch weiter. Alles ist in Bewegung. Dummheit ist nichts weiter als zu glauben, die Welt drehe sich um einen selbst. Und wer das glaubt, der wird entweder selbstzufrieden… oder wenn das Kartenhaus zusammenfällt, verbittert. In beiden Zuständen wäre jede Weiterentwicklung völlig blockiert.

Was lernen wir daraus? Dummheit ist Blockade, gegen sich selbst und andere. Das zeigt sich in schwerwiegenden Fällen zum Beispiel in Form eines geparkten 40-Tonners, der eine Durchfahrtsstraße wochenklang blockiert, bis dieser Berufskraftfahrer trotz vorherigen Zuredens schließlich seinen Führerschein abgeben und sprichwörtlich zum Idiotentest muss… leider wahr …alles klar. (…und wie gut, dass es böse Biker mit Beziehungen zu den Bullen gibt. Herrlich.)

[11/01/16, Editiert.]

Was ist mit Bob?

Original Image by Alberto Cabello

Mal angenommen, so eine Schwedische Akademie will mir verklickern, dass ich für meine Verdienste innerhalb der deutschen Blogosphäre den Literaturnobelpreis verliehen bekomme.

Gern! Denn Bloggen ist eine Form der Literatur. Und sowieso: Ich hielt mich in meinem Größenwahn ja schon immer für den Bob Dylan unter den deutschen Bloggern. Warum?

 

Es ist schön dunkel hier

Mit 700 Posts gehöre ich zu den Top-Bloggern In D. Außerdem blogge ich ja gegen das System und so. Kommentare sind nicht erlaubt. Ich bin selten woanders zu sehen, außerdem wirkt das ganze durchaus schräg und soziophob.

Zumindest sieht es in den Sozialen Medien danach aus. Und wenn das Telefon klingelt, bekomme ich das nicht einmal mit. — Stummschaltung.

Falls es wider erwarten bei mir an der Tür klopft, dann halte ich die Luft an und verharre solange in Bewegungslosigkeit, bis der Störer aufgibt, weil er annimmt, niemand wäre da….

 

Spaß beiseite. Eigentlich ist es umgekehrt. Ich bin eher eine Art Forrest Gump und gehe naiv-aktiv auf Leute zu, die ich interessant finde. (Siehe auch vorletzten Absatz weiter unten.) Einige Klein-Blogger habe ich hier schon mal mit Beiträgen geehrt. Die haben sich dann verhalten wie Bob Dylan, nur mit dem Unterschied, dass jene bis dato völlig erfolglos waren. Und sie sind es immer noch. Deren Blogs sind tot, sprichwörtlich inaktiv. Ich habe sie ‚wegretuschiert‘.

Denn, eine 75-jährige nonkonformistische Musik-Legende, die es noch nie nötig hatte, sich zu verbiegen und ein angepasster Jungspund, der nur den schnellen Erfolg will, der dann – Überraschung – nicht kommt, sind nicht dasselbe.

Die Zeiten sind auch andere. Bob hat durchaus Freundschaften gepflegt. Und John hatte er nie einen Wunsch ausgeschlagen, selbst wenn es ihm gehörig gegen den Strich ging. Aber, wenn Leute, die Bob nicht kennen, ihn ohne zu fragen in deren Schublade (Literatur) stecken wollen, in die er nicht rein gehört? Was soll er da sagen? Nichts.

Was soll mit ihm sein? Nichts. Denn Bob ist Bob. Abgehobene Akademiker wissen das nicht und interessieren sich nicht für Personen. Aber ich nehme an, sie schmücken sich ganz gern mit berühmten Namen. [Das können wir hier auch…]

Wenn die Schweden sich gnädig herabgelassen und statt Bob Dylan, sagen wir mal, irgend einen kleinen dänischen Musiker den Preis gegeben hätten, der wäre 100%ig gekommen. Ich habe 1990 in Amsterdam mal mit so jemanden ein paar Bier getrunken. Und nachdem der sich ausgiebig über meinen Spitznamen lustig gemacht hat, kamen wir auf ein ähnliches Thema wie Preisverleihungen und dass manche diese ablehnen. Da verriet er mir, er würde jeden Preis annehmen. Jeden. Zur Not auch auch einen für Physik. Falls du einen Preis zu vergeben hast, der Mann kommt.

So, jetzt ist es 1 Uhr nachts und in Amerika gerade später Nachmittag. Ich ruf‘ mal Onkel Bob an. Vielleicht redet der auch mit mir. Dann sag‘ ich ihm, die Schweden sind doof.

[…und jetzt will Bob auf einmal kommen. Sagt er. Deswegen schreibe ich ungern zu aktuellen Ereignissen. Schönen Dank Bob.]

Originelles Verhunzen statt purer Langeweile

Image by NASA Goddard Space Flight Center

Ursprünglich und rein muss sein, was geht in deutschem Munde rein.*

In Deutschland liebt man das pure, unverfälschte. Nicht nur bei Speis‘ und Trank.

Internetauftritte, Farbzusammensetzung von Spielfilmen und TV-Serien, eigentlich alle visuellen Medien sind – sofern sie von Deutschen für Deutsche gemacht wurden…  blass.

Diese Blässe ist so unauffällig, dass genau diese ermüdet und langweilt. Das heißt, mit dem Bunten, dem Zusammenspiel von kräftigen und warmen Farben hat man es hierzulande nicht so.

Es ist entweder blass oder beißend schrill wie bei Asien’s Deutschen, also den Japanern.

Entweder erleben wir das eine oder andere extrem.

 

Minimalistisch bedeutet nicht puristisch

Klare Linien, beruhigende, leicht anzuschauende Formen sind ein eigenes Thema. Reduktion im Sinne von „weniger ist mehr“ ist wirklich Kunst. Komplexen Dingen nicht nur eine klare Formensprache zu geben, sondern auch funktionell zu vereinfachen ist ein Zeichen talentierter Designer. Habt ihr gehört, Yamaha?

Wenn ich mir bei Tageslicht beispielsweise aktuelle Autos ansehe, dann frag ich mich, wo tagsüber die talentierten sind? In der Bahnhofskneipe beim 12. Bier? Zusammengepfercht als Klatschvieh bei Helene Fischer im Publikum? Ausgestorben?

Jedenfalls scheint Talent nicht mehr zu zählen. (Hat es eigentlich noch nie.)

 

Ist das jetzt eine Form von Purismus?

Ich sage immer, das ist German Style, „a Gerrnan thing“, so wie der Drumcomputer aus den frühen Achtzigern, die harte Sprache a-la Mars Attacks, das zackige Nicken mit den Kopf, als Mittel der eigenen Emotionalität Ausdruck zu verleihen.

Und Purismus ist es auch. Selbstverständlich hat Purismus nicht viel mit Geschmack zu tun. Eher mit Analyse, mit Trennung, Unterscheidung, Zuordnung, Herkunft und Kontrolle. Es ist eher eine Weltsicht mit, wenn man es weit genug treibt, letztendlich Wissenschaftlicher Denkweise.

 

Das Gegenteil von Purismus heißt Original
Das Gegenteil von Rein bedeutet Vielfalt

Und es ist Verunreinigung. Zumindest aus deutscher Weltsicht. Denn seit 500 Jahren gibt es ein Reinheitsgebot für Bier. Angeblich. In Wirklichkeit wurde damals die Verfügbarkeit von Getreide – mit Ausnahme von Gerste – für den Lebensmittelanbau, also Brot gesichert. Das war eine Erfindung von Politikern, die heute noch gilt.

Allerdings nur in Deutschland. Genau das führt dazu, dass gerade deutsche Biere im Vergleich zu internationalen Sorten den kürzeren ziehen. Damit meine ich nicht die Industrieplörre von den Konzernen, für die jegliche Standardisierung hilfreich ist.

Sondern innovative Kleinstunternehmen und Gründer, die rein handwerklich gut gemachtes, ursprüngliches(!), also originales Bier, wie es früher einmal war, am besten herstellen könnten. Micro Breweries & Craft Beer sind Begriffe aus dem englischen. Blitzkrieg ist deutsch. Weil es seitdem in D nichts innovatives mehr gab. Nicht wirklich. Hier ist Reinheit heute ein starrer Vorwand, die Konzerne zu schützen. Und die Sicherstellung der Brotproduktion, wie es früher war.

Erst durch Verunreinigung entsteht was lebendiges, neues, komplexes und natürlich unübliches. Es entsteht Geschmack, worüber es sich nicht streiten lässt. Aber Geschmack ist wichtiger als der pure Ursprung.

Und Geschmäcker kann man schwer erklären. Ich meine jetzt nicht den Geschmack von Huhn. Sondern dass, was im positiven Sinne deine und meine Aufmerksamkeit erregt, weil es auf einmal interessant ist oder komplex. Oder neu und betörend. Das gilt für Architektur, Musikstile, Lebensstile, Frauen, Männer oder was es mittlerweile sonst noch gibt.

Neues entsteht entweder durch Zerstörung des Alten. Oder durch die Kombination von Vorhandenen. Quantenteilchen, Atome und Moleküle waren schon vorhanden, bevor es Leben gab. Was ist denn in unserer Welt noch pur und ursprünglich? Nichts. Gar nichts.

Statt nach Reinheit, Unverfälschtheit oder Purheit zu suchen, ist es besser und gewinnbringender, Einzigartigkeit zu (er)finden. Trifft diese Einzigartigkeit auf genug Resonanz, gilt sie irgendwann als das Original. (Und irgendwann ist in der heutigen Welt bald)


*Falls es den Spruch schon gibt, email mir den Link als erster – aber nur heute und morgen noch (17.&18.10.2016) – und ich schicke dir eine Flasche Single Malt. (Oder einen €100-Gutschein eines Online-Dealers, dann kannst du den Stoff selber kaufen.)

Der erste Dreck

Original Image by Maxwell Hamilton

Ein paar Dinge vorne weg zum Dreck:

Dreck ist das Gegenteil von steril. Dreck ist Leben und Action.

Dreck ist dynamisch und er erzählt eine Geschichte. Und jede Geschichte lebt vom Dreck.

Dreck ist immer echt. Und Dreck ist schmutzig.

 

Der letzte Dreck

…heißt es, um etwas oder jemanden nieder zu machen. Wenn es so was gibt, dann müsste es auch einen ersten oder zweiten Dreck geben. Das heißt, der meiste Dreck ist nicht der letzte, sondern noch einer davor. Ein etwas besserer Dreck sozusagen. Dann haben wir schon mal den vorletzten Dreck, irgend einen in der Mitte und natürlich auch einen ersten Dreck.

Dreck ist überall, egal, ob er an erster oder letzter Stelle steht. Er ist auch da, wo man ihn nicht sieht. In letzteren Fall ist er vielleicht nur unter den Teppich gekehrt oder gebleicht worden. Aber er ist immer noch da. Nur warum muss Dreck beim Normalbürger immer entfernt werden? Kein Tier tut das, außer Katzen und Waschbären. Richtige Künstler tun das doch auch nicht. Wobei einige von denen nicht dreckig, sondern eher schmuddelig und ungepflegt sind.

 

Kann man Dreck künstlerisch nutzen?

Ja.

 

Hat Dreck einen Wert?

Gib ihn einen und er hat einen. (Das ist nicht so einfach, deshalb geht dieser Beitrag weiter.)

 

Kann man mit Dreck Geld machen?

Nicht mit Dreck allein. Sondern nur mit den Dingen, die auch ohne den Dreck ihr Geld wert sind. Der Dreck wertet aber auf. Oder ab. Oder jemand will den Dreck los werden. (Reinigung, Entsorgung.) Du kannst saubere Dinge mit Dreck aufwerten. (Kunst.) Denn bestimmte Dinge sind erst dann richtig gut, wenn sie dreckig sind. (Abenteuer-Tourismus.)

Anders umschrieben: Wenn du Dreck liebst, dann zeig dich, wie du bist. Dreckig.

 

Keine Frage: Dreck macht Spaß

Da gibt es dreckige Worte für Autoren, dreckige Musik, dreckige Land Rover, dreckige Enduros und dreckige Straßen, damit es sich abenteuerlicher fährt.

Ich bin schon bei Schnee Motorrad gefahren. Nicht weil ich es musste, sondern weil ich es wollte. Warum? Der Sound war anders. Vom Schnee werden schrille und schnarrende Töne verschluckt. Zurück bleibt ein dreckiges sattes Bubbern, eines wie ich es auf trockener Straße nie zu hören bekomme.

Außerdem wird man schon verwundert beäugt, wenn man ein Bike mit Schnee und Matsch zwischen den Speichen mitten auf den winterlich eingeschneiten Parkplatz abstellt und einen abgesägten Hexenbesen in der Seitentasche zu stecken hat.

 

Original Image by Shawn Perez, Hynotica Studios

Ein Gefühl für Dreck

Dreck ist nicht immer schön. Aber Dreck ist ein schönes Stilmittel. Dreck kann sogar stilprägend sein.

Und Dreck sieht immer perfekt aus. Bei jedem und bei allem. Es gibt nie zu wenig oder zu viel Dreck. Dreck ist Dreck.

Die meisten können mit Dreck nichts anfangen. Alles muss immer wie geleckt (oder besser gelutscht) sein. Furchtbar. Und manche sind erstaunt, wenn sie hören, dass Dreck – je nach Betrachtrungsweise –  was gutes ist.

Ja, Dreck ist gut und fertig.

Möglichst immer glänzen zu wollen kann auf Dauer ganz schön anstrengend sein. Einfacher wird es, wenn du ein Gefühl für Dreck entwickelst.

Wahrheiten, die nichts bringen

Image by LWp Kommunikáció

Wenn du richtig Geld hast, ist es überall schön.

Wenn die Straßen leer sind, fährt es sich besser.

Wenn du Beziehungen hast, musst du sie pflegen.

Wenn du diesen Job hättest, dann hättest du mehr Geld.

Wenn du richtig einen gesoffen hast, ist jede Frau schön.

Wenn du keine Sorgen hast, dann ist die Welt ein Ponyhof.

Wenn du reichlich gegessen hast, schläfst du immer tief und fest.

Wenn du diesen Job nicht hättest, dann hättest du weniger Stress.

Wenn die Alte und die Kinder nicht wären, dann hättest du mehr Zeit.

Wenn du woanders wohnen würdest, dann hättest du andere Nachbarn.

 

Glaub‘ mir, alles davon ist wahr. Es ist genauso wahr, wie der Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Wahr, aber für die meisten unter uns wenig relevant. Daher bringt es für den Alltag nichts, diese Wahrheiten zu wissen.

Besser ist es, zu wissen, welche alltäglichen Wahrheiten man ändern will und welche davon man ändern könnte. Von denen gibt es auch genug. Dort anzusetzen, das bringt es. Selbst dann, wenn deine eigene Wahrheit (noch) von denen der meisten Leute abweicht.

Wenn dir ein paar Wahrheiten nicht gefallen, dann kümmere dich nicht weiter um sie. Wenn du aber was wahr haben willst, dass noch nicht wahr ist, dann mache, dass es wahr wird.

Ob du es schaffst, das steht auf einem anderen Blatt und ist auch nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass du es gewagt hast. Du glaubst mir nicht? Dann frag irgend einen Alten. — Noch schnell, vor der Beerdigung.