Das Böse ist der Freund der Guten

Image by Petras Gagilas

Kein Mensch ist gut. Kein einziger. Jeder hat Dreck am Stecken. Ich, du, Mutter Theresa, Carl Napp von der Rennbahn, jeder. Aber trotzdem sind einige die Guten?

Das ist schon äußerst komisch und auch amüsant. Denn diese Guten sind schlau genug, um sich nicht selbst als solche zu bezeichnen. (Ausgenommen die Amerikaner.)

Man erkennt die Guten aber auch so. Und zwar an ihrer Arroganz, umwabert von Scheinheiligkeit.

Kurz, die Guten sind Arschlöcher. Oder Moralapostel.

 

Wie wird man so ein Guter?

Durch zwei Zutaten. Zu aller erst durch den schönen Schein, durch ein nach außen getragenes „positives“ Image. Dieses Image hat nur den einen Zweck, anderen ein schlechtes Gefühl zu geben oder herabzusetzen. Dieses Gutsein wirkt für den Guten wie eine Droge. Er braucht es als die ständige Bestätigung, das andere nicht so toll sind wie er.

Als zweites wird man ein Guter durch das Erschaffen von noch mehr Bosheit als es ohnehin schon gibt. Allerdings ist dies sehr aufwendig. Daher kommt auch hier ein künstlich erschaffenes Image zu Hilfe. Hier ist es ein böses Image, das anderen Leute angedichtet wird. Am liebsten machen es die Guten bei Leuten, die ihnen als Konkurrenz erscheinen, schon allein, weil jene wahrhaftig sind. Was aber nicht funktioniert.

Funktionieren tut für den Guten, indem er einfach so gut ausschaut, dass bestimmte Leute oder Gruppen – verglichen mit ihm – imagemäßig abstinken und dadurch automatisch schlechter wirken. Erreichen tut der Gute dies durch öffentliche Belehrungen, auffälliges Geld spenden (nicht sein eigenes) und durch eigene Standards, die auch als „Werte“, „Wahrheit“ oder „einzig Richtig“ bezeichnet werden.

Die Existenz der Guten ist abhängig von einem Feindbild innerhalb der eigenen Gesellschaft. Denn wer mit dem Finger auf andere zeigt, der braucht nicht vor der eigenen Haustür zu kehren.

Ohne Bösewichte können die Guten nicht die Guten sein. Die brauchen das Böse wie ein Motor Benzin. Wenn ich richtig arrogant wäre, würde ich behaupten, dass ich – als Bösewicht – die Guten erschaffe. Und damit Arschlöcher. Aber weiter oben in diesem Beitrag stand es noch umgekehrt, dass die Guten die Bösen erschaffen.

Ja. Aber das sind keine richtigen Bösen. Sondern eher so was wie Verleumdungsopfer. Die echten Bösen brauchen keine Guten. Die sind auch so böse. Die sind es vor allem deshalb, weil es nichts wirklich gutes als Konkurrenz gibt.

So. Wenn wir denn nun nicht gut sein können. Können wir aus dem Bösen immer noch das Beste machen. Mit anderen Worten: Kunst. Denn es heißt nicht umsonst, dass das Beste der Feind es Guten ist. Die Guten sind einfach zu faul die Besten zu sein. Die Besten sind daher nicht die Guten.

Aber das macht nichts. Denn, und ich wiederhole, es gibt gar keine Guten. Egal bei wem, du musst nur richtig rühren, und die Scheiße kommt nach oben. Aber bei jemanden, der wahrhaftig ist und zu seiner Scheiße steht wie zu alles anderem, den rührt keiner an.

Mein Tip: Sei einfach die Beste Version von dir. Selbst dann, wenn du eigentlich scheiße bist. Sei der beste Schläger, der beste Klugscheißer oder der beste Zuhälter. Aber sei der innere wilde Kerl oder die Furie in dir. Denn wer zur Hölle soll besser du sein als du?

Mist, ich habe die Kunden vergessen

Image by Model Cobra

Bei mir weiß ich, dass ich nicht gerade Zielgruppen-orientiert anfing (erst Lieblingsmenschen finden, dann Produkt extra für sie entwickeln), als ich die Idee zum Klokain-Kartell entwickelt habe.

Mein Konzept basiert ursprünglich darauf, was mir liegt und nicht darauf, wen ich als Kunde im Kopf hatte. Warum? Weil ich es nicht besser wusste. Wat nu?

Was wir wissen ist, dass ein Geschäftskonzept ohne klar definierte Kunden nicht funktioniert. Keine Kunden bedeutet kein Geschäft. Und es wird auch nie eines werden, wenn die Basis, die rigorose Kundenausrichtung, nie gelegt wurde.

Wenn man sich in dieser Situation befindet, ist es eine haarige Vorstellung, nochmal völlig neu und von vorn anzufangen. Also bei Null. Vor allem, weil Konzepte Zeit brauchen, lange bevor sie Marktreif sind. Das ganze Konzept, nicht das isolierte Produkt.

Genauso wie jemand in seinen Job als Software-Berater hasst (und Computer-Geeks ebenso), dabei aber viel lieber Komiker wäre, und nun auf eimal realisiert, dass er zu alt und zu spät sei, um sich als solcher noch zu positionieren.

Er hat die neuen Stars vor Augen. Allein die ganzen YouTube-Flitzpiepen, die eine Anhängerschar von der Einwohnerzahl Belgiens haben und Omi’s Geld verballern, treiben ihn in den Wahnsinn. Er versteht die Welt nicht mehr.

Unser ergrauter, unglücklicher ‚Berater‘ sieht dazu den ganzen Aufwand an Recherchen, Produkt-, Design- und Programmentwicklung und Beziehungsanbahnung und und und. Nichts klappt wirklich. Seine Zeit verrinnt. Sein Geldreserven werden – sagen wir, überschaubarer. Aber er hat’s ja versucht.

Und zwar bei jedem Neustart.

Schlimmer: Schon bei jeder Überlegung in diese Richtung verrinnt Zeit. Es soll ja was bringen. (Geld, Gewissheit, Anerkennung. Also Ergebnisse, handfeste Resultate, das Brot auf den Tisch, den Schnaps in die Schublade.) Und was allein seine Zeit betrifft, diese ist nicht nur streng limitiert. Sondern das Limit ist auch noch unbekannt. Ende offen….

 

Der Fix-It-All-Button

Gibt es einen Knopf, auf dem man drücken kann und die Situation repariert sich von selbst? Ich behaupte, ja. Definitiv.

Denn das, was du derzeit (nicht gerne oder erfolglos) tust oder versuchst ist nicht starr. Manchmal brauchen selbst riesige Schiffe nur winzige Kurskorrekturen, um den (eigentlichen) Zielhafen zu erreichen.

Hast du nämlich den Fehler ausgemacht, zum Beispiel die von Anfang an falsch eingegebenen Zielkoordinaten, dann verändere dein Konzept oder deinen momentanen Job nur so weit, das die Veränderung gerade so ausreicht, um diesen Fehler zu beheben und das Ziel doch noch zu erreichen. Keine Perfektion. Keinen Reset. Keinen Neustart vom Ausgangsort. Und schon gar keinen Erfolgszwang.

Sondern gehe von dort aus, wo du gerade bist, und wenn es die Antarktis ist.

Hast du keine konzeptionelle Kundenorientierung oder die falschen Kollegen in deinem Job, dann mache es ähnlich. Wie?

Bei fehlender Kundenorientierung suche dir bei anderen Unternehmen oder Marken typische Ähnlichkeiten zu deinem Geschäftsmodell. Suche dir Beispiele. Ich meine nicht, ob jene Frauen oder Männer, Softies oder Kerle, Lutscher oder Beißer wären. Sondern speziellere Vorstellungen, denn wir wollen ja eine minimale Kurskorrektur machen. Beispiel:

Falls du Motorräder lackierst und dafür mit hohem Aufwand eine neue Technik entwickelt hast, dann hast du bestimmt im Gefühl (auch wenn nicht gleich klar vor Augen), welche Art von Bikern du ansprechen willst. Es ist nicht die Frage ob es Wochenend-Tourer oder Moto-Cross-Fahrer sind, nicht ob Honda oder Harley. Sondern das erstbeste Gefühl, unabhängig von der Kategorie.

Wähle die oder den verrücktesten zuerst. Womöglich ein Reisroller-Fahrer, na und? Eben weil sein Scheißhaus ihm nicht cool genug ist, kommt er ja extra zu dir. Fang dort an und dann bekommst du deine Antwort auf deine Kunden. Von deinen Kunden.

 

Hier mal mein eigenes Beispiel Klokain (Klopapier):

Privathaushalte? Gern, aber gleich zu Anfang? Könnte schwierig werden. Und überhaupt, wer sollte Klopapier bei einem Verrückten kaufen? Von jemanden, der von sich selbst behauptet, der Bösewicht zu sein, den niemand kennt, außer eine Hand voll Leser auf seinem Blog, die nicht wegen des Klopapiers hier her kommen und die er nicht mal persönlich kennt (aber gern kennen lernen würde)? Es scheint unmöglich zu sein. Denn wer soll dann sein Produkt kaufen? Vor allem so eines?

Als Klokain-Kunde fällt der normale deutsche Angestellte aus. Der würde zu hause Ärger bekommen, nicht wenn er Klokain bestellt. Sondern wenn er es bekommt. Wenn er es da hat. Auf’m Klo. Die Masse sind also nicht die Kunden.

Sondern nur der, der sofort erkennt, dass er von so etwas wie Klokain zu 110% profitiert: Barbesitzer, genauer Clubs mit entsprechenden Publikum in einem Milieu, dass einen gewissen Standard erwartet und das Produkt auch gern bei sich zu hause hätte. Warum? Weil es ein Statement ist. Weil man es dort wieder erkennt, man sich daran erinnert und darüber lacht und redet. Dort fange ich an.

Wenn’s nicht klappt, dann versuche ich es eben mit etwas einfachem. Beispielsweise als Clown, Clochard, männliche Clofrau oder Kaiser von Österreich. (Die freuen sich schon;)

Deine Kunden, deine Kollegen oder deine Partner sind vielleicht nicht die, die es üblicherweise in deiner Branche sind. Es können genau die sein, denen das bis zum heutigen Tage gefehlt hat, was nur du anzubieten hast. Hast du es, sind es deine Leute, deine Lieblingsmenschen, deine Kunden. Die Personen deiner Ersten Wahl sind deine ersten Kunden. Und genau da wollten wir doch hin, oder?

[Edit: Am Montag, dem 19. September 2016 erscheint kein Beitrag, deshalb gibt (oder gab) es diesen bereits am Samstag, dem 17.]

Aus der Mode gekommen bedeutet Nische

Image by Fang Guo of faungg’s photos

Interessant wäre mal, etwas zu tun, was völlig aus der Mode gekommen ist, nur um es dann wieder zu beleben. Gelingt dir das, dann kannst du deinen eigenen Spirit (also deine eigene unnachahmliche Art) mit hineinbringen. Und dieser Spirit kann ja durchaus Bestand haben, also nicht nur eine kurze Mode-Erscheinung bleiben. Wie? Erfinde oder arrangiere das alte und unmodische einfach neu, ganz nach deinem Gusto. Oder besser: Nach dem Gusto der letzten echten Liebhaber.

Ich gebe dir hier mal kurz drei Beispiel-Ansätze, wie man das machen könnte:

 

„Likörweine“ (aufgespritete Weine)

Ganz besondere Gerichte mit ebenso besonderen Geschmacksnoten sind solche, denen der Koch beispielsweise spanischen Sherry oder Manzilla, portugiesischer Portwein oder Madeira, französischer Muscat oder süditalienischer Mansala, also Süßwein zugibt. Diese Art der Verfeinerung ist schon lange aus der Mode gekommen. Genau wie diese Luxus-Getränke selber, die zum pur genießen gemacht sind. Nur so nebenbei: Trotz Minimalproduktion gibt es momentan ein Überangebot, welches auch die sehr hohe Qualität und das Spitzen-Preis-Leistungsverhältnis erklärt.

Wenn die oben genannten Genüsse zur Mode werden sollten, dann steigen die Preise um das vielfache. Und Nachschub ist nicht in Sicht, weil die Reifung viele Jahre dauert. Ein solches Modegetränk (schlechte Qualität, überzogene Preise, viele Neugründungen) ist derzeit als Beispiel Whisky.

Das Ziel könnte sein, eine neue Verwendung zu finden, für das, was reichlich da ist. Eine spezielle Zeremonie, wie man Likörwein trinkt. Ein einziges Rezept, dass man auf allen Medien verbreitet oder bloggt. In immer anderen Varianten (Port, Sherry, Masala etc.).

 

Technikfreie Konversation (soziale Interaktion ohne Smartphones)

Genug Leute regen sich (zurecht) darüber auf, dass alle nur noch auf ihre Smartphones starren, ohne von einander Notiz zu nehmen. So gibt es Orte, an denen es besonders auffällt. Bars, Pubs, Kneipen. Die Wahrheit ist, dass dort auch in heutigen Zeiten eher selten das Smartphone in Dauergebrauch ist. Es dient höchstens mal dem Informationsaustausch – ganz so wie früher die Serviette mit der Telefonnummer.

Trotzdem, als Marketinggag könnte ein listiger Lokalbetreiber zum Beispiel ein Smartphone-Verbot verhängen. Am besten gleich mit einem an der Wand gehängten Bußgeldkatalog, in dem die verschiedenen Arten der Störungen ebenso verschiedene Arten von Strafen beinhalten. Im Sinne der anderen Gäste versteht sich.

Das heißt, man darf sein Smartphone zwar mit hinein nehmen, es muss aber ausgeschaltet bleiben. Ein Verstoß dagegen bedeutet eine Runde für alle. Bei wiederholtem Verstoß muss der Störer die komplette Zeche aller Anwesenden übernehmen. Oder dem Wirt einen ausgeben, um ihn milde zu stimmen. Was für ein Spaß!

 

Shopping ohne Internet

Warum nicht Shopping mal als Kurzurlaub anbieten? Frauen würden es lieben. Speziell in einer Gegend und in eine Zeit, in der es sich genüsslich auf gute alte Art einkaufen lässt. Denn Erlebnisse zum anfassen mit echten Menschen und Kulturen sind es, die heute fehlen und daher das Besondere ausmachen.

Es gibt Wellness-Urlaube und Wochend-Trips in Großstädte. Letzteres geht schon in diese Richtung, wurde aber als Angebot noch nie richtig zu Ende gedacht. Da kann man kooperieren mit Warenhäusern, Tavernen, Frisören, Beauty-Salons und örtliche Händler, indem man eine nur an diesen Zweck gebundene Prepaid-Karte ausgibt. Und ganz besonders exklusive Angebote bekommt. (Ähnlich wie in den Travel Value Shops auf dem Flughafen.)

Gegen Aufpreis gibt es den Besuch einer Modenschau, eines Designstudios, eines Drogenlabors oder einer Waffenfabrik (irgendwas lustiges). Häßliche Frauen oder Gansgterbosse können es mit dem Wellness-Paket inklusive Gesichtsoperation kombinieren. Gegen geringen Aufpreis wird per Express-Transformation noch im gleichem Abwasch das Geschlecht mit umgewandelt.

Den kompletten Trip gibt es als Paket, als Geschenk, um jemanden eine Freude zu machen, der die sowieso gern einkaufen geht.

Dazu kommt noch das Flair des Ortes und eine Übernachtung in einem Shopper-freundlichen Hotel. Alles in allem steht hier nicht der Einkauf im Vordergrund, sondern das Erlebnis. Anfassen, Riechen, Reden. Ein Lieferservice kann die meisten (oder alle) erworbenen Artikel dann bequem nach schicken. Zum Wunschtermin.

Alles, wirklich alles ist auf den Shopper und dessen Annehmlichkeit ausgerichtet. Shuttle-Service inklusive. Das ist mehr als nur ein chicer Kurztrip nach Paris, Mailand oder Luhansk. Es ist Full-Service. Hotels in Las Vegas machen dies mit potenten Spielern schon seit den Siebzigern.

Es wird Zeit für eine neue Art von Erlebnis-Anbieter, der Frauen, Männer und Möchtegernfrauen auf diese Art einen Traum erfüllt.

 

Genug geträumt

Die Wirklichkeit ist, nichts ist komplett aus der Mode gekommen. Für beinahe jedes Produkt, jede Dienstleistung oder jede Kunst gibt es einen Markt. Die Frage ist nur, ob er ausreicht, ob es sich lohnt, ihn zu bedienen. Vieles braucht man nur neu zu arrangieren. Man könnte auch sagen ‚den Gegebenheiten oder den Gewohnheiten der Leute anpassen‘.

Anpassen heißt hier: Neu organisieren. Am besten die, die noch nicht (so) organisiert sind. Das können Endkunden sein. Am besten Liebhaber von etwas bestimmten. Es können aber auch Unternehmen sein – gerade dann, wenn du Endkunden im Visier hast (die diese Unternehmen noch nicht so im Visier hatten). Immer ganz im Sinne der eigenen Kunden, wie im Beispiel des Smartphone-Verbotes weiter oben.

Es könnte gut möglich sein, dass es dich erst braucht, damit ein bestimmter Kunde mit dem Angebot eines bestimmten Unternehmens zusammen kommt. Und umgekehrt. Was „Mode“ ist, bestimmst dann du. Das kannst du privat jederzeit tun. Oder als Angestellter, der sich dadurch bei seinem Boss unentbehrlich macht. Oder gleich als Künstler oder Unternehmer. Auf jeden Fall aber braucht es weder Dolcerone noch Gabbananini, sondern dich dazu.

[Einige Beispiele sind mit Ironie gewürzt und daher nicht ganz ernst gemeint.]

 

Jeden Tag mit der geladene Knarre im Schritt

Image by Elliott Brown

Unlösbare Situationen sind leicht und schnell lösbar, wenn man das Problem verdreht. Und bevor man es verdreht, muss man das Problem in den 9mm-Lauf schauen.

Und das geht so:

Wenn jemand etwas von dir fordert, egal was, so lange er seine Pistole auf dich richtet, die natürlich geladen ist, dann zauderst du nicht lange. Du handelst ohne Ablenkung, ohne Diskussion und ohne Zeitverzug. Strikt nach Anweisung.

Ja, du würdest machen, was er (der mit der Knarre) sagt.

Denn der Bastard könnte abdrücken.

Und jetzt kommt’s:

Jemand, der sich täglich zwingen muss, seine Arbeit zu machen, dem geht es nicht nur genauso. Sondern ständig.

Eigentlich ist es noch viel viel schlimmer. Denn er ist ja sein eigener Erpresser. Er erpresst sich selbst, indem er sich zwingt, etwas zu tun, was er überhaupt nicht will. Und zwar dauerhaft. Nicht einmalig, sondern täglich.

Bis hierher klingt das nicht so gut. Aber so eine Situation wirkt auf unsere Handlungsfähigkeit erst einmal wie ein Turbolader. Mit ‚handlungsfähig‘ meine ich die zielgerichtete Erfüllung einer Funktion. So jemand funktioniert und die Funktion wird in der am ehesten machbaren Variante erfüllt. Wenn er die Funktion nicht genau erfüllt, dann knallt es.

 

Bei genügend Druck laufen wir zu Höchstform auf.

Da gibt es die Mutter, die ihr Kind beschützt und ungeheure Kräfte entwickelt (und teilweise gefährlich wird).

Oder der tollpatschige Mann mit Höhenangst, der vor einen bissigen Hund plötzlich wieder auf jeden Baum klettern kann, wie sich das für einen ordentlichen Primaten gehört.

Oder der arrogante Bankangestellte, der beim Blick in die Mündung einer Kalaschnikow dann doch ganz lieb den Schotter raus rückt, für dessen Verbleib er befördert worden wäre.

Jeder kann auf die Schnelle mal Dinge tun, die er nie für möglich gehalten hätte. Aber auf Dauer? Auf Dauer eskaliert der Konflikt oder man wird nur wenig besser darin, zu funktionieren — sofern man es aushält. (Wenn man es aushält.)

 

Nicht nur Schießeisen und bissige Hunde sind überzeugend

Lustigerweise werden von, sagen wir Gangstern oder Politikern, immer Forderungen gestellt, auf welche die so ‚geforderte‘ Person nie im Leben eingehen würde. Also nicht freiwillig und nicht mit vollem Einsatz.

Das heißt, Erpresser und der Erpresste wollen ganz einfach unterschiedliche Dinge, während sich der Unwillkommene, aber durch seine Waffe stärkere fast immer durchsetzt. Der Konflikt wird immer im Sinne der Person gelöst, die ihn verursacht hat. Es steht dann 1:0 für den Verursacher, den Urheber, den Autor dieser Konfliktsituation.

Kein Mensch sagt zum bewaffneten Gangster: „Ah, gut, dass Sie gerade kommen! Jetzt können sie mich endlich dazu bewegen, meine Arbeit fertig zu machen.“

Eher ist das Gegenteil der Fall und der Gangster oder Erpresser verlangt wie immer exakt das was wir am wenigsten wollen, dass er es verlangt. Eher tun wir etwas für ihn. Wir erledigen etwas für ihn, dass er nicht so einfach kann.

Trotzdem – immer schön mit dem kalten Lauf der Walther am Zentrum – geht die nun unter Druck gesetzte Person darauf ein, als gebe es kein Morgen mehr. Warum? Weil es für das Opfer sonst kein Morgen mehr geben wird. Pistolen sprechen eine deutliche Sprache. Man tut, was der Mobster verlangt. Und man tut es besonders schnell und besonders gut. So schnell und gut wie sonst nie. Fast schon perfekt.

Aber was will man tun, wenn so ein erpresserischer Gangster jeden Tag kommt und ständig unmögliches verlangt? Langsam mal Chuck Norris bescheid sagen? Du weißt, dass das eigentlich Quatsch und die Wahrheit viel gruseliger ist. Die meisten Leute gehen von selber jeden Tag zu diesem Erpresser, auch Arbeitgeber oder schwieriger Kunde genannt.

Meist ist es einfach eine scheiß Situation, in der Mann – wie so oft – wieder mal mit dem Rücken an die Wand steht. Oder gedrückt wurde.

 

Erpresser und Opfer auf eine Seite ziehen

Jetzt wird getrickst. Nein besser, wir verhalten uns wie besoffene Quantenphysiker, die einen Drogentrip nach Andromeda planen und krümmen einfach mal Raum & Zeit so weit und unrealistisch [Edit: unglaublich wäre wohl das bessere Wort.], bis Stephen Hawking wutschnaubend aus dem Rollstuhl springt. [Oder Einstein aus dem Grab.] So kommen Erpresser und Opfer so nahe, dass es fast intim wird.

Der hier als Beispiel symbolisch „gekrümmte Raum“ führt die entgegen gesetzten Interessen so weit zueinander, bis es gar keinen Konflikt mehr gibt. Oder ein neuer entsteht, der den alten konterkariert.

Dann muss es kein aufgezwungener Konflikt mehr sein wie oben beschrieben. Denn der eigene Trieb, der auch sehr unnachgiebig sein kann, ist unser Partner. Eine bestimmte, aber äußerst schwierige Sache dauerhaft tun zu können ist aussichtsreicher als jeder kurzfristig motivierte (aber ständig wiederholte) Zwang von außen.

Wenn man sich schon zu etwas zwingen muss, was man eigentlich nicht will, dann ist die Situation nicht viel anders als beim obigen Beispiel mit dem Gangster und seinem Opfer. Die Kunst besteht zum großen Teil darin, die Absicht des Bezwingers (Gangster, Erpresser, Boss) mit der Absicht des Bezwungenen Stück für Stück in Einklang zu bringen.

Das ist eine Form der Anpassung, der ich ausdrücklich zustimme, weil man hier nur sich selbst anpassen (sortieren, sammeln, konfigurieren, im Einklang sein) muss. Mit anderen Worten, das emotionale Team (Bauch, Macken, Neigungen, Mentalität) muss zusammen mit dem analytischen Team (Verstand, kühle Logik) am selben Strang ziehen. Am besten in die selbe Richtung.

Das heißt, die Interessen desjenigen mit der Kanone und dessen Zielperson muss übereinstimmen. So entsteht aus etwas unausweichlichen etwas unschlagbares. Und unschlagbar bedeutet in dieser Hinsicht auf Dauer unerpressbar.

Dauerlösungen verlangen langfristige Herangehensweisen. Mit anderen Worten, du musst nicht gleich morgen deinen Job kündigen. Aber du kannst heute schon anfangen, so zu planen, dass du diesen Job in deinem Interesse transformierst oder bald nicht mehr brauchst.

Bist du in einer aussichtslosen Situation und fühlst dich in deiner Existenz bedroht (infrage gestellt, abgelehnt, pleite), dann sag – bildlich gesprochen – deiner Bedrohung, dass du noch mehr für sie tun kannst. Tue es, damit damit du die Gelegenheit bekommst, ihr die Knarre weg (und den Grund dich zu bedrohen) zu nehmen.

 

 

Wie man sich selbst (zur Party) einlädt

Image by Daniel Rossi

Stell dir vor, du platzt irgendwo uneingeladen hinein. Am besten dort, wo man dich weder erwartet noch kennt. Das macht man nicht.

Oder?

Doch, das macht man schon. Das sollte man sogar machen, besser, du solltest es machen, wenn:

Du damit ein bestimmtes Ziel erreichen kannst, dass du erreichen willst. Was sonst? Aber macht es überhaupt Sinn?

Meistens ist dies keine so gute Idee. Aber du bist sicher kein Typ für ‚Meistens‘. Sondern jemand, der weiß, was er will.

…und jemand, der willkommen ist. Oder doch nur wieder Ärger macht.

 

Willkommen wird man nicht. — Man ist es. Oder man ist es nicht.

Nochmal: Kannst du dir vorstellen, dich selbst bei jemanden einzuladen, der dich nicht eingeladen hat? Genau dorthin, wo du eigentlich – oder sagen wir offiziell – nicht dazu gehörst. Das kann eine Party, ein Club-Abend, ein Treffen, ein Gremium oder sonst was sein. Die Antwort: Ja, du kannst, jederzeit. Aber womöglich tust du es nicht.

Dann schiebst du Ausreden vor, wie: „Sonst gucken die doof.“ Oder „Dann gibt’s bloß Ärger.“ Na und? Hauptsache du guckst nicht doof und machst keinen unnötigen Ärger. Denn, jemand, der weiß, was er tut, der guckt nie doof. Andere dann aber umso mehr. Und wegen Ärger lädt sich keiner selbst ein, außer Lebensmüde oder Chuck Norris. Verstanden?

Gut.

 

Gehen wir rein in die Materie. Natürlich ohne Einladung.

Das Unwahrscheinliche wird für dich erst dann wahrscheinlich, wenn du das unwahrscheinliche tust. Es geht nur so und nicht anders. Und trotzdem, sich selbst einladen, das klingt erst mal so absurd wie eine Vespa zu kaufen, um einen MC zu gründen oder mit einem Chopper am Moto Grand Prix teilzunehmen. Aber es gibt Dinge im Leben, die um einiges einfacher, ungefährlicher und damit machbarer sind. Genau die sollte man einfach machen..

Ich schreibe offen, dass dieses Thema nichts für introvertierte ist. Dieser Blog, das ganze Klokain-Kartell ist nichts für Introvertierte. Da gibt es hunderte von Blogs für introvertierte. Was ich hier tue ist für Extrovertierte. Und: Auch Extrovertierte können – in entsprechnender „Gesellschaft“ – schüchtern, gehemmt oder einfach nur abgeschreckt sein.

Dann hilft nur noch, sich selbst zu entschrecken. Wie? Indem man sich nur dorthin einlädt, wo man ohnehin offene Türen einrennt. Was mich selbst betrifft, habe ich zwar ein sehr gutes Bauchgefühl, wo oder bei wem ich willkommen bin. Aber Begegnungen mit Idioten sind genauso wenig auszuschließen, wie es auf irgendwas im Leben eine Garantie gibt.

 

Das Leben ist von Natur aus gefährlich und unberechenbar

Du kannst dein Leben lang in einer gefährlichen Gang sein. Du kannst dein Leben lang Rennen fahren oder als Stuntman arbeiten. Und kannst 40 Jahre lang als Söldner arbeiten.

Aber irgendwann willst du deine Mutter besuchen und auf dem Weg dorthin in einer beschaulichen Reihenhaussiedlung mit Blümchen und Gartenzwergen fällt dir so ein scheiß Ziegelstein auf den Kopf, weil Fritze Blau sein Dach nicht repariert hat. Und Mutter wundert sich dann, warum du schon wieder nicht pünktlich bist.

Nur so nebenbei: Eine Heile Welt gibt es nicht. Schon gar nicht dort, wo es danach aussieht.

Also was soll das Theater von Sicherheit, Vorsicht, Mäßigung und all den Quatsch? Es bringt nichts. Übervorsicht bringt nichts. Zurückhaltung bringt nichts. Nichts bringt nichts. Und Gefahren lauern überall. Denn die Ganze Welt ist gefährlich.

Und wenn die Welt schon gefährlich ist, dann lebe ich lieber gefährlich und abenteuerlich als gefährlich und langweilig.

Locker-leichte Lebemänner und Hallodries haben den Dreh raus, denn die scheren sich nicht um etwaige Gefahren. Deshalb kann man von ihnen einiges lernen. Ich glaube einige dieser Leute haben den Begriff „proaktiv“ erfunden.

Von so jemanden hier gleich mal ein Beispiel:

 

Hans & Franz

So richtig proaktiv und angriffslustig war ein Bekannter von mir, den ich erst kürzlich wieder getroffen habe. Nennen wir ihn Hans*. Hans könnte man nicht direkt als extrovertiert bezeichnen. Eher als getriebenen. Das reicht schon.

Wenn Hans von einer Party gehört hat, dann leuchtete bei ihm sofort die rote Alarm-Leuchtreklame auf. Für Hans gab es nur ein Kriterium, nur einen Grund, sich ohne Vorankündigung einzuladen: Weiber.

Ein anderes Kriterium oder einen sonstigen Grund gab es für ihn nicht. Nicht für Hans.

Er war nie beleidigt oder in seinem Selbstwertgefühl gemindert, nur weil er nicht offiziell eingeladen wurde. Selbst dann nicht, wenn Kollegen ihn auf privaten Feiern nicht einluden. Er kam trotzdem. Und er war dann meist der beliebteste Gast und oft der einzige, an den man sich erinnern konnte. (Weshalb er dann immer öfter gezielt eingeladen wurde.)

Er erwischte immer die schönste Frau. Er ging nie leer aus. Das wusste er schon vorher.

Warum ging er nie leer aus? Kannte er gewisse dort anwesende Frauen? Nein. Es gab andere Gründe:

Grund 1: Als denkenden Menschen war ihm klar, dass auf jeder Party auch Frauen sind. Er musste nicht wissen, wer es war. Denn als Frauen-Gournet ließ Hans sich gern überraschen. Allein die Neugierde trieb ihn schon an.

Grund 2: Er war gut gelaunt. Denn wer schlecht gelaunt ist, der lädt sich besser nicht zu Parties von fremden Leuten ein.

Grund 3: Hans hatte jemanden, der ihn jedes mal aufs Neue zwang, sich einzuladen. Und dieser jemand war Franz. – Ein Körperteil, halb Freund halb Schwanz.

Grund 4: Er hatte bei jeder Party immer einen Mann vor Ort, der ihn kannte, oder einen Freund, der sagen konnte, dass Hans „dazu gehört“. — Sein freundliches Wesen und seine tadellose Erscheinung erledigten den Rest.

Grund 5: Er vertraute sich selbst und machte sich damit sozusagen ’systematisch beliebt‘. – Man kannte ihn immer schon von woanders her. Somit war er routiniert im Umgang mit fremden Leuten und niemand konnte seinem Charme widerstehen — Trotz seines Rufes.

Grund 6: Geschicktes Timing. Er kam nie gleich zu Beginn einer Party. Aber auch nicht zu spät, denn er wollte eine Frau wie eine Rosine heraus picken. Er kam erst später dazu, so „beiläufig“. Er war halt „gerade zufällig in der Nähe“. (Natürlich mit Absicht.) So frei nach dem Motto „Ach bei Euch ist eine Party? Na wenn ich schon mal hier bin…“.

Hans war ein Meister des ‚Point of Entrance‘, so wie man es bis dato nur von Überraschungsauftritten Prominenter in amerikanischen Late Night Shows kannte. Er erschien immer genau im richtigen Moment. Also dann, wenn alle schon angetrunken genug waren, dass sie nicht mehr wussten oder es egal war, ob Hans überhaupt eingeladen wurde.

Hans jedenfalls sah offizieller, sprich eingeladener aus als manch eingeladener Gast. Er wartete nur, bis die regulär eingeladenen Party-Gäste schon zwei, drei Drinks intus hatten. Wen interessieren dann noch Kleinigkeiten?

 

Image by Simon Thomas

Hans nutzte die häufige Tatsache, dass sich die Frauen ausreichend sturmreif gesoffen hatten, um von ihm in Angriff genommen zu werden. Sie waren bereits genug enthemmt. Hans war nun derjenige, der die beginnende Langeweile der Damen für sich zu nutzen wusste.

[In den USA würde Hans, der dort sicherlich John heißen würde, etwas zum trinken mitbringen. Meiner Erfahrung nach ist das aber kein Muss… wenn man selber nichts trinkt.]

Kurz, Hans wartete wie ein Kater auf die Maus. Und unser Damen-Gourmet Hans bekam seine Maus auf dem Silbertablett.

 

In anderen Lebensbereichen ist es genauso

Wenn die Zusammensetzung mit den richtigen Leuten stimmt, die Lage sondiert und der Zeitpunkt reif ist, dann heißt es: Zupacken.

Ich behaupte in 9 von 10 Fällen funktioniert kein Vorhaben. Und warum?

Weil die Vorarbeit und damit die ganze Strategie zur Ausführung fehlt. Und vorarbeiten kann man nur mit Geduld und Beobachtungsgabe. Freundschaften und Ehen werden ja auch nicht von heute auf morgen geschlossen. (Zumindest im nüchternen Zustand.) Und falls doch, dann wissen wir, was am Ende meist heraus kommt. Dasselbe gilt für Künstler-Karrieren, Unternehmensgründungen, Olympia-Medaillen und Bestseller.

Das noch viel schlimmere Problem ist, wenn man gar nichts tut, nur weil man es für aussichtslos hält. Oder erst dann in Aktion schreitet, wenn eine todsichere Zusage von außen kommt. (Die so gut wie nie kommt.) Dann funktioniert in 10 von 10 Fällen nichts.

Du musst nicht extra warten, bis dich jemand bittet (einlädt), etwas zu tun, worin du ausgesprochen gut bist.

Ja, es wird vielleicht jemand darum gebeten, das zu tun, was du am besten kannst. Und wenn das passiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du derjenige bist Eins zu Sieben Milliarden.

Die Wahrscheinlichkeit spielt gegen dich, solange du nicht derjenige bist, der dich einlädt, genau das zu tun. Tust du es, dann hast du zwar noch immer keine Garantie auf Erfolg. Denn auch die gibt es nicht. Aber du gibst dir die Chance, dass die Wahrscheinlichkeit darauf jetzt 1:1 steht statt 1: 7.000.000.000. Kurz: Der gefährlichste Kater bekommt die Maus…

Image by Andy Miccone

…oder noch besser, die Katze.

 

 

 

 

 

 

 

Miau.


*Namen geändert.

Wie du reagieren solltest, falls dich jemand ignoriert

Image by Don Gunn

Nicht geliebt, aber dafür gehasst zu werden ist bei weitem besser als total ignoriert zu werden. Dieses ignoriert werden ist wie tot sein. So kommst du dir vor und für die anderen bist du es. Tot. Aber ignorieren kann nur einer, der da ist. Und um den geht es in diesem Beitrag. Und um die Ursache und dessen Behebung.

Es ist ein komisches Gefühl, wenn dich oder mich keiner bemerkt. Selbst dann, wenn du einen riesigen Hut trägst und optisch damit auffällst. Die erste Regel ist: Bleib cool. Denn dein kühler Kopf wird solche Situationen ins Gegenteil umdrehen. Kann er es nicht, dann kann es niemand.

Es gibt Leute, die beachten gar keinen. Die würden nicht mal der Königin von England Beachtung schenken, wenn sie da stünde. Solche Leute haben ihre Gründe, meist persönlicher Natur, die ein Gespräch unmöglich machen. Aber über die reden wir hier nicht. Sondern über die, die eigentlich gesellig sind. Aber aus irgend einem Grund nicht zu dir oder zu mir.

Image by Manchester City Library (www.manchester.lib.nh.us)

Falls du extrovertiert bist oder ein unterhaltsames Naturell hast (und vielleicht noch einen coolen Hut trägst), was ich beides richtig gut finde, dann fällt es in gewissen Situationen zusätzlich schwer, dich unauffällig zu verhalten und fühlst dich deshalb nicht nur ausgegrenzt, sondern verkannt.

Das heißt, du bist situationsabhängig, also in Gegenwart von (bestimmten) Menschen wie ein pfeifender Druckkessel, der kurz vor der Explosion steht. Dabei musst du über eine gewisse Zeitspanne äußerste Disziplin (und Geduld mit dir selbst) aufbringen, um dich zurück zu nehmen. Jedenfalls geht es mir oft so.

Hiermit gebe ich dir ein paar Tips, was es damit auf sich hat, wie du damit umgehen und dich in Szene setzen kannst.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Deshalb ist es besonders für empathische Personen wie dich und mich kaum zu ertragen, einfach nur still rum zu sitzen (oder zu stehen), ohne sich mitzuteilen, ohne mehr vom anderen zu erfahren oder dich mit ihnen auszutauschen. Du wärst der richtige Zuhörer, der richtige Gesprächspartner für ihn. Aber der gibt dir keine Chance. Er ignoriert dich.

Ich weiß, du willst keinen voll labern, ein Ohr abkauen, wie so manch nervige Typen. Und mit jeden willst du auch nicht ins Gespräch kommen. Aber jemanden (oder mehreren) eine Weile, vielleicht Stunden lang, gegenüber oder neben ihm zu sitzen und kein Wort auszutauschen ist höchst unangenehm. Besonders wenn jene Personen auf dich interessant oder attraktiv wirken. Das ist einer der Gründe, warum du vielleicht ungern mit der Bahn fährst oder fliegst.

Was mich angeht, so bin ich oft froh, dann lieber leere Sitze um mich herum und niemanden in meiner Nähe zu haben als Ignoranten. (Ausgenommen die Stewardess, denn die kann einen durstigen Passagier wohl kaum ignorieren.) Falls alles voll ist, verhalte ich mich manchmal so, als ob es leer und ich der einzige Passagier (oder Patient) wäre.

Image by Dormant Braincell Research Project

Genauso schwierig wird es, wenn du mit jemanden (Verwandten, Bekannten) zusammen bist und dieser ebenso wenig an eine lebendigere Unterhaltung interessiert ist. Einfach weil er von Natur aus gehemmt und nicht der richtige Typ dafür ist, in der Öffentlichkeit zu plaudern. Es ist ihm oder ihr unangenehm, auf irgend eine Art aufzufallen. Also. Cool bleiben.

Manchmal willst du nur jemanden zu verstehen geben, dass du ihn verstehst, irgendwas vertrautes oder interessantes an ihm erkennst (Symbol, Sprache, Geschmack), ihm unbedingt Recht geben willst, dass du auf seiner Seite bist, ähnliche Erfahrungen hast oder ihn in seinen Ansichten oder Erlebnissen voll bestätigen kannst…

…und bekommst eine arrogante Abfuhr.

Kurz, du bist neugierig und an anderen ehrlich interessiert, aber hast den Eindruck, ausgeschlossen (isoliert) zu sein und deine Person dadurch entwertet wird. — Während die anderen wie selbstverständlich miteinander reden. Ist es interessant, kannst du zuhören. Ist es Blödsinn, kannst du dich immerhin amüsieren. Sagt niemand etwas. Ist es auch O.K.. — Solange du selber ruhig bleiben kannst.

Bist du geboren worden, um ständig ruhig zu sein, zu kuschen? Natürlich nicht.

Aber bevor du deine innere Sau raus lässt, brauchst du erst mal einen kühlen Kopf. Hast du den, dann kannst du jede Situation und die Menschen darin für dich gewinnen.

So und jetzt gehen wir verschiedene Szenarien durch, wie du unangenehme Begegnungen für dich angenehmer und erfreulicher machen kannst. – Und damit auch für die anderen, damit denen deine interessante Persönlichkeit nicht entgeht. Denn als Macher willst du aus Begegnungen ja was machen und jeden Moment genießen, statt es einfach nur zu ertragen.

 

Jemand stiehlt dir die Show

Fakt ist, für zwei Al Pacinos ist selbst der größte Raum zu klein. Du hast es vielleicht schon erlebt, dass du bei irgend jemanden zu Besuch bist und einige Leute sich im selben Raum regelrecht präsentieren. Manchmal mehr schlecht als recht. Du weißt, du könntest unterhaltsamer, redegewandter oder interessanter sein als diese Hammel.

Dann würdest du liebend gern mit einstimmen, sozusagen deinen Beitrag leisten. Aber du kommst nicht dazu. Der Grund:

Image by Ralph Arvesen (www.lostoak.com)

Dein ‚Platz‘ ist bereits von jemand anderen besetzt, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er dominiert, weil er vor dir da war. Und du kommst einfach zu spät und bist schnell genervt. Die Lösung?

Kümmere dich um die Person im Raum (meist ist es die intelligentere und mächtigere), die dem Gerede der Person im Mittelpunkt in der Regel nichts abgewinnen kann. (Du kannst dir denken warum.) So hinterlasse nur bei dieser Person – nennen wir sie ‚Graue Eminenz‘ – den besten Eindruck anstatt bei dem Rest. Hör ihr zu, interessiere dich nur für sie. Damit stehst du am Ende besser und sympathischer da, als wenn du auf der „Haupttribüne“ mitmischen würdest.

Profis machen Networking und Beziehungsaufbau (und Pflege) auf eben diese, etwas leisere Art. — Das Ergebnis: 1:0 für dich, und die nächste, viel größere Show gehört deshalb exklusiv dir mein Freund. (Falls du genaueres darüber wissen willst oder Beispiele brauchst, dann schreib mir eine Email. Meine Erfahrung teile ich gern mit dir.)

 

Der Unsichtbare mit dem alten Hut

Nächstes Beispiel: Sagen wir, du bist auf einer Party. (Das ganze Leben ist eine Party.) Und wie man das auf einer (zünftigen) Party eben so macht, stehst du in einer Gruppe von drei Personen lustig rum und unterhältst dich.

So weit, so gut. Aber nach kurzer Zeit stößt eine weitere Person zur Gruppe, begrüßt jeden, inklusive dich. Und falls er etwas sagt, wen sieht er dann an? Richtig. Nur die anderen, während er den Blickkontakt zu dir die meiste Zeit meidet. – Das ist noch die höfliche Variante.

Oft ist es so, dass eine weitere Person zur Gruppe stößt und alle — außer dich — begrüßt. Warum?

Du bist ihm fremd. Und die meisten Leute sprechen prinzipiell nicht zu Fremden, selbst wenn sie Teil einer kleinen Gruppe sind.

Fremde bedeuten ein Risiko und verunsichern. Du genießt nicht sein Vertrauen. Das ist nichts persönliches, da er dich ja nicht kennt.

Das führt unbewusst dazu, dass der Fremde (in dem Fall du) keinen Wert für ihn hat und deshalb in seiner Aufmerksamkeits-Rangordnung weiter unten steht.

Ja, das ist unhöflich, unaufmerksam und unsozial. Es ist fast schon beleidigend für dich. Aber viele Leute können in solchen Situationen nicht anders als dich zu ignorieren. (Leider habe ich auf diese Weise auch schon andere ignoriert. So kenne ich die Situation von beiden Seiten.) Der Ignorant vergisst einfach achtsam zu sein. Manchmal, weil sein Kopf zu voll ist.

Sachlich ausgedrückt, deren Aufmerksamkeit reicht einfach nur für die bereits bekannten Gesichter. So wirst du bestenfalls zum Statisten, schlimmstenfalls für den Rest des Abends ignoriert und damit unsichtbar.

Die Praxis (oder die Realität) ist so, dass wir für die meisten Leute Fremde sind und auch bleiben, trotz unserer zarten Versuche, sie in unser Leben (zum Beispiel durch ein Gespräch auf der Party) mit einzubeziehen.

Mach deshalb keine zarten Versuche. Sei nicht scheu, denn hier ist deine Bühne. Also gewinne aktiv diesen ignoranten Fremden. Wie?

Indem du direkt zeigst, dass du für ihn eigentlich ein alter Hut bist. Denn du hörst ja, was er so erzählt. Und sozial sein bedeutet zuhören, sich interessieren. Denn wie soll er sich für dich interessieren, wenn du dich nicht für ihn interessierst?

Ehrlich, ich interessiere mich auch nicht immer für jeden, so dass ich denjenigen richtig zuhören möchte. Aber auf einer Party geht man nicht, um für den Rest des Abends das fünfte Rad am Wagen zu sein. Daher:

 

Höre dem Ignoranten aufmerksam zu und dann weißt du, was du wissen musst.

Original Image by ceedub13

Spitz deine Ohren wie der liebe Onkel von der NSA. Gehe mit den Wissen (Infos, Hobbies, Persönliches, Neigungen, Vorlieben, Symbole, Accessoires, Akzent), dass du aufsaugst, auf seine oder ihre Person ein und zeig offen und ehrlich dein Interesse an ihm oder ihr.

Tue dies durch kurzes Nachfragen, Bestätigen, Recht geben, Ergänzen, Lachen, witzig sein… und er beziehungsweise sie öffnet sich für dich, weil er oder sie dann gar nicht mehr anders kann.

Das geht manchmal so weit, dass der „Fremde Ignorant“ bei der nächsten Gelegenheit schon nach dir fragt. Denn jetzt bist du für ihm vertraut… als derjenige, der sich für ihn interessiert. Vertraue mir, ich habe das schon oft gemacht. Es funktioniert jedes Mal.

[Warnung: In Einzelfällen gibt es Menschen, die können jemanden allein aufgrund deines Aussehens, Herkunft oder Haarfarbe nicht ausstehen. Aber das merkst du schnell. So kannst du dir bei selbiger Gelegenheit (z.B. die Party) immer noch andere Personen suchen, um Spaß zu haben. Wie? Indem du der „Unsichtbare mit dem alten Hut“ bist.]

So viel ist jetzt klar: Eine Macher-Persönlichkeit kann man schwer ignorieren. Schon gar nicht die mit dem alten (oder schrulligen) Hut.

Bremsen

Image by Xavier of SuperCar-RoadTrip (www.supercar-roadtrip.fr)

Du bist auf einer Feier. So langsam kommt gute Laune auf, vor allem bei dir. Gerade als du in Fahrt kommst, zischt dich jemand mit verzerrtem Gesicht an: „Errr… nicht so laut Mann!“ Und die gute Stimmung (Zweck einer Feier) ist sofort hin.

Szenenwechsel. Du bist begeistert und sprühst vor Ideen. Deine Kreativität und deine Fähigkeit Assoziationen zu ziehen, wo andere keine sehen, die kommen gerade in Gang. Du hast das Gefühl, dass du einer großartigen Lösung auf der Spur bist. Und plötzlich unterbricht dich einer mit finsterer Miene und sagt: „Das stimmt aber nicht!“ oder „Glaubst du wirklich, du bist so schlau wie….!“ Oder richtig schlimm, er hat eine Weltsicht wie Adolf und schießt deine Ideen ab.

Szenenwechsel. Du sprichst vor einer Gruppe von Leuten. Vielleicht in einer Schulung, einer Party oder als Künstler (Musiker, Host, Stand-up) in einem Club. Dabei bist du lustig und humorvoll. Aber egal, wie gut du bist, dein Publikum starrt dich an wie einen Bestattungsunternehmer auf der Beerdigung, dessen Leichenwagen einen grinsenden Totenkopf als Firmenlogo hat. (Wenn ich Bestatter wäre, dann würde ich es tun. Unter dem Schädel käme dann noch Hammer und Schaufel über Kreuz.)

Szenenwechsel. Du lächelst nach einem vorangegangenen Gespräch weil dir gerade etwas lustiges dazu einfällt. Die Person dir gegenüber wirkt dadurch plötzlich verärgert, geradezu beleidigt und empört. Nur weil du lächelst. Obwohl die verärgerte Person auch nicht den geringsten Grund dazu hätte. Mehr noch, sie könnte mitlachen, wenn sie dir die Chance dazu geben würde. Tut sie aber nicht, weil sie in ihrem Hirn bereits eine völlig andere Szenerie vor Augen hat. Beispielsweise eine, in der über sie gelacht wird. Leute, die immer und überall das Böse vermuten, ticken so.

In allen vier Szenen hast du es mit Leuten zu tun, die dich ausbremsen. Die bremsen deinen Spaß aus, deine Kreativität, deine Lebenslust (und damit dein Leben als solches). Die bremsen dich. Solche Bremsen kommen meist aus den eigenen oder engeren Reihen (Verwandte, Bekannte, Kollegen). Diese Leute haben am ehesten ein Problem damit, jemanden aus ihrem näheren Kreis so zu akzeptieren, wie er ist. Es ist Geringschätzung. Nicht mehr und nicht weniger.

Zu häufig hat man es mit den falschen Leuten, an falscher Stelle zu falscher Zeit zu tun. Selten ist es harmonisch oder das Miteinander stimmig. Der Eine hat was, was dem anderen stört statt hilft oder beglückt.

Man selber fühlt sich schließlich wie jemand, der wieder mal falsch abgebogen ist und jedem weiteren überquerten Kreuzung mehr und mehr die Orientierung verliert. Obwohl man doch ein aktuelles Navi hat. Nur die Updates sind fehlerhaft.

Sinnbildlich gesprochen: Du willst zur Comi-Con nach San Diego, um einen Produzenten für Actionserien zu treffen um ihn bei der Arbeit zuzusehen und wunderst dich, dass du an einer bewaffneten Straßenkontrolle kurz vorm Donbass stehst. Auch wenn die Leute in beiden Szenerien ähnlich aussehen, es ist nicht dasselbe. Beide fargen dich: „Willst du Urlaub machen?“ Aber meinen was unterschiedliches.

Du bist (schon wieder) bei den Falschen gelandet. Weil du auf die falschen gehört hast. Auch wen du ihnen nicht glaubst und ein komisches Gefühl hast, das hören reicht völlig aus. Falsch führt zu Falsch.

Geht es auch richtig?

 

Mensch denkt, Gott lenkt

Oft kannst du dir die Leute nicht aussuchen, mit denen du zu tun hast. Und die passenden Leute zu finden kann manchmal in Arbeit, Stress und Enttäuschung ausarten. Ich weiß, wovon ich rede.

Das einzige, was du tun kannst, ist, sobald Ruhe einkehrt, aufhören, dir jegliche Gedanken zu machen. Weder über die falschen noch über die richtigen Leute. Inklusive dich selbst. Abschalten, und zwar rigoros. So lange und so oft wie möglich. Denn dann erst wird dir langsam klar, was schief lief.

Wie willst du auf Eingebungen und geniale Lösungen kommen, wenn alles, was in deinem Kopf vorgeht in gewisser Weise von anderen Leuten bestimmt wird? Nach außen bist du vielleicht unangepasst, also schon du selbst. Das ist gut.

Aber im Inneren verdeckt noch der Dreck anderer Leute (kommt aus deren Mund), deine Wahrnehmung einer höheren Weisheit oder gar Erkenntnis. Jene kannst du nur frei von Gedanken empfangen. Die Sicht auf dein inneres Navi muss frei sein.

Schon bei der schieren Absicht, etwas „geniales zu empfangen“, kann dich keiner mehr ausbremsen. Der Rest ist Zufall. Es fällt dir alles zu, wonach oder wem du sonst hinter her gerannt bist. Das Geheimnis? Du richtest dich neu aus, nach einem unfehlbaren Navi. Dieses Navigationssystem und dessen Infos musst du kommen lassen. Deshalb die Ruhe, der Stop.

Der erste, der eigentlich bremsen müsste, bist du. Bevor du – auf den richtigen Kurs, nach den korrekten Koordinaten – weiterfährst. Hellwach und ausgeruht.

Was ich hier eben beschrieben habe ist eine hohe Kunst. Und Kunst sollte, wenn du Künstler sein willst (also nachhaltig davon leben willst), in erster Linie völlig sinnlos erscheinen dürfen. Eben nicht berechnend im „Sinne“ von Wirkungen, Resultate, Ergebnisse und Erfolge. Letztere lassen sich bei Kunst nicht erzwingen. Schon gar nicht auf direktem Wege. (Den richtigen Weg erkennst wie oben beschrieben.)

Aber vorher gilt: Bremsen.

 

Fahren unter Einfluss

HWY (1969)
Screenshot by KarlLudwig Poggemann. — Original still of the 1969 movie HWY: An American Pastoral by Jim Morrison and Paul Ferrara.

Als Selbstfahrer, also diejenigen unter uns, die den Chauffeur aus Prinzip ablehnen und sich persönlich hinters Steuer setzen, heißt es: Immer unbeeinflusst bleiben. Warum? Wegen der Kontrollen. Und ferner wegen anderen Dingen, wie Unfälle bauen oder der gelegentlichen Einstiegsversuche in fremde Autos. (Letzteres gilt nur für bekiffte VW-Fahrer.)

Besoffen Auto fahren macht wesentlich mehr Spaß. Und bekifft fährt es sich entspannter. Mit anderen Drogen fährt das Auto wie von Google-Hand gesteuert selbst. Und mit dem richtigen Mischungsverhältnis von Alkohol und hartem Stoff, könntest du sogar mit einem Hubschrauber fliegen. Selber.

Das Problem ist, dass diese Fahrten für gewöhnlich sehr kurz sind. Irgendwas stoppt einen immer. (Bullen, Hunger, Bremsbäume.) Und die Droge tut dann so, als läge es nicht an ihr.

Ja, es gibt Drogen, die verstärken Konzentration und Aufmerksamkeit und halten gleichzeitig wach. Deshalb darfst du unter Kaffee-Einfluss Auto fahren. Der Harndrang sorgt schon dafür, dass du nicht einschläfst.

Fahren unter Einfluss ist genau festgelegt und bedeutet alles Mögliche. Meiner Meinung nach gehören dazu auch störende oder rum albernde Mitfahrer, die den Fahrer auf die Nerven gehen oder ins Steuer greifen. Mir ist es mal passiert, dass ich deshalb auf einen unbelebten Autobahnrastplatz anhielt, alle Insassen (außer einen) kurzer Hand raus schmiss und dann weiter fuhr. Ja, ich habe lieber meine eigenen Kumpels ausgesetzt als dass noch irgendwas passiert.

Einige Tage später war mir klar, warum der (mir nicht persönlich bekannte) Besitzer einer örtlichen Fahrschule beim Einkaufen grinsend gegrüßt hat. Er tut es heute noch. Später begegnete ich dessen Tochter, die ihren Vater zitierte: „Das war richtig!“ Er meinte meine eben genannte Rausschmiss-Aktion auf dem Rastplatz.

Jetzt wissen wir, dass das Fahren unter Einfluss nicht wirklich funktioniert.

Trotzdem rate ich dir, unter Einfluss zu fahren. Denn es gibt Gegenden, auch bei dir, wo du es ungehindert kannst. Und dabei darf es ruhig gefährlich werden.

 

Achte auf alles mögliche, außer auf die Straße und die Kontrollen

Durchfahre keine Gegenden oder die Fußgängerzonen in deinem Wohnort. Sondern deine Ideen und Gedanken.

Kommen dir keine Lösungen, dann komme von der Straße ab. Denn die Kreativitäts-Kontrollen stehen am liebsten auf den viel befahrenen Straßen deiner Gedanken. Das sind Gefanken, die jeder so hat. Die sagen am liebsten: „So geht das aber nicht!“. Oder ganz fies: „Du musst Erfolg haben, du machst das nicht zum Spaß, denke ans Geld!“ Also runter von der Straße. Denn wir sind trotzig und wollen unseren Spaß haben. Man lebt nur einmal.

Falls du es etwas rabiater magst: Bau in deinem Kopf Unfälle und sehe, was passiert. Kollidiere, überhole, blockiere, drifte, schneide die Kurven und rase rückwärts durch den Berufsverkehr. Dessen Teilnehmer können ruhig zu schaden kommen. Denn hier sind es deine eingefahrenen Denkmuster und Gewohnheiten. Da musst du nicht so genau hinschauen, die kannst du umnieten.

Oder ganz besonders empfehlenswert: Lade störende oder rum albernde Mitfahrer (hier „unerlaubte Gedanken“) ein, die am Wegesrand stehen. Weil, hier sind sie willkommen und sie sorgen dafür, dass du quer fährst (denkst).

Achte auf Einflüsse, die du bereits hast oder mit denen zu tun hattest. (Bekannte, Reisen, Künstler, Unternehmer, Gerüche oder Geräusche.) Setze einen drauf, mach die Flasche auf und sauf. (Oder gleich ein ganzes Fass.) — Von was immer dich inspiriert. Fahre täglich unter Einfluss des verrücktesten Kumpels, die du kriegen kannst: Dein wildes Ich.

…und nimm seine Drogen. (Fantasie und Endorphine sind astreiner Stoff. Besonders zusammen, besser als jeder Speedball!)

Zeit ist irrelevant

Original image by Gary Robson
  • Du musst mindestens 3 Jahre im Staatshotel „Zum Gitterblick“ Urlaub gemacht haben, um einen Motorradclub beitreten zu können. Welchen? Den Jailbreakers MC?
  • Du brauchst mindestens zwei Jahre, um eine neue Sprache richtig zu erlernen. Angeblich.
  • Dein YouTube-Video darf höchstens eine Minute lang sein, um viral zu gehen. Heißt es.
  • Ein Motorrad taugt nur dann etwas, wenn es höchstens 3 Sekunden von 0 auf 100 braucht. Sagt wer? Der Affe auf dem Schleifstein?
  • Und ein Whisky muss mindestens so alt sein, wie eine Frau maximal sein darf. Nämlich 18 Jahre. Echt jetzt?

 

Nein, das ist alles ausgemachter Blödsinn

Aber man kann sich nach blödsinnigen Regeln richten — wenn man es nicht besser weiß. Beispiel Sprachen lernen. Es gibt Leute, die brauchen 20 Jahre, um eine Sprache eingermaßen zu erlernen. Und dann sprechen sie immer noch mit dickem Akzent. Und manche lernen es nie.

Talent, Interesse an Menschen, Offenheit, Neugierde und Mut so wie Kontaktfreudigkeit können dir dabei helfen, eine Fremdsprache in nur drei Wochen zu erlernen. Spielend. Und zwar so wie man sie wirklich spricht.

Aber hier geht es nicht um Sprachen, sondern eher darum was mit dir manchmal so passiert und nicht wie viel Zeit während dessen vergeht.

 

Zeit ist und hat kein Budget

Du kannst Zeit messen und vergleichen. Genauso die Ergebnisse, die während einer gewissen Zeit entstehen. Zeit erzählt mir nur, dass sie vergeht. Mehr nicht. Und die Uhr erzählt mir auch nur, ‚ob es Zeit ist‘ oder nicht.

So, bevor du hier nun deine Zeit verschwendest, komme ich mal auf den Punkt. Denn, ob du mit jemanden 25 Minuten oder 25 Jahre verbracht hast, spielt keine Rolle. Nicht die geringste. Es spielt aber eine Rolle, wie die Person war, wie du drauf warst, wie überhaupt alles war. Und nicht wie lange. Hier zählt die Intensität, die Echtheit der Person, das Miteinander (oder Gegeneinander), das Wahrhaftige eben.

Eine Erfahrung aus meinem Leben ist, dass ich Leuten in schwierigen Situationen vertrauen konnte, die ich keine 10 Minuten kannte. Jemand anderes, den man über 10 Jahre lang vertraut hat, der dir oder mir vertrauen kann, der stellt sich in der selben Situation bei gleichen Umständen und gleichen Beziehungen als weniger vertrauenswürdig heraus.

Ist Liebe zeitabhängig? Ist Hass zeitabhängig? Oder Wut, Schönheit, Rausch, Erfahrung, Spaß, Weisheit, Reife, Idiotie, Geschmack? Es braucht eine gewisse Zeit, bis man eines davon hat. Aber wie lange es dauert, also wie viel Zeit dafür vergehen muss, um es zu bekommen ist unerheblich.

Für manch einen in bestimmter Situation sind ein paar Sekunden eine Ewigkeit, oder nur eine Minute mit jemanden verbringen zu können (oder gesund bzw. geheilt zu sein) ist weit wertvoller als der Besitz des größten Milliardenvermögens für den Rest des Lebens. Kein Witz. Für jemand anderen sind 30 Jahre ein kurzer Moment, das ganze Leben erschreckend flüchtig.

[Im Grunde ist es wie am Ende eines sehr stressigen oder unangegehmen Tages, wo doch noch alles gut ausgeht. Zum Schluss gegen Abend kommt dieser relativ kurze Moment der Zufriedenheit. Die 18 Stunden Ärger zuvor sind nicht nur „zeitlos“, sie sind das Silbertablett für den wichtigsten Moment des Tages. Und auf den kommt es an.]

Ist eine junge Person zwangsläufig unreifer als ein grantiger alter Mann? Schmeckt dir der 18-jährige Scotch wirklich besser als der 12er oder der ohne Altersangabe? Ist die 18-jährige Frau wirklich schöner als die 36-jährige, nur wegen der verstrichenen Lebenszeit? Sicher nicht, weil irrelevant. Der Typ plus Charakter entscheidet.

 

Relevanter als die Zeit ist die Ewigkeit

Ewigkeit braucht keine Zeit und hat auch nichts mit Zeit am Hut. Sie ist ein immer währender perfekter Moment, so wie er (für dich oder mich) sein sollte. Oder das Gegenteil davon.

Jemand, der als „Lucky Bastard“ (Berufssohn, Prinz, Donald Trump) geboren wurde, ist gar nicht in der Lage, sein Wohlergehen richtig einzuschätzen. Egal, wie lange der lebt. Weil, er kennt es ja nicht anders. Brutal ausgedrückt, er weiß nicht wirklich, wie gut es ihm geht. Sein Leben ist bestenfalls ’normal‘ für ihn. Eher fühlt sich so jemand übergangen, belächelt oder mit Pflichten drangsaliert. Frag Prinz Charles. Oder – falls du hart im Nehmen bist – Ernst August.

Ein Mensch wiederum, der arm geboren wurde, aber viel später nur einen Bruchteil dessen bekommt, was unsere Prinzen hier lebenslang zur Verfügung haben, der ist der glücklichste Mensch der Welt.

Eben, weil er vorher Arm war und aus dieser Position erst erfolgreich geworden ist. Er weiß dies besser zu schätzen als der reich geborene, weil er das ganze Spektrum des Lebens kennt. Jener erlebt seinen neuen Wohlstand innerhalb einer Minute viel intensiver als der Lucky Bastard sein ganzes Leben lang.

Ohne Ying kein Yang. Ohne Böse kein Gut. Ohne Moment, keine Ewigkeit. Kurz: Relevanz schlägt Zeit.

[Herzlichen Glückwunsch an dich als relevanten Leser zum ‚irrelevant‘-dreijährigen Bestehen dieses bizarren Blogs.]

Die Alternative zur Prostitution

Image by Alpha of Greedy Gourmets

Prostitution ist zu glauben, Dinge, die man hasst gegen Bezahlung zu tun, weil man keine andere Wahl hat.

Einige Leute, die nicht nur die Sonnenseiten des Lebens genießen oder genossen haben, würden mir da zustimmen. Vorerst.

Aber: Das mit dem „weil man keine andere Wahl hat“ ist eher eine Ansichts- oder Aussichtssache.

Je nach dem, wie viel Sichtweisen, Ansichten oder Blickwinkel du auf eine Situation oder Sachlage oder Panne hast, soviel Aussichten hast du letztendlich.

Und aussichtslos ist es nur für den, der gar nichts von dem sieht (oder sehen will).

Du weißt ja, man hat immer eine Wahl.

 

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Bekannte, etablierte Leute in kreativen Berufen erzählen gern von ihren Prostitutionsphasen, die natürlich längst vorbei sind. Damit meinen die ihre Anfangsjahre, wo sie sich noch nicht den Namen gemacht haben, den sie heute haben.

Ein Designer beispielsweise nimmt anstatt tolle Produkte zu designen dann eben Aufträge oder Jobs an, wo er ermüdende oder monotone Drecksarbeiten durchführt, die sonst keiner (der etabliert ist) machen will. Warum?

Er bekommt nichts anderes, kein anderer Job, kein tolleres Projekt. Und er selber ist ja noch lange nicht so berühmt, dass er sich die Aufträge aussuchen kann. Denkt er, weil er nun mal denkt, keine andere Wahl zu haben.

Fakt ist, die Leute hätten schon eine Wahl. Sie wählen nur nicht gern.

Daher weichen sie genauso ungern vom einmal gewähltem ab. Denn dann müssten sie ja wieder wählen. Und jede Wahl birgt Unsicherheit. Allein schon wieder wählen zu müssen, heißt, sich wieder quälen zu müssen. Deshalb ist Angela Merkel auch so beliebt.

Die kreativen Leute trauen sich nicht zu, einfach mal auf einen anderen Zug aufzuspringen. Nicht als Prostitution, sondern als Alternative zum „Design“ oder was auch immer. Selbst wenn der Zug (auf lange Sicht) in die richtige Richtung fährt. Sie beharren auf ihre einzige Linie wie die Titanic, obwohl der Eisberg schon in Sichtweite ist.

Dabei muss der ‚Zug‘ nicht einmal in die richtige Richtung fahren. Er muss nur fahren. Und der Kreative Mensch muss dann und wann springen. Gemütlich machen kann er sich es nicht. Die Zeiten sind vorbei, seitdem das Internet mehr Wert transportiert als die Eisenbahn.

In der Praxis ist die direkte Herangehensweise nicht immer die beste. Weil sie zu kurzfristig ist. Das ist wie als wenn man trockenen Kaffeeweißer sofort einrühren will. Der verklumpt nur. Besser man lässt ihn ’sinken‘. Dann kurz umrühren.

Der Designer (Oder Musiker, Maler, Regisseur, Schauspieler, Entrepreneur) denkt: „Ich will den Erfolg so schnell wie möglich, je früher desto besser, also gleich.“

Oder a-la Pille: „Ich bin Designer und kein Kloputzer.“/“…Unternehmer und kein Sklave.“/“…Arzt und kein Maurer.“

Oder: „Ich muss den Fuß in die Branche kriegen, egal wie, und wenn ich mit Merkel ins Bett steigen muss.“

Oder mein Liebling: „Ich weiß nicht, was ich sonst tun soll.“

(Doch, weiß er. Er weiß nur nicht, dass er es weiß.)

Ja, es gibt auf der einen Seite den talentierten Auto-Mechaniker, der bei ATU Öl, Auspuff und Reifen im Akkord wechseln muss, um über die runden zu kommen. Und auf der anderen Seite gibt es diese namhafte Tuning-Firma oder jenen Profi-Rennstall, die genau so jemanden händeringend suchen. — Ihn aber nicht (wahrscheinlich nie) finden.

Dieser KFZ-Schrauber prostitutiert sich, indem er sein Talent verschwendet anstatt es zu nutzen. In einer Billig-Autowerkstattkette wird sich niemand für seine Fähigkeiten, Fahrzeuge zu veredeln interessieren. Daher…:

 

Quälen wir uns lieber einen Tag (oder zwei) mit der Wahl

Auch ein noch so brillanter Designer hat mehr Talente als immer nur Produkte zu designen. Ein Musiker ist nicht nur musikalisch veranlagt. Ein Fußballer sollte auch ohne einen Fußball mehrere Jahre überleben können. Und ein Schlosser kann auch mehr als nur an Autos oder Bikes zu schrauben.

Kurz, jeder hat mehrere Interessen, wovon er sich auf eines konzentriert. Eines nach dem anderen. Aber zuerst das, was funktioniert und zum Ziel führt. Und zum Ziel führen auch Hintertürchen, Umwege oder die Geisterbahn. Egal, wichtig ist die persönliche Art. Aber, darauf hoffen, entdeckt zu werden ist unpersönlich und anonym. Und wer anonym ist wird nicht entdeckt. Der bleibt was er ist, unpersönlich und anonym.

Prostituton ist immer unpersönlich. Aber persönliche Transaktionen, Interesse oder Geschäfte bringen uns näher als es jede Art der Prostitution je könnte. Jede gute Beziehung funktioniert nun mal persönlich. Wie sonst?

 

Zurück in die Werkstatt

Der Fall mit unserem Schlosser ist real, ich kenne ihn. Er fing an, Gemüse anzubauen, dass er auf dem Markt verkaufte. Er wurde umheimlich stolz auf seine Radieschen. (Wer ist schon stolz auf Prostitution?) Der Grund war, dass er auf Bio-Lebensmittel aus eigenem Garten steht.

Er beobachtete so ganz nebenbei die Situation bei den Autohäusern und erfuhr, wo die Kunden aus welchem Grund besonders lange warten mussten. Dort ging er hin und bot an, Nachmittags auszuhelfen, damit die Kunden ihre Autos schneller repariert bekamen. Einen Monat auf Probe ohne Bezahlung.

Inzwischen ist es zwei Jahre her. Jetzt wird er gut bezahlt, ist die Nummer Eins nach dem Chef und kann sich nichts anderes mehr vorstellen. Er entscheidet über Neueinstellungen, arbeitet jetzt auch nachts und am Wochenende. Nicht weil er muss, sondern weil er will. Ja, die haben mehr Kunden bekommen. Aber nicht nur das.

Er kann dort Oldtimer restaurieren und Rennwagen aufbauen — in eigenem Namen und auf eigene Rechnung, weil ihn der Inhaber seine Werkstatt und seine Beziehungen zur Verfügung stellt. Dieser erkannte dessen Talent (und kann die Schmuckstücke als Eyecatcher natürlich eine Zeit lang in den Showroom stellen).

Aus der Werkstatt wurde eine Wertstatt.

Beide vertrauen sich. Inhaber und Beschäftigter. Eine Vater-Sohn-Beziehung kann nicht besser laufen. Der Schlosser hat seinen persönlichen Weg gefunden, anstatt unpersönlich entdeckt zu werden.

Aber das eigentlich lustige an der Story ist, unser Schlosser hatte nie eine Ausbildung als solcher. Auch nicht als Gärtner. Trotzdem verkaufen sich seine Radieschen dieses Jahr besonders gut. Obwohl er sie nicht mehr selbst verkauft.

[Das Porky’s Nite Spot auf dem Bild oben ist ein Laden in „Sin City“ (Sydney), den ich von 1994 und 1995 selber besucht habe. Dort fühlte ich mich wie zu hause. — Falls du mal irgendwann – auch wenn nur aus Neugierde – dort aufschlagen solltest, bitte sei nett und behandle die Damen und die Angestellten dort gut.]