Womit soll man noch Geld verdienen, wenn es schon alles gibt?

Mit fürsorglichem und ernst gemeinten Kundenservice, Haltbarkeit und Qualität? — Gibt es selten.

 

Wie kann man den Alltag erträglicher und das immer stressiger werdende Leben entspannter machen?

Mit Humor, Wohlwollen, viel Nachsicht, Toleranz und ein paar Nettigkeiten gegenüber dir und anderen.

 

Wie kann man sich abends wieder beruhigen und abschalten?

Mit Tequila.

 

Wie kann man den ganzen Idioten nur aus dem Weg gehen?

Eigentlich gar nicht.

 

Wie kann man die Stimme von Béla Réthy abschalten, ändern, umgehen oder technisch unterdrücken?

Siehe oben. [Mit der durch künstlichem Brummbass verstärkten Eunuchen-Stimme von Steffen Simon ist es auch nicht besser. Verglichen mit dem klingt meine Mutter wie Brian Johnson kurz vor Axl.]

 

Was macht man mit den ganzen Idioten, die man nicht aus dem Weg gehen kann?

Ermüden, abschrecken und befremden.

 

Was macht man, wenn man trotz harter Arbeit ein Geldproblem hat?

Weg damit. Also ausgeben. Teure Autos und Schrottaktien kaufen, sinnlose Lebensversicherungen abschließen und nebenher Millionen an Banken spenden (oder gleich an Lutz Finsterwalder schicken). Bei Geldmangel (Armut, Schulden, Hunger) dieses Problem einfach durch ein anderes Problem ersetzen.

 

Wie wird man innerhalb einer Stunde Millionär?

Durch den Tausch von ein paar Euro in Won.

 

Wie kann man den Alterungsprozess wirksam stoppen?

Durch ein kurzes Nickerchen. Am besten am Steuer eines fahrenden Autos.

 

Wo ist das Bild von diesem Beitrag?

Welches Bild?

 

Warum gibt es keine weiteren Blogs nach Art des Klokain-Kartells?

Die wurden von Reichsbildungsministerium verboten.

 

Warum gibt’s es das Klokain-Kartell?

Es gibt gar kein Klokain-Kartell.

 

Und was ist das für ein Blog hier?

Dies ist nur eine kleine harmlose Website, Esé. So mit Wörtern und Buchstaben.

Irgendwas mit Tieren

Original Image by David Goehring

Je mehr man in Deutschland nach Südwesten kommt, umso mehr sind gastronomische Einrichtungen nach Tieren benannt.

Es könnte in Baden-Württemberg, wo ja jede Kneipe nach einem essbarem Viech benannt ist, eine Gaststätte geben die, sagen wir, Huhn oder bei stolzen Inhabern dann eben Hahn oder Gockel heißt.

Ein privat geführtes Hotel heißt, solange eine Gastwirtschaft angeschlossen ist, dann auch wie diese, also wie ein Tier. Mag ich das Tier nicht, dann gehe ich nicht rein und verhungere.

Aber was machen die – wenn wir mal beim Thema Huhn bleiben –  bei einem Bordell? Heißt das dann Zur Hühnerfarm?

Weniger appetitliche Tiere haben es da schwerer. Einen gemütlichen Gasthof Zur Klapperschlange, ein Wirtshaus Zur Mücke (in Schweden gut möglich) oder für diese hektisch-schnippischen Typen, die nie richtig zuhören, Zum Frettchen.

Für die Gansgterkneipe heißt es dann Zum Wiesel. Oder die Rockerkneipe heißt Zur Wildsau.

Ich will hier keine Ratschläge für Kneipennamen geben. Es geht darum, dass Namen in gewisser Art Erwartungen wecken. Bei Gaststätten merkt man das am direktesten. Ich war mal im „Keiler“, da sah der Wirt auch so aus wei einer.

Der hatte einen Unterkiefer zum Tisch abbeißen, und dann der Blick dazu, meine Fresse. Und das dollste war, dass die Gäste genauso aussahen. Das war saumäßig, und ich habe dort lieber keinen Schweinebraten bestellt.

Das, was ich eigebtlich schreiben wollte, habe ich an dieser Stelle schon wieder vergessen. (Siehe ‚Frettchen‘.) Ich guck mal nach oben. In der Überschrift steht „Irgendwas mit Tieren“. Ach so, ja. Aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter. Du denkst vielleicht: „Wie windet sich der Finsterwalder da jetzt wieder raus!?“

 

Es spielt keine Rolle

…was in der Überschrift steht. Es spielt aber eine Rolle, ob es spannend bleibt. Und das geht, mit oder ohne Tiernamen.

Spannung ist kein Endergebnis, sondern ein treibender, fordernder Zustand. Langeweile entsteht, wenn die Spannung aus einer Geschichte raus ist wie die Luft aus einem Ballon. Beispiel?

Wenn ich den Schluss eines Beitrags gleich als erstes bringe, dann kann ich mir den Rest ersparen. Die Aussage wäre so offensichtlich oder so langweilig, dass es es nichts mehr zu erzählen gibt und die nicht erzählte Story eben auch keinen stoßenden Bock unterm Rock hervor lockt, weil letzterer was besseres zu tun hat.

Dasselbe würde passieren, wenn ich beispielsweise ein Auto oder ein Motorrad vermarkten will und weder Namen, Bilder noch Stilrichtung angebe. Ich gebe nur den Preis und die technischen Daten bekannt.

In Wirklichkeit interessiert es keinen. Warum?

Alle technischen Angaben sind in sämtlichen Punkten vielleicht sehr „überzeugend“ und „wettbewerbsfähig“. Ja. Ein paar Ökos werden wegen der Umweltwerte zuschlagen, einige Knauserer wegen der geringen Kosten — ohne das eigentliche Produkt je gesehen oder gehört zu haben. Das soll es geben. Aber der wirklich interessierte Rest will das Ding vorher wenigstens mal sehen, oder hören. Warum? (Lies den nächsten Satz.)

 

Die Story liegt in den Augen des Betrachters

Sieht der Betrachter das Produkt, dann wird eine Geschichte bei ihm in Gang gesetzt.

Es ist nicht die Geschichte des Herstellers oder des Produktes. Sondern die Geschichte des Betrachters und potentiellen Kunden. Die erzeugt die Spannung, die zwingt ihn dran zu bleiben. Die spricht ihn an. Denn sie kommt ja von ihm.

Das, was der Hersteller zeigen oder – wie in diesem Fall der Blogger schreiben – muss, ist der Einstieg in die bereits vorhandene Welt des Kunden, Lesers, Liebhabers. Der denkt bei einem Motorrad weniger an die Serviceintervalle. Er denkt zuerst nur: „Wirke ich als großer Typ damit cool genug?“ Oder: „Kann ich damit quer durch Afrika heizen?“ Oder mein Liebling: „Sehe ich damit wenigstens so richtig illegal aus?“

 

Wie man Erwartungen übertrifft

Der Beginn einer Geschichte kommt von einer Initialzündung. Wie bringst du die Geschichte zum Laufen? Es ist die gemeinsame Geschichte von dir und dem, den du dabei haben willst. Wie du sie anfängst, ist deine Sache, deine Eigenart. Damit schürst du schon mal Erwartungen.

Es ist, wie ein Startknopf, den du drücken musst. Selbst dann wenn du keinen Knopf zum drücken hast. Dann mache es, wie die harten Jungs: Trete den Kickstarter. Dann ist es doppelt so schön, wenn der Motor läuft… und die Geschichte ins Rollen kommt.

Willst du den Nerv treffen, dann erzähle die Geschichte desjenigen, der dich interessiert. — Gern auch ohne Worte..

Die Korrigierer

Original image by Petras Gagilas

…oder nennen wir sie Sittenwächter. Es gibt Typen, die spucken einem ins Gesicht, noch während du ihnen freundlich die Hand zur Begrüßung entgegen streckst. In deinem Haus.

Hier ein paar Erklärungen, Beispiele und Tips zum Umgang mit dieser Sorte.

 

Korrigieren = Gieren nach Korrektheit

Du hast vielleicht schon mal erlebt, dass dich jemand brüskiert, während du ihm nett begrüßt hast. Das ist ein eher deutsches Phänomen, mit dem ich irgendwie versuche auf meine Art klarzukommen.

Ich zum Beispiel begrüßte mal im Beisein von anderen Leuten ein Pärchen und gab den mir fast im Stechschritt entgegen schreitenden Bekannten dementsprechend die Hand. Aber er nicht. Stattdessen wies er mich selbstbewusst darauf hin, dass ich „erst die Frau“ begrüßen solle.

Dieser Oberlehrer war vor wenigen Jahren selber nicht in der Lage, überhaupt jemandem zu begrüßen. Der erzählte stattdessen gleich von seinen Erfolgen vom Scheißen bis zur Wohnungsrenovierung.

Er hat nun mal eine Frau geheiratet, eine Lehrerin mit Beamtenstatus. Die wird ihn so lange zurecht korrigiert haben, bis es in sein Weltbild passte, was Besseres zu sein.

Also lassen wir milde walten. In Irland bleibe ich ja auch nicht sitzen, wenn nachts im Pub die Nationalhymne gespielt wird. Die stolzen Iren stehen auf, wanken und nachdem sie sich stabilisiert haben, geht der Blick zum einzigen Deutschen, der noch sitzt (mich), mit der Aufforderung aufzustehen. Der Unteschied hier ist, dass ich die Iren brüskiert hätte, wenn ich sitzen geblieben wäre. Slainte.

Ironischerweise mache ich es oft so, dass ich freiwillig aufstehe, wenn aus meiner Sicht wichtige Personen den Raum (oder in Österreich den Tisch) betreten. Selbst dann, wenn ich es nicht unbedingt müsste. So manches Mal bin ich dann der einzige, der steht. — Warum? Ich liebe es, herrlich verkehrt zu sein. Anders ausgedrückt, ich provoziere jetzt mit Höflichkeit.

Vorauseilende, oder besser übertriebene oder völlig unangebrachte Höflichkeit macht es Korrigierern schwer und bringt sie in Zugzwang. Mehr noch, es verwirrt sie, was wiederum ungemein Spaß macht. Und da wollen wir ja hin.

 

Die Leute lieben es, korrigiert zu werden

Nein, das ist natürlich Quatsch. Denn, wenn es so wäre, dann wären die stets korrekten Deutschen das liebenswerteste Herrenvolk der Welt. Warum?

Deutsche korrigieren gern, selbst dann, wann der (oder das) Korrigierte bereits korrekt ist. Wenn ich ein englisches Wort korrekt ausspreche, dann korrigiert man mich auf Denglisch oder mit fettem deutschen Akzent. (Deshalb habe ich mir in Gegenwart von Deutschen angewöhnt, in D-Land gebräuchliche, aber englische Begriffe absichtlich mit aufgesetztem deutschen Akzent zu sprechen, damit die mich überhaupt verstehen. Und notfalls sage ich eben Bumms statt punch.)

Aber dieser Beitrag ist kein Sprachkurs oder eine Anleitung, wer wann wo nur so zum Spaß aufstehen muss. Ganz im Gegenteil. Es geht hier um Ordnung und Sicherheit. Denn Korrigieren heißt Ordnen. Sicherheitshalber.

So wie beim dem Nachbar, dessen Köter die ganze Nacht durchbellt, der aber am nächsten Tag die Polizei anruft, weil das Motorrad am Freitag um 17 Uhr für 5 Sekunden zu laut ist, den gibt es selbst in den dicht besiedelten Niederlanden nicht. Oder nicht so häufig und extrem.

Ordnungsbürger, Oberlehrer, Spießer, Pedanten, Beamte, Konformisten, Polizisten. — Alle eine Wichse. Sie alle wollen sicherstellen, dass das eigene, besser vorgegebene, Weltbild – sei es noch so falsch – gewahrt bleibt. Alles, was davon abweicht, wird als „falsch“ angesehen und daher korrigiert, angepasst, „geplättet“ und dann ins Abseits gestoßen.

Kurz, ein Deutscher liegt immer richtig. Der Grund? Er geht davon aus, dass es nur ein „richtig“ gibt. Also seines. Dann muss alles andere falsch sein. Und dass es mehrere Möglichkeiten geben kann, richtig zu liegen, ist für ihn schlichtweg nicht tolerierbar und damit genauso undenkbar wie kalte Getränke in kühlen Räumen im Hochsommer.

 

Was du mit Korrigierern machen kannst

Gar nichts. Sei nur tolerant. Denn dumme (oder uniformierte) Leute fühlen sich immer im Recht. Du musst sie nur weiträumig (vorausschauend) aus dem Weg gehen, den Umgang auf das nötigste beschränken (zum Beispiel den mit der Polizei). Falls Leute bei dir zu Besuch kommen, sag einfach: „Mein Haus, meine Regeln.“

Den Korrigierern keinen Anlass zum Korrigieren zu geben ist mühselig. Und perfekt zu sein ist unmöglich. Das heißt, bei dir wird immer irgend ein Idiot Anstoß finden. Es ist Gedankenverschwendung, sich damit auseinanderzusetzen.

Lass diese Leute weiter korrigieren und fertig. Die brauchen das, um sich gut oder wichtig zu fühlen, fürs kaputte Selbstwertgefühl. Damit tust du denen was gutes. Falls dich jemand dann doch zu sehr nervt, sag ihm genau das.

Bei den Großen Jungs* mitspielen

Original image by Joe

Es hat seinen Reiz, bei der alles andere als netten, aber coolen Gang rumzuhängen. Also da, wo es es eigentlich immer gefährlich ist. Und wer sich an die gefährlichen Jungs ran traut oder gar ein Teil von denen ist, der muss wohl was taugen. Oder ist lebensmüde.

 

Die schweren Jungs sind das A-Team

Alle anderen sind der schale, laue Rest, der zweitrangig im Niemandsland herum wuselt und immer nur hinterher hinkt.

Die großen Jungs bedeuten die First Class, wenn es darum geht, überhaupt irgendwo mitzuspielen. Und der Zugang zu dieser First Class ist schwer, teilweise unmöglich. Aus gutem Grund.

Wenn du es leichter machen würdest, jeden Kurzeit-Interessenten in deine Klasse hineinzulassen, dann würde eben jene Klasse schnell aufhören zu existieren. Zumindest in der Form, die gerade ihre Besonderheit ausmacht. Aus dem A-Team wird dann ein B-Team. Und ‚B‘ bedeutet hier ‚eventuell C, dann D‘.

Und die Leute, die ursprünglich das „A“ im Team waren, sind längst von dannen. Aus einer kleinen Gruppe großer Jungs wird eine große Gruppe kleiner Jungs. Der Vorteil der Gruppe verschwindet somit ebenfalls. A-Teams muss man pflegen.

 

Was ein A-Team alles sein kann

Deine Familie. Die engsten Freunde. Oder eine einzelne Person. Gründer. Clubmitglieder. Der Tuningexperte in einer KFZ-Werkstatt. Der Anwalt, der jeden raus haut. Die guten Kunden, die als erste kaufen und weiter empfehlen. Die Band, die jeden Club voll kriegt. Kurz, die Eliteeinheit, der harte Kern, die großen Jungs, auf die es bei dir letztendlich ankommt.

 

Der Vorteil der großen Jungs

Richtig schwere Jungs sind unmöglich. Und genau diese Unmöglichkeit ist deren Vorteil. Denen sind beispielsweise Dinge möglich, die anderen verwehrt bleiben. Warum auch nicht? Sonst wären sie ja nicht die, die sie nun mal sind.

Es ist genauso unmöglich, einfach zu behaupten, man gehöre zu den großen Jungs, man spiele mit denen oder sei gar deren Teil. Dann könnte das jeder — wenn er wollte. Der Zugang bleibt beschränkt. Was der Vorteil ist.

Man ist nicht von einem Moment auf den anderen ein ‚großer Junge‘. Man wird einer, sofern man sich vorher dazu entscheidet und dazu steht. Es wird auch keiner als großer Junge geboren. Man verdient es sich.

Die richtig großen Jungs (nicht die aus dem Kindergarten) haben und entwickeln Ideen, sie wollen Veränderungen herbei führen. Sie sind immer nur wenige. Und die ersten an der Front. Denn es sind wenige, die sich trauen (und die Ausdauer dazu haben), voranzugehen und die Richtung vorzugeben.

Der beste Weg bei den großen Jungs mitzuspielen ist der, indem du anderen – aber nicht jeden – erlaubst bei dir mitzuspielen. Aber mach das Spiel nach deinen Regeln, ändere sie so, dass es dein Spiel ist. Das Spiel des anderen Teams und dem schalen Rest bleibt deren Spiel.

Und ja, es ist gefährlich, was Neues zu wagen. Aber dafür — und die Wahrscheinlichkeit ist hoch — bist du von Anfang an im A-Team. Oder dessen Anführer.

Kurz: Dein Team, dein Spiel. Kleines Team, große Jungs.

[* Für die Sittenwächter: Als „Jungs“ sind bei mir auch Mädels gemeint. Daher das Sternchen. — In den USA ist die Begrüßung „hi guys“ umgangsprachlich normal, locker, ungezwungen, im Plural und geschlechtsneutral. Mit politischer Korrektheit hat dies nichts zu tun. Wir sind immer noch das Klokain-Kartell. Aber stell dir mal vor, es kommt eine Horde Omas vorbei und du rufst freundlich „Hallo Jungs!“.– Als Rechtfertigung kannst du dann immer noch sagen, du hättest sie für die Rolling Stones gehalten. Bei Jagger muss man mittlerweile schon raten, ob es mal eine Frau oder ein Mann war.]

Wie man richtig durchsäuft

Original image by Matt Baume

Jeder Genussmensch kennt das doch aus seinen Anfangstagen: Die schönsten Momente sind immer die nach den ersten Drinks. Danach kippt entweder die Stimmung oder man pennt ein. Genau das ist das Anfängerproblem.

 

Bei Profis läuft es (der Stoff) anders

Wo es beim jungen Anfänger schon zu Ende geht, da geht beim Alten die Tour erst richtig los.

Insider wissen es. Der Profi glüht vor. Er ist immer bereit. Das heißt nichts anderes als genießen von Anfang an.

Original image by Melissa Wiese

Die Alten kommen wie selbstverständlich schon angetrunken zum Besäufnis. ‚Angetrunken‘ heißt hier ‚bereits mitten drin‘ oder ‚warm gelaufen‘ oder ’schon bei der Sache‘. So jemanden kann eigentlich nichts mehr passieren.

Selbst wenn der Profi die ganze Nacht durchsäuft, so wirkt er auch weiterhin stocknüchtern. Und das Schöne ist, er hat weiterhin Durst. Durst bis zum Schluss. Wobei er weniger aufs Klo rennt als so mancher Jungspund in kürzerer Zeit.

Das kannst du auch, indem du stetig, aber zügig trinkst. Trinkst du zu schnell, geht es dir wie dem Anfänger und fällst um. Trinkst du zu langsam, vergeht dir der Appetit und kriegst einen Kater. Und aufs Klo musst du so oder so.

Im schlimmsten Fall leitest du damit eine ungewollte Entwöhnung ein. Aber soweit darf es nicht kommen..

Falls doch, willst du nur noch ins Bett. Und wer im Bett liegt ist unproduktiv und verpasst die Happy Hour. Kurz: Halb besoffen ist raus geschmissenes Geld. Daher gilt:

 

Aktiv am Geschehen teilnehmen

Es ist wie überall im Leben. Passivität lässt dich auf brutalste Weise ins Hintertreffen geraten. Du siehst, richtig saufen ist Arbeit.

Das wissen und verstehen die wenigsten. Die Bedienung arbeitet nur zu. Und zwar während der Wirt (Cheftrinker) hart arbeitet, indem dieser selbstlos seine Gesundheit im Sinne des Gemeinwohls aufs Spiel setzt und unablässig vorexerziert wie man trinkt. (Das wird viel zu selten gewürdigt.)

Also die Hauptarbeit an der Front, die muss der Trinker mit ganzem Körpereinsatz absolvieren. Er muss unterhalten, nachdenken, nachtanken und sich mächtig anstrengen, das Klo zu meiden. (Dazu gleich mehr.)

Geht das überhaupt, saufen und sprechen? Ja klar, du bist ja nicht der einzige, der säuft. Das läuft – wie so vieles im Suff – automatisch. Die anderen saufen sich dein Gelalle wieder verständlich. Und außerdem, du sollst ja unterhalten und kein Referat abhalten. (Versuchen kannst du es trotzdem..)

 

Die Blase ist das Statussymbol des professionellen Trinkers

Das Getränk selber, gerade Bier, ist vergänglich und daher kein Prestige. Denn man kauft kein Bier. Man mietet es nur. Spätestens auf dem Klo, weißt, du was ich damit meine. Nur die Haltedauer ist entscheidend, die macht den Unterschied.

Profiblasen sind wie die Plautze einer Schlange. Sie sind dehnbar bis auf ein vielfaches ihrer Größe.

Es gibt für den Profi keine Pausen. Nicht im eigentlichem Sinne. Denn er muss seine Körperfunktionen im Griff haben. Zum Pissen geht er keine Sekunde zu früh, sondern erst dann, wenn es schon aus den Ohren kommt. Auf keinen Fall vorher „das Siegel brechen“.

Dann lieber noch einen trinken. Wie gesagt, es ist harte Arbeit. Und wer will dabei schon oft unterbrochen werden, und sei es nur durch die eigene Blase. (Die vorher gedehnt wird.)

Fakt ist, der professionelle Suffkopp muss der scheinbaren Sinnlosigkeit des Trinkens Ausdruck verleihen. Denn hat sie Ausdruck, hat sie Sinn. Er gibt der Sache also Sinn. Er vollendet das, was Brauer, Brenner und Getränkehandel nur angefangen, die Kellnerin nur verspätet serviert hat (falls man sich nicht selbst schon bedienen muss, um seinen Rhythmus zu halten).

 

Immer schön freundlich und im Rhythmus bleiben

Original image by Dragan Brankovic of DB photography

Sitzt du nur rum und trinkst ab und zu, dann kann der Körper den Alkohol nicht gleichmäßig, das heißt routiniert, abbauen. Daran merkt man wieder den Anfänger.

Echte Langstrecken-Trinker erkennt man auch dadurch, dass sie die Ganze Zeit „wie aufgezogen“ sind. Sie sind redegewandt, gesellig und haben einen Adlerblick, was um sie herum alles abgeht.

Genau deshalb bleiben die wichtigsten Körperfunktionen mühelos in Aktion, als kurz über Leerlaufdrehzahl, der Puls ist auch höher. Und damit verbrennt der Profi ganz automatisch überschüssige Energie.

Dreimal darfst du jetzt raten, was Alkohol im Grunde ist….

Es ist Energie. Deshalb haben einige eher ein Energieproblem als sonst irgend was.

Als Energie sollte der Alk auch so behandelt werden.

Er muss wie jede irdische Ressource zur Freude des Herrn verbraucht und (hörbar) verbrannt werden.

Oder um es in den Worten des Profis zu sagen: Der Stoff muss alle werden.

 

Alkohol ist der Stoff aus dem die Träume sind.

Daher träumt es sich besoffen besonders schön. (Transzendent wird es erst, wenn man wieder nüchtern wird.) Der Suff ist das bebilderte Ethanol-Nirvana, der Hopfen-Himmel oder das Schankbier-Shangri-La. Aber bis dahin hat es Zeit. Und den Weg dorthin muss man sich verdienen.

Deswegen erwähne ich es hier nur am Rande. Wer im Bad oder in einer Telefonzelle übernachten will, der kann das tun. Aber bis dahin gilt: Durchalten. Und vor allem gilt es, die Haltrung zu wahren. Besonders bei Gehen.

Willst du beim Laufen die Linie möglichst ideal, also unauffällig gerade halten, dann guck dahin, wo du hingehen willst.

Ansonsten stolperst du, verlierst die Orientierung oder die Balance. Gehe immer leicht gefedert, so um die 5cm tiefer als sonst, um unerwarteten Schlaglöchern oder Steinen zuvor zu kommen. Auf diese Weise kannst du jede Unebenheit, wie zum Beispiel die Bierleichen der ganzen Anfänger, dämpfen und abfedern.

In den Kurven – sagen wir, so kurz vorm Klo – musst du meist abbiegen. An der Stelle solltest du in Schräglage gehen.

Das heißt, du musst dich in die Kurve legen, um den aufkommenden Fliehkräften entgegen zu wirken. Keine Angst, dass du eventuell auf dem Boden mit dem Ellenbogen aufsetzen könntest. Denn durch die bereits erwähnte federnde Gangart, hast du eine überlegende Kurvenlage mit immer noch grandioser Schräglagenfreiheit.

Ist der Boden rutschig (zum Beispiel bierig-glitschig oder so ähnlich), dann wie gesagt, federnd laufen und dabei unbeirrt nach vorn schauen und keine Miene verziehen, versuchen „normal“ zu gucken. [Zwecks Zielorientierung und um Doppelbilder zu vermeiden, dabei einfach ein Auge zukneifen.]

Wenn du danach immer wieder zur Bar zurück findest, dann bist kein Anfänger mehr. So viel steht fest. Und denke dran: Immer als letzter den Laden verlassen. Idealerweise nach dem Wirt. (Das ist die Königsdisziplin.) Das hinterlässt Eindruck. Glaub mir. Dann wagt es keiner mehr, dich nicht als Profi zu bezeichnen.

Dieser Beitrag musste mal geschrieben werden, sonst wird es immer wieder falsch gemacht. Und nicht vergessen: Sternhagelvoll waren wie immer nur die anderen.

/humor [Die hier beschrieben Szenarien sind frei erfunden und dürfen nicht ernst genommen werden. Gewisse Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen sind natürlich rein Zufällig und nicht beabsichtigt.]

Das ist Charakter

Original Image by rufus (rufusowliebat)

Wenn du Charakter finden willst, dann musst du in unserer heutigen Welt lange suchen. Darin ist eigentlich alles wissenschaftlich erklärt und mit Fakten und Messwerten unterlegt. Das reicht den meisten. Die Meisten sind aber die diejenigen, die keinen Charakter haben.

Der Begriff Charakter bedeutet gemeinhin Merkmal, Prägung, Eigenheit und Unterscheidung. Und Charakter bedeutet für mich auch Magie.

Richtiger Charakter ist mehr als eine Formel.

Nur so viel: Menschen können Charakter haben, sowie Persönlichkeit. Tiere aber auch. Dinge können Charakter haben, aber keine Persönlichkeit, können aber von Persönlichkeiten (Menschen) gemacht und erkannt werden. — So, der nächste Absatz wird wieder lesbar.

 

Charakter kann sowohl stören als auch geil machen

Es kommt schon darauf an, wer mit wem oder mit was in Berührung kommt. Aber trotzdem habe ich den Eindruck, das es Menschen gibt, denen Charakter generell wichtiger ist als anderen. Und anderen stört er wiederum.

Deshalb hat ein starker Charakter – vor allem der von Menschen – für viele immer auch was provozierendes. Da gibt es jene, die sich von Ecken und Kanten gestört fühlen. Schlimmer noch. Diese ‚Vielen‘ sind jene, die echte Charaktere unterbinden, unterordnen und (ihrem Weltbild, den gesellschaftlichen Normen) anpassen wollen…

…und ob sie es schaffen ist eine andere Frage.

 

Ein Charakter ist Selbstzweck

Landschaften, Gerüche, ein Gitarrenspiel, selbst Maschinen können – für denjenigen, der es erkennt – Charakter haben.

Willst du mit einem Mercedes bequem und standesgemäß von A nach B kommen? Oder mit einem Motorrad als erster ankommen? Oder ist dir beides egal? Wenn dir alles egal ist, dann fährst du überhaupt nicht oder nimmst den Bus.

Ist dir eine Sache aber wichtig, dann fährst du beispielsweise auch bei Dreckswetter oder einer Bullenplage dein bollerndes 350-Kilo Maschinengewehr auf 2 Rädern. — Nicht extrem schnell, aber mit Charakter.

Will ich mit einem 18er Macallan angeben, der mir Selbstwert gibt und geschmacklich keine Probleme macht? Oder will ich in Ruhe einen nicht billigen, aber fair bepreisten 12er Springbank erleben, der zwar ordentlich nach bösestem Kloreiniger riecht, aber beim Trinken einen multiplen Oralorgasmus verursacht, der pro Schluck 36 Minuten andauert?

Will ich falsch sein? Oder will ich richtig leben?
Will ich Dinge ausblenden? Oder will ich was merken?
Will ich die Klappe halten? Oder will ich eine Ansage machen?

 

Was du tust, dass sollte schon einen Eindruck hinterlassen

Bring – bildlich gesprochen – den Gummi auf den Asphalt. Und dann gib Galle.

Image by Robert Couse-Baker

Es gibt Menschen, die man anhand ihres Gesichtes oder ihrer Körpersprache sofort erkennt. Bei Frauen (ich bin ein Mann) ist es so, dass diese Models (die mit den Idealmaßen) auf mich genauso attraktiv wirken wie ein Besen für Sieben-Fuffzig aus dem Baumarkt. Nämlich gar nicht. Aber für schwule Modeschöpfer haben die wohl Charakter.

Charakter mit all seinen Eigenheiten ist bei Menschen komplex. Ich kann eine Person sehen und innerhalb von Sekunden einschätzen, ob man ihr vertrauen kann oder ob ich einen (männlichen/weiblichen) Idioten vor mir habe.

Die Augen, der Blick, das Gesicht, der Stil (Frisur, Kleidung, Haltung), die Stimme und Wortwahl und mein Bauchgefühl. Keine Formel, sondern mein Gefühl sagt mir, wer vor mir (oder neben) mir steht.

Ob du mit einer Person wirklich klar kommst, das merkst du frühestens bei der zweiten Begegnung. Und an deiner Beobachtung, wie sie mit anderen umspringt.

So ist es bei Menschen.

 

Die Charakteristik der Dinge

Bei Dingen ist es nicht so viel anders. Auch die haben eine – ich will nicht sagen Aura – aber eine gewisse Symbolik.

Manche Dinge transportieren den Spirit ihrer Macher. Mit Spirit meine ich nicht nur Whisky, obwohl dieses Beispiel passend wäre. Sondern, deren Geschmack beziehungsweise deren Absicht. Das ist die Absicht, was er mir mit seinem Werk anderen sagen oder mitteilen will. Beispielsweise eine Botschaft oder ein überraschendes Aha-Erlebnis, womit ich nie gerechnet hätte.

Heutzutage haben einige Unternehmen erkannt, dass mit Charakter Geld verdienen kann. Schön und gut.

Das Problem ist aber, dass nun spezielle Produkte einen bestimmten Charakter haben sollen. Diesen aber nicht bekommen. Viele Resultate haben nicht den erhofften Charakter — aus Sicht der Kunden. Warum? Weil die Leute, die dafür verantwortlich sind, selber keinen haben, diesen nur kopieren oder geschmacklich völlig anders liegen.

Kurz: Wer mit Charakter Geld verdienen will, der hat keinen oder geht nach Hollywood. Am besten passt beides.

 

Ein paar Fragen, die helfen zu verstehen:

Wieso sind ausgerechnet sind die meisten Chopper Harley-Umbauten oder -Klone? — Weil die Amis den besten Fahrzeugbau haben?

Wieso sind ausgerechnet irische Pubs die populärsten Kneipen der Welt? — Weil es in anderen Kneipen nichts zu saufen gibt?

Wieso wird ausgerechnet starker aromatischer Whisky pur und handwarm getrunken? — Weil der Trinker eh nichts mehr merkt?

Wieso wirkt ausgerechnet der alte Chinese so weise? — Weil im Rest der Welt alle Deppen sind?

Wieso sind Italiener die besten Gastronomen und Mafiosi?  — Weil sie Zoff mit den Iren wollen?

Wieso ist ausgerechnet die Schauspielerin Tilda Swinton ein Kultstar? — Weil sie ein missglückter Klonversuch von David Bowie war, um ewig zu leben?

 

Charakter ist nicht nur ein Auspuffklang, eine Geschmacksnote oder eine typische Eigenheit. Charakter ist mehr als der Arsch deiner Braut oder das Gesicht von Opa Willie.

Echter Charakter ist komplex und daher nicht einfach erklärbar. Er ist mysteriös, einzigartig und unkopierbar. Er sorgt dafür, dass man dich oder deine Handschrift noch nach Jahrzehnten wieder erkennt. In unserer von Leistungswettbewerb, Fakten und Features dominierten Gesellschaft ist Charakter das einzige, was darüber steht.

Charakter ist dein Markenzeichen schlechthin.

Als ob du in deiner Freizeit Bomben entschärfst

Original image by Josh Minor of pixelverse.org

Hier mal ein Naturgesetz: Cool sind jene Leute, die es tatsächlich nicht nötig haben, auf irgend eine Art negativ zu reagieren. Egal, ob es um eine Belehrung, ein persönlicher Angriff oder sonst irgendwas geht. Sie wissen, wer sie sind..

Noch cooler sind solche Leute, bei denen niemand will, dass sie negativ (also defensiv) reagieren. Besonders cool sind jene Leute, die Vertrauen ausstrahlen und deren Nähe man sucht. — Weil sie eigenständig, aber nicht abweisend sind.

Ein Typ, der viel zu viel Gewese um etwas macht, mit dem will man am liebsten nicht gesehen werden. Selbst wenn es der eigene Ehemann ist. Und eine Frau, die ständig rumnörgelt und hysterisch ist, die stellt – egal, wie sie aussieht – ihren Attraktivitätschalter auf „Aus“. Der selbe Effekt tritt auf, wenn aus eigentlich guter Musik zu anderer Zeit Lärm wird.

Was ist cool? Ich würde es so sagen: Das wäre eine Person, die sympathisch ist und gleichzeitig so wirkt, als ob sie in ihrer Freizeit Bomben entschärft. Also jemand, der auf seine unnachahmliche, aber angenehme Art, präsent ist. Jemand, der charakterlich einen Fels in der Brandung gleicht. Dem nichts aus der Ruhe bringt und auch nein sagen kann – und dazu steht – selbst wenn diverse Idioten sich darüber mokieren.

 

Wirklich cool ist nur der, der weiß, dass er eben nicht cool ist.

Oder gibt es tatsächlich Leute, die schon cool, also abgeklärt mit Bart und Sonnenbrille auf die Welt kommen? Natürlich nicht. (Von Ausnahmen mal abgesehen.) Es ist – wie immer – eine Einstellungssache. Besser, eine Eingestehungssache.

Sich einzugestehen, dass man nur ein Mensch ist, fällt vielen schwer. Vor allem vor anderen.

Jeder hat Unzulänglichkeiten, Eigenheiten und Macken, die er gern verstecken, übertünchen oder von denen er ablenken will. Dann wird eine scheinbar coole Fassade aufgebaut, weil derjenige denkt, es reicht, so auszusehen, wie jemand anderes, der ebenfalls als cool gilt.

 

Der Spießer und der Idiot haben einen Makel, der Coole hat ein Feature

Das lustige ist, dass Leute, die eben gerade zu ihren Unzulänglichkeiten, Eigenheiten und Macken stehen, als cool gelten. Sie wissen nicht nur, dass sie nicht perfekt oder fehlerfrei sind. Sie wissen auch, dass es nichts bringt dies zu leugnen oder zu verstecken. Besser noch, sie leben und zeigen alle Teile ihrer Persönlichkeit wie selbstverständlich – weil es für sie selbstverständlich ist. Die herausragenden Eigenschaften gehören genauso dazu wie der Makel. Denn der Makel ergibt manchmal erst das gewisse Etwas, dass die coole Art der Persönlichkeit ausmacht oder unterstreicht.

Beispiel: Lemmy Kilmister, der im Dezember verstorbene Motörhead(-Gründer und Frontmann), hat sich mal bei einem Fan über deren Tattoo – ein Lemmy-Portrait – beschwert, weil die Warzen fehlten. Sie versprach, den Makel am Tattoo nachbessern zu lassen und damit das Feature (die Warzen) nachstechen zu lassen.

Jeder, der glaubt, cool zu ein, erreicht das Gegenteil. So jemand wirkt abartig, unsympatisch und irgendwie zurück geblieben. Aber keinesfalls cool. Bestenfalls wirkt so jemand arrogant und blasiert. Den schlimmsten Exemplaren sieht man das gleich an. (Mir fällt grad ein, das ich mein Bild oben rechts erneuern muss.)

 

Wie angewurzelt

Uncoole Leute erkennt man daran, dass sie glauben, sie seien was besseres und alles müsse nach ihrer Pfeife tanzen, sobald sie nur dastehen. Und man wird sie nicht mehr so schnell los. Sie nehmen sich extrem ernst. So ernst, dass es schon wieder lustig ist.

Wenn beispielsweise ein dummer und eingebildeter Spießer sich respektlos gegenüber einer charakterstarken und wahrhaftigen Persönlichkeit daneben benimmt, dann wird letztere einen rote Linie ziehen. Der Idiot wird erwartungsgemäß von der coolen Person zurechtgewiesen, und damit vom Gegenteil seiner selbst konfrontiert. Und was passiert dann mit dem Idioten?

Der steht dann da wie angewurzelt. Noch uncooler und schmerzfreier geht es nicht mehr. Leute mit Charakter und Hirn sind immer wieder verblüfft über dieses (scheinbar sture) Verhalten. Genau genommen befindet sich der Idiot im Schockzustand, wie ein Huhn mit abgehacktem Kopf. Das rennt ja auch erst einmal weiter.

 

Was kannst du gegen eine Idiotenplage tun?

Halte sie von dir fern. Am besten durch Abschreckung. Oder – falls dir das zu harsch ist – durch Befremdung. Dann bleiben die nicht völlig fern (denn dafür gibt es zu viele von denen). Aber es kommen weniger (die z.B. deinen Betrieb aufhalten).

Uncoole, also Idis, sind in der Regel schwierige Kunden (die das jeweilige Unternehmen, dass sie beglücken, nur schaden). Und sie würden nicht mal Chuck Norris erkennen, wenn der Zähne fletschend vor ihnen stünde.

Man selbst zu sein kann viele abstoßen. Einige können das Äußere nicht ab, genauso all die Facetten des jeweiligen Charakters. Der coole Typ wird nicht mehr nervös wenn er beispielsweise irgend ein hohes Tier begegnet. Wichtigtuer kann er riechen. Drei verdammte Meilen gegen den Wind. Ein Idiot merkt das nicht, wundert sich aber, dass er nicht bekommt, was er meint bekommen zu müssen.

 

Coolness wird nicht in der Schule gelehrt

Aber auch nicht auf dem Pausenhof.

Falsche Coolness findet man häufig in den Massenmedien. Diese falsche Coolness wird dann nachgemacht. Warum? Weil es als cool gilt. Das heißt, jemand, der als cool gilt, der muss in Wirklichkeit gar nicht cool sein. Kein Witz, das ist so.

Auf der anderen Seite, also auf dem Pausenhof, da gibt es den Einen, dessen Coolness wirkt aufgesetzt, der mit niemandem lange auskommt und mit dem deshalb auch keiner spielen will. Auch der gilt – wenig überraschend – als uncool. Was ist daran cool, allein dazustehen? Eben.

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Dazwischen spielt die Musik. Also weder bei dem Biedermann noch beim totalen Aussenseiter und Kommunikationsverweigerer.

Der Rowdy auf dem Schulhof hat seine kleine aber unfeine Gang. Er ist nicht allein. Im Gegenteil. Bei den anderen Kids gilt er als cool — sofern er diese nicht exzessiv bedroht. Oder der Rüpel, der sich mit dem Lehrer anlegt, den Lehrplan infrage stellt, diskutiert und eigene Ideen hat, die (nicht bei den Lehrern) Beachtung finden, weil er das rumerzählt.

Cool ist nicht derjenige, der nur anders ist, weil er anders sein will. (Purer Egoismus.) Cool ist aber derjenige, der sich nicht jedem anbiedert und andere an seinem eigenen Andersein mit teilhaben lässt.

Cool ist jemand, der sich nicht isoliert, aber selbstvertsändlich seine Macken lebt und nichts dagegen unternimmt.

Coolness ist auch eine Form von Dankbarkeit und Demut, und zwar gegenüber den Dingen, die nur der coole nicht für selbstverständlich hält. (Aber der Uncoole.)

Und cool ist es, auch mal Danke zu sagen.

An dieser Stelle Danke an Dir, dass du hier liest und immer wieder kommst …auch wenn mir ein Beitrag mal nicht so gelungen ist und du mir dann ein paar Fehler verzeihst. (Passiert mir hin und wieder.) Danke!

So. Jetzt gehen wir wieder Bomben entschärfen.

Die alltägliche Pedanterie

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In keinem Land der Welt – abgesehen von Nordkorea – wird (gefühlt) so extrem auf die Pelle gerückt, beobachtet und denunziert wie in Deutschland. Vor allem wird kontrolliert.

D-Land hat richtig Probleme, mit Leuten, die hier Probleme machen. (Wichtigtuer, Zurechtweiser, Ordnungsfanatiker, Machtfrettchen.)

Es heißt ja immer, es gäbe zu wenig Polizeipräsenz.

Ich sage, es gibt zu viel zu viel. Wir haben eine Bullenplage.

Und dann noch an völlig falscher Stelle.

 

Fünf typische Beispiele

Natürlich als erstes die Bullen. Die kontrollieren Biker, ob die Auspuffe auch leise genug sind. — Einen Spießer erkennt man an der Pedanterie und dem zwanghaften suchen nach einen Einwand, wo es keinen gibt. Der freut sich, wenn der was findet und kennt deshalb keine Toleranz.

Amtsleuten kann man in Deutschland kaum aus dem Weg gehen, und denen entgeht auch nichts. Das kennt man auch aus englischen und amerikanischen Kriegsfilmen. Der stets kontrollierende Nazi findet – wie immer – irgendwas. Und dann gibt es eine drakonische Strafe.

Zig mal gehört: Sich in Deutschland aufhaltende Engländer und Nordamerikaner beklagen oft das Gefühl, ein Minenfeld zu durchlaufen, wenn sie sich durch den Alltag bewegten. Es lauerte immer ein Belehrer oder Bestrafer an jeder Ecke. Beispielsweise die Straßenbahn zu nutzen und den Fahrschein plötzlich nicht zu finden kann böse enden.

In der EU gibt es einschränkende Gesetze gegen den Tabakkonsum. Wegen der Volksgesundheit. Angeblich. In Schweden und Norwegen gibt es weit ungefährlichere (gesündere) Alternativen namens Snus. Der Import nach Deutschland ist allerdings streng verboten. Es wird genau kontrolliert und bestraft. Aber nicht so in anderen Ländern.

So richtig einen den Tag versauen kann einem der subjektive Eindruck (das heißt gefühlte Wahrnehmung) eines Beamten oder Vorgesetzten, wenn sie meinten, aus dem Bauch heraus entscheiden zu können, was erlaubt wäre und was nicht. Ein Bekannter musste 1995 sein damals neues Motorrad stehen lassen, weil der Bulle meinte, es sei unzulässig laut. War es (Ducati) aber nicht, es klang nur anders als der Trachtenträger es gewohnt war. Mein Bekannter bekam zwar recht, da Mopped zulässig. Aber vorher dieses Theater.

 

Sobald der Deutsche Spießer, Pöbel oder Penner eine Uniform an hat, wird er unausstehlich

Warum? Vor lauter Stolz sind solche Personen bereits derart geblendet, dass sie sich anderen gegenüber moralisch überlegen fühlen und Machtkomplexe bekommen.

Das ist vergleichbar mit der kaputten Psyche vieler Frauen, die andere Frauen nur deshalb schlechter behandeln oder gering schätzen, weil jene (scheinbar) keinen Mann haben. Das mobbende Weibchen fühlt sich sofort als überlegende Spezies (da es einen Mann hat) und macht ihre Position sofort deutlich. — Der Mann ersetzt hier Uniform oder Rang.

 

Überall gelten Regeln

Aber nur die Deutschen kontrollieren ganz genau und bestrafen sofort bei dem geringsten Vergehen. Ich meine damit nicht, dass es anderswo besser wäre. In Indien und einigen anderen Ländern werden ärmere Leute schneller kriminalisiert und härter bestraft als wohlhabende. Oft auch dann, wenn der Wohlhabende erwiesenermaßen Schuld hat. Wen interessiert es…? Keinen.

Aber: Kein Volk der Welt gilt als so gesetzestreu wie die Deutschen. Ich habe immer wieder gestaunt, wie lax man im Ausland kleinere Vergehen durchgehen lässt. Es interessiert keinen. Oder es ist keiner Bestrafung würdig, da es kein Problem darstellt (oder verursacht).

In Frankreich wird man wieder eher angeschnauzt (es ist wahrscheinlich, wenn man so daher kommt wie ich), aber man wird nicht gleich bestraft. In Russland gilt das Recht des Stärkeren, wobei „stark“ auch reich, schön, schnell, populär, jung oder einfach geil bedeuten kann. Und in Italien kannst du mit abgesägten Auspuff an einer Polizeistation vorbei brettern. Mehrmals.

 

„Je verdorbener der Staat, desto mehr Gesetze hat er.“ — Tacitus (58-120)

Ja, es gibt überall Regeln, Gesetze, Richtlinien. Aber es gibt auch wirkliche Probleme. Und vor allem gibt es jene Probleme, die erst aus schärferen Gesetzen entstehen. Es ist fast so, als ob der „Staat“, also Beamte, Wege suchen, um ihre eigene Existenz zu rechtfertigen oder aufrecht zu erhalten. Und von Dingen, die der Staat nicht in den Griff bekommt, kann man so vorzüglich ablenken.

Während irgendwo echte Verbrecher weiter frei herum rennen, steht der Freiheitsvernichter stolz am Straßenrand und beurteilt den Klangcharakter von einem Stück Rohr, das in den USA schon als gefährlich leise gelten würde.

Hat die Bullerei zu wenig zu tun? Ja. Deshalb müssen wohl immer schärfere Gesetze her, deren Kontrolle allein schon weitere Probleme verursacht. Dann braucht man wieder Gesetze und die Spirale dreht sich.

Was mich betrifft, lieber höre ich das Beschleunigen einer Ducati Monster mit blanken Rohren als den Rasenmäher meines Nachbarn.

 

Wenn ich in D was zu sagen hätte

…dann würde ich aus der EU austreten (Dexit) und sämtliche EU-Vorschriften für nichtig erklären. Ich würde nicht gleich eine Mindestlautstärke für Auspuffe einführen. Wer leise fahren will, der soll es tun. Außerdem gäbe es endlich kleine und individuelle Kennzeichen, die nicht das ganze Fahrzeug verunstalten. Die Vorschriften würden erheblich laxer.

[Und überhaupt: Wieso dürfen nur Terminatoren ohne Helm fahren? Ich schaffe dann alles ab, auch Kuttenverbote und die Helmpflicht. Wenn ich nur mal kurz um die Ecke zum Schnapsladen will, setze ich keinen Helm auf. Viel zu schwer. Den Bullen erzähl ich dann immer, mein Stahlhelm wurde mir gerade geklaut. — Zu Fuß gehen ist in unserer Gegend viel zu gefährlich. Es soll hier eine tollwütige Oma geben, die ahnungslose Fußgänger beißt.]

Und hochaktuell: Im Stau können die Biker – so wie in anderen Ländern auch – durchfahren, wo Platz ist (statt menschenfeindlich und gefährlich in der Sonne stehen zu bleiben, um ihr Hirn zu braten).

Die typisch deutsche und daher lästige Meldepflicht kommt weg. Wenn man die in anderen Ländern einführen würde, gebe es dort mindestens einen Bürgerkrieg.

Unternehmensgründer bekommen von mir zwei, drei Jahre Immunität gegenüber jeglicher Bürokratie. Kein Meisterzwang, keine EU-Vorschriften, keine Kontrollen, nichts. Sie bräuchten auch keine Steuern mehr im Voraus zu zahlen, für Umsatz, den sie noch gar nicht gemacht haben. Mit anderen Worten, ich würde Gründer entkriminalisieren.

Aber dazu müsste ich Bundesverkehrsminister und Bundeswirtschaftsminister in einem werden. Oder noch besser Bundeskanzler. Leider zeitraubend sind die ganzen Ernennungen und Wahlen. Ich weiß, das ganze Procedere ist viel zu langwierig und kompliziert. Vielleicht sollte ich gleich als Führer kommen.

…aber bis dahin kaufe ich mir sicherheitshalber noch ein gültiges Tagesticket für die Straßenbahn und packe solange meine Uniform vom Kostümverleih diskret in eine ALDI-Tüte. Und außerdem macht mein Nazi-Moped zu viel Krach — man will ja keinen verärrgern….

/satire; humor

 

Wenn man jemanden schon von weitem erkennt

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…dann ist dieser jemand entweder eine charismatische Person oder prominent. Jedenfalls fällt derjenige auf. Idioten erkennt man von weitem nicht so leicht. Die wirken eher bedeckt und unauffällig, manchmal auch abstoßend.

Auffällige Leute zeigen – sofern sie integer, also echt sind – ihr wahres Ich. Das ist was positives, für sie selbst und für andere. Sie haben nichts zu verstecken. Jeder weiß, woran man bei ihnen ist. Sie selbst stehen zu sich. Sie tolerieren so auch die Andersartigkeit von anderen, für sie gilt ‚leben und leben lassen‘. Aber leider ist dies in unserer gleichförmigen Gesellschaft selten.

Jeder will jeden ausstechen oder übertrumpfen, in dem der seinen nächsten punktgenau kopiert. Dieser Widerspruch ist das Dilemma. Jeder Klon erschafft sich selbst aus einem bereits existierenden Klon heraus, der wiederum bereits von einem anderen scheiß Klon abstammt.

Es gibt auch eine Mischform von Individualismus und Klonen. Das nennt man Kopieren (oder Nachahmen) von für Normalbürger auffälligen Gruppen.

 

Bei auffallenden Gruppen gibt es ein sowohl als auch

Es gibt wie überall Originale und Kopien. Es gibt Leute (oder Gruppen), die kopieren den Look, das Getue und Auftreten von anderen (Gruppen). Dass das nicht immer gut geht, versteht sich von selbst. Kein Unternehmen, kein Club oder keine künstlerische Gruppe, die was auf sich hält, will dass eine weitere Gruppe genauso daher kommt wie sie selbst und damit bei unbedarften Zeitgenossen (oder Interessenten) den Eindruck erweckt als gehörten die zu einem. Schlimmstenfalls rücken die sich (ungewollt) gegenseitig auf die Pelle. [Oder blamieren sich – wie es Berufsidioten (Polizeibeamte) gewöhnlich tun – bis auf die Knochen.]

Aber die Rede ist hier nicht von Gruppen, sondern vom Individuum, der einzelnen Person. Denn in einer außergewöhnlichen Gruppe würde sich – sofern dieser drin wäre – auch ein angepasster Spießer stark fühlen. Aber allein? Allein unter Spießern?

Negativ angesehen werden die Auffallenden nur von Leuten, die selber eher zu der Kategorie Idioten gehören. Spießer schütteln über auffällige Leute gern den Kopf. (Das ist noch das harmlosere Verhalten.)

 

Was heißt hier auffällig?

Das Wort „auffällig“ ist oft im negativen Sinne gemeint. Es bedeutet in erster Linie verdächtig, abweichend oder störend. Also alles, was den als den gesellschaftlichen Normen zuwider läuft. Der Unterschied zwischen auffallend und auffällig ist fein, denn beide fallen nun mal auf. Die Frage ist wie. Fällt man positiv oder negativ auf?

Die Antwort auf diese Frage gibt entweder die angepasste Mehrheit — dann bleibt nicht mehr viel Platz für Individualismus und Kreativität. Oder exakt die Leute, die wohlwollend und mit ehrlichem Interesse dem „Auffälligen“ ihre Aufmerksamkeit schenken. Und geschenkte Aufmerksamkeit ist selten geworden. Besser man verdient sie sich. Wie? Indem man das, was man zeigt auch ist. Dann fällt man automatisch auf. Ist man dazu noch wohlwollend anderen (nicht allen!) gegenüber, dann kann man dauerhaft auffallen. Und dieses auffallen nimmt dadurch zu. Dann nennt man es prominent.

Gesellschaftliche Normen können Stile, Ansprüche, Sichtweisen, Ausdruck, Humor, Einstellungen (zu gewissen Dingen) sein. Sogar Geschmäcker. Eigentlich alles.

Auffällige Menschen interessiert das alles nicht. Sie sind eigenständig und zu 100% sie selbst. Deshalb werden sie (heimlich) bewundert. Sie sind zudem oft bunt, unterhaltsam, inspirierend, ermutigend und lebensbejahend. Sie sind somit alles, was der Begriff Leben wirklich bedeutet.

 

Auffällig sein heißt zu leben

Fakt ist, jeder stirbt (irgendwann), aber nicht jeder lebt, bevor er stirbt. Das auffällige hierbei ist, das Auffällige Leute auch für andere und uns Leben in die Welt bringen anstatt einfach nur zu existieren. So zu Leben macht schon mal Sinn.

Falls du eine auffällige Person siehst, dann siehst du jemanden, der sinnvoll lebt. Tu es dieser Person gleich. Aber auf deine Art. Das heißt, falle dort auf, wo du dich sowieso am wohlsten fühlst. Alles andere wäre Anpassung. Und tödlich.

Die Probierer

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Ehrlich, mir schwillt jedes Mal der Kamm, wenn ich wieder höre, dass irgend jemand erst mal irgend was probieren muss. Was muss der denn probieren? Das, was er nicht haben will? Oder will er probieren, ob er noch probieren darf?

Probieren ist eigentlich Quatsch. Selbst teure Immobilien oder Ehefrauen kann man(n) nicht probieren. Die muss man so nehmen, wie sie sich präsentieren. Probieren gibt es nicht, schon gar nicht in der Form wie das Probierte sich später im Alltag bewährt. Probieren sollte man in einigen Fällen schon. — Aber nur wenn man der richtige Probierer dafür ist.

Deshalb gibt es drei Sorten von Probierern. Den Angst-Probierer, den Neugierigen und den Berufs-Probierer.

 

Der Angst-Probierer

Der muss probieren, sonst wird der wahnsinnig. Eigentlich ist er das schon. Aber als Probierer geht er auf Nummer Sicher und lässt sich auf nichts ein, worin er investieren müsste. Der akzeptiert kein Risiko. Dabei investiert er den Großteil seiner wertvollen Lebenszeit genauso ins Probieren, wie der Schnäppchenjäger die seine auf der Suche nach dem jeweils günstigsten Preis. (Für Dinge, die er nicht braucht.) Und riskiert damit, genau das zu übergehen, was er wirklich sucht. (Und ansonsten schon längst gefunden oder als Chance hätte nutzen können.)

Er will lieber Unsicherheiten ausschließen. (Was real nie funktionieren kann.) Er schiebt auf und probiert statt dessen lieber weiter, weil er wissen will, was er für sein hart verdientes Geld bekommt oder wofür er seine wertvolle Zeit opfert.

Der Grund?

Der Angst-Probierer ist Perfektionist (siehe ‚wahnsinn‘). Er will das ultimative Ding. Aber genau das kriegt er nicht. Eher weniger. Denn durch die ganze Probiererei kommt er nur von dem ab, was er ursprünglich wollte (siehe oben). Er hat Angst, was zu verpassen und verpasst genau deswegen das, was er auf keinen Fall verpassen will.

Kurz, der Angt-Probierer probiert nur. Er kauft nicht und er mietet nicht (was oft sinnvoller wäre als probieren). Er richtet durch sein exzessives Probieren sogar Schaden an. Ich habe im Supermarkt schon Leute beobachtet, die die Versiegelung vom Margarinebecher lösen, ihren ungewaschenen Klofinger rein stecken und… probieren.

Mit angelutschtem Finger gehts weiter zur Senf-Abteilung. Deckel auf, wieder den Klofinger rein und lutschen. (Deshalb kaufe ich keinen Löwensenf, wegen der fehlenden Versiegelung.) Danach wird daneben die Tube angbrochen, Klofinger ran und…. Genau. Lutschen. Der Angst-Probierer ist ein Lutscher.

Diese selben Leute sind es, die sogar Hobby-mäßig in Deutschland mit Rucksäcken auf Messen gehen und unentwegt Proben einsammeln. Ist der Sack voll, sind sie weg. …und haben das Gefühl, dass sie nochmal wieder kommen müssen.

 

Der Neugierige sucht die Erfahrung

Diese Form ist ein Sonderfall, weil es im eigentlichem Sinne kein Probieren mehr ist. Eher ist es eine risikobereite Art, etwas in Erfahrung bringen. Ein bisschen Aufregung, also den emotionalen Kick zu bekommen. Diese Neugierde ist auch eine Treibkraft (oder sagt man Triebkraft?) zu persönlicher Bildung.

Neugierige probieren nur Dinge, die wirklich selten und exquisit sind. Sie wollen herausfinden, was denn nun dahinter steckt. (Auch ich gehöre manchmal dazu.) Und meistens probieren sie diese auch umfänglicher als als der Angst-Probierer. Und auf jeden Fall ohne zu lutschen.

Auch Genussmenschen (Hedonisten genannt) fallen im weitesten Sinn unter den Neugierigen. Im weitesten Sinn deshalb, weil das Probieren schon beim Kauf inbegriffen ist. Mit anderen Worten, er probiert, indem er kauft. Er gibt Butter bei die Fische. Er probiert reichlich, intensiv und ausschweifend. Er lutscht nicht. Er schluckt.

Er sagt nicht: „Aber nur ein kleines Schlückchen.“ Sondern: „Her mit der Pulle!“ Er ist nicht oberflächlich, sondern entschlossen und geht tief in die Materie. Er will rein ins Abenteuer und steht auf intensives Kennenlernen mit allen Facetten. Er will nicht anlutschen, er will vernaschen.

 

Der Profi-Probierer

Das sind keine Loser. Das sind Profis, also Berufsverkoster, -Riecher -Tester und -Schmecker. (Keine Lutscher, siehst du.) Das sind die, die mit dem Probieren ihren Lebensunterhalt verdienen. Köche, Bäcker, Fleischer, Verkoster, Händler, Sommeliers, Brauer, Master Blender (siehe Video mit Richard „The Nose“ Paterson), Journalisten und Testfahrer bei VW.

Kurz, der Berufs-Probierer hat das Probieren als Beruf, als einen Teil davon oder sogar als Geschäftsmodell. Und wenn wir schon bei Geschäftsmodellen sind. Auch das Klokain-Kartell ist ein Geschäftsmodell. Dieser Blog dient der Vorbereitung dazu. (Ja ja, ich bin böse, hege „kapitalistische“ Absichten und bin viel schlimmer als Donald Trump.)

Aber hier probiere ich nicht, sondern experimentiere. Genau wie der Koch, der Whisky-Blender oder der verrückte Wissenschaftler. Ein Experiment muss man planen und durchführen. Entweder es klappt oder klappt nicht. Der Angst-Probierer will ja genau das abwenden. Also abwenden, dass es auch schief gehen könnte.

Wie sagte schon Konfuzius: „Del Weise weiß, dass es nicht geht, und macht es tlotzdem.“

Eben.

 

Wie du trotzdem richtig probierst

Am besten probierst du erst gar nicht. Sondern gehst von vornherein nach deinem Bauchgefühl.

Kaufe das, was du haben willst. (Aber mach es so, dass deine Finanzen passen.)

Heirate die Person, die dich in Wallung bringt. (Aber achte vorher darauf, dass sie auch andere gut behandelt.)

Mache denjenigen zum (Geschäfts-)Partner, bei dem du sofort merkst, dass er der richtige wäre. (Du musst mit ihm klarkommen, die Chemie ist wichtiger als Perfektion.)

Das Leben ist keine Probe, es findet bereits statt. Wer hier probiert, verliert. — Im Großen und Ganzen, sag ich mal.