Wie man richtig durchsäuft

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Jeder Genussmensch kennt das doch aus seinen Anfangstagen: Die schönsten Momente sind immer die nach den ersten Drinks. Danach kippt entweder die Stimmung oder man pennt ein. Genau das ist das Anfängerproblem.

 

Bei Profis läuft es (der Stoff) anders

Wo es beim jungen Anfänger schon zu Ende geht, da geht beim Alten die Tour erst richtig los.

Insider wissen es. Der Profi glüht vor. Er ist immer bereit. Das heißt nichts anderes als genießen von Anfang an.

Original image by Melissa Wiese

Die Alten kommen wie selbstverständlich schon angetrunken zum Besäufnis. ‚Angetrunken‘ heißt hier ‚bereits mitten drin‘ oder ‚warm gelaufen‘ oder ’schon bei der Sache‘. So jemanden kann eigentlich nichts mehr passieren.

Selbst wenn der Profi die ganze Nacht durchsäuft, so wirkt er auch weiterhin stocknüchtern. Und das Schöne ist, er hat weiterhin Durst. Durst bis zum Schluss. Wobei er weniger aufs Klo rennt als so mancher Jungspund in kürzerer Zeit.

Das kannst du auch, indem du stetig, aber zügig trinkst. Trinkst du zu schnell, geht es dir wie dem Anfänger und fällst um. Trinkst du zu langsam, vergeht dir der Appetit und kriegst einen Kater. Und aufs Klo musst du so oder so.

Im schlimmsten Fall leitest du damit eine ungewollte Entwöhnung ein. Aber soweit darf es nicht kommen..

Falls doch, willst du nur noch ins Bett. Und wer im Bett liegt ist unproduktiv und verpasst die Happy Hour. Kurz: Halb besoffen ist raus geschmissenes Geld. Daher gilt:

 

Aktiv am Geschehen teilnehmen

Es ist wie überall im Leben. Passivität lässt dich auf brutalste Weise ins Hintertreffen geraten. Du siehst, richtig saufen ist Arbeit.

Das wissen und verstehen die wenigsten. Die Bedienung, arbeitet nur zu. Und zwar während der Wirt (Cheftrinker) hart arbeitet, indem dieser selbstlos seine Gesundheit im Sinne des Gemeinwohls aufs Spiel setzt und unablässig vorexerziert wie man trinkt. (Das wird viel zu selten gewürdigt.)

Also die Hauptarbeit an der Front, die muss der Trinker mit ganzem Körpereinsatz absolvieren. Er muss unterhalten, nachdenken, nachtanken und sich mächtig anstrengen, das Klo zu meiden. (Dazu gleich mehr.)

Geht das überhaupt, saufen und sprechen? Ja klar, du bist ja nicht der einzige, der säuft. Das läuft – wie so vieles im Suff – automatisch. Die anderen saufen sich dein Gelalle wieder verständlich. Und außerdem, du sollst ja unterhalten und kein Referat abhalten. (Versuchen kannst du es trotzdem..)

 

Die Blase ist das Statussymbol des professionellen Trinkers

Das Getränk selber, gerade Bier, ist vergänglich und daher kein Prestige. Denn man kauft kein Bier. Man mietet es nur. Spätestens auf dem Klo, weißt, du was ich damit meine. Nur die Haltedauer ist entscheidend, die macht den Unterschied.

Profiblasen sind wie die Plautze einer Schlange. Sie sind dehnbar bis auf ein vielfaches ihrer Größe.

Es gibt für den Profi keine Pausen. Nicht im eigentlichem Sinne. Denn er muss seine Körperfunktionen im Griff haben. Zum Pissen geht er keine Sekunde zu früh, sondern erst dann, wenn es schon aus den Ohren kommt. Auf keinen Fall vorher „das Siegel brechen“.

Dann lieber noch einen trinken. Wie gesagt, es ist harte Arbeit. Und wer will dabei schon oft unterbrochen werden, und sei es nur durch die eigene Blase. (Die vorher gedehnt wird.)

Fakt ist, der professionelle Suffkopp muss der scheinbaren Sinnlosigkeit des Trinkens Ausdruck verleihen. Denn hat sie Ausdruck, hat sie Sinn. Er gibt der Sache also Sinn. Er vollendet das, was Brauer, Brenner und Getränkehandel nur angefangen, die Kellnerin nur verspätet serviert hat (falls man sich nicht selbst schon bedienen muss, um seinen Rhythmus zu halten).

 

Immer schön freundlich und im Rhythmus bleiben

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Sitzt du nur rum und trinkst ab und zu, dann kann der Körper den Alkohol nicht gleichmäßig, das heißt routiniert, abbauen. Daran merkt man wieder den Anfänger.

Echte Langstrecken-Trinker erkennt man auch dadurch, dass sie die Ganze Zeit „wie aufgezogen“ sind. Sie sind redegewandt, gesellig und haben einen Adlerblick, was um sie herum alles abgeht.

Genau deshalb bleiben die wichtigsten Körperfunktionen mühelos in Aktion, als kurz über Leerlaufdrehzahl, der Puls ist auch höher. Und damit verbrennt der Profi ganz automatisch überschüssige Energie.

Dreimal darfst du jetzt raten, was Alkohol im Grunde ist….

Es ist Energie. Deshalb haben einige eher ein Energieproblem als sonst irgend was.

Als Energie sollte der Alk auch so behandelt werden.

Er muss wie jede irdische Ressource zur Freude des Herrn verbraucht und (hörbar) verbrannt werden.

Oder um es in den Worten des Profis zu sagen: Der Stoff muss alle werden.

 

Alkohol ist der Stoff aus dem die Träume sind.

Daher träumt es sich besoffen besonders schön. (Transzendent wird es erst, wenn man wieder nüchtern wird.) Der Suff ist das bebilderte Ethanol-Nirvana, der Hopfen-Himmel oder das Schankbier-Shangri-La. Aber bis dahin hat es Zeit. Und den Weg dorthin muss man sich verdienen.

Deswegen erwähne ich es hier nur am Rande. Wer im Bad oder in einer Telefonzelle übernachten will, der kann das tun. Aber bis dahin gilt: Durchalten. Und vor allem gilt es, die Haltrung zu wahren. Besonders bei Gehen.

Willst du beim Laufen die Linie möglichst ideal, also unauffällig gerade halten, dann guck dahin, wo du hingehen willst.

Ansonsten stolperst du, verlierst die Orientierung oder die Balance. Gehe immer leicht gefedert, so um die 5cm tiefer als sonst, um unerwarteten Schlaglöchern oder Steinen zuvor zu kommen. Auf diese Weise kannst du jede Unebenheit, wie zum Beispiel die Bierleichen der ganzen Anfänger, dämpfen und abfedern.

In den Kurven – sagen wir, so kurz vorm Klo – musst du meist abbiegen. An der Stelle solltest du in Schräglage gehen.

Das heißt, du musst dich in die Kurve legen, um den aufkommenden Fliehkräften entgegen zu wirken. Keine Angst, dass du eventuell auf dem Boden mit dem Ellenbogen aufsetzen könntest. Denn durch die bereits erwähnte federnde Gangart, hast du eine überlegende Kurvenlage mit immer noch grandioser Schräglagenfreiheit.

Ist der Boden rutschig (zum Beispiel bierig-glitschig oder so ähnlich), dann wie gesagt, federnd laufen und dabei unbeirrt nach vorn schauen und keine Miene verziehen, versuchen „normal“ zu gucken. [Zwecks Zielorientierung und um Doppelbilder zu vermeiden, dabei einfach ein Auge zukneifen.]

Wenn du danach immer wieder zur Bar zurück findest, dann bist kein Anfänger mehr. So viel steht fest. Und denke dran: Immer als letzter den Laden verlassen. Idealerweise nach dem Wirt. (Das ist die Königsdisziplin.) Das hinterlässt Eindruck. Glaub mir. Dann wagt es keiner mehr, dich nicht als Profi zu bezeichnen.

Dieser Beitrag musste mal geschrieben werden, sonst wird es immer wieder falsch gemacht. Und nicht vergessen: Sternhagelvoll waren wie immer nur die anderen.

/humor [Die hier beschrieben Szenarien sind frei erfunden und dürfen nicht ernst genommen werden. Gewisse Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen sind natürlich rein Zufällig und nicht beabsichtigt.]

Das ist Charakter

Original Image by rufus (rufusowliebat)

Wenn du Charakter finden willst, dann musst du in unserer heutigen Welt lange suchen. Darin ist eigentlich alles wissenschaftlich erklärt und mit Fakten und Messwerten unterlegt. Das reicht den meisten. Die Meisten sind aber die diejenigen, die keinen Charakter haben.

Der Begriff Charakter bedeutet gemeinhin Merkmal, Prägung, Eigenheit und Unterscheidung. Und Charakter bedeutet für mich auch Magie.

Richtiger Charakter ist mehr als eine Formel.

Nur so viel: Menschen können Charakter haben, sowie Persönlichkeit. Tiere aber auch. Dinge können Charakter haben, aber keine Persönlichkeit, können aber von Persönlichkeiten (Menschen) gemacht und erkannt werden. — So, der nächste Absatz wird wieder lesbar.

 

Charakter kann sowohl stören als auch geil machen

Es kommt schon darauf an, wer mit wem oder mit was in Berührung kommt. Aber trotzdem habe ich den Eindruck, das es Menschen gibt, denen Charakter generell wichtiger ist als anderen. Und anderen stört er wiederum.

Deshalb hat ein starker Charakter – vor allem der von Menschen – für viele immer auch was provozierendes. Da gibt es jene, die sich von Ecken und Kanten gestört fühlen. Schlimmer noch. Diese ‚Vielen‘ sind jene, die echte Charaktere unterbinden, unterordnen und (ihrem Weltbild, den gesellschaftlichen Normen) anpassen wollen…

…und ob sie es schaffen ist eine andere Frage.

 

Ein Charakter ist Selbstzweck

Landschaften, Gerüche, ein Gitarrenspiel, selbst Maschinen können – für denjenigen, der es erkennt – Charakter haben.

Willst du mit einem Mercedes bequem und standesgemäß von A nach B kommen? Oder mit einem Motorrad als erster ankommen? Oder ist dir beides egal? Wenn dir alles egal ist, dann fährst du überhaupt nicht oder nimmst den Bus.

Ist dir eine Sache aber wichtig, dann fährst du beispielsweise auch bei Dreckswetter oder einer Bullenplage dein bollerndes 350-Kilo Maschinengewehr auf 2 Rädern. — Nicht extrem schnell, aber mit Charakter.

Will ich mit einem 18er Macallan angeben, der mir Selbstwert gibt und geschmacklich keine Probleme macht? Oder will ich in Ruhe einen nicht billigen, aber fair bepreisten 12er Springbank erleben, der zwar ordentlich nach bösestem Kloreiniger riecht, aber beim Trinken einen multiplen Oralorgasmus verursacht, der pro Schluck 36 Minuten andauert?

Will ich falsch sein? Oder will ich richtig leben?
Will ich Dinge ausblenden? Oder will ich was merken?
Will ich die Klappe halten? Oder will ich eine Ansage machen?

 

Was du tust, dass sollte schon einen Eindruck hinterlassen

Bring – bildlich gesprochen – den Gummi auf den Asphalt. Und dann gib Galle.

Image by Robert Couse-Baker

Es gibt Menschen, die man anhand ihres Gesichtes oder ihrer Körpersprache sofort erkennt. Bei Frauen (ich bin ein Mann) ist es so, dass diese Models (die mit den Idealmaßen) auf mich genauso attraktiv wirken wie ein Besen für Sieben-Fuffzig aus dem Baumarkt. Nämlich gar nicht. Aber für schwule Modeschöpfer haben die wohl Charakter.

Charakter mit all seinen Eigenheiten ist bei Menschen komplex. Ich kann eine Person sehen und innerhalb von Sekunden einschätzen, ob man ihr vertrauen kann oder ob ich einen (männlichen/weiblichen) Idioten vor mir habe.

Die Augen, der Blick, das Gesicht, der Stil (Frisur, Kleidung, Haltung), die Stimme und Wortwahl und mein Bauchgefühl. Keine Formel, sondern mein Gefühl sagt mir, wer vor mir (oder neben) mir steht.

Ob du mit einer Person wirklich klar kommst, das merkst du frühestens bei der zweiten Begegnung. Und an deiner Beobachtung, wie sie mit anderen umspringt.

So ist es bei Menschen.

 

Die Charakteristik der Dinge

Bei Dingen ist es nicht so viel anders. Auch die haben eine – ich will nicht sagen Aura – aber eine gewisse Symbolik.

Manche Dinge transportieren den Spirit ihrer Macher. Mit Spirit meine ich nicht nur Whisky, obwohl dieses Beispiel passend wäre. Sondern, deren Geschmack beziehungsweise deren Absicht. Das ist die Absicht, was er mir mit seinem Werk anderen sagen oder mitteilen will. Beispielsweise eine Botschaft oder ein überraschendes Aha-Erlebnis, womit ich nie gerechnet hätte.

Heutzutage haben einige Unternehmen erkannt, dass mit Charakter Geld verdienen kann. Schön und gut.

Das Problem ist aber, dass nun spezielle Produkte einen bestimmten Charakter haben sollen. Diesen aber nicht bekommen. Viele Resultate haben nicht den erhofften Charakter — aus Sicht der Kunden. Warum? Weil die Leute, die dafür verantwortlich, selber keinen haben, diesen nur kopieren oder geschmacklich völlig anders liegen.

Kurz: Wer mit Charakter Geld verdienen will, der hat keinen oder geht nach Hollywood. Am besten passt beides.

 

Ein paar Fragen, die helfen zu verstehen:

Wieso sind ausgerechnet sind die meisten Chopper Harley-Umbauten oder -Klone? — Weil die Amis den besten Fahrzeugbau haben?

Wieso sind ausgerechnet irische Pubs die populärsten Kneipen der Welt? — Weil es in anderen Kneipen nichts zu saufen gibt?

Wieso wird ausgerechnet starker aromatischer Whisky pur und handwarm getrunken? — Weil der Trinker eh nichts mehr merkt?

Wieso wirkt ausgerechnet der alte Chinese so weise? — Weil im Rest der Welt alle Deppen sind?

Wieso sind Italiener die besten Gastronomen und Mafiosi?  — Weil sie Zoff mit den Iren wollen?

Wieso ist ausgerechnet die Schauspielerin Tilda Swinton ein Kultstar? — Weil sie ein missglückter Klonversuch von David Bowie war, um ewig zu leben?

 

Charakter ist nicht nur ein Auspuffklang, eine Geschmacksnote oder eine typische Eigenheit. Charakter ist mehr als der Arsch deiner Braut oder das Gesicht von Opa Willie.

Echter Charakter ist komplex und daher nicht einfach erklärbar. Er ist mysteriös, einzigartig und unkopierbar. Er sorgt dafür, dass man dich oder deine Handschrift noch nach Jahrzehnten wieder erkennt. In unserer von Leistungswettbewerb, Fakten und Features dominierten Gesellschaft ist Charakter das einzige, was darüber steht.

Charakter ist dein Markenzeichen schlechthin.

Als ob du in deiner Freizeit Bomben entschärfst

Original image by Josh Minor of pixelverse.org

Hier mal ein Naturgesetz: Cool sind jene Leute, die es tatsächlich nicht nötig haben, auf irgend eine Art negativ zu reagieren. Egal, ob es um eine Belehrung, ein persönlicher Angriff oder sonst irgendwas geht. Sie wissen, wer sie sind..

Noch cooler sind solche Leute, bei denen niemand will, dass sie negativ (also defensiv) reagieren. Besonders cool sind jene Leute, die Vertrauen ausstrahlen und deren Nähe man sucht. — Weil sie eigenständig, aber nicht abweisend sind.

Ein Typ, der viel zu viel Gewese um etwas macht, mit dem will man am liebsten nicht gesehen werden. Selbst wenn es der eigene Ehemann ist. Und eine Frau, die ständig rumnörgelt und hysterisch ist, die stellt – egal, wie sie aussieht – ihren Attraktivitätschalter auf „Aus“. Der selbe Effekt tritt auf, wenn aus eigentlich guter Musik zu anderer Zeit Lärm wird.

Was ist cool? Ich würde es so sagen: Das wäre eine Person, die sympathisch ist und gleichzeitig so wirkt, als ob sie in ihrer Freizeit Bomben entschärft. Also jemand, der auf seine unnachahmliche, aber angenehme Art, präsent ist. Jemand, der charakterlich einen Fels in der Brandung gleicht. Dem nichts aus der Ruhe bringt und auch nein sagen kann – und dazu steht – selbst wenn diverse Idioten sich darüber mokieren.

 

Wirklich cool ist nur der, der weiß, dass er eben nicht cool ist.

Oder gibt es tatsächlich Leute, die schon cool, also abgeklärt mit Bart und Sonnenbrille auf die Welt kommen? Natürlich nicht. (Von Ausnahmen mal abgesehen.) Es ist – wie immer – eine Einstellungssache. Besser, eine Eingestehungssache.

Sich einzugestehen, dass man nur ein Mensch ist, fällt vielen schwer. Vor allem vor anderen.

Jeder hat Unzulänglichkeiten, Eigenheiten und Macken, die er gern verstecken, übertünchen oder von denen er ablenken will. Dann wird eine scheinbar coole Fassade aufgebaut, weil derjenige denkt, es reicht, so auszusehen, wie jemand anderes, der ebenfalls als cool gilt.

 

Der Spießer und der Idiot haben einen Makel, der Coole hat ein Feature

Das lustige ist, dass Leute, die eben gerade zu ihren Unzulänglichkeiten, Eigenheiten und Macken stehen, als cool gelten. Sie wissen nicht nur, dass sie nicht perfekt oder fehlerfrei sind. Sie wissen auch, dass es nichts bringt dies zu leugnen oder zu verstecken. Besser noch, sie leben und zeigen alle Teile ihrer Persönlichkeit wie selbstverständlich – weil es für sie selbstverständlich ist. Die herausragenden Eigenschaften gehören genauso dazu wie der Makel. Denn der Makel ergibt manchmal erst das gewisse Etwas, dass die coole Art der Persönlichkeit ausmacht oder unterstreicht.

Beispiel: Lemmy Kilmister, der im Dezember verstorbene Motörhead(-Gründer und Frontmann), hat sich mal bei einem Fan über deren Tattoo – ein Lemmy-Portrait – beschwert, weil die Warzen fehlten. Sie versprach, den Makel am Tattoo nachbessern zu lassen und damit das Feature (die Warzen) nachstechen zu lassen.

Jeder, der glaubt, cool zu ein, erreicht das Gegenteil. So jemand wirkt abartig, unsympatisch und irgendwie zurück geblieben. Aber keinesfalls cool. Bestenfalls wirkt so jemand arrogant und blasiert. Den schlimmsten Exemplaren sieht man das gleich an. (Mir fällt grad ein, das ich mein Bild oben rechts erneuern muss.)

 

Wie angewurzelt

Uncoole Leute erkennt man daran, dass sie glauben, sie seien was besseres und alles müsse nach ihrer Pfeife tanzen, sobald sie nur dastehen. Und man wird sie nicht mehr so schnell los. Sie nehmen sich extrem ernst. So ernst, dass es schon wieder lustig ist.

Wenn beispielsweise ein dummer und eingebildeter Spießer sich respektlos gegenüber einer charakterstarken und wahrhaftigen Persönlichkeit daneben benimmt, dann wird letztere einen rote Linie ziehen. Der Idiot wird erwartungsgemäß von der coolen Person zurechtgewiesen, und damit vom Gegenteil seiner selbst konfrontiert. Und was passiert dann mit dem Idioten?

Der steht dann da wie angewurzelt. Noch uncooler und schmerzfreier geht es nicht mehr. Leute mit Charakter und Hirn sind immer wieder verblüfft über dieses (scheinbar sture) Verhalten. Genau genommen befindet sich der Idiot im Schockzustand, wie ein Huhn mit abgehacktem Kopf. Das rennt ja auch erst einmal weiter.

 

Was kannst du gegen eine Idiotenplage tun?

Halte sie von dir fern. Am besten durch Abschreckung. Oder – falls dir das zu harsch ist – durch Befremdung. Dann bleiben die nicht völlig fern (denn dafür gibt es zu viele von denen). Aber es kommen weniger (die z.B. deinen Betrieb aufhalten).

Uncoole, also Idis, sind in der Regel schwierige Kunden (die das jeweilige Unternehmen, dass sie beglücken, nur schaden). Und sie würden nicht mal Chuck Norris erkennen, wenn der Zähne fletschend vor ihnen stünde.

Man selbst zu sein kann viele abstoßen. Einige können das Äußere nicht ab, genauso all die Facetten des jeweiligen Charakters. Der coole Typ wird nicht mehr nervös wenn er beispielsweise irgend ein hohes Tier begegnet. Wichtigtuer kann er riechen. Drei verdammte Meilen gegen den Wind. Ein Idiot merkt das nicht, wundert sich aber, dass er nicht bekommt, was er meint bekommen zu müssen.

 

Coolness wird nicht in der Schule gelehrt

Aber auch nicht auf dem Pausenhof.

Falsche Coolness findet man häufig in den Massenmedien. Diese falsche Coolness wird dann nachgemacht. Warum? Weil es als cool gilt. Das heißt, jemand, der als cool gilt, der muss in Wirklichkeit gar nicht cool sein. Kein Witz, das ist so.

Auf der anderen Seite, also auf dem Pausenhof, da gibt es den Einen, dessen Coolness wirkt aufgesetzt, der mit niemandem lange auskommt und mit dem deshalb auch keiner spielen will. Auch der gilt – wenig überraschend – als uncool. Was ist daran cool, allein dazustehen? Eben.

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Dazwischen spielt die Musik. Also weder bei dem Biedermann noch beim totalen Aussenseiter und Kommunikationsverweigerer.

Der Rowdy auf dem Schulhof hat seine kleine aber unfeine Gang. Er ist nicht allein. Im Gegenteil. Bei den anderen Kids gilt er als cool — sofern er diese nicht exzessiv bedroht. Oder der Rüpel, der sich mit dem Lehrer anlegt, den Lehrplan infrage stellt, diskutiert und eigene Ideen hat, die (nicht bei den Lehrern) Beachtung finden, weil er das rumerzählt.

Cool ist nicht derjenige, der nur anders ist, weil er anders sein will. (Purer Egoismus.) Cool ist aber derjenige, der sich nicht jedem anbiedert und andere an seinem eigenen Andersein mit teilhaben lässt.

Cool ist jemand, der sich nicht isoliert, aber selbstvertsändlich seine Macken lebt und nichts dagegen unternimmt.

Coolness ist auch eine Form von Dankbarkeit und Demut, und zwar gegenüber den Dingen, die nur der coole nicht für selbstverständlich hält. (Aber der Uncoole.)

Und cool ist es, auch mal Danke zu sagen.

An dieser Stelle Danke an Dir, dass du hier liest und immer wieder kommst …auch wenn mir ein Beitrag mal nicht so gelungen ist und du mir dann ein paar Fehler verzeihst. (Passiert mir hin und wieder.) Danke!

So. Jetzt gehen wir wieder Bomben entschärfen.

Die alltägliche Pedanterie

Image by mrliquidator2

In keinem Land der Welt – abgesehen von Nordkorea – wird (gefühlt) so extrem auf die Pelle gerückt, beobachtet und denunziert wie in Deutschland. Vor allem wird kontrolliert.

D-Land hat richtig Probleme, mit Leuten, die hier Probleme machen. (Wichtigtuer, Zurechtweiser, Ordnungsfanatiker, Machtfrettchen.)

Es heißt ja immer, es gäbe zu wenig Polizeipräsenz.

Ich sage, es gibt zu viel zu viel. Wir haben eine Bullenplage.

Und dann noch an völlig falscher Stelle.

 

Fünf typische Beispiele

Natürlich als erstes die Bullen. Die kontrollieren Biker, ob die Auspuffe auch leise genug sind. — Einen Spießer erkennt man an der Pedanterie und dem zwanghaften suchen nach einen Einwand, wo es keinen gibt. Der freut sich, wenn der was findet und kennt deshalb keine Toleranz.

Amtsleuten kann man in Deutschland kaum aus dem Weg gehen, und denen entgeht auch nichts. Das kennt man auch aus englischen und amerikanischen Kriegsfilmen. Der stets kontrollierende Nazi findet – wie immer – irgendwas. Und dann gibt es eine drakonische Strafe.

Zig mal gehört: Sich in Deutschland aufhaltende Engländer und Nordamerikaner beklagen oft das Gefühl, ein Minenfeld zu durchlaufen, wenn sie sich durch den Alltag bewegten. Es lauerte immer ein Belehrer oder Bestrafer an jeder Ecke. Beispielsweise die Straßenbahn zu nutzen und den Fahrschein plötzlich nicht zu finden kann böse enden.

In der EU gibt es einschränkende Gesetze gegen den Tabakkonsum. Wegen der Volksgesundheit. Angeblich. In Schweden und Norwegen gibt es weit ungefährlichere (gesündere) Alternativen namens Snus. Der Import nach Deutschland ist allerdings streng verboten. Es wird genau kontrolliert und bestraft. Aber nicht so in anderen Ländern.

So richtig einen den Tag versauen kann einem der subjektive Eindruck (das heißt gefühlte Wahrnehmung) eines Beamten oder Vorgesetzten, wenn sie meinten, aus dem Bauch heraus entscheiden zu können, was erlaubt wäre und was nicht. Ein Bekannter musste 1995 sein damals neues Motorrad stehen lassen, weil der Bulle meinte, es sei unzulässig laut. War es (Ducati) aber nicht, es klang nur anders als der Trachtenträger es gewohnt war. Mein Bekannter bekam zwar recht, da Mopped zulässig. Aber vorher dieses Theater.

 

Sobald der Deutsche Spießer, Pöbel oder Penner eine Uniform an hat, wird er unausstehlich

Warum? Vor lauter Stolz sind solche Personen bereits derart geblendet, dass sie sich anderen gegenüber moralisch überlegen fühlen und Machtkomplexe bekommen.

Das ist vergleichbar mit der kaputten Psyche vieler Frauen, die andere Frauen nur deshalb schlechter behandeln oder gering schätzen, weil jene (scheinbar) keinen Mann haben. Das mobbende Weibchen fühlt sich sofort als überlegende Spezies (da es einen Mann hat) und macht ihre Position sofort deutlich. — Der Mann ersetzt hier Uniform oder Rang.

 

Überall gelten Regeln

Aber nur die Deutschen kontrollieren ganz genau und bestrafen sofort bei dem geringsten Vergehen. Ich meine damit nicht, dass es anderswo besser wäre. In Indien und einigen anderen Ländern werden ärmere Leute schneller kriminalisiert und härter bestraft als wohlhabende. Oft auch dann, wenn der Wohlhabende erwiesenermaßen Schuld hat. Wen interessiert es…? Keinen.

Aber: Kein Volk der Welt gilt als so gesetzestreu wie die Deutschen. Ich habe immer wieder gestaunt, wie lax man im Ausland kleinere Vergehen durchgehen lässt. Es interessiert keinen. Oder es ist keiner Bestrafung würdig, da es kein Problem darstellt (oder verursacht).

In Frankreich wird man wieder eher angeschnauzt (es ist wahrscheinlich, wenn man so daher kommt wie ich), aber man wird nicht gleich bestraft. In Russland gilt das Recht des Stärkeren, wobei „stark“ auch reich, schön, schnell, populär, jung oder einfach geil bedeuten kann. Und in Italien kannst du mit abgesägten Auspuff an einer Polizeistation vorbei brettern. Mehrmals.

 

„Je verdorbener der Staat, desto mehr Gesetze hat er.“ — Tacitus (58-120)

Ja, es gibt überall Regeln, Gesetze, Richtlinien. Aber es gibt auch wirkliche Probleme. Und vor allem gibt es jene Probleme, die erst aus schärferen Gesetzen entstehen. Es ist fast so, als ob der „Staat“, also Beamte, Wege suchen, um ihre eigene Existenz zu rechtfertigen oder aufrecht zu erhalten. Und von Dingen, die der Staat nicht in den Griff bekommt, kann man so vorzüglich ablenken.

Während irgendwo echte Verbrecher weiter frei herum rennen, steht der Freiheitsvernichter stolz am Straßenrand und beurteilt den Klangcharakter von einem Stück Rohr, das in den USA schon als gefährlich leise gelten würde.

Hat die Bullerei zu wenig zu tun? Ja. Deshalb müssen wohl immer schärfere Gesetze her, deren Kontrolle allein schon weitere Probleme verursacht. Dann braucht man wieder Gesetze und die Spirale dreht sich.

Was mich betrifft, lieber höre ich das Beschleunigen einer Ducati Monster mit blanken Rohren als den Rasenmäher meines Nachbarn.

 

Wenn ich in D was zu sagen hätte

…dann würde ich aus der EU austreten (Dexit) und sämtliche EU-Vorschriften für nichtig erklären. Ich würde nicht gleich eine Mindestlautstärke für Auspuffe einführen. Wer leise fahren will, der soll es tun. Außerdem gäbe es endlich kleine und individuelle Kennzeichen, die nicht das ganze Fahrzeug verunstalten. Die Vorschriften würden erheblich laxer.

[Und überhaupt: Wieso dürfen nur Terminatoren ohne Helm fahren? Ich schaffe dann alles ab, auch Kuttenverbote und die Helmpflicht. Wenn ich nur mal kurz um die Ecke zum Schnapsladen will, setze ich keinen Helm auf. Viel zu schwer. Den Bullen erzähl ich dann immer, mein Stahlhelm wurde mir gerade geklaut. — Zu Fuß gehen ist in unserer Gegend viel zu gefährlich. Es soll hier eine tollwütige Oma geben, die ahnungslose Fußgänger beißt.]

Und hochaktuell: Im Stau können die Biker – so wie in anderen Ländern auch – durchfahren, wo Platz ist (statt menschenfeindlich und gefährlich in der Sonne stehen zu bleiben, um ihr Hirn zu braten).

Die typisch deutsche und daher lästige Meldepflicht kommt weg. Wenn man die in anderen Ländern einführen würde, gebe es dort mindestens einen Bürgerkrieg.

Unternehmensgründer bekommen von mir zwei, drei Jahre Immunität gegenüber jeglicher Bürokratie. Kein Meisterzwang, keine EU-Vorschriften, keine Kontrollen, nichts. Sie bräuchten auch keine Steuern mehr im Voraus zu zahlen, für Umsatz, den sie noch gar nicht gemacht haben. Mit anderen Worten, ich würde Gründer entkriminalisieren.

Aber dazu müsste ich Bundesverkehrsminister und Bundeswirtschaftsminister in einem werden. Oder noch besser Bundeskanzler. Leider zeitraubend sind die ganzen Ernennungen und Wahlen. Ich weiß, das ganze Procedere ist viel zu langwierig und kompliziert. Vielleicht sollte ich gleich als Führer kommen.

…aber bis dahin kaufe ich mir sicherheitshalber noch ein gültiges Tagesticket für die Straßenbahn und packe solange meine Uniform vom Kostümverleih diskret in eine ALDI-Tüte. Und außerdem macht mein Nazi-Moped zu viel Krach — man will ja keinen verärrgern….

/satire; humor

 

Wenn man jemanden schon von weitem erkennt

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…dann ist dieser jemand entweder eine charismatische Person oder prominent. Jedenfalls fällt derjenige auf. Idioten erkennt man von weitem nicht so leicht. Die wirken eher bedeckt und unauffällig, manchmal auch abstoßend.

Auffällige Leute zeigen – sofern sie integer, also echt sind – ihr wahres Ich. Das ist was positives, für sie selbst und für andere. Sie haben nichts zu verstecken. Jeder weiß, woran man bei ihnen ist. Sie selbst stehen zu sich. Sie tolerieren so auch die Andersartigkeit von anderen, für sie gilt ‚leben und leben lassen‘. Aber leider ist dies in unserer gleichförmigen Gesellschaft selten.

Jeder will jeden ausstechen oder übertrumpfen, in dem der seinen nächsten punktgenau kopiert. Dieser Widerspruch ist das Dilemma. Jeder Klon erschafft sich selbst aus einem bereits existierenden Klon heraus, der wiederum bereits von einem anderen scheiß Klon abstammt.

Es gibt auch eine Mischform von Individualismus und Klonen. Das nennt man Kopieren (oder Nachahmen) von für Normalbürger auffälligen Gruppen.

 

Bei auffallenden Gruppen gibt es ein sowohl als auch

Es gibt wie überall Originale und Kopien. Es gibt Leute (oder Gruppen), die kopieren den Look, das Getue und Auftreten von anderen (Gruppen). Dass das nicht immer gut geht, versteht sich von selbst. Kein Unternehmen, kein Club oder keine künstlerische Gruppe, die was auf sich hält, will dass eine weitere Gruppe genauso daher kommt wie sie selbst und damit bei unbedarften Zeitgenossen (oder Interessenten) den Eindruck erweckt als gehörten die zu einem. Schlimmstenfalls rücken die sich (ungewollt) gegenseitig auf die Pelle. [Oder blamieren sich – wie es Berufsidioten (Polizeibeamte) gewöhnlich tun – bis auf die Knochen.]

Aber die Rede ist hier nicht von Gruppen, sondern vom Individuum, der einzelnen Person. Denn in einer außergewöhnlichen Gruppe würde sich – sofern dieser drin wäre – auch ein angepasster Spießer stark fühlen. Aber allein? Allein unter Spießern?

Negativ angesehen werden die Auffallenden nur von Leuten, die selber eher zu der Kategorie Idioten gehören. Spießer schütteln über auffällige Leute gern den Kopf. (Das ist noch das harmlosere Verhalten.)

 

Was heißt hier auffällig?

Das Wort „auffällig“ ist oft im negativen Sinne gemeint. Es bedeutet in erster Linie verdächtig, abweichend oder störend. Also alles, was den als den gesellschaftlichen Normen zuwider läuft. Der Unterschied zwischen auffallend und auffällig ist fein, denn beide fallen nun mal auf. Die Frage ist wie. Fällt man positiv oder negativ auf?

Die Antwort auf diese Frage gibt entweder die angepasste Mehrheit — dann bleibt nicht mehr viel Platz für Individualismus und Kreativität. Oder exakt die Leute, die wohlwollend und mit ehrlichem Interesse dem „Auffälligen“ ihre Aufmerksamkeit schenken. Und geschenkte Aufmerksamkeit ist selten geworden. Besser man verdient sie sich. Wie? Indem man das, was man zeigt auch ist. Dann fällt man automatisch auf. Ist man dazu noch wohlwollend anderen (nicht allen!) gegenüber, dann kann man dauerhaft auffallen. Und dieses auffallen nimmt dadurch zu. Dann nennt man es prominent.

Gesellschaftliche Normen können Stile, Ansprüche, Sichtweisen, Ausdruck, Humor, Einstellungen (zu gewissen Dingen) sein. Sogar Geschmäcker. Eigentlich alles.

Auffällige Menschen interessiert das alles nicht. Sie sind eigenständig und zu 100% sie selbst. Deshalb werden sie (heimlich) bewundert. Sie sind zudem oft bunt, unterhaltsam, inspirierend, ermutigend und lebensbejahend. Sie sind somit alles, was der Begriff Leben wirklich bedeutet.

 

Auffällig sein heißt zu leben

Fakt ist, jeder stirbt (irgendwann), aber nicht jeder lebt, bevor er stirbt. Das auffällige hierbei ist, das Auffällige Leute auch für andere und uns Leben in die Welt bringen anstatt einfach nur zu existieren. So zu Leben macht schon mal Sinn.

Falls du eine auffällige Person siehst, dann siehst du jemanden, der sinnvoll lebt. Tu es dieser Person gleich. Aber auf deine Art. Das heißt, falle dort auf, wo du dich sowieso am wohlsten fühlst. Alles andere wäre Anpassung. Und tödlich.

Die Probierer

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Ehrlich, mir schwillt jedes Mal der Kamm, wenn ich wieder höre, dass irgend jemand erst mal irgend was probieren muss. Was muss der denn probieren? Das, was er nicht haben will? Oder will er probieren, ob er noch probieren darf?

Probieren ist eigentlich Quatsch. Selbst teure Immobilien oder Ehefrauen kann man(n) nicht probieren. Die muss man so nehmen, wie sie sich präsentieren. Probieren gibt es nicht, schon gar nicht in der Form wie das Probierte sich später im Alltag bewährt. Probieren sollte man in einigen Fällen schon. — Aber nur wenn man der richtige Probierer dafür ist.

Deshalb gibt es drei Sorten von Probierern. Den Angst-Probierer, den Neugierigen und den Berufs-Probierer.

 

Der Angst-Probierer

Der muss probieren, sonst wird der wahnsinnig. Eigentlich ist er das schon. Aber als Probierer geht er auf Nummer Sicher und lässt sich auf nichts ein, worin er investieren müsste. Der akzeptiert kein Risiko. Dabei investiert er den Großteil seiner wertvollen Lebenszeit genauso ins Probieren, wie der Schnäppchenjäger die seine auf der Suche nach dem jeweils günstigsten Preis. (Für Dinge, die er nicht braucht.) Und riskiert damit, genau das zu übergehen, was er wirklich sucht. (Und ansonsten schon längst gefunden oder als Chance hätte nutzen können.)

Er will lieber Unsicherheiten ausschließen. (Was real nie funktionieren kann.) Er schiebt auf und probiert statt dessen lieber weiter, weil er wissen will, was er für sein hart verdientes Geld bekommt oder wofür er seine wertvolle Zeit opfert.

Der Grund?

Der Angst-Probierer ist Perfektionist (siehe ‚wahnsinn‘). Er will das ultimative Ding. Aber genau das kriegt er nicht. Eher weniger. Denn durch die ganze Probiererei kommt er nur von dem ab, was er ursprünglich wollte (siehe oben). Er hat Angst, was zu verpassen und verpasst genau deswegen das, was er auf keinen Fall verpassen will.

Kurz, der Angt-Probierer probiert nur. Er kauft nicht und er mietet nicht (was oft sinnvoller wäre als probieren). Er richtet durch sein exzessives Probieren sogar Schaden an. Ich habe im Supermarkt schon Leute beobachtet, die die Versiegelung vom Margarinebecher lösen, ihren ungewaschenen Klofinger rein stecken und… probieren.

Mit angelutschtem Finger gehts weiter zur Senf-Abteilung. Deckel auf, wieder den Klofinger rein und lutschen. (Deshalb kaufe ich keinen Löwensenf, wegen der fehlenden Versiegelung.) Danach wird daneben die Tube angbrochen, Klofinger ran und…. Genau. Lutschen. Der Angst-Probierer ist ein Lutscher.

Diese selben Leute sind es, die sogar Hobby-mäßig in Deutschland mit Rucksäcken auf Messen gehen und unentwegt Proben einsammeln. Ist der Sack voll, sind sie weg. …und haben das Gefühl, dass sie nochmal wieder kommen müssen.

 

Der Neugierige sucht die Erfahrung

Diese Form ist ein Sonderfall, weil es im eigentlichem Sinne kein Probieren mehr ist. Eher ist es eine risikobereite Art, etwas in Erfahrung bringen. Ein bisschen Aufregung, also den emotionalen Kick zu bekommen. Diese Neugierde ist auch eine Treibkraft (oder sagt man Triebkraft?) zu persönlicher Bildung.

Neugierige probieren nur Dinge, die wirklich selten und exquisit sind. Sie wollen herausfinden, was denn nun dahinter steckt. (Auch ich gehöre manchmal dazu.) Und meistens probieren sie diese auch umfänglicher als als der Angst-Probierer. Und auf jeden Fall ohne zu lutschen.

Auch Genussmenschen (Hedonisten genannt) fallen im weitesten Sinn unter den Neugierigen. Im weitesten Sinn deshalb, weil das Probieren schon beim Kauf inbegriffen ist. Mit anderen Worten, er probiert, indem er kauft. Er gibt Butter bei die Fische. Er probiert reichlich, intensiv und ausschweifend. Er lutscht nicht. Er schluckt.

Er sagt nicht: „Aber nur ein kleines Schlückchen.“ Sondern: „Her mit der Pulle!“ Er ist nicht oberflächlich, sondern entschlossen und geht tief in die Materie. Er will rein ins Abenteuer und steht auf intensives Kennenlernen mit allen Facetten. Er will nicht anlutschen, er will vernaschen.

 

Der Profi-Probierer

Das sind keine Loser. Das sind Profis, also Berufsverkoster, -Riecher -Tester und -Schmecker. (Keine Lutscher, siehst du.) Das sind die, die mit dem Probieren ihren Lebensunterhalt verdienen. Köche, Bäcker, Fleischer, Verkoster, Händler, Sommeliers, Brauer, Master Blender (siehe Video mit Richard „The Nose“ Paterson), Journalisten und Testfahrer bei VW.

Kurz, der Berufs-Probierer hat das Probieren als Beruf, als einen Teil davon oder sogar als Geschäftsmodell. Und wenn wir schon bei Geschäftsmodellen sind. Auch das Klokain-Kartell ist ein Geschäftsmodell. Dieser Blog dient der Vorbereitung dazu. (Ja ja, ich bin böse, hege „kapitalistische“ Absichten und bin viel schlimmer als Donald Trump.)

Aber hier probiere ich nicht, sondern experimentiere. Genau wie der Koch, der Whisky-Blender oder der verrückte Wissenschaftler. Ein Experiment muss man planen und durchführen. Entweder es klappt oder klappt nicht. Der Angst-Probierer will ja genau das abwenden. Also abwenden, dass es auch schief gehen könnte.

Wie sagte schon Konfuzius: „Del Weise weiß, dass es nicht geht, und macht es tlotzdem.“

Eben.

 

Wie du trotzdem richtig probierst

Am besten probierst du erst gar nicht. Sondern gehst von vornherein nach deinem Bauchgefühl.

Kaufe das, was du haben willst. (Aber mach es so, dass deine Finanzen passen.)

Heirate die Person, die dich in Wallung bringt. (Aber achte vorher darauf, dass sie auch andere gut behandelt.)

Mache denjenigen zum (Geschäfts-)Partner, bei dem du sofort merkst, dass er der richtige wäre. (Du musst mit ihm klarkommen, die Chemie ist wichtiger als Perfektion.)

Das Leben ist keine Probe, es findet bereits statt. Wer hier probiert, verliert. — Im Großen und Ganzen, sag ich mal.

Braucht man für einen Hexenbesen eine allgemeine Betriebserlaubnis?

Original image by Thomas Widmann, Denseman on the Rattis

Muss ich für einen der letzen Flugfähigen (restaurierten) Hexenbesen russischer Bauart eine Typgenehmigung, einen TÜV und eine Zulassung bzw. Fluggenehmigung einholen? Was ist, wenn die Polizei mich damit anhält?

Muss ich einen Helm tragen und ein riesiges Kennzeichen anschrauben? Denn die Dinger haben eine maximale Flughöhe von nur 2,2 Metern. (Früher ab Werk waren über 4 Meter drin, da damals heutzutage unbekannte russische Flüche die Leistung steigerten.)

Der Besen ist auf Dauer zwar unbequem, aber extrem selten. Das Gerät wäre auf jeder Flugshow und jedem Bikertreff der Brüller. Allerdings nicht sonderlich bequem.

Der Stil drückt trotz nachträglich angebautem Sitzkissen nach ca. 15 Flugminuten schon gewaltig im Schritt. Deshalb ist mein Blick nicht ganz glücklich. Aber die Blicke der Leute ist es allemal wert. Vielleicht liegt der Grund für die Schmerzen und die geringe Flughöhe doch an meinem Körpergewicht, denn ich bin ja ein schwerer Junge und keine leichte Hexe.

Also montierte ich mir einen bequemen Fahrradsattel. Nur für eine Leistungssteigerung habe ich im Internet nichts brauchbares gefunden. Spaßeshalber fragte ich einen Nachbar, der Spätaussiedler ist, ob der irgend einen Spruch wüsste. Er sagte: „Weïs nich.“, dreht sich – während ich ihm den Besen zeigen will – wortlos um und geht einfach weg.

Ich wollte einen weiteren spät ausgesiedelten Russlanddeutschen fragen, aber der ging mir auffällig aus dem Weg und tat dann so, als ob er mich nicht sieht. (Ich hatte den Besen doch gar nicht dabei.)

Ein dritter Russlanddeutscher schrie mich erregt an, als er mich nur sah. „Chör auf miet Bäsn!“ Dabei wollte ich nur zum Briefkasten einen Brief einwerfen. Zu Fuß, ohne Bäsn. Ein „Amerikadeutscher“ (gibt es nicht 70 Millionen davon?) würde sagen: „Holy shit! Let’s have a ride… Fuck Harley!“

Naja, wir sind hier nicht in Amerika, wo man alles darf.

Vielleicht wäre es doch das beste, einfach den Hexenbesen bei eBay zu versteigern. Irgend ein Harry Potter-Freak wird schon dafür zahlen. Also weg damit, denn es bringt nur Ärger. Aber genau deshalb wollte ihn ja fliegen: Um zu provozieren. Eine Harley kann sich jeder Zahnwalt kaufen. Aber einen echten Hexenbesen? Eben.

Da ich nun mal auf rustikale Fortbewegungsmittel stehe, lies ich nicht locker. Aber Hauptsächlich ging es mir darum, dass mich die Bullen nicht an jeder Ecke kontrollieren konnten – dank ausreichender Flughöhe. So kam ich auf die Idee, dass vielleicht der richtige Kraftstoff fehlte, ähnlich wie man es von Flugzeugen aus dem 2. Weltkrieg kennt. Die zum Beispiel brauchen einerseits auch viel Öl und vor allem Flugbenzin mit hoher Oktanzahl.

FIFI, eine fidele, aber versnobte alte B-29, schenkte sich schon ihre 15 Liter Öl pro Stunde ein und unter 130 Oktan hat sie den Sprit nicht gar nicht erst probiert. Diese an Genusssucht grenzenden Trinkgelage gewöhnte man FIFI mittels Custom-Motoren, man könnte sagen Einzelanfertigungen (Klone) vom Tuner ab. Ich nenne das kalten Entzug. Aber dafür lebt FIFI natürlich länger und gesünder.

Entweder brauche ich in meinem Fall statt Flugbenzin eben original Flugsalbe. Oder einen modifizierten Antrieb wie bei FIFI. Ich dachte mir „Alles außer EURO4“, aber dank dem Baujahr ca. 1930 (bei Bäsn) gelten keine EU-Vorschriften.

Nur wie funktioniert der Antrieb eines Hexenbesens? Einen Verbrennungsmotor hat der nicht. Nichteinmal elektrisch ist der. Keine Batterien, kein Tank, keine Kabel, nichts. Selbst Antigravitationstechnologien wie bei der Reichsflugscheibe brauchen einen Antrieb oder einen Reaktor. Sagen Experten. An meinem Russen-Besen ist nichts zu erkennen.

Als Nicht-Experte bin ich an dem Punkt überfordert. Das Thema wird mir jetzt zu kompliziert und zu unwissenschaftlich.

Allerdings ging mir beim letzten Ausflug trotz leichten Regens ein Licht auf. Mir wurde klar, dass ich höchst umweltfreundlich unterwegs war und keine Energieressourcen verbraucht habe. Als Umwelt-Sau achtete ich erst spät darauf. Aber jetzt entdeckte ich wohl die Lösung für all die Energie-, Lärm- und Umweltprobleme: Hexerei.

Man sollte Hexerei zum Pflichtfach in allen Schulen machen und es als eigenständige Studienrichtung mit Diplom einführen. Am besten sollte es gleich zur Staatsreligion erhoben werden. Und wer sich nicht daran hält oder darüber lästert, der wird hart und deutsch bestraft, also gründlich in Bürokratie und Polizeikontrollen verwickelt.

Ach, das gibts schon? Ja, richtig. Jetzt fällt es mir ein. Die ganze Energiewende. Der Ökowahn. Das Getue mit Grenzwerten, Biosprit und Geräuschemissionen, besonders da, wo es mehr schadet als nutzt. Was die ganzen Öko-Freaks verlangen ist pure Hexerei. Und die sind Überall. In der Brüsseler EU-Zentrale sprechen sie meist Deutsch.

Baden-Württemberg wird sogar von einem weißhaarigen Hexenbesen regiert.

Um mich vom Ökologitis-Fluch zu heilen, die ich von diesem Hexenbesen bekam, verschenkte ich diesen an einem umweltbewussten Bekannten, der das Ding mit in den Urlaub nach Mallorca nahm, um dann mit seiner Tochter auf dem Rücken durch die Gegend zu fliegen. (Siehe Bild ganz oben.)

Ich selbst buche bei der nächsten Flugshow einen Rundflug mit FIFI. Ich will die Abgase riechen und schmecken. Ich will mit den Haudegen reden, der das Ding fliegt. Ich will, dass mein Tinnitus nach dem Motorenlärm pfeift wie ein Teekessel. Das ist Leben. Und nicht die Suche nach den Unmöglichen auf Kosten des Möglichen.

[Dies war ein Gastbeitrag meines Unterbewusstseins. Von daher nimm mich in diesem Fall nicht so bierernst.]


Falls du mal mit FIFI mitfliegen und vorne (oder ganz hinten) sitzen willst….

Außer Kontrolle

Image by Thierry Ehrmann of Demeure du Chaos – Musée d’Art Contemporain

Kontrollverlust ist was feines. Und zwar deshalb, weil so ein Zustand Überraschungen zulässt. Ganz zu schweigen von weiteren positiven Eigenschaften, wie das Zerstören der (eigenen) Ordnung oder dem schamvollen Entblößen eigener Schätze — oder noch besser — Schandtaten. Daher bin ich ein großer Befürworter des Kontrollverlustes.

Voll die Kontrolle zu haben ist ein Machtspielchen. Vielleicht ein kleines Machtspielchen, aber sicher ein fieses. Denn das Spielen mit Macht ist wie das Spielen mit leckeren Drogen. Man fängt klein an, findet es so toll, dass es ohne nicht mehr zu gehen scheint und kann deshalb nicht (gleich) wieder aufhören. Dann braucht man mehr. Aber ‚Mehr‘ macht nicht mehr zufrieden. Sondern noch kontrollsüchtiger.

Kontrollieren und gleichzeitig regieren ist für Diktatoren und Alleinherrscher. Für den Rest von uns sollte es ausreichen, Kontrolle abzugeben (loszulassen) und stattdessen nur zu regieren. Damit meine ich nicht die Art von regieren, wie Politiker und Machtmenschen das tun. Sondern Einfluss zu nehmen auf eine bestimmte Situation, im Sinne von Veränderung herbei zu führen. Oder aus üblen Umständen heraus zu regieren.

Macht über die täglichen Dinge zu haben, bedeutet, dass der Tag reibungslos abläuft, die Zwischenfälle und Pannen sich in Grenzen halten. Es bedeutet genauso, dass man bei bestimmten Dingen (Streit, Betrug, Sex) und auch darüber hinaus unentdeckt bleibt. Man kontrolliert es halt. Aber schon diese Kontrollen beanspruchen unsere Energien und Ressourcen.

Eins, zwei Stufen höher in der sozialen Hierarchie will man gern kontrollieren, was die die Medien über einen berichten, die Leute erzählen, der Politiker entscheidet, der Nachbar (oder die Konkurrenz oder das Finanzamt oder der geschasste Ex-Partner) gegen einen ausheckt. Der Unternehmer will „Marketing“ machen, um Kunden zu kontrollieren, womit er Werbung und PR meint, was heutzutage fatal ist.

Der Künstler will „seine“ Kritiker kontrollieren, was wieder fatal ist, wenn er doch eigentlich für seine Fans arbeiten sollte. Und sowieso, ein Künstler, der zum kontrollieren neigt, der kontrolliert auch anderswo. Nämlich in seinen Gedanken. Und dort wirkt Kontrolle wie eine Selbstschussanlage gegen kreative Ausbrüche und Ideen. Und gegen das Eindringen gegen Inspiration von außen. So jemand gleitet kontrolliert in den Tod.

 

Wir müssen die Kontrolle haben

Ach nee, jetzt auf einmal…. Ja, aber nur bei bestimmten Dingen, nur zu bestimmten Zeiten. Nicht immer und überall. Nach außen gerichtet nur beim Start, bei der Initiierung, beim Lostreten, Ansagen, Anstecken und Infizieren.

Nach innen beim Umgang mit Gefühlsausbrüchen. Oder beim Alkohol.

Kontrolle ist so notwendig wie das Essen. Ganz ohne geht es nicht. Aber Essen kann auch wie eine Droge wirken. Das wäre dann Völlerei. Das heißt, wir brauchen nur so viel Nahrung und Kontrolle, wie nötig. Allerdings keine Sucht danach.

Alles, was über das notwendige, gesunde Maß hinaus geht wird gefährlich. (Was es manchmal muss — dazu später.)

Übermäßige, übertriebene Kontrolle richtet sich gegen den Kontrolleur. Sie lähmt ihn.

Diesem wird Ordnung, Perfektion und widerspruchslose Unangreifbarkeit wichtiger als das Leben selbst. Der Control Freak ist derjenige, der die Kontrolle über seinen eigenen Kontrollwahn verliert. Bumms, und schon erliegt er einem Zwang, der nun alles andere überlagert, hemmt und dominiert.

Die Frage ist jetzt: Wie weit sollen wir uns oder irgendwas kontrollieren, ohne dass wir dadurch wiederum die Dinge lähmen, die uns wichtig sind?

Mir persönlich ist es zum Beispiel wichtig, dass ich kreativ bin, ungestört arbeiten kann und mir es zu gegebener Zeit gelingt, aus meiner Position als Underdog heraus mein geplantes Produkt bekannt zu machen, damit es sich verkauft. Also das Offensichtliche. Der Weg dorthin führt über diesen Blog, über die Beiträge und einige für mich sehr wichtige Menschen, die mir dabei helfen und ich ihnen dafür ewig dankbar sein werde. Alles weitere aber kann ich nicht kontrollieren. Da herrscht das Chaos.

 

Du musst nur richtig in der Jauche rühren

…dann kommt die ganze Scheiße nach oben. Genauso funktioniert die Welt.

Brillante Ideen zur Lösung von Problemen entstehen am besten im eigenen Chaos. Das sollte man nicht kaputt kontrollieren, so viel sollte mittlerweile klar sein.

Aber. Das äußere Chaos, also die Welt an sich (hier als Jauche bezeichnet), die braucht ebenso wenig unsere Kontrolle über mögliche (aber meist erfolglose) Eingriffe oder Manipulationen. Egal, was wir versuchen, Jauche bleibt Jauche. Welt bleibt Welt. Mensch bleibt Mensch.

Du kannst es (Jauche, Welt, Mensch) nicht kontrollieren. Aber du kannst es durcheinander bringen und so manche Karten neu mischen. Denn wenn du nichts machst, ändert sich nichts. Wenn du nicht weißt, was zu tun ist, tust du für gewöhnlich auch nichts.

Die gute Nachricht: Manchmal musst du gar nicht wissen, was zu tun ist. Du musst nur wissen, dass du irgendwas tun kannst. Scheißegal, was.

Tue nur irgendwas richtig beklopptes und mache es ausdauernd. Dadurch mischst du deine Karten und die Karten anderer neu. Das ist gefährlich (und innovativ). Gefährlich für den Status Quo, gefährlich für Ausweglose Situationen und gefährlich für unlösbare Probleme. Und es ist sehr gefährlich für Gatekeeper und deine Rivalen. Das heißt, jede Veränderung einer schlechten Situation ist… Trommelwirbel… Gut.

Anders ausgedrückt, wenn du Chaos und damit Gefahr schürst, dann bist du gefährlich. Logisch. Und wenn du gefährlich bist, dann bist du – auf diese Art – interessant. Oder ein Hassobjekt. Egal. Zumindest achtet man mehr auf dich. Du weißt schon warum: Du wirst langsam zur Bedrohung für die etablierten Eliten und Raffkes. Oder bestenfalls für deine eigene Branche. Oder für Falschspieler.

 

Kontrolliere nur das, was du kontrollieren kannst

Aber nicht darüber hinaus. Lass dort lieber das Chaos entstehen und erfreue dich an den Folgen. Aber kontrolliere sie nicht. Denn das wäre so, als wenn man versucht, mit bloßer Hand ein weiches Stück Scheiße festzuhalten. Hier gilt: Wer kontrolliert, der verliert. (Sogar noch die Scheiße.)

Im Chaos hingegen kannst du ständig Neues entdecken. Denn es ist dein Chaos, deine Scheiße und das bedeutet für dich Chancen, Veränderung und (aus der Jauche) auftauchende Möglichkeiten. Innovationen und künstlerische Inspirationen können so bei dir entstehen. Positive Überraschungen eben.

Rühr die Jauche um. Offenbare das versteckte. — In dir und in der Welt. Das geht am besten, wenn du du selbst bist und das offen lebst. Damit erschaffst du dein Stück Welt. Es ist zwar nach wie vor „Jauche“. Aber jetzt gilt: Wer rührt, regiert.

Dies ist kein Reiseblog, aber heute tue ich mal so

Image/Screenshot by Kevin Dooley

‚Lutz will auch mal‘ (cool sein) könnte die Überschrift ebenso heißen. Aber um ‚Lutz‘ geht es hier nicht. Ach, scheiß was drauf…:

Ausnahmsweise geht es heute mal um mich. Und dazu lade ich dich ein.

 

Was hat das Klokain-Kartell mit Reisen zu tun?

Eine Menge. Und in gewisser Hinsicht sogar mehr als mancher etablierte Reiseblog. Denn ohne meine Reiserei wäre es hier langweiliger — falls dieser Blog als solches dann überhaupt existieren würde.

Schön, mittlerweile gibt es unendlich viele deutschsprachige Reiseblogs. Da muss ich jetzt nicht auch noch mit anfangen. Und so jemand wie mich hat da gerade noch gefehlt. Lassen wir die mal unter sich bleiben. Denn deren Klientel kann mit meiner Art von „Reisen“ wohl nicht viel anfangen.

Bei denen gibt es vor allem Blogs von Backpackern für Backpacker(-Blogger). Es gibt Blogs für Touristen(-Routen), Blogs für Kurztrips, Blogs für Zen und Yoga und vegetarisches Essen (und darüber, um es wieder auszukotzen).

Es gibt dazu Blogs von Snobs und Angebern, die ihre Leser für zu dumm zum Reisen halten.

Es gibt Blogs von Reisenden Fotografen. Und es gibt Blogs mit Tips, wie man den Rucksack richtig packt. Viele dieser Blogger nennen sich Digitale Nomaden. Manche sind richtig gut. Bei den (für mich) besten kommentiere ich manchmal oder teile einen Beitrag.

Auch ich reise gern. Aber was manche Blogger so treiben, erscheint mir zu anstrengend. Damit meine ich nicht dieses Bühnenhafte, also das für Zillionen von deutschen Followern und deutschen Lesern zelebrierte Reisen mit all den persönlichen Eigenheiten des jeweiligen Bloggers. Sondern das Geordnete und Organisierte daran. Langweilig.

Einige Reiseblogger haben eines gemeinsam: Sie sind streng organisiert in ihren Aktivitäten und wirken so sauber und vorbildlich, als ob sie für ihre Blogger-Kollegen schreiben. Ganz so als ob sie sich in einem Wettbewerb mit denen befänden und auch noch beim wilden Reisen der Einser-Schüler sein wollen. Das ist zwar nicht immer der Fall, aber bei einigen dringt es dermaßen durch wie der Kotz-Geruch bei Kleinkindern. Und sie halten zwangsläufig den Bezug zu Deutschland, behalten wie ihre Leser die deutsche Sichtweise. Letzteres könnte ich nicht, wenn ich D-Land verlasse.

 

Reisen verändert Menschen nachhaltig

Wer wie ich allein, viel und weit weg unterwegs war, also die Welt gesehen hat, der kommt nur schwer wieder in ein weltfremdes, angepasstes und unternehmerfeindliches System wie das Deutsche hinein. Und umgekehrt?

Sobald ich ausländischen Boden betrete, höre ich schlagartig auf, Deutsch zu sprechen, Deutsch zu lesen, Deutsch zu schreiben und vor allem deutsch zu denken. Selbst dann, wenn ich in ein deutschsprachiges Land fahren sollte. Bin ich in Österreich, denke ich österreichisch. Versuchen tue ich es zumindest. Aber mit der Aussprache lass ich es lieber, obwohl ich es – je nach Lokalität – schon könnte. Aber Österreichisch klingen dürfen nur Österreicher. Keine Diskussion. Dasselbe gilt für Bayern (außer München.)

Ich bin im Englischen wie im Deutschen extrem gut darin, jede Stimme, jede Mundart und jeden Akzent zu imitieren. Du musst mich mal als Sylvester Stallone, Al Pacino oder Michael Caine (oder Miley Cyrus) hören. Vielleicht sollte ich doch noch einen YouTube-Kanal aufmachen….

Egal. Solche Fähigkeiten helfen beim Erlernen von Fremdsprachen generell. Was das Reisen und kommunizieren erleichtert. Aber nicht jedem liegt das. Und in den meisten Fällen hat es nur Unterhaltungswert. Jedenfalls komme ich in der physischen Welt (außerhalb des Internets) mit Menschen schnell in Kontakt. Auch weil ich mich für andere interessiere. Oder ich für deren Lebensweise und Eigenheiten ehrliches Interesse zeige. Das heißt, ich höre ebenso gerne anderen zu.

Du erlernst eine Sprache dann man besten, wenn du allein reist und dich für Land und Leute interessierst. Aber allein eine Sprache, einen örtlichen Bauerndialekt oder Straßen-Slang akzentfrei zu beherrschen ist nicht alles.

Genauso wichtig wie eine Sprache ist auch der Umgang, die Sitten, die Gebräuche, die Gesten, die Mimik, die Körpersprache und feinen Eigenheiten. In Deutschland würde man bei dem Thema fast schon von exzellenter Integration reden. Reden wir nicht länger, fangen wir an zu scheißen…

 

Al Bundy lässt grüßen

Die Amerikaner haben bessere Toiletten als die Deutschen, so viel ist Fakt. Die haben da keine Sparfunktion, die spülen richtig oder gar nicht. Die Funktionsweise mittels Standwasser ist dem deutschen Klos überlegen, da viel sauberer, in jeder Hinsicht. Das ist amerikanische Ingenieurskunst wie ich sie liebe. Die natürlichen Ressourcen werden kräftig gechlort einfach durchgespült, nur für die reine Freude des Mannes.

In Privathaushalten sind die Klobrillen und Deckel komfortabel mit Kunstleder gepolstert. Das heißt die sind für fette amerikanische Männerärsche gemacht und nicht für knochige deutsche Öko-Hintern.. Dazu ist das Klopapier fluffig weich und nicht so ein fusseliger Eichenkarton wie in D-Land. Glaub mir, ich arbeite daran, dass sich das irgendwann ändert.

Al Bundy hatte recht. Die Europäer können vieles, aber keine Toiletten bauen.

 

Scheiß auf den Rucksack — Es geht auch anders

Du hast nun bestimmt mitbekommen, dass ich mich nicht für den typischen Backpacker eigne. Zen ist nicht ganz so ein Ding. Und in die Hecke scheißen will ich auch nicht.

Wenn ich verreise, will ich die Dinge zwar schräg, aber komfortabel haben. Ich will auf direktem Wege hinein ins wahre Leben. Und möglichst dort hin, wo andere schon bei dem Gedanken die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Oder sich totlachen. Beispiel?

Als ich mich 1998 beruflich neu orientieren wollte, nahm ich wie es sich gehört, erst mal eine Auszeit. Und ich wollte an einem Ort, den ich bisher nur aus amerikanischen Filmen kannte. Ich war neugierig und wollte rein in die Welt der Stereotype und Klischees. Gereist bin ich mit zwei alten Reisetaschen aus DDR-Produktion. (Nicht im Sinne des Herstellers, denn die kommunistischen Dinger sind auf einen Truck liegend auf der Fahrt nach Waco aufgeplatzt.)

Es ging – unter anderem – nach San Marcos. Dort wohnte ich in einem billigem Motel, dass ähnliche Gebrauchsspuren, sagen wir „Patina“, aufwies, wie man es hierzulande nur aus Fernsehserien, wie My Name Is Earl kennt. Ein Trailer Park, also eine Wohnwagensiedlung, wäre sicherlich auch ganz interessant gewesen. Aber ich wollte es mit dem sozialen Milieu (White Trash) nicht untertreiben.

Ich wollte das Motel und mir gefiel es sogar viel besser als erwartet. Ich hatte erstaunlich hohen Wohnkomfort für sehr wenig Geld. Es gab auch dort „Nachbarn“, also Langzeitbewohner (meist Studenten), mit denen ich mich (teilweise mehr als) anfreundete.

Die erste Zeit hatte ich nicht mal ein Auto. (Und das in einem Motel!) Auch deshalb nicht, weil ich merkte, dass wenn ich irgendwo hin wollte, immer mit jemanden mitfahren konnte. Selbst dann, wenn derjenige ganz woanders hin wollte. (Ich war dort – abgesehen von den Mexikanern – der einzige Ausländer weit und breit.) Erst später habe ich jemanden einen alten Truck abgekauft.

Einmal lief ich zur nächst gelegenen Bar, die ca. 10 min Fußweg entfernt war. Und auf halbem Weg kam mir ein bereits bekannter mit seinem Truck entgegen, hielt an und fragte: „Hey Lutz, wo willst du hin?“ Ich: „Zum River Pub & Grill.“ (Heutzutage, 2016, nicht mehr existent.) So gabelte er mich auf, fuhr erstmal zur Tankstelle, dann weiter in einen Lebensmittelladen und anschließend mich in den Pub. So läuft es da.

Ivar Gunnarson, selber ein Kanadier isländischer Abstammung und damals schon über achtzigjährige Besitzer der Bar war eine Ikone dort. Jeder in San Marcos kannte Ivar. Der konnte Geschichten erzählen vom feinsten. Deshalb habe ich in San Marcos nie eine andere Bar besucht. Sein Laden war auch allabendlicher Dreh- und Angelpunkt der vielen Studenten von der Universität ‚direkt‘ nebenan. Ivar war Pflicht.

Bereits nach 3 Wochen zog ich aus dem Motel wieder aus, weil mich ein paar Studenten einluden, bei ihnen im Haus zu wohnen. So war ich außer in Ivar’s Pub meist auf privaten Parties zugegen. Tagsüber war ich „zuhause“ oder ging (teils auf dem Campus) spazieren, um den Geist wieder frei (oder mit Weibsbildern voll) zu kriegen. Ich dachte – so lange die Sonne schien – über Geschäftsideen nach. Das war nötig, denn gekifft wurde immer und überall. Und da ich nicht wie die anderen zur Uni musste, war ich stets ausgeschlafen und deshalb jede Nacht topfit.

[Im Gegensatz zu manch anderen Orten in den USA kann man in San Marcos sehr gut zu Fuß gehen und – falls man dazu noch in der Lage ist –  das Südstaaten-Flair genießen.]

Selbst einige Lehrer, die man mit hölzernen deutschen Beamten nicht vergleichen kann, waren was Party treiben angeht, nicht zahmer als ihre Studenten oder meine Wenigkeit.

Natürlich war ich nicht ständig dort. Ich war auch in der Hauptstadt, in Austin, einer weiteren Universitätsstadt. Der Ort ist ein Eldorado für Live-Musik. Clubs und Bars mit Live-Bands gab es in rauen Mengen. Leider war ich dort nur vereinzelt und immer nur für ein paar Tage. Und beinahe, also um Haaresbreite hätte ich in dem Getümmel auch noch meine erste Texanerin geheiratet.

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1998 grin image by K.T. Stern

Offerten von weiteren Damen hatte ich auch in Dallas. (Allein darüber zu schreiben würde locker nochmal 10 Beiträge füllen.) An höchst attraktiven und ‚zielorientierten‘ Frauen hat es dort jedenfalls nicht gemangelt. Und die sind nicht so prüde, wie man hier in Deutschland gerne annimmt. Im Gegenteil. Ich zumindest fand sie phänomenal, in jeder Hinsicht. — Das ist Reisen!

Im sogenannten Metroplex hielt ich mich die letzten Wochen auf. Vor allem in Dallas. Dieser Metroplex ist eine Art Ballungsgebiet, bestehend aus den Zwillingsstädten Dallas und Fort Worth. Dazwischen liegen kleinere Städte wie Arlington und Grand Prairie. In jedem dieser Orte habe ich schon privat übernachtet.

 

Im größten Kuhdorf der Welt

Dallas ist definitiv anders als andere Städte. Nicht nur weil dessen Kneipendichte, neben Fort Worth gleich ’nebenan‘, eine der höchsten der Welt ist. Oder weil Viehtransporter manchmal mitten durch die City fahren. Aber wenn du nur einige Wochen dort bist, dann kennt dich gefühlt jeder. Insbesondere dann, wenn du in bestimmten Gegenden mit bestimmten Leuten oft zusammen warst. Selbst einige Leute, die du nie getroffen hast, wissen dann über dich Bescheid.

Noch lustiger ist, man trifft auch an völlig anderen Ecken der Großstadt immer wieder auf die selben Leute. Manchmal mitten in Downtown. Oft war ich in der Greenville St, in Deep Ellum („Speed Ella“) oder im alten West End.

War ich aber zum Osterpicknick in Turtle Creek, einer relativ ruhigen, aber spießigen Wohngegend der Mittelschicht, wurde mir schon nach drei Minuten von Bekannten das Bier im dortigen Park, direkt neben General Lee, gereicht.

Ging ich irgendwo die Straße entlang, rief immer jemand meinen Namen: „Lootes!“ Und die Passanten erfuhren, „Lootes“ ist heute wieder unterwegs.

Wie in einem Dorf sind auch die Eigenheiten in den Saloons, Bars und Restaurants. Wenn dich beispielsweise der Wirt oder Angestellte wieder erkennt, was mir häufig passierte, dann kannst du – ohne Not – anschreiben lassen. Bezahlt wird dann immer nur am Freitag. In Kalifornien musste ich selbst als ‚Stammgast‘ jeden Drink einzeln bezahlen. In ganz Texas zahlt man, für Fraß und Trank, erst am Freitag. Billiger als in Cali ist es außerdem.

Und wenn man mal aus Gewohnheit am Freitag vergisst zu zahlen? Da sagt keiner was. Peinlichkeiten erspart man sich untereinander. Und Samstag geht ja auch noch. Meistens aber denken die Wirte dran, denn denken fällt manch angetrunkenen Texaner schwer.

Ein andermal, diesmal Sonntags, wollte ich in eine Bar, nur um die vergessene Rechnung der vergangenen Woche zu bezahlen, weil ich eigentlich woanders hin wollte. Der Opa hinterm Tresen, der aussah wie Willie Nelson nach 3-stündiger Marihuana-Abstinenz, sah mich nur an und sagte: „Bones hat für dich bezahlt.“ (Ein Bekannter, der mir so rückwirkend – wie so oft – einen ausgegeben hat.)

Da wurde mir klar, dass die Texaner geschäftstüchtig sind wie Sau. Erstens baut bequemes Anschreiben auf Rechnung wiederkehrende Stammkundschaft auf. Und Zweitens vertraut man darauf, dass irgend jemand schon bezahlen wird (wie Bones in diesem Fall für mich). Ich schätze, es gibt in Deutschland auch größere Städte, wo das Usus ist. Als völlig Fremder hat mir bisher nur mal ein Wirt in Dortmund vertraut. Geht doch. Da geht man gerne wieder hin. Falls man in Dortmund ist.

Du siehst, wie schnell ich den Übergang geschafft habe. Schon sind wir wieder in Deutschland. Und damit am Ende meiner Version eines Reise-Beitrags.

Fazit: Auch als reisende Barfliege kann das Leben recht interessant sein. Leute trifft man da….

Ideen haben die im Kopf

Original Image by Eric Molina

Jemand, der unter unter Stress steht, der wäre froh wenn er da wieder raus käme. Aber gerade dann passiert genau das nicht, weil eben der Stress kein freies Denken, keine Kreativität mehr zulässt, um dieses Dilemma zu lösen. Kinder wiederum müssen nicht kreativ sein und auch nichts lösen. Sie tun es trotzdem. — Einfach weil sie es können.

Kinder haben nun mal viel Energie, Spieltrieb und Neugierde. Und wenn Kinder statt Druck Langeweile haben? Dann kommen sie leicht auf dumme Gedanken. Genau das brauchen Kreative Erwachsene. Die Ideen sind schon im Kopf.

Aber sie müssen raus. Das Gute daran: Sind sie einmal raus, die Ideen, dann kommen neue an den Start.

Falls jemand nach Lösungen oder neuen Wegen sucht, dann sind Dumme Gedanken erst einmal besser als gar keine Gedanken. Sie sind oft die einzigen Gedanken, die man überhaupt hat. Wer hat schon immer schlaue Gedanken?

 

Lieber dumm denken als überhaupt nicht denken

Wenn Inspiration, Einfluss und Ideen ausgehen, dann ist nämlich jeder Gedanke willkommen. Und viele dumme Gedanken können zu einen schlauen Gedanken führen. Dazu kommt noch die Lebenserfahrung eines Erwachsenen, womit man zusätzlich noch reichlich ‚Material‘ zum kombinieren hat. Kinder haben letzteres nicht. Dafür aber Fantasie.

Fantasie ist Leben. Und wer richtig leben will, der sollte seine Fantasie auch nutzen. Viele trauen sich das nicht, weil Fantasie nichts mit Intelligenz oder Schlauheit zu tun hat. Fantasie fördert vielmehr Eigensinn und Originalität. Genau das darf ruhig erst einmal dumm sein.

Gerade für Dinge, die innovativ und originell sein sollen, gilt: Je dümmer, desto besser. „Besser“ bedeutet hier nicht zwangsläufig klüger, sondern abwegiger, dreister und verwegener. Und damit wird es innovativ und originell. Mit anderen Worten, neue Ideen müssen weder toll noch schön sein. Nicht einmal plausibel. Sie müssen in erster Linie nur eines:

Reizen. Reizen wie doll und verrückt. Und nur neues und ungewohntes reizt. Vor allem die Dummheiten davon.

 

Ohne Reiz kommt nichts in Gang

Wo kein Reiz ist, da schert sich keiner drum. Da schaut keiner hin, hört keiner zu, reagiert kaum einer. Erst der aktive Reiz zwing zu Reaktionen. Bis dahin gibt es keinen Grund zum reagieren.

Auch deshalb sind Kinder so gut im Reizen. Der Kleine quängelt an der Supermarktkasse so lange, bis er die kleine süße Flasche mit dem blauen Saft mit dem lustigen Etikett bekommt. Auch wenn Likör in der Pulle ist. (Und man sich später wundert, was aus dem Kleinen geworden ist.) Hauptsache Mutti hat erstmal Ruhe.

Ein Reiz kann provozieren, er kann führen, signalisieren und ablenken. Genauso ist es auch mit unseren Gedanken. Dabei muss nicht immer nachvollziehbar sein, wie ein Gedanke entsteht. Hauptsache er ist irgendwann da. So wie bei den Kids.

 

Ideen wie auf Knopfdruck

Am besten ist es, wenn man Gedanken wie auf Bestellung bewusst herbeiführen kann.

Du suchst eine Lösung für ein Problem. Das Problem muss man kennen. Es lautet in unserem Falle beispielsweise etwas schwieriges gebacken zu bekommen.

Der direkteste Weg um dieses Ziel zu erreichen ist, deutlich und voller Absicht über dieses Ziel hinaus zu schießen. Trotz oder gerade wegen der Schwierigkeiten, jenes Ziel überhaupt zu erreichen. – Was wahrscheinlich wirklich nicht klappen kann. Aber noch eins drauf zu legen, das konnte klappen. — Weil dann dein Ziel neu definiert wird. Das Ziel wird ein anderes, eines, dass viel weiter draußen und scheinbar noch schwerer zu erreichen ist als das eigentliche, alte bisherige.

Das Ziel wird plötzlich erreichbar, weil es jetzt ein anderes ist. Dieses ist zwar weiter entfernt, aber zugänglicher, und dadurch einfacher zu erreichen als jenes Ziel auf kürzerer Distanz.

 

Beispiel:

Ein Architekt, der 5 Häuser in einem Monat entwerfen soll, entwirft in einem Monat fünf Häuser. Und er liefert die 5 Vorschläge ab. In letzter Sekunde.

Ein Architekt, der 5 Häuser in einem Monat entwerfen soll, entwirft in 2 Wochen 10 exzentrische Luxus-Villen. In der dritten Woche macht er in Palm Springs er einen drauf. In der vierten Arbeitswoche macht er aus seinem Material mit Leichtigkeit 5 originelle Häuser, jeden Tag eines. Und dann liefert er die 5 Vorschläge ab. Pünktlich und ohne Stress.

Beide Architekten wurden vom selben Bauunternehmen für zwei unterschiedliche Standorte für den selben Preis beauftragt. Man könnte jetzt darauf spekulieren, welcher von beiden in ein paar Jahren die höheren Preise nehmen kann.

Auch wenn kitschige Luxusvillen ‚dumm‘ erscheinen mögen – er hat letztendlich keine entworfen, sondern normale Häuser. Allerdings hat er dafür in seinem Bereich neue Standards gesetzt. Der erste Architekt hat nur seine Arbeit getan. Aber beide haben geliefert, was verlangt wurde. (Was heutzutage und auf lange Sicht eben nicht mehr reicht.)

 

Dumm = Verboten; Verboten = Gut

Dumme Gedanken sind eigentlich nicht so dumm, sie sind eigentlich nur verbotene Gedanken. Frei nach dem Motto „Dafür wurden wir nicht beauftragt, also machen wir es nicht.“ Heben wir doch das Verbot schon mal auf und fangen gleich an zu denken: „Dafür wurden wir nicht beauftragt, aber wenn wir es trotzdem machen, spielt unser Kunde – wahrscheinlich – in einer anderen Liga. In jener Liga gibt es für ihn nur noch uns.“

Kein Kunde, kein Auftraggeber verbietet einem, bessere Arbeit abzuliefern als bestellt wurde. Hier setze ich noch einen drauf und sage, was für andere noch ‚verboten‘ ist, macht erst richtig Spaß. Für beide Seiten. Da entsteht kein Stress, sondern Freiraum. Warum? Weil man nicht mehr mit dem restlichen Pack konkurrieren muss, was Freiraum schafft.

Man hat Freiraum für noch mehr Kreativität und kann dadurch fast schon tun und machen, was man will. — Während man dafür bezahlt wird. Wofür nochmal?

Für die Ideen aus deinem Kopf. Also las sie raus. Heute. Solange sie noch in deinem Kopf sind, nützen sie dir nichts. Dann kannst du sie gleich mit ins Grab nehmen.