Wie man sich selbst (zur Party) einlädt

Image by Daniel Rossi

Stell dir vor, du platzt irgendwo uneingeladen hinein. Am besten dort, wo man dich weder erwartet noch kennt. Das macht man nicht.

Oder?

Doch, das macht man schon. Das sollte man sogar machen, besser, du solltest es machen, wenn:

Du damit ein bestimmtes Ziel erreichen kannst, dass du erreichen willst. Was sonst? Aber macht es überhaupt Sinn?

Meistens ist dies keine so gute Idee. Aber du bist sicher kein Typ für ‚Meistens‘. Sondern jemand, der weiß, was er will.

…und jemand, der willkommen ist. Oder doch nur wieder Ärger macht.

 

Willkommen wird man nicht. — Man ist es. Oder man ist es nicht.

Nochmal: Kannst du dir vorstellen, dich selbst bei jemanden einzuladen, der dich nicht eingeladen hat? Genau dorthin, wo du eigentlich – oder sagen wir offiziell – nicht dazu gehörst. Das kann eine Party, ein Club-Abend, ein Treffen, ein Gremium oder sonst was sein. Die Antwort: Ja, du kannst, jederzeit. Aber womöglich tust du es nicht.

Dann schiebst du Ausreden vor, wie: „Sonst gucken die doof.“ Oder „Dann gibt’s bloß Ärger.“ Na und? Hauptsache du guckst nicht doof und machst keinen unnötigen Ärger. Denn, jemand, der weiß, was er tut, der guckt nie doof. Andere dann aber umso mehr. Und wegen Ärger lädt sich keiner selbst ein, außer Lebensmüde oder Chuck Norris. Verstanden?

Gut.

 

Gehen wir rein in die Materie. Natürlich ohne Einladung.

Das Unwahrscheinliche wird für dich erst dann wahrscheinlich, wenn du das unwahrscheinliche tust. Es geht nur so und nicht anders. Und trotzdem, sich selbst einladen, das klingt erst mal so absurd wie eine Vespa zu kaufen, um einen MC zu gründen oder mit einem Chopper am Moto Grand Prix teilzunehmen. Aber es gibt Dinge im Leben, die um einiges einfacher, ungefährlicher und damit machbarer sind. Genau die sollte man einfach machen..

Ich schreibe offen, dass dieses Thema nichts für introvertierte ist. Dieser Blog, das ganze Klokain-Kartell ist nichts für Introvertierte. Da gibt es hunderte von Blogs für introvertierte. Was ich hier tue ist für Extrovertierte. Und: Auch Extrovertierte können – in entsprechnender „Gesellschaft“ – schüchtern, gehemmt oder einfach nur abgeschreckt sein.

Dann hilft nur noch, sich selbst zu entschrecken. Wie? Indem man sich nur dorthin einlädt, wo man ohnehin offene Türen einrennt. Was mich selbst betrifft, habe ich zwar ein sehr gutes Bauchgefühl, wo oder bei wem ich willkommen bin. Aber Begegnungen mit Idioten sind genauso wenig auszuschließen, wie es auf irgendwas im Leben eine Garantie gibt.

 

Das Leben ist von Natur aus gefährlich und unberechenbar

Du kannst dein Leben lang in einer gefährlichen Gang sein. Du kannst dein Leben lang Rennen fahren oder als Stuntman arbeiten. Und kannst 40 Jahre lang als Söldner arbeiten.

Aber irgendwann willst du deine Mutter besuchen und auf dem Weg dorthin in einer beschaulichen Reihenhaussiedlung mit Blümchen und Gartenzwergen fällt dir so ein scheiß Ziegelstein auf den Kopf, weil Fritze Blau sein Dach nicht repariert hat. Und Mutter wundert sich dann, warum du schon wieder nicht pünktlich bist.

Nur so nebenbei: Eine Heile Welt gibt es nicht. Schon gar nicht dort, wo es danach aussieht.

Also was soll das Theater von Sicherheit, Vorsicht, Mäßigung und all den Quatsch? Es bringt nichts. Übervorsicht bringt nichts. Zurückhaltung bringt nichts. Nichts bringt nichts. Und Gefahren lauern überall. Denn die Ganze Welt ist gefährlich.

Und wenn die Welt schon gefährlich ist, dann lebe ich lieber gefährlich und abenteuerlich als gefährlich und langweilig.

Locker-leichte Lebemänner und Hallodries haben den Dreh raus, denn die scheren sich nicht um etwaige Gefahren. Deshalb kann man von ihnen einiges lernen. Ich glaube einige dieser Leute haben den Begriff „proaktiv“ erfunden.

Von so jemanden hier gleich mal ein Beispiel:

 

Hans & Franz

So richtig proaktiv und angriffslustig war ein Bekannter von mir, den ich erst kürzlich wieder getroffen habe. Nennen wir ihn Hans*. Hans könnte man nicht direkt als extrovertiert bezeichnen. Eher als getriebenen. Das reicht schon.

Wenn Hans von einer Party gehört hat, dann leuchtete bei ihm sofort die rote Alarm-Leuchtreklame auf. Für Hans gab es nur ein Kriterium, nur einen Grund, sich ohne Vorankündigung einzuladen: Weiber.

Ein anderes Kriterium oder einen sonstigen Grund gab es für ihn nicht. Nicht für Hans.

Er war nie beleidigt oder in seinem Selbstwertgefühl gemindert, nur weil er nicht offiziell eingeladen wurde. Selbst dann nicht, wenn Kollegen ihn auf privaten Feiern nicht einluden. Er kam trotzdem. Und er war dann meist der beliebteste Gast und oft der einzige, an den man sich erinnern konnte. (Weshalb er dann immer öfter gezielt eingeladen wurde.)

Er erwischte immer die schönste Frau. Er ging nie leer aus. Das wusste er schon vorher.

Warum ging er nie leer aus? Kannte er gewisse dort anwesende Frauen? Nein. Es gab andere Gründe:

Grund 1: Als denkenden Menschen war ihm klar, dass auf jeder Party auch Frauen sind. Er musste nicht wissen, wer es war. Denn als Frauen-Gournet ließ Hans sich gern überraschen. Allein die Neugierde trieb ihn schon an.

Grund 2: Er war gut gelaunt. Denn wer schlecht gelaunt ist, der lädt sich besser nicht zu Parties von fremden Leuten ein.

Grund 3: Hans hatte jemanden, der ihn jedes mal aufs Neue zwang, sich einzuladen. Und dieser jemand war Franz. – Ein Körperteil, halb Freund halb Schwanz.

Grund 4: Er hatte bei jeder Party immer einen Mann vor Ort, der ihn kannte, oder einen Freund, der sagen konnte, dass Hans „dazu gehört“. — Sein freundliches Wesen und seine tadellose Erscheinung erledigten den Rest.

Grund 5: Er vertraute sich selbst und machte sich damit sozusagen ’systematisch beliebt‘. – Man kannte ihn immer schon von woanders her. Somit war er routiniert im Umgang mit fremden Leuten und niemand konnte seinem Charme widerstehen — Trotz seines Rufes.

Grund 6: Geschicktes Timing. Er kam nie gleich zu Beginn einer Party. Aber auch nicht zu spät, denn er wollte eine Frau wie eine Rosine heraus picken. Er kam erst später dazu, so „beiläufig“. Er war halt „gerade zufällig in der Nähe“. (Natürlich mit Absicht.) So frei nach dem Motto „Ach bei Euch ist eine Party? Na wenn ich schon mal hier bin…“.

Hans war ein Meister des ‚Point of Entrance‘, so wie man es bis dato nur von Überraschungsauftritten Prominenter in amerikanischen Late Night Shows kannte. Er erschien immer genau im richtigen Moment. Also dann, wenn alle schon angetrunken genug waren, dass sie nicht mehr wussten oder es egal war, ob Hans überhaupt eingeladen wurde.

Hans jedenfalls sah offizieller, sprich eingeladener aus als manch eingeladener Gast. Er wartete nur, bis die regulär eingeladenen Party-Gäste schon zwei, drei Drinks intus hatten. Wen interessieren dann noch Kleinigkeiten?

 

Image by Simon Thomas

Hans nutzte die häufige Tatsache, dass sich die Frauen ausreichend sturmreif gesoffen hatten, um von ihm in Angriff genommen zu werden. Sie waren bereits genug enthemmt. Hans war nun derjenige, der die beginnende Langeweile der Damen für sich zu nutzen wusste.

[In den USA würde Hans, der dort sicherlich John heißen würde, etwas zum trinken mitbringen. Meiner Erfahrung nach ist das aber kein Muss… wenn man selber nichts trinkt.]

Kurz, Hans wartete wie ein Kater auf die Maus. Und unser Damen-Gourmet Hans bekam seine Maus auf dem Silbertablett.

 

In anderen Lebensbereichen ist es genauso

Wenn die Zusammensetzung mit den richtigen Leuten stimmt, die Lage sondiert und der Zeitpunkt reif ist, dann heißt es: Zupacken.

Ich behaupte in 9 von 10 Fällen funktioniert kein Vorhaben, weil die Vorarbeit und damit ganze Strategie zur Ausführung fehlt. Und vorarbeiten kann man nur mit Geduld und Beobachtungsgabe. Freundschaften und Ehen werden ja auch nicht von heute auf morgen geschlossen. (Zumindest im nüchternen Zustand.) Und falls doch, dann wissen wir, was am Ende meist heraus kommt. Dasselbe gilt für Künstler-Karrieren, Unternehmensgründungen, Olympia-Medaillen und Bestseller.

Das noch viel schlimmere Problem ist, wenn man gar nichts tut, nur weil man es für aussichtslos hält. Oder erst dann in Aktion schreitet, wenn eine todsichere Zusage von außen kommt. (Die so gut wie nie kommt.) Dann funktioniert in 10 von 10 Fällen nichts.

Du musst nicht extra warten, bis dich jemand bittet (einlädt), etwas zu tun, worin du ausgesprochen gut bist.

Ja, es wird vielleicht jemand darum gebeten, das zu tun, was du am besten kannst. Und wenn das passiert, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du derjenige bist 7 Milliarden zu 1.

Die Wahrscheinlichkeit spielt gegen dich, solange du nicht derjenige bist, der dich einlädt, genau das zu tun. Tust du es, dann hast du zwar noch immer keine Garantie auf Erfolg. Denn auch die gibt es nicht. Aber du gibst dir die Chance, dass die Wahrscheinlichkeit darauf jetzt 1:1 steht statt 1: 7.000.000.000. Kurz: Der gefährlichste Kater bekommt die Maus…

Image by Andy Miccone

…oder noch besser, die Katze.

 

 

 

 

 

 

 

Miau.


*Namen geändert.

Wie du reagieren solltest, falls dich jemand ignoriert

Image by Don Gunn

Nicht geliebt, aber dafür gehasst zu werden ist bei weitem besser als total ignoriert zu werden. Dieses ignoriert werden ist wie tot sein. So kommst du dir vor und für die anderen bist du es. Tot. Aber ignorieren kann nur einer, der da ist. Und um den geht es in diesem Beitrag. Und um die Ursache und dessen Behebung.

Es ist ein komisches Gefühl, wenn dich oder mich keiner bemerkt. Selbst dann, wenn du einen riesigen Hut trägst und optisch damit auffällst. Die erste Regel ist: Bleib cool. Denn dein kühler Kopf wird solche Situationen ins Gegenteil umdrehen. Kann er es nicht, dann kann es niemand.

Es gibt Leute, die beachten gar keinen. Die würden nicht mal der Königin von England Beachtung schenken, wenn sie da stünde. Solche Leute haben ihre Gründe, meist persönlicher Natur, die ein Gespräch unmöglich machen. Aber über die reden wir hier nicht. Sondern über die, die eigentlich gesellig sind. Aber aus irgend einem Grund nicht zu dir oder zu mir.

Image by Manchester City Library (www.manchester.lib.nh.us)

Falls du extrovertiert bist oder ein unterhaltsames Naturell hast (und vielleicht noch einen coolen Hut trägst), was ich beides richtig gut finde, dann fällt es in gewissen Situationen zusätzlich schwer, dich unauffällig zu verhalten und fühlst dich deshalb nicht nur ausgegrenzt, sondern verkannt.

Das heißt, du bist situationsabhängig, also in Gegenwart von (bestimmten) Menschen wie ein pfeifender Druckkessel, der kurz vor der Explosion steht. Dabei musst du über eine gewisse Zeitspanne äußerste Disziplin (und Geduld mit dir selbst) aufbringen, um dich zurück zu nehmen. Jedenfalls geht es mir oft so.

Hiermit gebe ich dir ein paar Tips, was es damit auf sich hat, wie du damit umgehen und dich in Szene setzen kannst.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Deshalb ist es besonders für empathische Personen wie dich und mich kaum zu ertragen, einfach nur still rum zu sitzen (oder zu stehen), ohne sich mitzuteilen, ohne mehr vom anderen zu erfahren oder dich mit ihnen auszutauschen. Du wärst der richtige Zuhörer, der richtige Gesprächspartner für ihn. Aber der gibt dir keine Chance. Er ignoriert dich.

Ich weiß, du willst keinen voll labern, ein Ohr abkauen, wie so manch nervige Typen. Und mit jeden willst du auch nicht ins Gespräch kommen. Aber jemanden (oder mehreren) eine Weile, vielleicht Stunden lang, gegenüber oder neben ihm zu sitzen und kein Wort auszutauschen ist höchst unangenehm. Besonders wenn jene Personen auf dich interessant oder attraktiv wirken. Das ist einer der Gründe, warum du vielleicht ungern mit der Bahn fährst oder fliegst.

Was mich angeht, so bin ich oft froh, dann lieber leere Sitze um mich herum und niemanden in meiner Nähe zu haben als Ignoranten. (Ausgenommen die Stewardess, denn die kann einen durstigen Passagier wohl kaum ignoriren.) Falls alles voll ist, verhalte ich mich manchmal so, als ob es leer und ich der einzige Passagier (oder Patient) wäre.

Image by Dormant Braincell Research Project

Genauso schwierig wird es, wenn du mit jemanden (Verwandten, Bekannten) zusammen bist und dieser ebenso wenig an eine lebendigere Unterhaltung interessiert ist. Einfach weil er von Natur aus gehemmt und nicht der richtige Typ dafür ist, in der Öffentlichkeit zu plaudern. Es ist ihm oder ihr unangenehm, auf irgend eine Art aufzufallen. Also. Cool bleiben.

Manchmal willst du nur jemanden zu verstehen geben, dass du ihn verstehst, irgendwas vertrautes oder interessantes an ihm erkennst (Symbol, Sprache, Geschmack), ihm unbedingt Recht geben willst, dass du auf seiner Seite bist, ähnliche Erfahrungen hast oder ihn in seinen Ansichten oder Erlebnissen voll bestätigen kannst…

…und bekommst eine arrogante Abfuhr.

Kurz, du bist neugierig und an anderen ehrlich interessiert, aber hast den Eindruck, ausgeschlossen (isoliert) zu sein und deine Person dadurch entwertet wird. — Während die anderen wie selbstverständlich miteinander reden. Ist es interessant, kannst du zuhören. Ist es Blödsinn, kannst du dich immerhin amüsieren. Sagt niemand etwas. Ist es auch O.K.. — Solange du selber ruhig bleiben kannst.

Bist du geboren worden, um ständig ruhig zu sein, zu kuschen? Natürlich nicht.

Aber bevor du deine innere Sau raus lässt, brauchst du erst mal einen kühlen Kopf. Hast du den, dann kannst du jede Situation und die Menschen darin für dich gewinnen.

So und jetzt gehen wir verschiedene Szenarien durch, wie du unangenehme Begegnungen für dich angenehmer und erfreulicher machen kannst. – Und damit auch für die anderen, damit denen deine interessante Persönlichkeit nicht entgeht. Denn als Macher willst du aus Begegnungen ja was machen und jeden Moment genießen, statt es einfach nur zu ertragen.

 

Jemand stiehlt dir die Show

Fakt ist, für zwei Al Pacinos ist selbst der größte Raum zu klein. Du hast es vielleicht schon erlebt, dass du bei irgend jemanden zu Besuch bist und einige Leute sich im selben Raum regelrecht präsentieren. Manchmal mehr schlecht als recht. Du weißt, du könntest unterhaltsamer, redegewandter oder interessanter sein als diese Hammel.

Dann würdest du liebend gern mit einstimmen, sozusagen deinen Beitrag leisten. Aber du kommst nicht dazu. Der Grund:

Image by Ralph Arvesen (www.lostoak.com)

Dein ‚Platz‘ ist bereits von jemand anderen besetzt, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er dominiert, weil er vor dir da war. Und du kommst einfach zu spät und bist schnell genervt. Die Lösung?

Kümmere dich um die Person im Raum (meist ist es die intelligentere und mächtigere), die dem Gerede der Person im Mittelpunkt in der Regel nichts abgewinnen kann. (Du kannst dir denken warum.) So hinterlasse nur bei dieser Person – nennen wir sie ‚Graue Eminenz‘ – den besten Eindruck anstatt bei dem Rest. Hör ihr zu, interessiere dich nur für sie. Damit stehst du am Ende besser und sympathischer da, als wenn du auf der „Haupttribüne“ mitmischen würdest.

Profis machen Networking und Beziehungsaufbau (und Pflege) auf eben diese, etwas leisere Art. — Das Ergebnis: 1:0 für dich, und die nächste, viel größere Show gehört deshalb exklusiv dir mein Freund. (Falls du genaueres darüber wissen willst oder Beispiele brauchst, dann schreib mir eine Email. Meine Erfahrung teile ich gern mit dir.)

 

Der Unsichtbare mit dem alten Hut

Nächstes Beispiel: Sagen wir, du bist auf einer Party. (Das ganze Leben ist eine Party.) Und wie man das auf einer (züchtigen) Party eben so macht, stehst du in einer Gruppe von drei Personen lustig rum und unterhältst dich.

So weit, so gut. Aber nach kurzer Zeit stößt eine weitere Person zur Gruppe, begrüßt jeden, inklusive dich. Und falls er etwas sagt, wen sieht er dann an? Richtig. Nur die anderen, während er den Blickkontakt zu dir die meiste Zeit meidet. – Das ist noch die höfliche Variante.

Oft ist es so, dass eine weitere Person zur Gruppe stößt und alle — außer dich — begrüßt. Warum?

Du bist ihm fremd. Und die meisten Leute sprechen prinzipiell nicht zu Fremden, selbst wenn sie Teil einer kleinen Gruppe sind.

Fremde bedeuten ein Risiko und verunsichern. Du genießt nicht sein Vertrauen. Das ist nichts persönliches, da er dich ja nicht kennt.

Das führt unbewusst dazu, dass der Fremde (in dem Fall du) keinen Wert für ihn hat und deshalb in seiner Aufmerksamkeits-Rangordnung weiter unten steht.

Ja, das ist unhöflich, unaufmerksam und unsozial. Es ist fast schon beleidigend für dich. Aber viele Leute können in solchen Situationen nicht anders als dich zu ignorieren. (Leider habe ich auf diese Weise auch schon andere ignoriert. So kenne ich die Situation von beiden Seiten.) Der Ignorant vergisst einfach achtsam zu sein. Manchmal, weil sein Kopf zu voll ist.

Sachlich ausgedrückt, deren Aufmerksamkeit reicht einfach nur für die bereits bekannten Gesichter. So wirst du bestenfalls zum Statisten, schlimmstenfalls für den Rest des Abends ignoriert und damit unsichtbar.

Die Praxis (oder die Realität) ist so, dass wir für die meisten Leute Fremde sind und auch bleiben, trotz unserer zarten Versuche, sie in unser Leben (zum Beispiel durch ein Gespräch auf der Party) mit einzubeziehen.

Mach deshalb keine zarten Versuche. Sei nicht scheu, denn hier ist deine Bühne. Also gewinne aktiv diesen ignoranten Fremden. Wie?

Indem du direkt zeigst, dass du für ihn eigentlich ein alter Hut bist. Denn du hörst ja, was er so erzählt. Und sozial sein bedeutet zuhören, sich interessieren. Denn wie soll er sich für dich interessieren, wenn du dich nicht für ihn interessierst?

Ehrlich, ich interessiere mich auch nicht immer für jeden, so dass ich denjenigen richtig zuhören möchte. Aber auf einer Party geht man nicht, um für den Rest des Abends das fünfte Rad am Wagen zu sein. Daher:

 

Höre dem Ignoranten aufmerksam zu und dann weißt du, was du wissen musst.

Original Image by ceedub13

Spitz deine Ohren wie der liebe Onkel von der NSA. Gehe mit den Wissen (Infos, Hobbies, Persönliches, Neigungen, Vorlieben, Symbole, Accessoires, Akzent), dass du aufsaugst, auf seine oder ihre Person ein und zeig offen und ehrlich dein Interesse an ihm oder ihr.

Tue dies durch kurzes Nachfragen, Bestätigen, Recht geben, Ergänzen, Lachen, witzig sein… und er beziehungsweise sie öffnet sich für dich, weil er oder sie dann gar nicht mehr anders kann.

Das geht manchmal so weit, dass der „Fremde Ignorant“ bei der nächsten Gelegenheit schon nach dir fragt. Denn jetzt bist du für ihm vertraut… als derjenige, der sich für ihn interessiert. Vertraue mir, ich habe das schon oft gemacht. Es funktioniert jedes Mal.

[Warnung: In Einzelfällen gibt es Menschen, die können jemanden allein aufgrund deines Aussehens, Herkunft oder Haarfarbe nicht ausstehen. Aber das merkst du schnell. So kannst du dir bei selbiger Gelegenheit (z.B. die Party) immer noch andere Personen suchen, um Spaß zu haben. Wie? Indem du der „Unsichtbare mit dem alten Hut“ bist.]

So viel ist jetzt klar: Eine Macher-Persönlichkeit kann man schwer ignorieren. Schon gar nicht die mit dem alten (oder schrulligen) Hut.

Bremsen

Image by Xavier of SuperCar-RoadTrip (www.supercar-roadtrip.fr)

Du bist auf einer Feier. So langsam kommt gute Laune auf, vor allem bei dir. Gerade als du in Fahrt kommst, zischt dich jemand mit verzerrtem Gesicht an: „Errr… nicht so laut Mann!“ Und die gute Stimmung (Zweck einer Feier) ist sofort hin.

Szenenwechsel. Du bist begeistert und sprühst vor Ideen. Deine Kreativität und deine Fähigkeit Assoziationen zu ziehen, wo andere keine sehen, die kommen gerade in Gang. Du hast das Gefühl, dass du einer großartigen Lösung auf der Spur bist. Und plötzlich unterbricht dich einer mit finsterer Miene und sagt: „Das stimmt aber nicht!“ oder „Glaubst du wirklich, du bist so schlau wie….!“ Oder richtig schlimm, er hat eine Weltsicht wie Adolf und schießt deine Ideen ab.

Szenenwechsel. Du sprichst vor einer Gruppe von Leuten. Vielleicht in einer Schulung, einer Party oder als Künstler (Musiker, Host, Stand-up) in einem Club. Dabei bist du lustig und humorvoll. Aber egal, wie gut du bist, dein Publikum starrt dich an wie einen Bestattungsunternehmer auf der Beerdigung, dessen Leichenwagen einen grinsenden Totenkopf als Firmenlogo hat. (Wenn ich Bestatter wäre, dann würde ich es tun. Unter dem Schädel käme dann noch Hammer und Schaufel über Kreuz.)

Szenenwechsel. Du lächelst nach einem vorangegangenen Gespräch weil dir gerade etwas lustiges dazu einfällt. Die Person dir gegenüber wirkt dadurch plötzlich verärgert, geradezu beleidigt und empört. Nur weil du lächelst. Obwohl die verärgerte Person auch nicht den geringsten Grund dazu hätte. Mehr noch, sie könnte mitlachen, wenn sie dir die Chance dazu geben würde. Tut sie aber nicht, weil sie in ihrem Hirn bereits eine völlig andere Szenerie vor Augen hat. Beispielsweise eine, in der über sie gelacht wird. Leute, die immer und überall das Böse vermuten, ticken so.

In allen vier Szenen hast du es mit Leuten zu tun, die dich ausbremsen. Die bremsen deinen Spaß aus, deine Kreativität, deine Lebenslust (und damit dein Leben als solches). Die bremsen dich. Solche Bremsen kommen meist aus den eigenen oder engeren Reihen (Verwandte, Bekannte, Kollegen). Diese Leute haben am ehesten ein Problem damit, jemanden aus ihrem näheren Kreis so zu akzeptieren, wie er ist. Es ist Geringschätzung. Nicht mehr und nicht weniger.

Zu häufig hat man es mit den falschen Leuten, an falscher Stelle zu falscher Zeit zu tun. Selten ist es harmonisch oder das Miteinander stimmig. Der Eine hat was, was dem anderen stört statt hilft oder beglückt.

Man selber fühlt sich schließlich wie jemand, der wieder mal falsch abgebogen ist und jedem weiteren überquerten Kreuzung mehr und mehr die Orientierung verliert. Obwohl man doch ein aktuelles Navi hat. Nur die Updates sind fehlerhaft.

Sinnbildlich gesprochen: Du willst zur Comi-Con nach San Diego, um einen Produzenten für Actionserien zu treffen um ihn bei der Arbeit zuzusehen und wunderst dich, dass du an einer bewaffneten Straßenkontrolle kurz vorm Donbass stehst. Auch wenn die Leute in beiden Szenerien ähnlich aussehen, es ist nicht dasselbe. Beide fargen dich: „Willst du Urlaub machen?“ Aber meinen was unterschiedliches.

Du bist (schon wieder) bei den Falschen gelandet. Weil du auf die falschen gehört hast. Auch wen du ihnen nicht glaubst und ein komisches Gefühl hast, das hören reicht völlig aus. Falsch führt zu Falsch.

Geht es auch richtig?

 

Mensch denkt, Gott lenkt

Oft kannst du dir die Leute nicht aussuchen, mit denen du zu tun hast. Und die passenden Leute zu finden kann manchmal in Arbeit, Stress und Enttäuschung ausarten. Ich weiß, wovon ich rede.

Das einzige, was du tun kannst, ist, sobald Ruhe einkehrt, aufhören, dir jegliche Gedanken zu machen. Weder über die falschen noch über die richtigen Leute. Inklusive dich selbst. Abschalten, und zwar rigoros. So lange und so oft wie möglich. Denn dann erst wird dir langsam klar, was schief lief.

Wie willst du auf Eingebungen und geniale Lösungen kommen, wenn alles, was in deinem Kopf vorgeht in gewisser Weise von anderen Leuten bestimmt wird? Nach außen bist du vielleicht unangepasst, also schon du selbst. Das ist gut.

Aber im Inneren verdeckt noch der Dreck anderer Leute (kommt aus deren Mund), deine Wahrnehmung einer höheren Weisheit oder gar Erkenntnis. Jene kannst du nur frei von Gedanken empfangen. Die Sicht auf dein inneres Navi muss frei sein.

Schon bei der schieren Absicht, etwas „geniales zu empfangen“, kann dich keiner mehr ausbremsen. Der Rest ist Zufall. Es fällt dir alles zu, wonach oder wem du sonst hinter her gerannt bist. Das Geheimnis? Du richtest dich neu aus, nach einem unfehlbaren Navi. Dieses Navigationssystem und dessen Infos musst du kommen lassen. Deshalb die Ruhe, der Stop.

Der erste, der eigentlich bremsen müsste, bist du. Bevor du – auf den richtigen Kurs, nach den korrekten Koordinaten – weiterfährst. Hellwach und ausgeruht.

Was ich hier eben beschrieben habe ist eine hohe Kunst. Und Kunst sollte, wenn du Künstler sein willst (also nachhaltig davon leben willst), in erster Linie völlig sinnlos erscheinen dürfen. Eben nicht berechnend im „Sinne“ von Wirkungen, Resultate, Ergebnisse und Erfolge. Letztere lassen sich bei Kunst nicht erzwingen. Schon gar nicht auf direktem Wege. (Den richtigen Weg erkennst wie oben beschrieben.)

Aber vorher gilt: Bremsen.

 

Fahren unter Einfluss

HWY (1969)
Screenshot by KarlLudwig Poggemann. — Original still of the 1969 movie HWY: An American Pastoral by Jim Morrison and Paul Ferrara.

Als Selbstfahrer, also diejenigen unter uns, die den Chauffeur aus Prinzip ablehnen und sich persönlich hinters Steuer setzen, heißt es: Immer unbeeinflusst bleiben. Warum? Wegen der Kontrollen. Und ferner wegen anderen Dingen, wie Unfälle bauen oder der gelegentlichen Einstiegsversuche in fremde Autos. (Letzteres gilt nur für bekiffte VW-Fahrer.)

Besoffen Auto fahren macht wesentlich mehr Spaß. Und bekifft fährt es sich entspannter. Mit anderen Drogen fährt das Auto wie von Google-Hand gesteuert selbst. Und mit dem richtigen Mischungsverhältnis von Alkohol und hartem Stoff, könntest du sogar mit einem Hubschrauber fliegen. Selber.

Das Problem ist, dass diese Fahrten für gewöhnlich sehr kurz sind. Irgendwas stoppt einen immer. (Bullen, Hunger, Bremsbäume.) Und die Droge tut dann so, als läge es nicht an ihr.

Ja, es gibt Drogen, die verstärken Konzentration und Aufmerksamkeit und halten gleichzeitig wach. Deshalb darfst du unter Kaffee-Einfluss Auto fahren. Der Harndrang sorgt schon dafür, dass du nicht einschläfst.

Fahren unter Einfluss ist genau festgelegt und bedeutet alles Mögliche. Meiner Meinung nach gehören dazu auch störende oder rum albernde Mitfahrer, die den Fahrer auf die Nerven gehen oder ins Steuer greifen. Mir ist es mal passiert, dass ich deshalb auf einen unbelebten Autobahnrastplatz anhielt, alle Insassen (außer einen) kurzer Hand raus schmiss und dann weiter fuhr. Ja, ich habe lieber meine eigenen Kumpels ausgesetzt als dass noch irgendwas passiert.

Einige Tage später war mir klar, warum der (mir nicht persönlich bekannte) Besitzer einer örtlichen Fahrschule beim Einkaufen grinsend gegrüßt hat. Er tut es heute noch. Später begegnete ich dessen Tochter, die ihren Vater zitierte: „Das war richtig!“ Er meinte meine eben genannte Rausschmiss-Aktion auf dem Rastplatz.

Jetzt wissen wir, dass das Fahren unter Einfluss nicht wirklich funktioniert.

Trotzdem rate ich dir, unter Einfluss zu fahren. Denn es gibt Gegenden, auch bei dir, wo du es ungehindert kannst. Und dabei darf es ruhig gefährlich werden.

 

Achte auf alles mögliche, außer auf die Straße und die Kontrollen

Durchfahre keine Gegenden oder die Fußgängerzonen in deinem Wohnort. Sondern deine Ideen und Gedanken.

Kommen dir keine Lösungen, dann komme von der Straße ab. Denn die Kreativitäts-Kontrollen stehen am liebsten auf den viel befahrenen Straßen deiner Gedanken. Das sind Gefanken, die jeder so hat. Die sagen am liebsten: „So geht das aber nicht!“. Oder ganz fies: „Du musst Erfolg haben, du machst das nicht zum Spaß, denke ans Geld!“ Also runter von der Straße. Denn wir sind trotzig und wollen unseren Spaß haben. Man lebt nur einmal.

Falls du es etwas rabiater magst: Bau in deinem Kopf Unfälle und sehe, was passiert. Kollidiere, überhole, blockiere, drifte, schneide die Kurven und rase rückwärts durch den Berufsverkehr. Dessen Teilnehmer können ruhig zu schaden kommen. Denn hier sind es deine eingefahrenen Denkmuster und Gewohnheiten. Da musst du nicht so genau hinschauen, die kannst du umnieten.

Oder ganz besonders empfehlenswert: Lade störende oder rum albernde Mitfahrer (hier „unerlaubte Gedanken“) ein, die am Wegesrand stehen. Weil, hier sind sie willkommen und sie sorgen dafür, dass du quer fährst (denkst).

Achte auf Einflüsse, die du bereits hast oder mit denen zu tun hattest. (Bekannte, Reisen, Künstler, Unternehmer, Gerüche oder Geräusche.) Setze einen drauf, mach die Flasche auf und sauf. (Oder gleich ein ganzes Fass.) — Von was immer dich inspiriert. Fahre täglich unter Einfluss des verrücktesten Kumpels, die du kriegen kannst: Dein wildes Ich.

…und nimm seine Drogen. (Fantasie und Endorphine sind astreiner Stoff. Besonders zusammen, besser als jeder Speedball!)

Zeit ist irrelevant

Original image by Gary Robson
  • Du musst mindestens 3 Jahre im Staatshotel „Zum Gitterblick“ Urlaub gemacht haben, um einen Motorradclub beitreten zu können. Welchen? Den Jailbreakers MC?
  • Du brauchst mindestens zwei Jahre, um eine neue Sprache richtig zu erlernen. Angeblich.
  • Dein YouTube-Video darf höchstens eine Minute lang sein, um viral zu gehen. Heißt es.
  • Ein Motorrad taugt nur dann etwas, wenn es höchstens 3 Sekunden von 0 auf 100 braucht. Sagt wer? Der Affe auf dem Schleifstein?
  • Und ein Whisky muss mindestens so alt sein, wie eine Frau maximal sein darf. Nämlich 18 Jahre. Echt jetzt?

 

Nein, das ist alles ausgemachter Blödsinn

Aber man kann sich nach blödsinnigen Regeln richten — wenn man es nicht besser weiß. Beispiel Sprachen lernen. Es gibt Leute, die brauchen 20 Jahre, um eine Sprache eingermaßen zu erlernen. Und dann sprechen sie immer noch mit dickem Akzent. Und manche lernen es nie.

Talent, Interesse an Menschen, Offenheit, Neugierde und Mut so wie Kontaktfreudigkeit können dir dabei helfen, eine Fremdsprache in nur drei Wochen zu erlernen. Spielend. Und zwar so wie man sie wirklich spricht.

Aber hier geht es nicht um Sprachen, sondern eher darum was mit dir manchmal so passiert und nicht wie viel Zeit während dessen vergeht.

 

Zeit ist und hat kein Budget

Du kannst Zeit messen und vergleichen. Genauso die Ergebnisse, die während einer gewissen Zeit entstehen. Zeit erzählt mir nur, dass sie vergeht. Mehr nicht. Und die Uhr erzählt mir auch nur, ‚ob es Zeit ist‘ oder nicht.

So, bevor du hier nun deine Zeit verschwendest, komme ich mal auf den Punkt. Denn, ob du mit jemanden 25 Minuten oder 25 Jahre verbracht hast, spielt keine Rolle. Nicht die geringste. Es spielt aber eine Rolle, wie die Person war, wie du drauf warst, wie überhaupt alles war. Und nicht wie lange. Hier zählt die Intensität, die Echtheit der Person, das Miteinander (oder Gegeneinander), das Wahrhaftige eben.

Eine Erfahrung aus meinem Leben ist, dass ich Leuten in schwierigen Situationen vertrauen konnte, die ich keine 10 Minuten kannte. Jemand anderes, den man über 10 Jahre lang vertraut hat, der dir oder mir vertrauen kann, der stellt sich in der selben Situation bei gleichen Umständen und gleichen Beziehungen als weniger vertrauenswürdig heraus.

Ist Liebe zeitabhängig? Ist Hass zeitabhängig? Oder Wut, Schönheit, Rausch, Erfahrung, Spaß, Weisheit, Reife, Idiotie, Geschmack? Es braucht eine gewisse Zeit, bis man eines davon hat. Aber wie lange es dauert, also wie viel Zeit dafür vergehen muss, um es zu bekommen ist unerheblich.

Für manch einen in bestimmter Situation sind ein paar Sekunden eine Ewigkeit, oder nur eine Minute mit jemanden verbringen zu können (oder gesund bzw. geheilt zu sein) ist weit wertvoller als der Besitz des größten Milliardenvermögens für den Rest des Lebens. Kein Witz. Für jemand anderen sind 30 Jahre ein kurzer Moment, das ganze Leben erschreckend flüchtig.

[Im Grunde ist es wie am Ende eines sehr stressigen oder unangegehmen Tages, wo doch noch alles gut ausgeht. Zum Schluss gegen Abend kommt dieser relativ kurze Moment der Zufriedenheit. Die 18 Stunden Ärger zuvor sind nicht nur „zeitlos“, sie sind das Silbertablett für den wichtigsten Moment des Tages. Und auf den kommt es an.]

Ist eine junge Person zwangsläufig unreifer als ein grantiger alter Mann? Schmeckt dir der 18-jährige Scotch wirklich besser als der 12er oder der ohne Altersangabe? Ist die 18-jährige Frau wirklich schöner als die 36-jährige, nur wegen der verstrichenen Lebenszeit? Sicher nicht, weil irrelevant. Der Typ plus Charakter entscheidet.

 

Relevanter als die Zeit ist die Ewigkeit

Ewigkeit braucht keine Zeit und hat auch nichts mit Zeit am Hut. Sie ist ein immer währender perfekter Moment, so wie er (für dich oder mich) sein sollte. Oder das Gegenteil davon.

Jemand, der als „Lucky Bastard“ (Berufssohn, Prinz, Donald Trump) geboren wurde, ist gar nicht in der Lage, sein Wohlergehen richtig einzuschätzen. Egal, wie lange der lebt. Weil, er kennt es ja nicht anders. Brutal ausgedrückt, er weiß nicht wirklich, wie gut es ihm geht. Sein Leben ist bestenfalls ’normal‘ für ihn. Eher fühlt sich so jemand übergangen, belächelt oder mit Pflichten drangsaliert. Frag Prinz Charles. Oder – falls du hart im Nehmen bist – Ernst August.

Ein Mensch wiederum, der arm geboren wurde, aber viel später nur einen Bruchteil dessen bekommt, was unsere Prinzen hier lebenslang zur Verfügung haben, der ist der glücklichste Mensch der Welt.

Eben, weil er vorher Arm war und aus dieser Position erst erfolgreich geworden ist. Er weiß dies besser zu schätzen als der reich geborene, weil er das ganze Spektrum des Lebens kennt. Jener erlebt seinen neuen Wohlstand innerhalb einer Minute viel intensiver als der Lucky Bastard sein ganzes Leben lang.

Ohne Ying kein Yang. Ohne Böse kein Gut. Ohne Moment, keine Ewigkeit. Kurz: Relevanz schlägt Zeit.

[Herzlichen Glückwunsch an dich als relevanten Leser zum ‚irrelevant‘-dreijährigen Bestehen dieses bizarren Blogs.]

Die Alternative zur Prostitution

Image by Alpha of Greedy Gourmets

Prostitution ist zu glauben, Dinge, die man hasst gegen Bezahlung zu tun, weil man keine andere Wahl hat.

Einige Leute, die nicht nur die Sonnenseiten des Lebens genießen oder genossen haben, würden mir da zustimmen. Vorerst.

Aber: Das mit dem „weil man keine andere Wahl hat“ ist eher eine Ansichts- oder Aussichtssache.

Je nach dem, wie viel Sichtweisen, Ansichten oder Blickwinkel du auf eine Situation oder Sachlage oder Panne hast, soviel Aussichten hast du letztendlich.

Und aussichtslos ist es nur für den, der gar nichts von dem sieht (oder sehen will).

Du weißt ja, man hat immer eine Wahl.

 

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Bekannte, etablierte Leute in kreativen Berufen erzählen gern von ihren Prostitutionsphasen, die natürlich längst vorbei sind. Damit meinen die ihre Anfangsjahre, wo sie sich noch nicht den Namen gemacht haben, den sie heute haben.

Ein Designer beispielsweise nimmt anstatt tolle Produkte zu designen dann eben Aufträge oder Jobs an, wo er ermüdende oder monotone Drecksarbeiten durchführt, die sonst keiner (der etabliert ist) machen will. Warum?

Er bekommt nichts anderes, kein anderer Job, kein tolleres Projekt. Und er selber ist ja noch lange nicht so berühmt, dass er sich die Aufträge aussuchen kann. Denkt er, weil er nun mal denkt, keine andere Wahl zu haben.

Fakt ist, die Leute hätten schon eine Wahl. Sie wählen nur nicht gern.

Daher weichen sie genauso ungern vom einmal gewähltem ab. Denn dann müssten sie ja wieder wählen. Und jede Wahl birgt Unsicherheit. Allein schon wieder wählen zu müssen, heißt, sich wieder quälen zu müssen. Deshalb ist Angela Merkel auch so beliebt.

Die kreativen Leute trauen sich nicht zu, einfach mal auf einen anderen Zug aufzuspringen. Nicht als Prostitution, sondern als Alternative zum „Design“ oder was auch immer. Selbst wenn der Zug (auf lange Sicht) in die richtige Richtung fährt. Sie beharren auf ihre einzige Linie wie die Titanic, obwohl der Eisberg schon in Sichtweite ist.

Dabei muss der ‚Zug‘ nicht einmal in die richtige Richtung fahren. Er muss nur fahren. Und der Kreative Mensch muss dann und wann springen. Gemütlich machen kann er sich es nicht. Die Zeiten sind vorbei, seitdem das Internet mehr Wert transportiert als die Eisenbahn.

In der Praxis ist die direkte Herangehensweise nicht immer die beste. Weil sie zu kurzfristig ist. Das ist wie als wenn man trockenen Kaffeeweißer sofort einrühren will. Der verklumpt nur. Besser man lässt ihn ’sinken‘. Dann kurz umrühren.

Der Designer (Oder Musiker, Maler, Regisseur, Schauspieler, Entrepreneur) denkt: „Ich will den Erfolg so schnell wie möglich, je früher desto besser, also gleich.“

Oder a-la Pille: „Ich bin Designer und kein Kloputzer.“/“…Unternehmer und kein Sklave.“/“…Arzt und kein Maurer.“

Oder: „Ich muss den Fuß in die Branche kriegen, egal wie, und wenn ich mit Merkel ins Bett steigen muss.“

Oder mein Liebling: „Ich weiß nicht, was ich sonst tun soll.“

(Doch, weiß er. Er weiß nur nicht, dass er es weiß.)

Ja, es gibt auf der einen Seite den talentierten Auto-Mechaniker, der bei ATU Öl, Auspuff und Reifen im Akkord wechseln muss, um über die runden zu kommen. Und auf der anderen Seite gibt es diese namhafte Tuning-Firma oder jenen Profi-Rennstall, die genau so jemanden händeringend suchen. — Ihn aber nicht (wahrscheinlich nie) finden.

Dieser KFZ-Schrauber prostitutiert sich, indem er sein Talent verschwendet anstatt es zu nutzen. In einer Billig-Autowerkstattkette wird sich niemand für seine Fähigkeiten, Fahrzeuge zu veredeln interessieren. Daher…:

 

Quälen wir uns lieber einen Tag (oder zwei) mit der Wahl

Auch ein noch so brillanter Designer hat mehr Talente als immer nur Produkte zu designen. Ein Musiker ist nicht nur musikalisch veranlagt. Ein Fußballer sollte auch ohne einen Fußball mehrere Jahre überleben können. Und ein Schlosser kann auch mehr als nur an Autos oder Bikes zu schrauben.

Kurz, jeder hat mehrere Interessen, wovon er sich auf eines konzentriert. Eines nach dem anderen. Aber zuerst das, was funktioniert und zum Ziel führt. Und zum Ziel führen auch Hintertürchen, Umwege oder die Geisterbahn. Egal, wichtig ist die persönliche Art. Aber, darauf hoffen, entdeckt zu werden ist unpersönlich und anonym. Und wer anonym ist wird nicht entdeckt. Der bleibt was er ist, unpersönlich und anonym.

Prostituton ist immer unpersönlich. Aber persönliche Transaktionen, Interesse oder Geschäfte bringen uns näher als es jede Art der Prostitution je könnte. Jede gute Beziehung funktioniert nun mal persönlich. Wie sonst?

 

Zurück in die Werkstatt

Der Fall mit unserem Schlosser ist real, ich kenne ihn. Er fing an, Gemüse anzubauen, dass er auf dem Markt verkaufte. Er wurde umheimlich stolz auf seine Radieschen. (Wer ist schon stolz auf Prostitution?) Der Grund war, dass er auf Bio-Lebensmittel aus eigenem Garten steht.

Er beobachtete so ganz nebenbei die Situation bei den Autohäusern und erfuhr, wo die Kunden aus welchem Grund besonders lange warten mussten. Dort ging er hin und bot an, Nachmittags auszuhelfen, damit die Kunden ihre Autos schneller repariert bekamen. Einen Monat auf Probe ohne Bezahlung.

Inzwischen ist es zwei Jahre her. Jetzt wird er gut bezahlt, ist die Nummer Eins nach dem Chef und kann sich nichts anderes mehr vorstellen. Er entscheidet über Neueinstellungen, arbeitet jetzt auch nachts und am Wochenende. Nicht weil er muss, sondern weil er will. Ja, die haben mehr Kunden bekommen. Aber nicht nur das.

Er kann dort Oldtimer restaurieren und Rennwagen aufbauen — in eigenem Namen und auf eigene Rechnung, weil ihn der Inhaber seine Werkstatt und seine Beziehungen zur Verfügung stellt. Dieser erkannte dessen Talent (und kann die Schmuckstücke als Eyecatcher natürlich eine Zeit lang in den Showroom stellen).

Aus der Werkstatt wurde eine Wertstatt.

Beide vertrauen sich. Inhaber und Beschäftigter. Eine Vater-Sohn-Beziehung kann nicht besser laufen. Der Schlosser hat seinen persönlichen Weg gefunden, anstatt unpersönlich entdeckt zu werden.

Aber das eigentlich lustige an der Story ist, unser Schlosser hatte nie eine Ausbildung als solcher. Auch nicht als Gärtner. Trotzdem verkaufen sich seine Radieschen dieses Jahr besonders gut. Obwohl er sie nicht mehr selbst verkauft.

[Das Porky’s Nite Spot auf dem Bild oben ist ein Laden in „Sin City“ (Sydney), den ich von 1994 und 1995 selber besucht habe. Dort fühlte ich mich wie zu hause. — Falls du mal irgendwann – auch wenn nur aus Neugierde – dort aufschlagen solltest, bitte sei nett und behandle die Damen und die Angestellten dort gut.]

Immer dann…

German cops gathering in the middle of the street to discuss the working of their gun. Classic.
Original image by maartmeester Maarten van Maanen

…wenn das Wetter am schönsten ist und die Bullen mal was wichtigeres zu tun haben, als auf Kosten des Steuerzahlers an der nächsten Ecke herumzulungern, geht das Motorrad kaputt.

…wenn du kreativ sein und lustvoll und konzentriert arbeiten könntest, fängt der heimwerkende Nachbar an, mehr Lärm zu machen als es ein in Deutschland zugelassenes Motorrad je könnte.

…wenn du gerade dabei bist, eine attraktive Frau oder einen attraktiven Mann kennen zu lernen, gibt es irgend einen Notfall oder irgend eine Dringlichkeit (von jemand anderem), die dafür sorgt, dass du diesen Menschen nie wieder siehst.

…wenn du denkst, ‚jetzt ist endlich Ruhe‘, geht der Stress erst richtig los.

…wenn du dich fühlst, als könntest du Bäume ausreißen und gleichzeitig die Welt umarmen, fährt dich jemand um.

…wenn du dich sicher fühlst, denkst du hinterher „Mann, das war aber knapp!“.

…wenn du dich wie auf Messers Schneide fühlst, denkst du hinterher „Da war aber noch reichlich Spielraum, da hätte ich noch mehr raus holen können.“

 

Soooo, und jetzt dasselbe nochmal auf Klokain:

 

Immer dann…

…wenn das Wetter am schönsten ist und die Bullen mal was wichtigeres zu tun haben, als auf Kosten des Steuerzahlers an der nächsten Ecke herumzulungern, geht das Motorrad kaputt. Dann, ja dann fährst du eben erst wenn es kühler ist. Dann stehen keine Bullen, es ist weniger los auf den Straßen und beim Bikertreff kannst du dank der Wetterfühligkeit der Warnwestenträger mit dem Mopped direkt bis zum Tresen vorfahren.

…wenn du kreativ sein und lustvoll und konzentriert arbeiten könntest, fängt der heimwerkende Nachbar an, mehr Lärm zu machen als es ein in Deutschland zugelassenes Motorrad je könnte. Dann versuche es am nächsten Tag wieder. Oder gehe dir die Situation schön saufen oder aus dem Weg und woanders hin. Oder fahre Moped. Den ganzen Tag. Mit offenem Auspuff. Vor Nachbar’s Haus, wo es so schön knallt.

…wenn du gerade dabei bist, eine attraktive Frau oder einen attraktiven Mann kennen zu lernen, gibt es irgend einen Notfall oder irgend eine Dringlichkeit (von jemand anderem), die dafür sorgt, dass du diesen Menschen nie wieder siehst. Dann bist du eben cool und lässt die Dringlichkeit sausen. Was ist wichtiger? Nervige Leute mit nervigen Dingen, die du täglich siehst oder die attraktive Person, die du nur heute kennen lernst? Bitte sehr.

…wenn du denkst, ‚jetzt ist endlich Ruhe‘, geht der Stress erst richtig los. Dann sei noch stressiger als der Stress. Der verschwindet meist, weil er keine Konkurrenz ertragen kann.

…wenn du dich fühlst, als könntest du Bäume ausreißen und gleichzeitig die Welt umarmen, fährt dich jemand um. Dann schreibe einen Blog darüber, wie du die Bäume ausreißen und die Welt umarmen könntest, wenn dich nicht ständig einer umfahren würde. Dann lästere über Warnwestenträger.

…wenn du dich sicher fühlst, denkst du hinterher „Mann, das war aber knapp!“ Dann war es knapp, ja.

…wenn du dich wie auf Messers Schneide fühlst, denkst du hinterher „Da war aber noch reichlich Spielraum, da hätte ich noch mehr raus holen können.“ Dann weißt du jetzt mehr als ein blutiger Anfänger. (Bei was auch immer.)

 

Ärgere dich nicht…

…wenn dir jemand die Tour vermasselt. Denn aus der Vogelperspektive betrachtet sind alle unsere Lebensumstände auf unserem Mist gewachsen. Und wenn sie passieren, haben wir immer noch die Wahl: Wollen wir weiter machen oder nicht. Willst du? Dein Wille ist jedenfalls frei, zu entscheiden. Immer, nicht nur dann und wann.

 

Falsche Geschichten, Falsche Leute

Original Image by Jason Goulding

Mir hängt immer noch der Spruch eines Porsche-Abteilungleiters in den Ohren, der vor versammelter Mannschaft im Frühjahr 2001 mit seinem Mund in meine Richtung furzte: „Wir sind hier nicht, um die schöne Landschaft zu genießen, sondern um den uns gestellten Anforderungen gerecht zu werden und demnach Ergebnisse vorzuweisen.“

Der klang ganz so, als ob ich mich für so was wie Landschaft interessieren würde. Vor allem in der Gegend. Oder dachte der, ich bin freiwillig da, um erst mal auf dem häßlichen Betriebsgelände ‚German Urlaub‘ zu machen?!

Mit „Wir“ hat er „Sie“ gemeint, also mich, den „amerikanisch aussehenden Ossi“ (das hab ich gehört). Amerikaner und Ossi, das ist wohl die brisanteste Mischung der schlimmsten Feindbilder, die man sich in Greater Stuttgart vorstellen kann. So war jedenfalls mein erster Eindruck.

Der mürrische Porsche-Mann fuhr fort: „Wie sie wissen, entwickeln wir hier keine Trabis, sondern die besten Fahrzeuge der Welt, um die uns jeder andere Hersteller beneidet. Und damit das so bleibt, stellen wir täglich an uns selbst die höchsten Ansprüche. Ich erwarte das auf ein Mindestmaß auch von ihnen.“

Jeder Untersturmbannführer hätte sich nicht besser ausdrücken können. Ich kann dir sagen….

Original Image by Kevin Hutchinson

Das war kurz nach meiner Ankunft.

Wir hatten noch keine Erfahrungen miteinander und ich war vorher noch nie dort. Mich kannte dort niemand.

Mein erster Gedanke war ungefähr so:

Meine Fresse. Die sind schlimmer drauf als ich befürchtet habe. Wenn das einige Kunden wüssten.

Fakt ist, dass ich diesen Zusammenstoß hatte.

Kunden kommen mit solchen Prachtexemplaren der Belegschaft eher selten in Berührung.

 

Der Hitler 911 Turbo

Wenn ich heute den Namen Porsche höre, dann höre ich auch KDF. Und den Namen Hitler. Der grimmige Ölscheitel hat nämlich so einiges damit zu tun gehabt. Porsche war nämlich Adi’s Traumfabrik für Wunderwaffen, zum Beispiel der äußerst putzigen Maus.  — Das regte meine Fantasie an:

Historic stock image by Recuerdos de Pandora

Reichsrennwagen Hitler 911 Turbo, der Name passt.

Der Targa hieße dann Führerkanzel. Und ein Cayenne S, der Sportkübel unter den Leicht-SUV, bekommt noch ein zweites „S“ spendiert.

Gegen Aufpreis gibt es noch die Göring-Komfortausstattung mit massiv verbreiterter Schenkelauflage, Hakenkreuzgetriebe mit Blitzschaltung und den Sportauspuff, der genauso brüllt wie Onkel Adolf, wenn er sich in Rage redet.

Diese Gedanken kamen mir wie von selbst, denn in Pausengesprächen der deutschen Ingenieure wurden meine französischen Kollegen während deren Abwesenheit wie selbstverständlich als „die Froschfresser“ bezeichnet.

Ja, König Adolf Der Böse ist tot.

Aber sein Geist scheint dort überlebt zu haben. Ich kann mich erinnern, dass einer sogar ein angedeutetes Quadrat-Bärtchen hatte.

Nochmal: Wenn einige Kunden das wüssten….

 

Ich verstehe die Liebhaber

Berühmtheiten wie Steve McQueen oder Jerry Seinfeld waren beziehungsweise sind regelrechte Porsche-Markenbotschafter. Deren Bilder hängen stolz im Flur der stolzen Entwicklungsabteilung. Auch eines von Arnie.

Original Image by Steve Lyon (stevelyon.com)

Privat kenne ich einige, die sich für die Sportwagen oder deren Technik interessieren und auch besitzen. Was ich ja verstehen kann. Wenn man meine realen Erlebnisse dort ausblendet, könnte es durchaus romantisch werden. Die Rennerfolge, die Prominenten und wieder die ausgefeilte Technik und Ingenieurskunst. Alles schön. Aber ohne Kunden ginge gar nichts.

Ich persönlich habe auch Lieblingsmarken. Nicht nur eine, sondern mehrere. Egal, ob es um Whisky, Mostrich, Fernseher oder eben Fahrzeuge geht. Und warum gehören jene zu meinen Lieblingsmarken? Weil ich da eine Verbindung zu den Menschen herstellen kann, die dort arbeiten.

Zumindest will ich glauben, dass bei den Produkten, die ich favorisiere, die richtigen zu Werke gegangen sind. Dafür erzähle ich mir auch gern meine eigene Version der Story über meine Lieblingsmarken. Was wiederum mehr über mich sagt, sprich erzählt, als über den Hersteller, dessen Produkt ich benutze oder – seien wir ehrlich – gern hätte. Das funktioniert ganz gut…

 

,,,kann aber auch böse enden

Bevor ich zu Porsche kam, hatte ich kein Problem mit dem Unternehmen oder der Marke. Ich war kein Fan, aber jemand, der den Fahrzeugen eine gewisse ‚Männlichkeit‘ attestierte. Wegen Steve McQueen und so. Seit 2001 hat sich das geändert wie nach einem Unfall.

Image by Kevin Hutchinson

Porsche ist seitdem ein No-Go, also eine der Marken, die ich tunlichst meide. Die Dinger dürfen bei mir nicht mal mehr auf den Hof. Die müssen draußen bleiben wie ein mit Zecken verseuchter nasser Köter.

Bleiben wir bei der stolzen deutschen Fahrzeugindustrie, weil es grad‘ so schön ist. Ein Freund von mir ist Motorradfahrer und er fährt eine BMW. Da ihm in letzter Zeit aber vermehrt andere BMW-Fahrer arrogant vorkamen, ist ihm die eigene Marke unsympathisch geworden.

Er liebäugelt mittlerweile mit Triumph, obwohl er fast sein Leben lang Boxer-Modelle fuhr, sogar welche mit angetriebenen Seitenwagen und Rückwärtsgang…. Aber die Erfahrungen mit Triumph-Leuten waren einfach angenehmer. Sie leben eher so wie er. Seine Story ähnelt denen der Triumph-Fahrer.

In diesem Beispiel ist es nicht direkt der Hersteller, der die Story meines Freundes verdirbt. Sondern die Kunden dieser Marke. Ich kann als Hersteller kaum verhindern, dass Penner mit geringem Selbstwertgefühl, also arrogante Menschen meine Produkte kaufen. Auch Harley-Davidson hat dieses Problem. Allerdings, genau wie BMW, speziell in Deutschland.

Meine Erklärung ist, dass die Händler (siehe Mitarbeiter) hier eine Mitschuld haben, weil sie meiner Ansicht nach die eigenen Kunden mit Arroganz anstecken. Aber das gilt auffallend oft auch für andere Marken mit Premium-Bonus.

Wird ein Händler einerseits von Erfolg verwöhnt und damit bestätigt, und andererseits von der Marke (dem Konzernvertrieb) an der kurzen Leine gehalten wird (durch strenge Vorgaben, aufgezwungene hohe Betriebskosten), so nimmt ein potentielle Kunde das als Arroganz wahr. Der Händler wirkt dadurch abweisend wie ein Beamter.

Ein häufiger Grund dafür…

…sind die Falschen Leute (Mitarbeiter, Kunden). Und kurzfristiges Denken in den Unternehmen. Denn der Aufbau einer Marke und die Kundenbindung daran dauert nun mal länger als ein Manager heutzutage in eben jener verantwortlichen Position ist. Ist er weg, landen die Kundenbeziehungen in den Müll.

Original Image by Dave (dave_7) of Old Car Junkie Blog

Viele Manager-Karrieren bestehen nur noch aus eine Aneinanderreihung von Posten-Quickies. Das heißt, der Motorrad-Manager von heute kann morgen schon Chef in der Vibratorfabrik von Beate Uhse sein. Und so lange er da drin steckt, denkt er ‚Gewinnmaximiert‘, an den Moment, den Karriere-oder Boni-Kick.

Die Lösung des Problems ist…

…zu wissen, dass der Fisch vom Kopfe her stinkt. Das heißt, ein Unternhemen, dass vom Gründer selbst betrieben wird, der 1:1-Kontakt mit dem Kunden hat, gibt eine völlig andere, ich würde sogar sagen menschliche Erfahrung weiter, die man bei Firmen mit abgehobener (entrückter) Eignerstruktur gar nicht findet. Da sind Angestellte, die nur „wichtig“ sind und deshalb logischerweise nur ihr eigenes Wohl im Sinn haben.

Diese Erfahrungen und Eigenheiten kannst du jederzeit auf jeden Bereich des Alltags übertragen. Du kannst es überall beobachten. Bei Freunden, Bekannten und deinem „freundlichen“ (Händler, Verkäufer).

Überall bekommst du eine Geschichte präsentiert, oft unfreiwillig, unpassend und unverständlich. Oder verstehst du die Arroganz von jemanden, der von deinem Geld und Wohlwollen lebt? Eben.

Eine wahrhaftige Geschichte zu erzählen die inspiriert, die ‚erzählt‘ man nicht nur, die teilt man. Mit ‚teilen‘ meine ich: „Ja, das kenne ich auch. Hab ich genauso erlebt.“ Für Dinge wie Autos heißt das, sie bestätigen dich, deine Story sozusagen. Porsche hat das verbockt, zumindest bei mir. Die haben es tatsächlich geschafft, dass ich als PS-Junkie, wenn ich die Wahl hätte, statt einen 911er nun lieber den Bus nehme.

Ich habe mal mit jemanden gesoffen, der in einer Busfabrik arbeitet.

Wie du dir reale Chancen mit einem kalkulierten Risiko eröffnest

Image by Evgeniy Isaev

Unkalkulierte Risiken einzugehen ist nur was für Kamikaze und berauschte Hornochsen. Ein kalkuliertes Risiko einzugehen ist die beste Art genau dort Veränderungen in Gang zu setzen, wo sie bisher nicht möglich waren. Egal wo.

Jemand, der seine Risiken kalkuliert, weiß, was ihn erwartet. Er ist von seiner Schlauheit nicht anders als der, der jedes Risiko vermeidet. — Mit dem Unterschied, dass ersterer gezielt Möglichkeiten zu Veränderungen herbei führen kann.

Ein deutscher Angestellter würde es kaum wagen, mit eigenen Ideen sein Leben und das anderer in eine neue unternehmerische Richtung zu lenken. Das Risiko wäre ihm zu hoch. Aufgrund seiner Anpassung und auf die Gefahr hin, sein Gesicht (Job, Einkommen, Status, Weib) zu verlieren, ist er es gewohnt, seiner Angst das Denken zu überlassen. Und Verantwortung – auch das ist er gewohnt – trägt immer das BDSM. (Boss, Dienststelle, Staat, Mutti.)

Leute, die freiwillig die Oberklasse von Porsche, Mercedes, BMW oder Audi fahren, würden sich nie einen Maserati kaufen. Dann lieber einen Porsche, Benz, BMW oder Audi, der preislich und datentechnisch in der gleichen Liga (oder höher), wie der Maser spielt. – Auf den ersten Blick betrachtet wären die vier Deutschen wohl die bessere Wahl. Der zweite Blick fehlt.

Maserati bietet introvertierten und ängstlichen Fahrern nur Unsicherheit: Die sehen einen Kia, der einen Infinity verschluckt hat und beim Anlassen Tote aufweckt, um diese in neiderfüllte Zombies zu verwandeln. Dazu Komforteinbußen, sowieso ein flaues Gefühl im Magen, ein dünnes Servicenetz und böse Geschichten über katastrophale Zuverlässigkeit und kopfschüttelnde Mitmenschen. Die German-Car-User hätten Angst, einiges zu verlieren (Bequemlichkeit, Seriosität, Geld, Kunden, Gewissheit), anstatt was zu bekommen.

Ein jahrelanger Windows-Nutzer würde – trotz bekannter Schwächen – immer wieder einen Windows-Rechner kaufen. Ein Apple-Produkt bedeutet für ihn nur Unsicherheit: Das Einarbeiten ins System, das fehlen der alten Community, das (nicht) Bekommen von Programmen, die er aus Win kennt und die Ungewissheit, ob es funktioniert, wie er es gewohnt ist. Er hätte Angst, etwas zu verlieren (Routine, Gewohnheiten, stündliche Updates), statt Mehrwert zu bekommen.

Der Mann, der eine Frau zum Essen einlädt und sie nur nicht enttäuschen will, der geht in ein Restaurant, dass oder dessen Küche er einigermaßen kennt. Vielleicht geht er zum Italiener. Oder zum Griechen. Aber zum Russen? Zum Nigerianer? Da hätte er Angst, sein Plan könne nicht aufgehen. Wieso?

Statt die Frau besser kennenzulernen, fürchtet er nur sie zu vergrätzen und damit zu verlieren. Er denkt, die Dame, die er einlädt, könnte sich unwohl fühlen oder sein Date könnte peinlich enden bevor es beginnt. (Ist er sich sicher, dass die Frau nicht neugierig ist, so dass sie keine exotischen Dinge oder Erlebnisse mag?) Dieser Mann hätte nur Angst, die Frau könnte ebenfalls unsicher und gehemmt reagieren. Oder genervt sein und ausbüchsen.

Er fokussiert sich auf seinen möglichen ‚Verlust‘.

 

Dein Gewinn sollte schwerer wiegen als der zu erwartende Verlust.

Eines ist klar. Sicherheit ohne Risiken bedeutet Einschränkung, Langeweile und nüchterne Routine. Es ist die Angst eine Sicherheit zu verlieren, die so nie da war. Der Klassenbeste ist kein Abenteurer und wenig kreativ. Und der Einser-Schüler ist selten der unterhaltsame, inspirierende, überraschende oder spontane Mensch. Und leider auch kein Clown.

Ein langweiliger (uninteressanter) Mensch weiß nur, was er nicht will oder verlieren könnte. Darüber beklagt er sich. Und er entscheidet entsprechend. Falls er überhaupt mal was entscheidet. Denn er sieht einseitig nichts weiter als die für ihn daraus folgenden negativen Konsequenzen.

Interessant (im positiven wie im negativen Sinne) ist derjenige, der es wagt, Unsicherheiten und damit Risiken in Kauf zu nehmen. Denn der Haken bei der rein negativen Variante ist, es könnte bei einem interessanten Menschen tatsächlich nach hinten losgehen. Dabei spielt es keine Mandoline, ob er irgendwas entscheidet, anstellt, kauft, liefert oder plant.

Erfolgreich und damit im positiven Sinne interessant wird jemand, der sein Risiko bewusst eingeht. Tut er es, dann geht er ein kalkuliertes Risiko ein, wenn und weil er sich dessen voll bewusst ist. Risiko-Bewusstsein, statt Risikovermeidung ist der Schlüssel zum Leben.

Aber, Leute, die in erster Linie das Gefühl haben, etwas zu verlieren werden von ihren Ängsten getrieben statt von ihrem Bewusstsein. Angst führt zu nichts. Und anders rum: Kalkulierte, also ganz bewusst eingegangene Risiken eröffnen Möglichkeiten. Die Folge ist inspirierte Action.

Wer inspiriert ist, der braucht nicht einmal mehr groß nachzudenken. Er liegt schon richtig, er kennt bereits die Antwort. (Brillant Tim!)

 

Wer ein Risiko eingeht, der ist doch nicht ganz bei Trost. Oder?

Geht jemand ein Risiko wegen eines Risikos ein, dann ist er höchstwahrscheinlich nicht ganz dicht. Oder lebensmüde.

Geht er aber ein Risiko ein, um etwas zu bekommen, was er anderweitig nicht bekommen kann, dann ist das eingegangene Risiko bewusst kalkuliert. Jeder Stuntman oder Raubtierbändiger weiß das. Und damit ist es schon etwas völlig anderes als beispielsweise die Katze im Sack zu kaufen oder so was wie ein Blind Date in einer Kölner Kneipe.

Ein kalkuliertes Risiko einzugehen bedeutet durchaus die Pros und Contras abzuwägen. Auch dann, wenn das, was du bekommst rein emotionalen Wert für dich hat. Aber bei dir ist es anders als beim Angstbürger. Hier bedeutet es abzuwägen, wofür du welchen Preis auf welche Art zu zahlen bereit bist. (Geld ist hier nur eine Form.) Dabei wägst du mit einer anderen Priorität ab.

Diese, deine Priorität liegt in erster Linie auf das, was du bekommst und erst in zweiter Linie auf das, was du nicht bekommst. Das ist der Preis, die Entbehrung oder den Ärger, den du dir dafür wissentlich und sprichwörtlich einhandelst.

Du weißt genau und von vornherein (also bewusst), dass du mit dem was du bekommst, eben bestimmte Dinge verlieren oder nicht bekommen wirst. Also locker bleiben. Genauso weist du je nach Situation, dass das, was du vor hast, kaufst, verschenkst oder erfindest, in irgend einer (für dich aber nebensächlichen) Form nicht funktionieren könnte.

Du musst kein Entrepreneur, ambitionierter Künstler oder Lewis Hamilton sein, um durch das Eingehen eines kalkulierten Risikos deinen eigenen Lebensstil zu pflegen oder mehr aus deinem Alltag herauszuholen. Achte einfach nur auf dein Privatleben, kenne deine Eigenheiten und bekenne dich zu deinen Schrullen. Lege darauf deine Priorität wie selbstverständlich.

Der Grund ein kalkuliertes Risiko einzugehen ist der, was dieser Grund dir und nur dir wert ist. Und der ist real. Hast du keinen Grund, dann bekenne dich zu dir selbst und suche dir einen. Solch ein Grund kann dir Chancen bieten, die du vorher nicht hattest. Dann kannst du immer noch abwägen.

Womit soll man noch Geld verdienen, wenn es schon alles gibt?

Mit fürsorglichem und ernst gemeinten Kundenservice, Haltbarkeit und Qualität? — Gibt es selten.

 

Wie kann man den Alltag erträglicher und das immer stressiger werdende Leben entspannter machen?

Mit Humor, Wohlwollen, viel Nachsicht, Toleranz und ein paar Nettigkeiten gegenüber dir und anderen.

 

Wie kann man sich abends wieder beruhigen und abschalten?

Mit Tequila.

 

Wie kann man den ganzen Idioten nur aus dem Weg gehen?

Eigentlich gar nicht.

 

Wie kann man die Stimme von Béla Réthy abschalten, ändern, umgehen oder technisch unterdrücken?

Siehe oben. [Mit der durch künstlichem Brummbass verstärkten Eunuchen-Stimme von Steffen Simon ist es auch nicht besser. Verglichen mit dem klingt meine Mutter wie Brian Johnson kurz vor Axl.]

 

Was macht man mit den ganzen Idioten, die man nicht aus dem Weg gehen kann?

Ermüden, abschrecken und befremden.

 

Was macht man, wenn man trotz harter Arbeit ein Geldproblem hat?

Weg damit. Also ausgeben. Teure Autos und Schrottaktien kaufen, sinnlose Lebensversicherungen abschließen und nebenher Millionen an Banken spenden (oder gleich an Lutz Finsterwalder schicken). Bei Geldmangel (Armut, Schulden, Hunger) dieses Problem einfach durch ein anderes Problem ersetzen.

 

Wie wird man innerhalb einer Stunde Millionär?

Durch den Tausch von ein paar Euro in Won.

 

Wie kann man den Alterungsprozess wirksam stoppen?

Durch ein kurzes Nickerchen. Am besten am Steuer eines fahrenden Autos.

 

Wo ist das Bild von diesem Beitrag?

Welches Bild?

 

Warum gibt es keine weiteren Blogs nach Art des Klokain-Kartells?

Die wurden von Reichsbildungsministerium verboten.

 

Warum gibt’s es das Klokain-Kartell?

Es gibt gar kein Klokain-Kartell.

 

Und was ist das für ein Blog hier?

Dies ist nur eine kleine harmlose Website, Esé. So mit Wörtern und Buchstaben.