Es ist ganz schön anstrengend, normal zu sein

Image by ClaMar.06 (CC BY-NC 2.0)

Stell dir vor, du bist unter Leuten, die sich gesellschaftlichen Normen unterordnen und ihresgleichen kopieren. Also langweiligen Spießern.

Du bist ja nicht freiwillig bei denen. Aber wie wir wissen, zwingt dich der Alltag manchmal dazu.

Wenn du mit denen mithalten willst, um normal, im Sinne von unauffällig oder angepasst zu sein, wird dich das schnell ermüden oder in den Wahnsinn treiben. — Gerade weil du deutlich anders drauf bist als die. Und auch nicht der Typ bist, der sich gegen seine Natur lange verbiegen sollte.

Selbst wenn du ruhig bist, wirst du das Gefühl nicht los, trotzdem zu stören.

Denn unbewusst merkst auch du, dass du trotz aller Anstrengung irgendwie immer noch auffällst oder herausragst.

Dann kannst du auch gleich deinen wahren Charakter zeigen. Allerdings ist das nicht so einfach.

Ein bisschen Übung, also Praxis, kann nicht schaden. Genauso wie die Erkenntnis, warum wir uns unter Spießern unwohl fühlen oder unnatürlich nervös sind.

 

Du bist der Hingucker und deshalb verboten

Vielleicht drehen sich die Leute nicht jedes Mal nach dir um. Aber sie staunen, wundern sich und bewundern dich.

Eine sichtbare Eigenständigkeit kann für dich ganz nützlich sein. Sie zeigt nämlich deinen eigenen Stand, deine Einstellung oder Gesinnung und dass du kein übliches Rad im System bist. Du bist dein eigenes ‚System‘. Damit signalisierst du auch unbewusst, dass du dir Freiheiten erlaubst, die sich andere Leute verbieten.

Das bringt dir eine Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der du lebst.

 

Am besten erlaube dir das, was Langweiler sich verbieten

Es ist sogar erlaubt, extrem schrullig zu sein. Du wirst keinen Strafzettel kriegen, wenn du zwei verschieden farbige Schuhe anziehst und jeden Tag einen anderen Akzent sprichst.

Dir liegt sicher was (anderes), also warum lebst du dich nicht aus?

Einerseits lebst du selber damit viel entspannter und andererseits wünschen sich die anderen das auch für sich. Aber nur heimlich, denn die können es nicht, weil sie es sich verbieten.

Genau dieses Verbieten zwing jene, sich entgegen ihrer eigenen Persönlichkeit zu verbiegen. Und das kostet. Das kostet Kraft, Nerven und somit Lebensqualität. Das kostet das Leben an sich.

Selbst ein Schauspieler in seiner schrägsten Rolle ist dabei mehr sich selbst als diese eben erwähnten Langweiler.

 

Robert De Niro

Offen gesagt, und das ohne ein „womöglich“, ein „vielleicht“ oder sonst einen juristisch wasserdichten Konjunktiv zu nutzen, schreibe ich frei und direkt heraus:

Der Mann hat voll einen an der Klatsche. Und genau deshalb spielt er solche Typen. Und deshalb ist, oder war, er als so jemand gefragt und beliebt. Und wie ein Mensch sich im Laufe seines Lebens verändert, so ändern sich seine Umstände.

So, wie sich die Rollen eines gut beschäftigten Schauspielers eben auch ändern und variieren.

Selbst als Psychopath ist De Niro noch er selbst. Genauso wie als wortkarger Menschenfeind oder sogar als „langweiliger Spießer“, der alles andere als auffällt. Das ist ja dann das auffallende.

Damit tut er beruflich erfolgreich genau das Gegenteil dessen, was die oben am Anfang erwähnten Spießer und Langweiler versuchen. Die aber halten sich klein.

De Niro ist von Natur aus so. Irgendwie klein, abweisend oder nervig. Der fällt einfach von einem Extrem ins andere.

Kurz, er steigert sich vielleicht in eine bestimmte Rolle (Teil seiner Persönlichkeit) hinein, aber er strengt sich nicht an, jemand anderer sein zu wollen, der er nicht ist. Er kramt diesen oder jenen Teil von sich nur heraus. Gern auch mehrere gleichzeitig.

 

Dustin Hoffman

Der spielt in der gleichen Liga und ist zwar ein bisschen älter, verhält sich aber jünger. Hoffman ist der angenehme Gegenentwurf zum maulfaulen Warzen-Bobby. Dusty ist gesellig und gesprächig. Weil er – genau wie Psycho-Bob – 110% er selbst ist. Immer. Sogar als Autist in Rain Man oder als Mannfrau in Tootsie.

Was? Gesprächig und autistisch? Gleichzeitig und ohne zu „spielen“? Ja. Und zwar darum:

Jeder, der freundlich und gesprächig ist, der hat auch seine sehr abwesenden, nach innen gekehrten Momente. Die braucht er, wie der Bär seinen Winterschlaf. Und das kenne ich auch von mir selbst. Das stellt auch einen Ausgleich zu dem ansonsten offenen Wesenszug her.

Wie wir schon wissen, hat jeder mehrere Seiten. Nur Schauspieler kitzeln dabei die Extreme heraus und spielen daher eher ungern ausgeglichene Charaktere. Aber die einzelnen Charaktere sind bei Dusty anders als bei Bobby.

Wenn ich Robert De Niro sehe, dann habe ich immer das Gefühl, dass ich den nicht begegnen will. So einen habe ich nämlich schon als Nachbar. Den sehe ich täglich, oft mehrmals, auch beim Einkaufen. Es ist (mir) unmöglich, ihm aus dem Weg gehen. Der reicht mir ehrlich gesagt.

Egal, welche Seite ich von De Niro erlebe, er ist mir immer unsympathisch. Trotzdem sehe ich ihn als interessanten Charakter sehr gern (als Beobachter, Zuschauer — ganz in De Niro’s Sinne) und habe einige seiner Filme. Warum? Weil er als Schauspieler sehenswert und damit gut genug ist.

Und Dustin Hoffman? Das ist der Mann, zu dem ich gern Vati sagen würde.

Beide sind sehenswert, sind Hingucker, da sie unverstellt und daher unangestrengt Seiten ihrer Persönlichkeit zeigen.

Und keiner kann mir erzählen, dass beide normale Leute sind. Hollywood-Legenden sind keine normalen Leute.

 

Warum ist es denn nun so anstrengend, normal zu sein?

Weil es praktisch unmöglich ist.

Besser, du lässt dich selbst in all deinen Varianten von der Leine.

Wetten, dass du dann interessanter für andere wirst? Und damit meine ich weniger für die Spießer.

Aber wer nur normal sein will, der verbietet sich selbst …zu sein. Du willst doch jemand sein, oder?

Sex mit dem Terminator

Image by William Cho

In letzter Zeit wird in unserer mehr oder weniger schamlosen Öffentlichkeit viel über Sex-Roboter gesprochen.

Das sind neu entwickelte Lust-Puppen als halb menschliche Plugin-Hybriden, gemacht für künstlichen natürlichen Sex.

Und was sehe ich? Die Geilomaten sind sind wieder mal alle weiblich.

Und aussehen tun sie wie Schaufensterpuppen. Langweilig.

Gibt es denn nichts für weibliche Kundinnen? Keine politisch korrekten Sex-Robbies?

 

Ich mache mir Gedanken um die Frauen

Ich bin hetero, ja. Aber um mich geht es hier nicht. Es geht um weibliche Kunden als potentielle Zielgruppe. Und die wird nicht angesprochen. Oder die will nicht angesprochen werden, da es statt Frauen jetzt überall nur noch Tanten gibt.

Es sieht zwar immer öfter so aus, aber richtig glauben kann ich es noch nicht. Meiner Meinung nach interessiert sich kein Roboter für Frauen. Außer einer. Der Terminator. Und damit meine ich die autonom durch die Gegend latschende Skelettprothese von Arnold Schwarzenegger.

 

Wo sind die männlich-menschlichen Robos?

Was wäre gegen einen kybernetischen Organismus einzuwenden? Oder einem steirischen Akzent? Eigentlich nichts.

Fakt ist, jemand hat die Frauen, also die Weibchen unserer ansonsten so notgeilen Spezies, wieder einmal außen vor gelassen, sprich vergessen.

Denn so viel ist seit langem klar: Den richtigen Mann zu finden ist für viele Frauen gar nicht so einfach. Für einige gar unmöglich. (Wir wissen warum.) Und blaue Pillen futternde Opas? Nein. Dann lieber einen kybernetischen Orgasmus.

 

Das Prinzip: Flexibilität & Härte

Einen Terminator, also ein Mann, der auch so aussieht, den könnte man per Software-Update in Null Komma Nichts zum Romantiker machen oder – äußerst praktisch – jederzeit zum Saubermachen verdonnern.

Anfallende und, für ein geistig und körperlich gesundes, aber faules Menschenmännchen lästige Reparaturen erledigt der Termi schnell und effizient. Und können tut der immer. Ohne Unterlass.

Wenn ein neuwertiger Terminator einen Befahl bekommt und „ja“ sagt, dann heißt das ja. Er schreitet sofort zur Tat. Er denkt nicht nach, er handelt. Er repariert jede Kleinigkeit, trägt den Müll raus und terminiert nebenbei noch den nervenden Nachbarn.

 

Ein Terminator schläft nicht

Er orgasmisiert.

Das Schöne am eigenen Sex-Terminator ist, dass der für seine Besitzerin (oder Leasingnehmerin) nie langweilig wird.

Die stolze Besitzerin öffnet einfach den Metallschädel steckt ihren iPad rein und spielt eine schmutzige Auswahl von selbst komponierten Sexfantasien auf seinen Cyberdyne-Chip.

Oder weniger verspielt: Sie erklärt ihm das einfach. Aber das „Warum?“ kann nerven und die weibliche Lust versauen. Dann doch lieber überspielen. Ist wie Liebesbotschaft zustecken.

Die gewonnenen Daten leitet er dann zum Zwecke der Produktoptimierung umgehend weiter zum Hersteller.

Auf dem Zubehörmarkt kann sich die Frau (auch gern von Drittanbietern, Tunern oder Veredlern) die passenden Geschlechtsteile anfertigen lassen. Oder sie nimmt das Originalzubehör vom Hersteller.

Für ältere, nicht mehr ganz so fitte Damen, gibt es eine eingebaute Trockensumpfschmierung.

 

Verschiedene Sexualitäts-Modi

Ähnlich wie es Fahrprogramme bei Autos oder Motorrädern sowohl für die Straße als auch für die Rennstrecke gibt, kann der Sex im Handumdrehen, und das macht der Termi mit stählerndem Grinsen gleich selbst, auch für Schwule und, sagen wir ‚große Frauen‘, angepasst werden.

Es gibt vier ab Werk voreingestellte Sex-Modi. Egal ob, auf „Straight“, „Lesb“, „Gay“, Drag“ oder „AmBi“, jeder darf es mal wild treiben. Mann/Frau kann sich auch ein individuelles Setting zusammenstellen.

Auch Gruppensex mit den unterschiedlichen Neigungen der Teilnehmer ist jetzt kein Problem mehr. Der Termi zieht auch das locker durch.

Für ganz fesche Weiber oder sportliche Damen kann der Termi auch so eingestellt werden, dass er sie erst luststeigernd fangen muss, bevor er sie orgasmisiert.

Für ältere Damen bewegt er sich dann deutlich langsamer. Da kann da eigentlich nie was schief gehen, der halbwegs intelligenten Programmierung sei Dank.

 

Softwareprobleme und Werkseinstellung

Natürlich könnte hin und wieder, und ich meine, nach zu langer Betriebszeit, die Software hängen. Dabei kann es passieren, dass der Termi sich weigert, sich selbst abzuschalten. Dann geht er automatisch auf „default“, also die werksseitige Grundeinstellung.

Entweder muss die Frau sich dann gut, ich meine sehr gut, verstecken. Oder der Termi geht ins Freie, nach draußen und sucht sich dort seine Paarungsopfer. Und das kann delikat werden. Nicht weil er so stark und brutal wäre. Nein. Er muss sicher gehen, die ‚richtige‘ zu finden.

Also, falls du eine ziemlich, sagen wir ‚unschöne‘, Frau bist und jemanden ohne Klamotten begegnest — denn der Termi wird sowieso standartmäßig nackt geliefert — der dich fragt:

„Sarah Connor?“

Dann sag einfach „Ja“.

So, was ist jetzt schlimmer? Ein selbstfahrendes Auto, das Menschen tötet? Oder ein kybernetischer Orga[ni]smus, der es endlich schafft auch hässliche und einsame Frauen zu befriedigen?

Die Latte höher legen — auf schlimmste Weise

Image by William Murphy of The Actual Streets of Dublin (CC BY-SA 2.0)

Der beste, klügste oder schönste sein, das will jeder, kann aber nicht jeder. Aber warum nicht mal zur Abwechslung der schlechteste, dämlichste oder hässlichste sein wollen?

Für jemanden, der das anstrebt, stünden die Erfolgschancen außergewöhnlich gut. Denn dabei gibt es nirgendwo Rivalen.

Jedenfalls keine herkömmlichen mit beispielsweise Vernunft.

Es gibt Risiken, ja. Aber die schieben wir mal beiseite.

Jedenfalls gibt es keine ernst zu nehmende Konkurrenz, wenn man sich mit Absicht schlecht macht.

Das einzige Problem: Das will keiner.

Wenn man nicht schlecht genug sein kann, also zu gut, zu schlau oder zu formvollendet ist, wenn man einfach in jeder Hinsicht hoffnungslos überlegen ist, dann wird das nichts.

 

Wo ein Wille ist, ist auch kein Weg

Es reicht nicht, dass es – wie so oft – einem egal ist, wie fürchterlich, dusselig oder widerlich man ist. Der reine Wille ist hier auch nicht hilfreich. Der stört, genau wie Sicherheitsdenken. Du brauchst eher eine Bereitschaft fürs Risiko.

Und deshalb muss man, wie das schlechte Leute eben machen, fleißig tricksen. Was auch nicht jedermanns Sache ist.

Mal angenommen, du willst diesen Weg einschlagen und die Latte im „Katastrophalsein“ höher hängen. Dann wäre die beste Taktik, zu enttäuschen. Ich bevorzuge eher das Wort „überraschen“.

Das geht so: Zuerst musst du behaupten, dass du richtig gut bist, am besten der beste. Suche dir dafür ein Thema aus, bei dem du richtig scheiße bist. Und dann leg los.

Und was meinst du, was dann passiert? Richtig, dann hast du ziemlich schnell einen schlechten Ruf weg, der dich ein Leben lang begleitet. Politiker und Manager machen das ohne zu zucken. Weil sie Sicherheiten (Pension, Abfindungen) haben und ihre Verantwortung, sagen wir, ‚delegieren‘.

Deshalb hat das auf anderen Gebieten noch keiner so richtig, ich meine zielgerichtet, versucht. Es gibt aber eine Möglichkeit…

 

Den Vertrauensbonus

So, und jetzt drehe mal alles in diesem Beitrag bisher beschriebene ins Gegenteil um.

Die Sache bleibt weiterhin verblüffend machbar. Und alles bleibt genauso mit Risiken behaftet, wie schon erwähnt. Aber wie gesagt, ebenfalls genauso machbar.

Du musst nicht mal behaupten, dass du – jetzt – der ’schlechsteste‘ oder der ‚beste‘ in Irgendwas wärst. Es reicht aus, zu sagen, dass du ‚etwas‘ hast. Du selber musst nicht mal mehr irgndwer oder irgndwas sein, um etwas zu haben.

Haben im Sinne von anbieten. Etwas neues, das funktionieren könnte. Oder aber auch nicht.

Der Vorteil ist, dass dabei keiner etwas schlechtes oder gar das schlechteste vermuten würde. Man geht davon aus, dass das, was du lieferst, es schon bringen wird. Oder einen Nutzen (oder Gegenwert) haben wird.

Die Überraschung, dass du dann gut bist, wenn du einfach gut genug bist, wirkt dann schon. Auch dann hast du einen Ruf weg. Aber einen ausreichend guten.

Natürlich nicht den Ruf, dass du der Schlechteste wärst. Auch nicht den, dass du Wunder bewirken kannst.

Sondern den Ruf, dass das, was du bietest ehrlich gemeint ist und Hand und Fuß hat. Oder sehr treffend ist.

Das beste Beispiel ist ein Geschenk (z.B. zum Geburtstag). Das Geburtstagskind weiß, dass es Geschenke bekommt. Es weiß aber vorher nicht, wie gut oder zu ihm passend diese jeweils sind.

Dann überreichst du dein mitgebrachtes Präsent, wo der Beschenkte ehrlicht sagt:

„Mann, das wollte ich schon immer haben!“ Und dabei denkt: „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dafür Geld auszugeben. Gerade deshalb ist es cool.“

Der Glückliche freut sich dann schon auf das nächste Geschenk von dir. Sein Vertrauensbonus in dir wurde mehr als bestätigt. — Da ist es dann egal, wie hoch jemand eine Latte gehängt hat. Du gehst einfach unten durch.

Als ein Industrieboss anfing, nüchtern vor mir zu strippen

Original image by Simon Fraser UniversityUniversity Communications/CC BY 2.0

Anfang dieses Jahrtausends habe ich mich reichlich abgemüht, um Aufträge und neue Kunden zu ergattern.

Junge, das waren harte Zeiten.

Deshalb habe ich jede Möglichkeit genutzt, um neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen.

Selbst solche, in denen ich gar nicht involviert war.

 

Wenn man zu viel von dem hat, was man nicht braucht

Das Beispiel, dass ich dir diesmal erzähle, ist eines, wo ich oder „mein Unternehmen“ nur der Vermittler war. Der Grund war, dass mir das fehlte, was ich brauchte und viel vom dem hatte, was ich nicht brauchte.

Mit anderen Worten, ich hatte Fähigkeiten und Beziehungen, die mir nichts nutzten. Und die bot ich anderen an. Gegen Bezahlung.

Rein Fachlich war ich unterer Durchschnitt, wenn überhaupt.

Ich bin eher der virtuose Künstlertyp als der streng nach Formeln arbeitende Wissenschaftler. Leider konnte ich als emotionaler Virtuose nirgends als Zulieferer oder Dienstleister punkten. Also habe ich das, was ich schon hatte, einfach neu kombiniert und als Lösungen angeboten.

Großspurig ausgedrückt: Ich war sozusagen eine Art Heiratsvermittler der zwei Unternehmen verkuppelte, die sonst nur voneinander träumten.

 

Sub-sub

Jetzt wird es ein wenig „fachig“, also nur interessant für Fachidioten. Falls du kein Fachidiot bist, kannst du diesen Abschnitt überspringen und weiter lesen beim Abschnitt Kloke Force One.

Ich hatte guten Kontakt zu Ingenieursdienstleistern ersten Ranges (auch „Tier 1“ bezeichnet). Das sind diejenigen Firmen, die direkt Großkonzerne wie Siemens, BMW oder Daimler beliefern.

Alles andere sind Sub (Tier 2), Sub-sub (Tier3) oder Sub-sub-sub (Tier4)-Unternehmen. Ich selber war „Sub“ oder ein Sub-sub(-Unternehmer).

Allerdings hatte ich durch meine Umtriebigkeit, eher wahllos, Bekanntschaft mit Top-Managern von namhaften Großkonzernen gemacht. Allerdings oft außerhalb meiner eigenen Branche. Einfach deshalb, weil ich mit denen in Kontakt kam und persönlich gut (einen saufen) konnte.

Ich selber konnte mit diesen eher privaten Kontakten unternehmerisch wenig anfangen. Einerseits, weil wie gesagt, die Branche eine andere war.

Andererseits, weil ich nicht genug Fachkompetenz besaß, um ein bestimmtes Problem zufriedenstellend zu lösen.

Kurz: Ich kannte den, der das Problem hatte. Und ich kannte den, der das lösen konnte und so einen Auftrag brauchte.

 

Kloke Force One

An einem Tag musste ich auf die Schnelle alle Termine absagen, weil plötzlich der Boss eines indischen Konzerns bei mir anrief und frohlockte, dass er gerade in „meiner Gegend“ sei. Er wollte mich, zwischen zwei Terminen, Abends um 18:00 zum Essen einladen und hätte dann 45 Minuten Zeit für mich. Der Anruf selber kam um 14:25 Uhr.

Der Anrufer war der oberste Boss von jemanden (ja, auch ein Inder), den ich schon vorher kannte. Der wollte einen Export-Deal mit einer bekannten Berliner Firma unter Dach und Fach kriegen, zu der ich einen sehr guten Draht hatte. Details tauschten wir bereits per email aus.

Das Blöde an dem Anruf war weniger die Dringlichkeit, also die dreieinhalb Stunden, die mir noch bis zum Essen mit ihm blieben. Sondern „meine Gegend“, in der er war. Und damit meinte er Bremen.

Da ich damals aber mein Büro und Wohnort im Süden vom Land Brandenburg, also 90km südlich von Berlin, hatte, machte die Sache „sportlich“, wie man zu sagen pflegt.

Weil 4km entfernt von mir ein kleiner Segelflugplatz (Lüsse) ist, rief ich die Lufthansa an und fragte nach einem leistungsfähigen Hubschrauber oder einer einmotorigen Maschine. Kein Witz. Die Tante am Telefon meinte, das wäre zeitlich zu schaffen und ich wäre spätestens bis 17:30 in Bremen. Zurück könnte ich ja mit der Bahn fahren.

Das wäre alles kein Problem, außer: Der Preis.

 

Lass es kosten, Baby, lass es kosten

Fakt ist, ich konnte mir die 2.800 Euro für den Hubi (oder 2,5k für die Piper) nicht leisten. Ich wusste ja nicht mal, ob der Deal zustande kommt. Und deswegen wollte ich ja da hin. Zum Essen. Mit dem Ober-Inder.

Obwohl ich jetzt – unabhängig vom Termin – geil auf den Hubschrauber geworden bin, musste ich mich zurücknehmen.

Es kam dafür schlimmer. Ich setzte mich sofort ins Auto, fuhr zur Tankstelle, tankte, kaufte 6 Dosen Red Bull und raste wie ein Henker nach Bremen.

Geschwindigkeitsbegrenzungen? Hielt ich nur dort ein, wo Gefahr für andere bestand. Denn für ein indisches Essen riskiere ich keine Toten. Aber ansonsten, auf freier breiter Strecke? Gern kurz unter Lichtgeschwindigkeit.

Das meiste war ohnehin Autobahn und ich war um 17:50 (oder 55) in dem Hotelrestaurant, wo wir uns verabredet hatten.

Der Kellner dort wusste Bescheid. Er gab mir einen Tisch, ein großes Glas Bier und die Auskunft, dass sich mein Geschäftspartner um eine Stunde verspäten würde.

Ich war wütend und fragte, warum er mich nicht angerufen hat? Ich war auch im Auto erreichbar. Der Kellner zuckte mit den Schultern und meinte, er wohnt ja hier im Hotel und muss sowieso kommen.

 

Typisch Manager…

…dachte ich. Und hungrig war ich auch. Als mehr als eine Stunde um, und es bereits 19:15 war, rief ich den Inder an, konnte ihn aber selber nicht erreichen.

Image by kumar_n2008 (kumar2008)

Der Kellner wusste auch nichts. Woher auch!? Der ist Kellner und kein Assistent.

Dann rief ich „den anderen Inder“, also meinen Bekannten, an. Der wiederum meinte nur, ich solle Geduld haben, der Boss kommt bestimmt.

Er weiter. „Vielleicht ist er in einem Funkloch. Oder er steckt in einer Konferenz oder im Verkehr fest.“

Mir überkam so langsam der Eindruck, der meint den Verkehr von Mumbai.

 

Hier kommt Ranjid

Ich sagte mir, wenn Ranjid* bis 20:00 Uhr nicht kommt, bestelle ich was zu Fressen, bevor ich noch den Kellner verspeise. Dann fahr ich wieder zurück.

Vielleicht konnte Ranjid ja nur keine Rikscha finden, die ihn zurück zum Hotel schleppt. Wer weiß….

Es wurde schließlich 20:00 Uhr und ich wollte gerade mein Riesenschnitzel bestellen, da kam Ranjid. Und zwar auf die Sekunde genau zwei Stunden zu spät.

 

Ranjid macht sich nackig

Nach einer kurzen Begrüßung sagte Ranjid, dass er 45 Minuten Zeit habe (kenne ich schon). Und er bat mich, ihm in sein Hotelzimmer zu begleiten. Ich fragte, warum wir nicht erst mal was Essen. Er meinte, er hat gerade gegessen und wäre satt. (Ist das Verhandlungstaktik oder was!?) Außerdem hat er noch Unterlagen im Zimmer, die er mir besser dort zeigen könne.

Meinetwegen, dachte ich, dann esse ich eben danach und zahle selber. Ist immer noch billiger als ein verdammter Hubschrauber.

Das Gespräch begann mit den bekannten Fakten und einigen Fragen, die man so fragt. Aber jedes Mal, wenn ich redete, zog der Indische Boss ein Stück seiner Klamotten aus. Es war wie eine Art Frage-Antwort-Striptease. Ich ahnte schon (und fand es später heraus), dass er nicht schwul war. Sondern eine familiäre Atmosphäre aufbauen wollte.

Das heißt, wenn ein hochrangiger Inder, in diesem Fall Ranjid aus Mumbai, sich im Gespräch mit Fremden (mich) entkleidet, will er Spannungen abbauen, die durch eine womögliche Verärgerung (wegen Zuspätkommens seinerseits) beim anderen entstanden sein könnte.

Ich meine, wenn ich fast verhungere und sich statt einem Schnitzel auf einen Teller, ein fremder, älterer Kerl in einem Hotelzimmer vor mir entkleidet, dann bauen sich bei mir ganz sicher keine Spannungen ab, sondern auf.

Aber das ist halt die andere Kultur. Da muss man sich anpassen. Und das kann man auch ohne konformistisch zu sein.

Außerdem wusste ich in dem Moment oben im Hotelzimmer, dass ich was zu erzählen habe, wenn ich meine Kumpels treffe. Ich sah es positiv. Denn ich war gewissermaßen in Regionen vorgedrungen, die nie deutscher Mensch zuvor gesehen hat. Und darüber kann man berichten und lachen.

Zurück zu Ranjid oben im Hotelzimmer. Er zog sich nicht völlig nackt aus. (Da hätte ich jeden Vertrag unterschrieben, um da schnell wieder weg zu kommen.)

Das wichtigste behielt er an. Schließlich dauerte das Gespräch statt 45 Minuten weit über zwei Stunden. Einen Monat später wurde der Deal mit der Berliner Firma, nach einem weiteren Treffen mit allen Beteiligten in Berlin, offiziell.

(Nein, da war keiner nackt.)

Ehrlich, ich habe schon Sachen an einem Tag getan und erlebt, die manch anderer in seinem ganzen Leben nicht tut oder erlebt. So macht man schnell Erfahrungen im kurzen Leben. Das ist schlussendlich gut so. Und oft hat man was, worüber man später lachen kann.

In jener Nacht bin nicht ganz so hungrig wieder nach hause gefahren. Unterwegs auf einer Tankstelle habe ich mir nämlich eine Wurst gekauft. Indem Moment wurde mir aber klar, dass ich mit solchen ‚Geschäften‘ langsam aufhören musste. Allein wegen dem Aufwand. Und dieser Bilder im Kopf.

[Für diesen Beitrag wurden keine Inder oder Kellner missbraucht.]

*) Namen geändert

Der Vollkipper

Ein Bild aus den ersten Tagen meiner Kneipe. Doris (neben mir) war als einzige von allen Mitarbeitern vom ersten bis zum letzten Tag mit dabei. (Foto privat.)

Bevor ich 1994 meine erste und einzige Bar eröffnete, folgte ich den Rat von Anderen und habe für ein Vierteljahr als eine Art Praktikant, besser Hilfskellner, im Restaurant eines Bekannten gearbeitet.

Einer meiner Ratgeber arbeitete selber dort als Kellner und führte mich – wie es schien – in die Geheimnisse der Gastronomie ein.

Sinn und Zweck dieser Buckelei war, dass ich Erfahrungen sammeln sollte. Ich hörte darauf.

Als ich meine Bar dann eröffnete, war alles anders. Denn es gibt schon rein wegen der Logik Unterschiede zwischen einem großen Hotelrestaurant und einer Kneipe, die eher den legeren Umgang pflegt.

Den Unterschied zwischen zwei Betrieben innerhalb der selben Branche zu „erfahren“ war meine Haupterfahrung. Und weniger das Erlernen und Umsetzen von Vorschriften eins zu eins.

Natürlich kamen in den ersten Tagen und Wochen auch meine professionellen Ex-Kollegen aus dem Restaurant und meinten mir Ratschläge geben zu müssen. Ich hörte genau hin, denn in so Sachen wie „man eine Kaffetasse richtig anfässt“ oder wie „man an den Gast herantritt“ kannten die sich aus. Und ich nahm deren Ratschlag erstmal an.

 

Schnell platze mir der Kragen

Zwei, drei oder vier Tips sind genug. Aber um „Deutschland sucht den Superkellner“ vor allen Gästen vorzuführen habe ich den Laden nicht eröffnet. Ich hab die Besserwisser rausgeschmissen, einen davon Hausverbot erteilt, einen Partner gefeuert und ausbezahlt und den Laden so betrieben, dass ich auch selber Spaß daran haben konnte.

Der Spaß hat sich dann auch auf die Gäste übertragen. Und eben diese Gäste waren es, die mir dann die guten Tips gaben. Tips, die gut für die Gäste waren und weniger für die Profi-Kellner, also die Experten.

Die Gäste sahen meinen Laden und meine Mitarbeiter aus ihrer Sicht und haben damit recht, wenn sie etwas sagen oder einen Hinweis geben. Ohne überheblich zu wirken wie meine Experten zuvor, halfen sie mir, das gewisse Etwas in die Bar zu bringen.

Egal, ob es ein Angebot war, die Musik oder das Verhalten eines Mitarbeiters. Was nicht stimmte, flog raus, wurde ersetzt oder verändert. Was gefragt war, kam neu dazu. Den einen Tag dies, den anderen Tag das. Immer wieder ein bisschen. Kein Tag war wie der andere. Beispiel:

 

Ein bisschen hier, ein bisschen da

Bei jedem „bisschen“ war die Stelle entscheidend, wo es statt fand und wie es statt fand. Also direkt beim Gast und wie es bei ihm ankam, was ich tat.

Als einer mal Bourbon bestellte, sah er wie ich akribisch und langsam mit dem Messbecher die Gläser befüllte.

Er sagte, „Lutz, nimm die Pulle, kipp das Zeug einfach rein, am besten immer sichtbar mehr. Das macht einen guten Eindruck. Glaub mir.“ Ich war sofort überzeugt und machte es nie wieder mit dem Messbecher. Ich hatte mehr als genug daran verdient. Am Ende mehr als zuvor.

Wenn jemand Cola oder Wasser bestellte, gab es ein kostenloses Nachfüllen. Bei Ausländern kam ohne zu fragen immer Eis rein. Und bei einheimischen Gästen fragte ich, ob sie Eis wollten, dann bekamen sie ein größeres Glas als bestellt war. Denn wegen dem Eis war weniger „Getränk“ darin, was wiederum zu einer typisch deutschen Beschwerde führte.

Vor allem aber bezeichnete ich mich selbst manchmal als den „Vollkipper“. Denn bei mir bekam jeder Gast immer mehr in sein Glas eingeschenkt als bei den anderen Kneipern. Die Getränke bei mir waren richtig gekühlt, sogar die Weine entsprechend der Sorten. Die Auswahl war größer und der Kneiper samt Mitarbeiter unterhaltsamer, herzlicher.

Das und solche Sachen sprachen sich herum. So bekam ich genau die Gäste, die ich wollte.

Das Prinzip lässt sich auf alle Bereiche des Lebens übertragen. Nicht nur im Geschäft.

Wenn man ein bisschen freundlicher,

ein bisschen großzügiger,

ein bisschen hilfsbereiter,

ein bisschen freizügiger,

ein bisschen schrulliger,

ein bisschen verrückter,

ein bisschen gewagter,

ein bisschen lustiger,

ein bisschen offener,

ein bisschen bunter ist, bekommt man später von Vielen wieder ein bisschen zurück. Ein bisschen von Vielen ist… viel.

 

Kunden zuerst, KUNDEN ZUERST!

Original image by Rita Willaert, CC BY 2.0

Wer im Internet oder in sozialen Medien in Großbuchstaben schreibt, der schreit und brüllt. Nein, so jemand hat sich nicht im Griff, das gebührt sich nicht. Und ja, ich habe mich diesmal nicht im Griff. Denn ich hab die Faxen dicke.

Mal ehrlich, hast du Lust bei jemanden zu kaufen, zu lesen oder zuzuschauen, dem du als Kunde, Leser oder Zuschauer scheiß egal bist? Oder hast du Lust darauf, nach einer Abzocke oder einer berechtigten Reklamation auf arrogantes Getue oder taube Ohren zu stoßen, oder mit Ausreden oder verallgemeinernden Textbausteinen abgefertigt zu werden?

Nein? Gott sei Dank.

 

Elitäre Überheblichkeit

Wir wissen nicht erst seit der erfolgreichen Beweisführung von Präsident Evil, der mich zur Überschrift verleitet hat, dass elitäre Augen blind und elitäre Ohren taub für die Bedürfnisse und Nöte bestimmter Leute sind. Leute, von denen sie abhängen.

Und wir müssen ab jetzt auch keine vergilbte Watte als Kopfschmuck tragen und Luftakkordion spielen, um unseren Frust Ausdruck zu verleihen.

Aber wir können als Kunden, Leser oder Publikum genau überlegen und genau entscheiden, wen wir unser Geld geben, wen wir kommentieren und wen wir unterstützen.

Einen Kommentar auf einem sozialen Medium (z.B. Blog) zu hinterlassen braucht ein paar Minuten unserer Zeit (Beitrag lesen, Kommentar ausdenken, Kommentar schreiben).

Und wie wir wissen, ist Zeit Geld. Unser Geld. Also Geld wofür wir unsere Lebenszeit aufgewendet haben, um es zu verdienen. Das rücken wir deshalb nicht so leichtfertig raus. Sollte man meinen.

 

Das Opfer verliebt sich in seinen Peiniger

Oder das Opfer kann nicht von ihm ablassen. Bekannt ist das Beispiel vom Mann, der täglich besoffen seine Frau schlägt, die aber bei ihm bleibt, statt sich zu trennen, die ihre Klappe hält anstatt Hilfe zu suchen.

Leute wie dieser Mann und diese Frau gibt es leider auch oft als Anbieter und Kunde.

Kunden werden zu Profitcentern und damit zu Opfern ihrer Profiteure. Jene sind Anbieter von Produkten, Diensten oder Medieninhalten mit Kommentarfunktion (Online-Zeitung, Blogs, FB-Posts etc.), die ihre Kunden, Leser oder Follower nicht wertschätzen. Warum?

Weil die sie ignorieren, für gegeben hinnehmen, oder sagen wir ‚übersehen‘.

Ich habe sehr oft den Eindruck, das Verkäufer im Einzelhandel (oder deren Bosse), Blogger oder Redaktionen es nicht für nötig halten, mit dem Kunden, Besucher, Leser auf Augenhöhe zu kommunizieren. Besonders nach dem ‚konsumieren‘ des jeweiligen Angebots.

 

Ein Beispiel, das ich miterlebt habe:

Mit der Lustlosigkeit eines genervten Dorfdoktors beantwortet der Inhaber eines Spirituosengeschäftes sehr einfache und nett gestellte Fragen. Und zwar, Sekunden nachdem ein Bekannter von mir bereits zwei teure Superpullen dort gekauft hatte. Er war nämlich bereit, dort noch mehr, also noch zusätzlich über – Halleluja – 800 Euro für edlen Stoff auszugeben.

Vielleicht stand der Ladenbesitzer unter Schock, weil er einen Kunden (Ausländischer Tourist) hatte, der sich das Zeug auch leisten kann.

 

Noch ein Beispiel:

Mit der ausdruckslosen Art eines Patentanwalts auf Valium leiert der Nordamerika-Chef eines hochpreisigen Motorradherstellers, also eines sehr emotionalen Produktes, die längst bekannten Fakten immer und immer wieder runter, während er – Halleluja – neben Jay Leno steht, der selber genervt, einfach den Motor startet und Gas gibt.

Womöglich war der Boss deshalb so dröge, weil man bei Ducati davon ausgeht, dass das Bike von Anwälten gekauft wird?

 

Und noch ein Beispiel:

Ein weiterer Bekannter kaufte sich einen neuen VW für 35 Mille. Dann fängt der Motor beim Beschleunigen an zu zwitschern wie ein notgeiler Buchfink. Der Meister der Fachwerkstatt jenes Händlers hatte zuerst keine Ahnung, danach keine funktionieren Ersatzteile und zum Schluss keine Lust mehr auf den Kunden.

Vielleicht hat man damals bei VW den Begriff Twitterfunktion noch irgendwie falsch verstanden.

 

Und noch ein paar Beispiele, wie man sie überall sieht:

Ein Blogger hat es weit gebracht, denn er bekommt im Schnitt sagenhafte 5 echte, interessierte Kommentare pro Beitrag.

Die er aber nicht beantwortet. Wenn ich das irgendwo sehe, dann lese ich den Beitrag nicht. Da ist mir jemand lieber, bei den man – aus genau definierten Gründen – nicht kommentieren kann. Vielleicht halten sich diese Blogger für Ernest Hemmingway. Der antwortet ja auch nicht mehr. Weil er tot ist.

Eine Stufe tiefer gibt es Blogger, die wohlwollende Emails nicht beantworten. Denen sollte man den Onlinezugang sperren und jedes Mal einen Stromschlag verpassen, wenn sie die Tastatur berühren.

Die (noch) etablierten (aber untergehenden) Medien sind da frecher. Die haben sich selbst überhöhende, aber gut bezahlte Schreiberlinge, die mehr grobe Fehler, unverständlichen Quark, Langeweile und Falschaussagen in einem Beitrag hineintippen als ich in diesem ganzen Blog bisher.

Dann kommentiert mal ein freundlicher Leser und weist auf die belegbaren Fehler hin und was passiert? Nichts. Auch nicht nach Jahren.

Die verantwortlichen Redakteure gehören gefeuert. Danach können sie sich wieder hinlegen.

 

Kaufe nicht beim Ignoranten

Bevor ich hier noch einen Tobsuchtsanfall kriege (das überlasse ich Schack-Elstern und dem US-Präsidenten), stoppe ich hier meine Aufzählung von Beispielen.

Statt dessen empfehle ich dir etwas, das garantiert gut für dich ist:

Gib dein Geld dort aus, wo du nicht einfach nur eine Ware bekommst. Kommentiere dort, wo du eine (ehrliche) Antwort bekommst. Und unterstütze diejenigen, wo du ahnst, dass sie im Erfolgsfalle nicht völlig abheben und noch ganz genau wissen, wer sie dort hin gebracht hat.

Andersrum: Hast du etwas anzubieten, dann weißt du, was du zu tun hast. Enttäusche nie einen Kunden, Leser oder Unterstützer. Lass ihn oder sie niemals hängen.

Exotensteuer…

…ist, wenn du ein neues Motorrad kaufen willst, es aber eine Moto Morini sein soll, weil du das Besondere wertschätzt. Dann musst du nach Bayern fahren, denn dort ist der nächste Händler, die nächste Vertragswerkstatt. Morini ist nicht teurer als vergleichbare Italo-Bikes von größeren Herstellern. Aber erheblich exklusiver. Und lauter.

…ist, wenn du dein Gemüse selbst anbaust, selber verarbeitest und selber zubereitest, weil du wissen willst, was du isst und natürlichen, unverfälschten Geschmack bevorzugst. Und weil du die Frische, die Nährstoffe oder die volle Dröhnung haben willst.

…ist, wenn du allein dorthin fährst, urlaubst, dich kreativ inspirierst oder arbeitest, wo keiner deine Sprache spricht und du deren Sprache erst erlernen musst. Tschechien zum Beispiel ist zauberhaft und preiswert.

…ist, dass du lange warten, vielleicht Beziehungen spielen lassen und dann noch freundlich sein musst, um im Restaurant Le Jules Verne einen Tisch zu bekommen. Der Preis geht dann unter ‚ferner liefen‘. Und ein Flug nach Paris ist dafür billig.

 

Suche dir mal einen Exoten, dessen Steuer du nur zu gern zahlen würdest

Der Morini-Besitzer liebt es Alpenpässe zu durchfahren. Bayern liegt da nahe.

Der Gemüse-Selbstversoger liebt Gartenarbeit, kocht gern und er verwöhnt gern andere.

Image by Tereza Špacírová

Der Tschechien-Reisende trinkt gern Bier. Und er weiß, Tschechen und Bier gehen gut zusammen. Da fließt es nicht nur reichlich, es redet sich auch fließender. Verständlich.

Derjenige, der zum Schlemmen nach Paris fliegt, ist nicht nur Genießer und Weltbürger. Er liebt es, mit außergewöhnlichen Arrangements sich selbst und andere zu überraschen. Er beeindruckt gern (die richtige Person) und das gelingt ihm damit.

Die Exotensteuer ist meiner Meinung nach intelligenter, interessanter und herausfordernder als ein rein hoher Preis in Euros oder eine Steuer, wie sie das Finanzamt erhebt.

Die Exotensteuer ist eher eine interessante Schwierigkeit, eine Übung als ein Preis, die den Zugang zum Exotischen nicht nur limitiert. Sondern dich zusätzlich bereichert und zum erlebnisreichen, abenteurlichen, erkenntnisreichen, freundschaftlichen oder einfach exklusiven Teil dessen werden lässt.

Eine Exotensteuer zahlt man freiwillig und mit voller Absicht. Dabei wird sie weder ausgewiesen noch irgendwie erstattet. Und wenn sie anfällt, dann nicht unbedingt in finanzieller Form. Sondern sie kommt als Hindernis. Öfter aber als verkleideter Mehrwert, als schöner Teil des Ganzen.

Der Mäuserich

Image by British Pest Control Association/CC BY 2.0

Ich machte erst neulich, also vor 15 Jahren, als Designer/Consultant/Lehrer oder was auch immer, meine üblichen Kaltaquisen* per Telefon.

Da hatte ich beispielsweise den Geschäftsführer einer Berliner Ingenieursfirma am Apparat. Als Ingenieur rief ich dort auch an.

Dann im Laufe des Gespräches entstand bei mir im Kopf ein Bild von dem Mann am anderen Ende.

Ich stellte mir irgendwas zwischen dem mittelalten Bud Spencer und John Wayne vor.

 

Nicht unsympathisch…

…aber scheinbar ein sehr selbstbewusster Bär von einem Mann. Ein echter Haudegen eben, so hörte es sich an. Zumindest am Telefon.

Seine Ausdrucksweise und vor allem die gewaltige Stimme sagten mir, der Mann ist ein harter Hund. Seine Stimme war so laut, dass ich bei jedem Wortanfang ein Rückschlag in meiner Hand hatte. Es war angenehmer, den Hörer eine Armlänge vom Ohr entfernt zu halten.

Wir verstanden uns ganz gut, denn ich stellte meine Stimme auf seine ein, was scheinbar Wirkung zeigte. Er lud mich zu einer Tasse Kaffee ein. Und es hätte mich nicht gewundert, wenn er statt „Tasse Kaffee“ Flasche Whiskey gesagt hätte.

Als ich dann hinfuhr und an dem massiven, rustikalen Gebäudekomplex angekommen war, bestätigte das meinen Eindruck.

Das Firmenlogo, die Einrichtung, alles wirkte irgendwie deftig. Selbst die Leute, wahrscheinlich die Belegschaft, egal ob Frauen oder Männer, waren große, stämmige Bauarbeiter-Typen. Alles passte und von daher wusste ich, was mich erwartete.

Und so plusterte ich mich auf, um bei der ersten Begegnung nicht zu ’schwächlich‘ zu wirken. (Was ich eh nicht tue, aber man weiß ja nie.)

Die Sekretärin brachte mich ins riesige Büro des Geschäftsführers. Es roch verqualmt. Schwere Ledersessel und rustikale Möbel prägten das Bild. Sogar eine Bar konnte ich entdecken. Aber keinen Geschäftsführer.

Die Sekretärin sagte jedenfalls nicht, dass er nicht da wäre.

So drehte ich mich nochmal um, zu fragen, ob ich hier auf ihn warten solle. Ich wollte gerade losreden, da hörte ich die voluminöse Stimme mit der Wucht eines mittleren Erdbebens….

 

Aha, der Geschäftsführer

Das einzig komische war, ich konnte ihn immer noch nicht entdecken.

Aber hören konnte ich ihn. Zumindest bis ich bemerkte, dass er 7 Meter vor mir in einen dieser Sessel saß. Eigentlich hatte er darin bereits gestanden.

Der Mann war höchstens 1,46m groß, sehr kompakt, fast schon zierlich. Eine Maus von einem Mann. Und das bei der Stimme und Sprechweise eines angetrunkenen Bauleiters.

Rein optisch war er mindestens 120 Jahre alt und reichlich wettergegerbt von der Baustelle. Das erklärt vielleicht seinen sonoren Sound.

 

Yoda Elvis

Der sah irgendwie aus wie Yoda mit Elvis-Tolle. Nur die behaarten Ohren waren noch größer. (Ich habe gehört, die wachsen bei alten Leuten immer weiter.) Seine Lauscher schienen auch irgendwie mit den seitlichen grau-melierten Haaren verwachsen zu sein. Zusammen mit seinen überlangen Schneidezähnen wirkte er dadurch noch mehr wie ein Riesennager. Es fehlte – sag‘ ich jetzt mal – nur noch ein Schwanz, der seine Körperlänge verdoppelt hätte.

Seine dünnen Beine konnten das Körpergewicht von geschätzten 35kg wohl gerade so halten, ohne umzuknicken.

Mein erster Gedanke: „Mit dem Whiskey wird das heute nichts mehr. Aber wenn ich ihm ein Stück Käse mitgebracht hätte, würde ich ihn nicht nur milde stimmen. Er würde auch wieder zu Kräften kommen.“

Aber es gab Kaffee und einen Auftrag für mich. Er bot sein Team zur Unterstützung an. Instinktive wollte ich sagen: „Ich arbeite nur allein.“ Aber ich willigte ein.

 

Im Grunde genommen war es das schon

Aber mal unter uns: Es war eine nette Begegnung und Bekanntschaft. Der Mann ist heutzutage schon Rentner und ich fand ihn interessant.

Aber wenn ich mir vorher – vielleicht auf einer Website – nur ein Bild von ihm gesehen hätte, wäre ich vielleicht anders, mit einer völlig anderen Vorstellung an ihn herangegangen.

Ich hätte mir eher darüber Gedanken gemacht, wie ich möglichst wenig groß, im Sinne von „bedrohlich“, auf ihn wirke. Oder wie ich ihn wieder aus meiner Nase ziehe, falls ich mal zu tief Luft hole.

Es ging mir ja nur um Aufträge, egal wie mein potentieller Auftraggeber aussieht. Obwohl… manchmal kann man Leute genau damit von sich abbringen, indem man mit ihnen übertrieben vorsichtig ist.

Denn nicht wie die Leute wirklich sind, ist ausschlaggebend dafür, ob wir mit ihnen können oder nicht. Sondern wie unsere Sichtweise, Weltbild oder Vorurteil von denen aussieht. Passt unser ‚Vorurteil‘ zu dem Charakter des Gegenüber, dann wird auch alles andere passen, das heißt man versteht sich auf Augenhöhe.

Ich habe vor dem hier genannten Geschäftsführer den ’starken Anpacker‘ gegeben. Warum? Weil ich aufgrund seiner Art bereits am Telefon genau so jemanden mir gegenüber erwartet habe. Das hat geholfen. Weil er selber so jemand war. Und so jemanden haben wollte.

Gut, dass ich ihn vorher nicht gesehen habe.

Mal ganz ehrlich, „die Stimme am Telefon“ habe ich ernst genommen. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob ich ihn genauso ernst genommen hätte, wenn ich ihn zuerst nur auf einem Bild gesehen hätte.

Erste Eindrücke bestimmen unser Leben. Manchmal, also in entscheidenen Momenten, sind sie sogar richtig.

*) „Kaltaquise“ heißt ‚Klinken putzen‘ per Telefon, also fremde Leute (Firmen) anrufen, um ihnen die eignen Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen.

Prosit Neujahrs-Blues

Image by Tony Woods

Januar, Jänner oder Jammer. Es macht keinen Unterschied und ist alles dasselbe. Der erste Monat im Jahr ist eine Art Polarmontag, vergleichbar mit der Polarnacht in Skandinavien. Beides bringt eine gewisse, trübe, Stimmung mit sich.

Einige von uns sind faul, fett, versoffen oder bequem geworden. Und das Wetter ist auch noch unschön. Und einige sind noch nicht freiwillig im Januar angekommen, weil sie noch den 32. Dezember feiern. Die wollen gar keinen Januar. Und richtige Suffköppe kennen keinen Januar.

Und den Frauen passen ihre erst zu Weihnachten neu geschenkten oder gekauften Klamotten schon jetzt nicht mehr. Das will kein Mann miterleben.

 

Post Holiday Syndrome

Das Beste ist natürlich, wenn man erst gar keine Feiertage, keine zu langen Pausen oder Orgien (Urlaube, Dauerparties, Dauerglotzen, Sauftouren, Facebooking, Tweeting, Festivals, Supersausen und Oktoberfeste) durchleben muss.

Aber wer macht das schon? Wer verzichtet schon auf Feiertage und Genüsse? Nicht mal die Mönche halten sich da zurück.

Für die, die sich und die Feiertage hart verlebt haben, gibt es drei Methoden, um sich wieder fit zu kriegen. Und zwar durch Tricksen, Planen oder Trumpen. Dabei kommt es ganz auf deinen Typ an, welche Methode wirkt und welche nicht.

 

Tricksen

Sei genervt von den ganzen Feiertagen. Und zwar vor, während und danach. Fühl dich befreit von den ganzen Feiertagsstress. Sei froh, dass die Festtags-Hölle endlich überstanden ist.

Nimm das neue Jahr als Chance deines Lebens. Als Chance für einen Neubeginn oder Wechsel (Job, Partner, Ort, Politik, Geschlecht).

 

Planen

Damit meine ich die nächste Sause planen, den Einkauf von Getränken koordinieren und eine Roadmap für Kneipentouren erstellen. Jetzt gerade haben wir ja noch frisch im Kopf, wie der Hase torkelt und was zu verbessern wäre. Wir sind ja noch im Flow. Und Flow heißt Fluss, der Fluss von Alkohol.

Plane mindestens für jedes Januar-Wochenende eine Party. Allein die Planung, der Gedanke daran und die Vorfreude machen dich schon glücklich.

 

Trumpen

Jetzt kommen wir zum ultimativen Killer gegen den Neujahrs-Blues. Frei nach dem Motto: Vegetierst du noch oder trumpst du schon?

Man muss wissen: Die schwerste Zeit hält an bis zum 20. Januar. Danach geht vieles besser. Aber warte nicht erst bis es soweit ist. Sonst wirkt die Trumpe nicht richtig

Erkläre dich sofort zur unschlagbaren Weltspitze. Echte Profis kommen schon unschlagbar zur Welt. Gleichzeitig musst du schnell alle guten Vorsätze für Schwachsinn erklären und über Board werfen.

Dann ersetze die guten alten Vorsätze durch schwachsinnige. Das verwirrt die Leute und der einzige, der jetzt klar sieht, bist du. Beispiele?

Fang an zu rauchen. Rauche überall. Falls du schon rauchst, musst du den Konsum massiv ausbauen und stärkere Sorten anschaffen. (Wozu gibt’s denn Zigaretten überhaupt zu kaufen?) Probiere zusätzlich noch Dope und kaufe möglichst auf Vorrat.

Spritze, kokse und bringe es auch anderen bei. Versuche damit zu handeln. Und besorge dir Waffen, damit es einfacher geht. Einen Waffenschein bekommst du beim örtlichen Schützenverein. (Bring ein Geschenk mit.)

Fang an zu Trinken. Falls du schon trinkst (Motto: Trinkst du noch oder säufst du schon?), dann gehe über zum Saufen. Das beschleunigt die Zeit bis zur nächsten Sause.

Fahre mehr Auto. Busse und Bahnen sind für Loser und helfen beim Neujahrs-Blues nicht unbedingt weiter. Verkaufe dein Fahrrad an jemanden, den du nicht leiden kannst und hör auf, zu Fuß durch die Gegend zu latschen.

Autos sind komfortabler, sind standesgemäßer. Und sie sind gut für deine Psyche: Um den Klimawandel brauchst du dir keine Sorgen mehr zu machen. Den haben die Chinesen erfunden, um die Amis zu ärgern.

Gib mehr Geld aus. Du hast dir vorgenommen zu sparen? Kannst du trotzdem noch, aber an anderer Stelle (Kinder, Frau, weitere Bedürftige, Gesundheit). Besorge dir lieber einen vernünftigen Wagen, mindestens 5 Meter, mindestens acht Töppe. Trinke nur den guten Stoff. Und hab auch was für Frauen übrig, also Nutten.

Umgib dich mit zwielichtigen Gestalten, um Eindruck zu schinden. Wer mit harten und schweren Jungs rumhängt, wird selbst zu einem und verschafft sich Respekt.

Gehe auf Rachefeldzug. (Motto: Grollst du noch oder rächst du schon?) Das ist eine der besten Arten, sein Leben zu verbringen und sich selbst einen Gefallen zu tun. Überlege, wer dich in der Vergangenheit mal nicht geholfen hat und nehme davon fünf Personen, die du es so richtig heimzahlen willst. Warum? Rache ist süß. Und du liebst doch süßes, oder?

Falls andere noch Rechnungen bei dir offen haben, prelle sie, weil du dich betrogen fühlst. (Du brauchst jetzt dein Geld für wichtigeres wie Außenwirkung.) Wenn hier jemand noch eine Rechnung offen hat, dann bist du das.

Richte einen Twitter-Account ein und motze über alles rum, was nicht in dein Weltbild passt. Tue es am besten um 3 Uhr morgens. Erstens stört dich dann keiner. Und Zweitens staunt jeder, wie früh du schon in Gange bist. Und noch was: Bedanke dich ab und zu bei dir selbst, damit jeder lesen kann, wie großzügig du bist.

Gucke mehr Fernsehen. Wer Fernsehen guckt, der weiß über alles bescheid.

Kurz: Schluß mit der kleinlauten Bescheidenheit. Großspurig und gönnerhaft lebt es sich besser. Und Party ist jetzt jeden Tag.

/Ironie [Lila ist Ironie]

Wie du deine Kreativität entflammst, indem du Chaos stiftest

Original image by Jazz Guy

„Ordnung ist für gewöhnliche Menschen, das Genie beherrscht das Chaos.“ — Albert Einstein.

Chaos ist bunt, frei und wechselhaft. Vor allem fördert Chaos die Kreativität.

Chaoten sind deshalb kreativ, unterhaltsam und immer interessant. Denn ihr Chaos gibt ihnen und anderen Energie, die im Wechsel wirkt.

Ordnung ist grau, einschränkend und einheitlich.

Vor allen erhält Ordnung den Staus Quo und fördert das Herabziehen von guten Leuten auf bedeutungsloses, höchstens zweitklassiges Niveau.

Ordnungsbürger sind stolz, spießig und langweilig.

Die haben in ihrem Idealfall ein Leben lang die selbe Anstellung, am besten öffentlich oder als Beamte.

 

Gewöhnliche Menschen brauchen Struktur

In D-Land sind gewöhnliche Leute sehr ordnungsliebend und daher eine zuverlässige Stütze der Machteliten.

Denn sie halten sich an alle Regeln und sorgen für ihre Einhaltung auch bei anderen.

Versteh mich jetzt nicht falsch. Gewöhnliche Menschen sind in einem durch Ordnung dominierten System keine armen Leute oder Loser.

Sie sind eher wie etablierte Kleinbürger und diejenigen, die von der herrschenden Ordnung auf bequeme Art profitieren. Sie haben oft Ermächtigungs- oder Kontrollfunktion.

Damit erhalten sie das System.

Sie kuschen nach oben und treten nach unten, hätten aber in einem Chaos vergleichbar schlechte Karten.

Viel verlieren würden sie dennoch nicht, denn Beamte und öffentlich Beschäftigte gibt es auch in weniger angepassten oder geordneten Gesellschaften. Sie verdienen nur weniger. Nicht nur Geld. Auch Respekt. Ich respektiere sie auch so schon nicht.

 

Deutschland ist ein ordentliches Land

Ordnung ist hierzulande, neben Naturanbetung (Ökoterror), Staatsreligion. Und der Begriff Ordnungspolitik kommt nicht von ungefähr. Es gibt – und das ist weltweit einmalig – sogar ein eigenes Amt dafür, das Ordnungsamt.

Und von einer Ordungsgesellschaft zu einem Polizeistaat ist es kein weiter Schritt.

Ordnung zwingt unnötige Konflikte auf.

Ordnung ist eine Zwangsstörung.

Ordnung ist deutsch.

Ordnung ist steril.

Ordnung ist tot.

 

Kein Platz für dich als Genie?

Eine gute Frage ist, was denn das Genie macht, wenn es in einem Ordnungssystem lebt. Entweder verlässt das Genie das System durch Jobwechsel, Auswandern oder Alkohol.

Oder das Genie ändert das System in dem es lebt. Nicht das gesamte System in Deutschland, um Gottes Willen. Nichts großes, aber das wesentliche, worauf es bei ihm selber ankommt.

Genies ändern nur den näheren Umstand, die eigene Teilbranche, den bisherigen Blickwinkel, das eigene Weltbild oder das Umfeld.

So gesehen ist Chaos ein kleines, helfendes Kunstwerk im Sinne des Chaoten, der es verursacht hat.

 

Kannst du das System ändern…?

…vor allem dann wenn dieses System jede geringste Störung oder Abweichung bei Strafe untersagt? Also wenn einem negative Konsequenzen drohen?

Die sozialen Strukturen in Deutschland erlauben kein Abweichen von dem, was in der Schule gelehrt wird. Und in der Schule wird jedem gelehrt, dass man das zu tun hat, was einem von oben gesagt wird. Wenn die Leute das so machen, wird ihnen beigebracht, darauf stolz zu sein. Und die Ordnung bleibt erhalten.

Um in dieser einengenden Ordnung Chaos zu schaffen, brauchst du Einfluss, auch dann, wenn er scheinbar klein ist.

 

Wie du Einfluss gewinnst

Großen Einfluss hast du schon mal auf deine Gedanken. Denn da fängt ja jedes gepflegte Chaos an. Auch deines.

Ist dir dein Einfluss aber in der Praxis zu klein, muss du ihn vollständig dazu nutzen, um auf legalem Wege maximales Chaos zu stiften. Und je mehr Chaos du verursachst, desto mehr Einfluss bekommst du. Und damit Handlungsfähigkeit.

Selbst wenn dir Konsequenzen drohen, können dir diese ‚Konsequenzen‘ innerhalb deines gemachten Chaos‘ dann überhaupt noch was anhaben? Nein, wenn eben dieses Chaos für dich beherrschbar ist. Denn kreative Chaoten sind in gewissem Sinne Herrscher. Und Herrscher sind per Definition unberührbar und einflussreich.

 

Ist Chaos überhaupt beherrschbar?

Original image by Jazz Guy

Wenn du Chaos schaffst, musst du, wie Einstein schon sagte, es auch beherrschen können.

Viele, die Chaos anrichten, können es nicht beherrschen.

Politiker sind so ein Beispiel, also Systemprofiteure.

Warum?

Spitzenbeamte denken nicht an die Konsequenzen ihrer Anordnungen und Weisungen, weil negative Folgen nur für andere gelten und nicht für sie selbst.

Das heißt, diese Leute fühlen sich nicht (wirklich) für das verantwortlich, was sie auslösen. [Oder verursachen.]

Obwohl sie es sind.

Damit ist deren Karriere-getriebene Motivation eine völlig andere als bei wirklich kreativen Geistern.

Man kann Chaos nur dann beherrschen…

…wenn man die Auswirkungen abschätzen kann und man weiß, in wessen Interesse man es tut. (Kunden, Famile, Wähler.)

Du musst von Anfang an wissen, für wen oder in wessen Interesse du das Chaos anrichtest.

Wer profitiert?

Könnte jemand verlieren?

Tut deren Verlust weh?

Kurz, du solltest überlegen, wen du mit deinem Chaos noch alles triffst.

Eines ist bei jedem Chaos sicher:

Mindestens einer ist immer involviert. Meist mehrere.

 

Es gibt einige da draußen, die dein Chaos dringend brauchen

Eine gewisse Dauerlähmung mit all ihren Auswüchsen, der ewige Bremsklotz deiner Kreativität, verschwindet aus deinem Leben. — Das ist das, was dein Chaos direkt bei dir bewirkt.

Durch dein selbst gemachtes Chaos zerstörst du die dir gegebenen Umstände, die schlecht für dich waren. Das heißt, das darauf folgende Chaos kommt nun mit hoher Wahrscheinlichkeit deinen Talenten, Absichten und Interessen mehr entgegen als alles, was davor gewesen war.

Genau deshalb kannst du es beherrschen. Und somit kann es nur besser werden. Nicht nur für dich. Auch für einige da draußen. Geniales Chaos erzeugt Resonanz.

 

Und was ist mit der Kreativität?

Die ist schon da, wenn das Chaos beginnt. Chaos zwingt zu Action. Diese Action befreit und inspiriert gleichermaßen. Ich nenne das den Chuck Norris-Effekt.

In diesem Effekt entsteht Kreativität ohne „kreativ sein zu müssen“. Sogar unabhängig von der Zeit. So erkennst du einen Sinn selbst in einem scheinbar verlorenen Tag, der bereits zurück liegt.

Kurz: Bist du heute chaotisch aktiv, dann bist du gestern schon kreativ.

 

Chaos ist Kunst

Und Kunst ist rein emotionsgetrieben. Ohne Emotionen entsteht keine Kunst. Denn Kunst ist Ausdruck von Emotionen.

Gute Kunstwerke sind vereinnahmend und transformierend wie lodernde Flammen.

Sie entflammen (inspirieren) alles brennbare (inspirierbare).

Brauchst du Feuer?